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1. Überblick

Der Begriff Reizdarm, fachlich «Reizdarmsyndrom (RDS)», steht für eine sehr häufige Erkrankung des Verdauungstrakts. Ein Reizdarm führt zu einer Reihe unterschiedlicher, immer wiederkehrender Beschwerden, die über lange Zeit in ähnlicher Form auftreten.

Typisch für einen Reizdarm sind:

 

Doch nicht jeder Mensch mit Reizdarm leidet unter den gleichen Beschwerden: Die Symptome sind vielfältig. Nachts verursacht ein Reizdarmsyndrom äusserst selten Symptome. Dies unterscheidet es zum Beispiel von entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn.

Viele Menschen, die an einem Reizdarmsyndrom leiden, verspüren die unangenehmen und oft lästigen Beschwerden nur gelegentlich oder in besonderen Situationen (etwa bei oder nach Stress und Ärger). Einige Menschen mit Reizdarm haben allerdings ständig Symptome – Betroffene fühlen sich dann in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt.

Häufig vermuten Menschen mit Reizdarm eine schwere Erkrankung hinter ihren Beschwerden. Doch die Beschwerden beim Reizdarmsyndrom sind zwar unangenehm, in aller Regel aber harmlos.

Den für den Reizdarm typischen Beschwerden können Verdauungsstörungen zugrunde liegen – oft ist der Nahrungstransport im Dickdarm (Kolon) gestört. Die Bezeichnung Reizkolon (Engl.: Irritable Bowel Syndrome) trägt dem Rechnung. Aber auch der gesamte Verdauungstrakt einschliesslich Dünndarm und Magen kann betroffen sein.

Was genau zu einem Reizdarm führt, ist bisher unbekannt. Die Behandlung richtet sich daher im Allgemeinen nach den individuellen Beschwerden – eine gezielte Therapie gegen das Reizdarmsyndrom, welche die Ursache beseitigt, gibt es bisher nicht.

Einfache Massnahmen helfen Ihnen, Ihren Reizdarm gut zu kontrollieren. Dazu zählen:

  • eine ausgewogene, für Sie gut verträgliche Ernährung
  • das Vermeiden von Stress
  • Bewegung
  • Entspannungstraining

So lassen sich die verschiedenen Symptome häufig lindern und der Reizdarm macht sich nicht mehr oder nur deutlich schwächer bemerkbar. Unterschiedliche Medikamente können die jeweils vorherrschenden Beschwerden lindern, in manchen Fällen eignet sich ergänzend auch eine psychotherapeutische Behandlung gegen das Reizdarmsyndrom.

2. Definition

Unter dem Begriff Reizdarm verstehen Ärzte eine funktionelle Störung des Verdauungstrakts. Funktionell bedeutet, dass die Funktion eines Organs beeinträchtigt ist, sich aber keine erkennbare Ursache an dem Organ finden lässt, welche die Beschwerden erklären könnte. So ergibt etwa eine Darmspiegelung beim Reizdarm keinen krankhaften Befund – eine Entzündung oder anderweitig verändertes Gewebe (z.B. ein gut- oder bösartiger Tumor) liegen nicht vor.

Auch Laboruntersuchungen sind bei Menschen mit Reizdarmsyndrom (RDS) unauffällig. In einigen Fällen dauert es eine gewisse Zeit, bis sich tatsächlich herausstellt, dass eine funktionelle Störung hinter den Symptomen steckt. Es empfiehlt sich daher, etwas Geduld mitzubringen und eng mit dem Arzt zusammenzuarbeiten.

Laut Definition handelt es sich um einen Reizdarm, wenn folgende drei Punkte erfüllt sind:

  1. Die Beschwerden (z.B. Bauchschmerzen, Blähungen) bestehen seit mindestens drei Monaten und gehen meist mit einem veränderten Stuhlgang einher.
  2. Die Beschwerden sind der Auslöser dafür, dass der Betroffene einen Arzt aufsucht. Die Lebensqualität leidet unter den Symptomen.
  3. Die Symptome sind nicht die Folge organischer Veränderungen, die für andere Krankheiten typisch sind.

In der Fachsprache heisst das Reizdarmsyndrom auch Colon irritable, irritables Kolon oder Reizkolon. Der englische Fachbegriff lautet: Irritable Bowel Syndrome.

Abhängig davon, welche Verdauungsstörung überwiegt, unterscheiden Ärzte drei Typen oder Untergruppen des Reizdarms:

  • Durchfall steht im Vordergrund: 1/3 der Fälle
  • Verstopfung steht im Vordergrund: 1/3 der Fälle
  • gemischt bzw. wechselnd: 1/3 der Fälle

Beim Reizdarm-Syndrom treten nachts in der Regel keine Beschwerden auf. Die Betroffenen wachen beispielsweise nicht auf, etwa weil sie Durchfall haben. Auch dies unterscheidet den Reizdarm von entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa, die durchaus auch nachts zu Beschwerden führen.

Häufigkeit

Das Reizdarmsyndrom kommt in allen Altersklassen vor. Schätzungsweise sind in Europa zwischen 20 und 30 Prozent der Bevölkerung vom Reizdarm betroffen – Frauen häufiger als Männer. Im zweiten und dritten Lebensjahrzehnt leiden doppelt so viele Frauen wie Männer am Reizdarm. Schätzungen zufolge hat jeder zweite Mensch, der über Magen-Darm-Beschwerden klagt, ein Reizdarmsyndrom.

3. Ursachen

Für einen Reizdarm sind die genauen Ursachen bisher nicht geklärt. Es handelt sich um eine funktionelle Erkrankung. Hierbei lässt sich keine körperliche Ursache für die Beschwerden finden. Bestimmte Abläufe im Verdauungssystem sind bei Menschen mit Reizdarmsyndrom gestört. Der Darm selbst ist dabei aber nicht krankhaft verändert.

Bei manchen Betroffenen zeigen die Zellen der Darmschleimhaut Besonderheiten oder die Zahl und Art der Bakterien im Darm – die Darmflora – weicht von der gesunder Personen ab.

Der Reizdarm tritt häufiger bei Menschen auf, die unter psychischen Krankheiten wie Depressionen oder Angststörungen leiden. Bei ihnen scheint die psychische Erkrankung zu begünstigen, dass ein Reizdarmsyndrom entsteht. In seltenen Fällen ist die psychische Krankheit möglicherweise die direkte Ursache des Reizdarms. Dies bedeutet im Umkehrschluss jedoch nicht, dass es sich beim Reizdarm um eine psychische Störung handelt.

Stress, traumatische Ereignisse und psychische Konfliktsituationen können das Reizdarmsyndrom erheblich beeinflussen. Bei Stress reagiert der Darm von Betroffenen oft stärker als bei gesunden Menschen. Ein Grossteil der Menschen mit Reizdarm empfindet schon normale Verdauungsbewegungen als schmerzhaft, die Schmerzschwelle ist erniedrigt.

Weitere Faktoren oder Auslöser (sog. Trigger), die dazu beitragen, dass sich ein Reizdarmsyndrom entwickelt oder verschlechtert, sind unter anderem:

  • falsche Ernährungsgewohnheiten (z.B. ballaststoffarme oder sehr fettreiche Kost)
  • eine übermässige Schmerzempfindlichkeit der Verdauungsorgane
  • eine Fehlbesiedelung der Darmflora mit bestimmten Bakterien
  • eine erbliche Veranlagung
  • Störungen der Immunabwehr
  • Medikamente
  • hormonelle Einflüsse

Bei einem Teil der Betroffenen gehen dem Reizdarmsyndrom andere Erkrankungen voraus:

  • eine bakterielle Darminfektion, (sog. bakterielle Enteritis); je schwerer sie verläuft, desto wahrscheinlicher entwickelt sich anschliessend ein Reizdarm,
  • eine Unverträglichkeit gegenüber manchen Nahrungsbestandteilen
  • oder eine allergische Reaktion gegenüber bestimmten Nahrungsmitteln und Getränken (z.B. Milchprodukte, Kaffee, Alkohol, Zitrusfrüchte, gebratene Speisen).

In gewissen Grenzen kann auch die persönliche Veranlagung dazu beitragen, dass ein Reizdarm entsteht. Wahrscheinlich hängt dieses mit genetischen Faktoren und erlernten Verhaltensmustern zusammen.

Manche Theorien zur Ursache des Reizdarmsyndroms bauen auf dem sogenannten enterischen Nervensystem (ENS) auf. Dieses darmeigene Nervensystem, auch «Bauchhirn» genannt, steuert unter anderem den Transport der Nahrung und der Flüssigkeiten im Darm. Man geht davon aus, dass eine zu aktive Darmmuskulatur einen grossen Teil der Reizdarm-Beschwerden bedingt (sog. Motilitätsstörung). Der Darm von Betroffenen bewegt sich häufig stärker als bei gesunden Menschen.

4. Symptome

Beim Reizdarm erscheinen die einzelnen Symptome wenig charakteristisch. In ihrer Gesamtheit sind sie jedoch nahezu typisch für das Krankheitsbild. Meist äussert sich ein Reizdarm durch Symptome wie stechende oder krampfartige Bauchschmerzen und Blähungen (sog. Flatulenz).

Die Beschwerden des Reizdarmsyndroms sind unangenehm, aber harmlos!

Häufig fühlt sich der Bauch stark überbläht und gespannt an, da sich Luft beziehungsweise Gas im Darm sammelt (sog. Meteorismus). Bei einem Reizdarm können Symptome wie Schmerzen an verschiedenen Stellen im Bauch auftreten. Manche Menschen mit Reizdarm nennen Verstopfung, andere Durchfall als Hauptsymptom. Bei anderen wiederum wechseln sich beide Zustände ab. Häufig ist dem Stuhl Schleim beigemengt.

Betroffene empfinden die Stuhlentleerung beim Reizdarm oft schmerzhaft. Symptome, über die viele klagen, sind zum einen das Gefühl, dass der Darm nach dem Stuhlgang nicht vollständig entleert ist. Zum anderen kann der Transport des Kots im Darm beschleunigt oder verlangsamt sein. Ein grosser Teil der Menschen mit Reizdarm berichtet, dass Symptome wie Bauchschmerzen und andere Beschwerden sich meistens nach dem Stuhlgang bessern.

Zusammenfassend gelten als weit verbreitete Reizdarm-Symptome:

  • Krampfartige, brennende oder stechende Bauchschmerzen, oft in Zusammenhang mit dem Stuhlgang
  • Veränderung der Stuhlentleerung in mindestens zwei der folgenden Aspekte:
    • Häufigkeit
    • Konsistenz (hart, breiig, wässrig)
    • mühsame Stuhlentleerung
    • gesteigerter Stuhldrang
    • Gefühl der unvollständigen Entleerung
    • weisslicher Schleim beim Stuhlgang
  • Darmgeräusche

Bei einigen Personen mit Reizdarm treten auch Symptome auf, die für den Reizmagen typisch sind, etwa Völlegefühl nach dem Essen oder Schmerzen im Oberbauch. Neben diesen Beschwerden können beim Reizdarm weitere Symptome auftreten. Es kann zu

kommen – alles ohne erklärbare körperliche Ursache.

Die Beschwerden eines Reizdarmsyndroms sind keinesfalls gefährlich. Sie beeinträchtigen jedoch oft die Lebensqualität der Betroffenen erheblich und werden als quälend empfunden. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Patienten mit ihrem Arzt eine Strategie entwickeln, wie sich die Reizdarm-Symptome lindern lassen.

5. Diagnose

Der wichtigste Schritt, um bei einem Reizdarm eine Diagnose stellen zu können, ist zunächst ein ausführliches Gespräch zwischen Arzt und Betroffenem (Anamnese). In diesem Gespräch schildert der Betroffene möglichst detailliert die Art seiner Beschwerden, wann sie auftreten und wie lange sie schon bestehen. Oft stellt sich dabei heraus, dass die Symptome schon seit Langem existieren. Die meisten Betroffenen greifen erst sehr spät auf ärztliche Hilfe zurück.

Nach dem Gespräch folgt eine gründliche körperliche Untersuchung. Der Arzt tastet und hört den Bauch ab. Besteht der Verdacht auf eine Krankheit des Darms, tastet er eventuell den Enddarm mit dem Finger ab (rektale Untersuchung), um zu überprüfen, ob dem Stuhl möglicherweise Blut beigemischt ist (Blut im Stuhl).

Wichtig ist, dass körperliche Ursachen für die bestehenden Beschwerden ausgeschlossen werden. Erst dann ist es gerechtfertigt, von einem Reizdarm zu sprechen.

Medizinische Leitlinien fordern, dass folgende drei Punkte erfüllt sein müssen, um von einem Reizdarmsyndrom sprechen zu können:

  1. Die Beschwerden (z.B. Bauchschmerzen, Blähungen) bestehen seit mindestens drei Monaten und gehen meist mit einem veränderten Stuhlgang einher.
  2. Die Beschwerden sind der Auslöser dafür, dass der Betroffene einen Arzt aufsucht. Die Lebensqualität leidet unter den Symptomen.
  3. Die Symptome sind nicht die Folge organischer Veränderungen, die für andere Krankheiten typisch sind.

Verschiedene Untersuchungen können sinnvoll sein, wenn der Arzt vermutet, dass andere Erkrankungen die Beschwerden auslösen oder um andere Ursachen sicher auszuschliessen. Da die Symptome des Reizdarms von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sind, entscheidet der Arzt individuell, welche Untersuchungen notwendig sind. Daher werden meist nur einige der beschriebenen Untersuchungen zum Einsatz kommen.

Eine Möglichkeit besteht darin, das Blut, den Urin (sog. Urinstatus) und den Stuhl zu untersuchen. Die Blutwerte geben Aufschluss, ob eine Entzündung vorliegt. Hierfür sind Parameter wie die Blutsenkung oder der Wert des C-reaktiven Proteins wichtig. Ausserdem lassen sich im Blutbild die Leber- und Nierenwerte bestimmen und somit mögliche Erkrankungen an diesen Organen ausschliessen. Der Stuhl wird auf Blutspuren (Blut im Stuhl) und – vor allem, wenn Durchfall besteht – auf Erreger untersucht.

Gegebenenfalls leitet der Arzt zudem eine oder mehrere dieser Massnahmen ein:

  • Ultraschalluntersuchung des Bauchs,
  • Darm- und/oder Magenspiegelung,
  • Röntgenuntersuchungen,
  • Tests auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten (z.B. Laktosetoleranztest, um eine Laktoseintoleranz aufzudecken) oder eine Lebensmittelallergie.

So stellt der Arzt fest, ob unter Umständen eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa vorliegt. Ebenfalls kann er prüfen, ob gutartige oder bösartige Neubildungen wie Darmpolypen oder Darmkrebs hinter den Symptomen stecken. Ferner kann auch eine Zöliakie (Sprue) Beschwerden machen, die denen beim Reizdarm ähneln.

Ein Reizdarm Betroffener kann ein Tagebuch führen, in dem man zum Beispiel Zeitpunkt, Dauer und Stärke der Beschwerden einträgt und mit dem Arzt bespricht. Dies erleichtert unter Umständen die Diagnose und hilft dabei, den Erfolg der Behandlung zu beurteilen.

Rom-Kriterien

Wichtig für die Diagnose des Reizdarmsyndroms waren für lange Zeit die sogenannten Rom-Kriterien. Lagen sie vor, ging man davon aus, dass es sich um einen Reizdarm handelt. Nach heutigem Stand kommt den Rom-Kriterien bei der Diagnose von Erwachsenen keine grosse Bedeutung mehr zu.

Die Rom-III-Kriterien sind aber weiterhin gültig, um bei Kindern und Jugendlichen die Diagnose Reizdarm zu stellen. Die Kriterien fordern hierzu, dass

  • wiederkehrende Bauchschmerzen oder Unwohlsein beziehungsweise Missempfindungen im Bauch an mindestens drei Tagen pro Monat in den letzten drei Monaten auftraten.

Dabei müssen diese Symptome vor mindestens sechs Monaten begonnen haben und mit mindestens zwei weiteren der folgenden Tatsachen einhergehen:

  • Die Beschwerden bessern sich nach dem Stuhlgang.
  • Die Häufigkeit des Stuhlgangs hat sich seit Beginn der Beschwerden geändert.
  • Die Form und das Aussehen des Stuhls haben sich seit Beginn der Beschwerden geändert.

6. Behandlung

Die genauen Ursachen für einen Reizdarm sind nicht bekannt – daher zielt die Behandlung vor allem darauf ab, die Beschwerden zu lindern. Da von Mensch zu Mensch unterschiedliche Symptome im Vordergrund stehen können, gibt es keine standardisierte Reizdarm-Behandlung, die jedem weiterhilft. Es existieren auch keine allgemeingültigen Vorgaben, wie Sie Ihr Leben gestalten sollen.

Es ist wichtig, dass Sie herausfinden, in welchen Situationen Ihr Reizdarm verstärkt Probleme macht. Die Behandlung konzentriert sich auch darauf, Auslöser – die sogenannten Trigger –, die Ihren Reizdarm verstärken, zu identifizieren. Dann können Sie sie zukünftig meiden. Mögliche Auslöser sind beispielsweise:

  • alles, was Stress für Sie bedeutet
  • manche Nahrungsmittel
  • Bewegungsmangel
  • Schlafmangel

Ein Vertrauensverhältnis zu Ihrem Arzt ist eine wichtige Voraussetzung, um das Reizdarmsyndrom erfolgreich zu behandeln. Der Arzt klärt Sie über die Diagnose und mögliche Ursachen der Beschwerden auf. Er erläutert Ihnen die Untersuchungsergebnisse, um Ihnen die Angst vor schweren Erkrankungen, insbesondere Krebserkrankungen, zu nehmen.

Die Reizdarm-Behandlung kann bei der Ernährung ansetzen – eine Reizdarmdiät gibt es allerdings nicht. Medikamente und psychische Unterstützung sind weitere Möglichkeiten, mit deren Hilfe Sie die Beschwerden besser in den Griff bekommen.

Lindernd beim Reizdarmsyndrom wirkt auch Wärme auf dem Bauch: Eine Wärmflasche oder ein Dinkelkissen bessert Ihre Beschwerden.

Ernährung

Die Ballaststoffen und Vitaminen gilt als gesund. Wer ausreichend trinkt, fördert zudem die Verdauung.

Vermeiden Sie Nahrungsmittel, die Sie schlecht vertragen und schauen Sie, ob es Ihnen besser bekommt, wenn Sie auf blähende, fette sowie sehr kalte oder auch sehr heisse Nahrungsmittel verzichten. Eine solche Ernährung bringt bei manchen Menschen den Magen-Darm-Trakt durcheinander. Nehmen Sie sich Zeit zum Essen und hetzen Sie nicht.

Eine spezielle Reizdarm-Diät ist nicht empfehlenswert. Vielmehr sollten Sie für sich individuell herausfinden, was Ihnen gut tut!

Lebensmittel, die verschiedene Kulturen an Mikroorganismen (z.B. Bakterien) enthalten, können unter Umständen gegen einige der Beschwerden beim Reizdarm helfen und sind ein möglicher Baustein der Behandlung. Solche Lebensmittel heissen Probiotika. Probiotika muss man regelmässig verzehren – sonst wirken sie nicht.

Weitere Studien müssen zeigen, inwiefern Probiotika für die Reizdarm-Behandlung nützlich sind. Generell kommt erschwerend hinzu, dass es viele verschiedene Produkte gibt, die unterschiedliche Bakterienstämme enthalten. Da der Darm eines jeden Menschen wiederum eine individuelle Zusammensetzung mit Bakterien aufweist (sog. Darmflora), fällt es schwer, vorauszusagen, wer von welchen Bakterien profitiert.

Medikamente

Ob und welche Medikamente der Arzt bei einem Reizdarmsyndrom empfiehlt, richtet sich individuell nach Ihren Beschwerden. Die Behandlung des Reizdarms erfordert etwas Geduld. Der Arzt kann nicht voraussagen, wie gut die Medikamente in Ihrem individuellen Fall wirken. Mitunter ist es erforderlich, dass Sie in Absprache mit Ihrem Arzt verschiedene Mittel testen, bis Sie die für Sie wirksame Arznei gefunden haben.

Ziel der Reizdarm-Behandlung: Die Beschwerden sollen sich bessern, gleichzeitig soll die Therapie gut verträglich sein.

Eine Verstopfung können Sie zum Beispiel mit viel Bewegung, ballaststoffreicher Ernährung und ausreichend Flüssigkeit in den Griff bekommen. Wenn diese einfachen Massnahmen nicht wirken, können Sie auf Abführmittel ausweichen. Diese sollten Sie jedoch nicht über einen längeren Zeitraum und nur in Rücksprache mit Ihrem Arzt einnehmen.

Bei Durchfall kann kurzzeitig der Wirkstoff Loperamid zum Einsatz kommen, er hemmt die Darmbewegung. Sie sollten Loperamid ohne ärztliche Anweisung nicht länger als zwei Tage einnehmen. Auch Wirkstoffe wie Cholestyramin, Probiotika, lösliche Ballaststoffe und Pflanzenpräparate können hilfreich sein.

Bei Bauchschmerzen und Krämpfen kommt eine Vielzahl von Medikamenten in Betracht:

  • krampflösende Schmerzmittel (sog. Spasmolytika)
  • Medikamente, die die Darmmuskulatur entspannen, z.B. der Wirkstoff Mebeverin
  • pflanzliche Mittel (Phytotherapeutika):
    • in Form von Tees, z.B. Pfefferminze, Kümmel, Kamille, Fenchel oder Anis
    • Schleifenblume (Iberis amara)

Medikamente, die die Psyche beeinflussen (Psychopharmaka: Antidepressiva und Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer), kommen zum Einsatz, wenn neben dem Reizdarm eine psychische Erkrankung besteht. In Einzelfällen eignen sie sich auch, um starke Schmerzen zu therapieren

Wichtig: Antidepressiva sollten Sie nur in Rücksprache mit einem Psychiater oder Psychotherapeuten und dem Arzt einnehmen. Das gilt auch für pflanzliche Psychopharmaka, wie das in bestimmten Dosierungen nicht verschreibungspflichtige Johanniskraut.

Gegen Blähungen und Spannungsgefühl im Darm helfen Probiotika und das örtlich angewendete Antibiotikum Rifaximin. Zudem bessert häufig die Behandlung eines bestehenden Durchfalls oder einer Verstopfung gleichzeitig auch die Blähungen.

Milchsäurebakterien: Sie können versuchen, Ihre Darmflora aufzubauen. Dazu eignen sich Medikamente, die Aktivkulturen von Milchsäurebakterien enthalten, insbesondere die Stämme Lactobacillus acidophilus, Lactobacillus rhamnosus und Bifidobacterium.

Psychische Unterstützung

Bei manchen Menschen treten die Beschwerden des Reizdarmsyndroms verstärkt auf, wenn sie Stress haben oder Konflikte durchleben. In diesen Fällen sind Schritte sinnvoll, die an der Psyche ansetzen.

Sie können zunächst selbst versuchen, Ihren alltäglichen Stress abzubauen. Sorgen Sie für einen regelmässigen Tagesablauf, täglich ausreichend körperliche Bewegung (z.B. Laufen, Velofahren, Gymnastik, Schwimmen) und eine ausgeglichene Freizeitgestaltung.

Ergänzend können Entspannungsübungen wie zum Beispiel autogenes Training oder Meditation helfen. Auch eine gezielte psychotherapeutische Unterstützung (z.B. psychoanalytische Gesprächstherapie, Verhaltenstherapie, Hypnose) kann beim Reizdarmsyndrom wirken.

Eine Psychotherapie empfiehlt sich vor allem, wenn

  • zusätzlich zum Reizdarm psychische Störungen vorliegen,
  • die Beschwerden schon sehr lange bestehen oder
  • Sie stark unter den Beschwerden leiden.

7. Verlauf

Die Beschwerden beim Reizdarm und der Verlauf der Erkrankung sind prinzipiell harmlos. Jedoch bleiben die Symptome meist über lange Zeit bestehen und kosten viele Betroffene ein grosses Mass an Geduld und erfordern Nervenstärke, da die Beschwerden mitunter die Lebensqualität beeinträchtigen. Ein Teil der Menschen mit Reizdarmsyndrom wird mit der Zeit beschwerdefrei, manchmal verschwindet die Erkrankung spontan wieder. Bei anderen verläuft der Reizdarm chronisch.

Ein Reizdarm hat keine anderen Krankheiten zur Folge und schränkt die Lebenserwartung nicht ein.

Die Forschung arbeitet intensiv daran, die genauen Ursachen des Reizdarmsyndroms zu ermitteln und neue Wirkstoffe zu finden, die die Beschwerden lindern.

8. Vorbeugen

Einem Reizdarm können Sie nicht unmittelbar vorbeugen. Wichtig ist es, den Reizdarm von anderen Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts zu unterscheiden. So sollten entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa frühzeitig ausgeschlossen oder erkannt werden. Bei solchen entzündlichen Erkrankungen kann der Arzt eine zielgerichtete Therapie einleiten, die möglichst umgehend erfolgen sollte.

Wenn Sie unter einer Nahrungsmittelunverträglichkeit leiden, versuchen Sie, die entsprechend problematischen Produkte zu meiden (z.B. Kakao, Tomaten, Milch oder Zitrusfrüchte). Um Blähungen zu vermeiden, sollten Sie stark blähende Nahrungsmittel vom Speiseplan streichen. Sie selbst wissen am besten, was Sie gut vertragen.

Nicht nur in Hinblick auf das Reizdarm-Syndrom ist es sinnvoll, frühzeitig die gesunde Ernährung beizubehalten: Mit einer gesunden Ernährung beugen Sie auch typischen Wohlstandskrankheiten vor. Dazu zählen Bluthochdruck, Arteriosklerose (Gefässverkalkung), Diabetes mellitus und Übergewicht.

Neben einer ballaststoffreichen Ernährung ist es wichtig, das Trinken nicht zu vergessen. Ideal sind Wasser und verdünnte Säfte. Auch Sport und Entspannungstraining können Ihnen helfen, dass sich der Reizdarm gar nicht erst entwickelt.