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  4. Rheuma (Rheumatoide Arthritis, Arthritis, rheumatoide)

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Veröffentlicht am 07.10.2021

1. Überblick

Schmerzen, Schwellungen und Steifheit sind typische Anzeichen einer rheumatoiden Arthritis. Ein Prozent der Schweizer leidet unter der Entzündungskrankheit.

Die häufigste Form von Rheuma ist die rheumatoide Arthritis (RA). Bei dieser chronisch-entzündlichen Erkrankung ist die körpereigene Abwehr (Immunsystem) fehlgesteuert. Sie greift die eigene Gelenkschleimhaut an (Autoimmunität). Diese schwillt an und setzt Stoffe frei, die den Knorpel schädigen. Dadurch werden die betroffenen Gelenke immer unbeweglicher, schmerzen und fühlen sich steif an. Frauen sind von Rheuma deutlich häufiger betroffen als Männer.

Die Ursachen der rheumatoiden Arthritis sind noch nicht vollständig geklärt. Es bestehen jedoch wohl Zusammenhänge mit genetischen Faktoren sowie mit dem Lebensstil (so haben Raucher ein erhöhtes Risiko für rheumatoide Arthritis).

Typische Symptome von Rheuma sind zum Beispiel:

 

  • nächtliche und morgendliche Schmerzen der Gelenke
     
  • eine Morgensteifigkeit der Gelenke
     
  • Schwellungen der Gelenke


Meist tritt Rheuma an beiden Händen spiegelbildlich an den gleichen Gelenken auf. In der Folge sind immer mehr Gelenke betroffen und verformen sich. Unbehandelt verursacht Rheuma auch Symptome an Organen (Augen, Niere, Leber, Herz, Lunge...).

Die Diagnose der rheumatoiden Arthritis stellt der Arzt anhand der Beschwerden und mithilfe von Röntgenaufnahmen der Gelenke sowie von Blutuntersuchungen.

Um Folgeschäden zu verhindern oder zu verzögern, ist bei Rheuma der frühzeitige Beginn der Therapie entscheidend. Diese besteht aus Medikamenten, Physiotherapie, Ergotherapie und allenfalls einer Operation.

Die Therapie kann die Beschwerden bei Rheuma allerdings nur lindern – geheilt werden kann die rheumatoide Arthritis nicht. Rheuma verläuft chronisch. Es gibt inzwischen aber viele Hilfsmittel, die Menschen mit Rheuma den Alltag erleichtern und ihnen ihre Selbständigkeit weitgehend erhalten.

Ein Mann hält sich das schmerzende Handgelenk

Rheumatoide Arthritis breitet sich im Körper aus und kann unbehandelt die Gelenke zerstören.

Quelle: Getty Images

2. Definition von Rheuma

Der Begriff «Rheuma» fasst rund 200 verschiedene Erkrankungen zusammen, die vor allem eines gemeinsam haben: Sie verursachen anhaltende, meist starke Schmerzen. Wer von Rheuma spricht, meint jedoch meist die rheumatoide Arthritis, die häufigste Form von Rheuma. Unter einer Arthritis versteht man eine Entzündung eines oder mehrerer GelenkeEine Gelenkentzündung kann ganz plötzlich auftreten – etwa durch eine Infektion. Man spricht dann von einer akuten Arthritis. Wenn eine Gelenkentzündung länger andauert und zum Beispiel schubweise immer wieder aufflammt, handelt es sich um eine chronische Arthritis.

Das Immunsystem, die körpereigene Abwehr, greift bei der rheumatoiden Arthritis fälschlicherweise die eigenen Gelenke und verschiedene Gewebe an und zerstört sie. Man spricht bei der rheumatoiden Arthritis daher von einer sogenannten Autoimmunerkrankung, da sich das Immunsystem gegen körpereigene Strukturen richtet.

Rheuma tritt überwiegend an Gelenken auf, im späteren Verlauf auch an inneren Organen. Ist nur ein Gelenk entzündet, spricht man von einer Monoarthritis, sind mehrere betroffen, von einer Polyarthritis. Im Verlauf entwickelt sich die rheumatoide Arthritis fast immer zu einer Polyarthritis, da mit der Zeit an immer mehr Gelenken Beschwerden auftreten.

Einige Menschen setzen eine Arthritis mit einer Arthrose gleich: Arthritis und Arthrose sind jedoch nicht dasselbe! Als Arthrose bezeichnet man den fortschreitenden Verschleiss der Gelenke.

Häufigkeit

Die rheumatoide Arthritis ist die häufigste entzündliche rheumatische Erkrankung. In der Schweiz leiden gemäss Rheumaliga gegen ein Prozent der Bevölkerung, also etwa 90'000 Menschen, an dieser Rheuma-Form. Frauen machen 70 Prozent der Fälle aus, sind also rund doppelt so häufig betroffen wie Männer. Die rheumatoide Arthritis kann in jedem Lebensalter auftreten und ist somit keine typische Alterskrankheit. Am häufigsten kommt Rheuma jedoch bei Frauen ab dem 55. Lebensjahr vor.

3. Ursachen von Rheuma

Die rheumatoide Arthritis ist eine sogenannte Autoimmunerkrankung. Das heisst, sie entsteht dadurch, dass das Immunsystem sich irrtümlich gegen den eigenen Körper richtet: Körpereigene Abwehrzellen greifen die Schleimhaut an, mit der die Gelenke von innen ausgekleidet sind. Daraufhin entzündet sich die Schleimhaut und schwillt an. Zudem bildet sie Stoffe, die den Gelenkknorpel und die an das Gelenk grenzenden Knochen schädigen.

Mit diesen Vorgängen lassen sich die für Rheuma typischen Beschwerden erklären. Unklar ist jedoch, wie es überhaupt zu der fehlgesteuerten Immunreaktion kommt. Es gibt Hinweise darauf, dass bestimmte Viren und Bakterien eine rheumatoide Arthritis auslösen können – allerdings nicht bei allen Menschen. Daher gehen Mediziner davon aus, dass auch erbliche Faktoren an der Entstehung der Erkrankung beteiligt sind.

Darüber hinaus scheint der Lebensstil eine Rolle zu spielen: Raucher und Menschen mit Übergewicht haben ein erhöhtes Risiko für rheumatoide Arthritis.

4. Symptome von Rheuma

Die für Rheuma (rheumatoide Arthritis) typischen Symptome entstehen durch die ständige Gelenkentzündung. Rheuma-Symptome sind vor allem:

 

  • nächtliche und morgendliche Gelenkschmerzen
     
  • Morgensteifigkeit der Gelenke, die in der Regel nach Bewegung wieder abklingt aber auch über mehrere Stunden anhalten kann
     
  • angeschwollene Gelenke
     
  • allgemeines Krankheitsgefühl mit nächtlichem SchwitzenMüdigkeit und Erschöpfung
  • Rheumaknoten (gummiartige Verdickungen unter der Haut, die vor allem im Bereich der Finger und Ellenbogen in Erscheinung treten)


Anfangs sind meist nur die kleinen Gelenke der Finger und Zehen von diesen Symptomen betroffen. Manchmal beginnt die Erkrankung auch nur auf einer Körperseite. Binnen einiger Wochen oder Monate geht die Entzündung auch auf grössere Gelenke über, zum Beispiel die der Schultern, Ellenbogen und Knie.

Normalerweise breitet sich die rheumatoide Arthritis schubweise und symmetrisch aus. Schubweise bedeutet: Die Entzündung kann zwischenzeitlich abklingen, flammt jedoch meist wieder auf. Symmetrisch heisst: Wenn die Beschwerden auf weitere Gelenke übergehen, geschieht dies häufig nicht nur auf einer Körperseite, sondern links und rechts gleichzeitig.

Im weiteren Krankheitsverlauf können sich ohne Behandlung unter anderem folgende typische Verformungen der Hände entwickeln:

 

  • Ulnardeviation
    Die Finger weichen zur Ellenseite hin ab; die Elle (Ulna) ist einer der beiden Unterarmknochen und liegt in der Verlängerung des kleinen Fingers.
     
  • Schwanenhalsdeformität
    Verformung der Finger; das letzte Fingerglied knickt nach unten weg, das mittlere Fingerglied ist überstreckt
     
  • Knopflochdeformität
    Die Fingerknöchel der Fingermittelgelenke treten nach oben

 

Arthritis bedeutet zwar wörtlich übersetzt Gelenkentzündung, jedoch richtet sich eine rheumatische Entzündung oft auch gegen andere Organe und kann somit auch ausserhalb der Gelenke Symptome hervorrufen. Sie kann etwa zu verschiedenen Erkrankungen des Herzens, der Lunge, der Leber, der Nieren, der Augen und der Blutgefässe führen. Welche Symptome dann auftreten, hängt von der jeweiligen Erkrankung ab.

5. Diagnose von Rheuma

Um eine rheumatoide Arthritis feststellen zu können, muss sich die Ärztin zunächst ein genaues Bild von den Beschwerden der Betroffenen machen. Dabei ist es vor allem wichtig zu wissen,

  • welche und wie viele Gelenke schmerzen und geschwollen sind,
  • ob die Beschwerden schon einmal aufgetreten sind und
  • wie lange diese schon bestehen (bei einer rheumatoiden Arthritis dauern die Entzündungsschübe in der Regel länger als sechs Wochen).

Deuten die Symptome auf eine rheumatoide Arthritis hin, lässt der Arzt manchmal Röntgenaufnahmen von den betroffenen Gelenken anfertigen. Darauf ist zu erkennen, ob und inwieweit die Entzündung bereits die Gelenke geschädigt hat.

Darüber hinaus wird das Blut des Patienten auf Veränderungen untersucht, die für eine rheumatoide Arthritis typisch sind. Beispielsweise bildet das Immunsystem als Reaktion auf die Entzündung bestimmte Stoffe, die sich im Blut nachweisen lassen. Dazu zählen

  • das C-Reaktive Protein (CRP),
  • die CCP-Antikörper (Antikörper gegen das sogenannte cyclische Citrullin-Peptid) sowie andere Antikörper.

Da jedoch auch andere Erkrankungen mit einem Anstieg der Entzündungswerte verbunden sein können, reichen die Blutwerte allein für die Diagnose nicht aus. Um eine sichere Diagnose stellen zu können, betrachtet die Ärztin immer das Gesamtbild, das sich aus den Beschwerden der Patientin und den Ergebnissen der Röntgen- und Blutuntersuchung ergibt.

Was sind Rheumafaktoren?

Als Rheumafaktoren bezeichnet man körpereigene Antikörper (Abwehrstoffe), die sich gegen bestimmte andere körpereigene Antikörper richten. Ist ihre Konzentration im Blut erhöht, spricht dies für eine Autoimmunerkrankung.

Zum Nachweis einer rheumatoiden Arthritis eignet sich der Rheumafaktor allerdings nicht, auch wenn der Name diesen Anschein erweckt. Denn erstens können die Rheumafaktor-Werte auch durch andere Erkrankungen (z.B. Hepatitis C) ansteigen und – wenn auch selten – bei Gesunden erhöht sein.

Zweitens führt eine rheumatoide Arthritis nicht immer zur Freisetzung von Rheumafaktoren. Im Anfangsstadium der Erkrankung lassen sich bei etwa 40 von 100 Betroffenen Rheumafaktoren nachweisen, im späteren Verlauf bei etwa 80 von 100 Betroffenen.

6. Therapie von Rheuma

Da die rheumatoide Arthritis unbehandelt bleibende Schäden an den Gelenken verursacht, ist es wichtig, möglichst früh mit der Therapie zu beginnen. Heilen lässt sich die rheumatoide Arthritis zwar nicht. Doch immerhin kann die Therapie bewirken, dass

 

  • die Entzündung abklingt,
  • die Schmerzen nachlassen und
  • der Betroffene beweglich bleibt beziehungsweise wieder beweglicher wird.

 

In der Regel setzt sich die Rheuma-Therapie aus mehreren der folgenden Massnahmen zusammen:

 

  • Therapie mit schmerzlindernden und entzündungshemmenden Medikamenten
  • Physiotherapie, Ergotherapie und/oder Kältetherapie
  • Operation (Wenn das Gelenk bereits stark zerstört ist, kann es zum Beispiel notwendig sein, dieses durch eine Prothese zu ersetzen.)

Medikamente

Es gibt verschiedene Wirkstoffe, die die Entzündung in den Gelenken hemmen können. Im Frühstadium der rheumatoiden Arthritis kommt meist Methotrexat (MTX) zum Einsatz. Patienten, die Methotrexat nicht vertragen, können auch Mittel mit anderen Wirkstoffen (z.B. Leflunomid oder Sulfasalazin) verschrieben bekommen.

Da diese Mittel das Fortschreiten der Krankheit langfristig bremsen können, bezeichnen Ärzte sie auch als krankheitsmodifizierende Medikamente, oder auch als DMARD (DMARD = Disease-Modifying-Anti-Rheumatic-Drugs). Da die Betroffene sie regelmässig und dauerhaft einnimmt und nicht nur bei akuten Beschwerden, nennt man die Behandlung mit diesen Medikamenten auch Basistherapie.

Wichtig ist, dass nach den ersten sechs Wochen der Einnahme kontrolliert wird, ob der Patient die Medikamente gut verträgt, ob Leber, Nieren und Blutbildung nicht durch die Therapie beeinträchtigt werden, und ob die Dosis angemessen ist. Bei weiteren Kontrolluntersuchungen nach drei Monaten und nach sechs Monaten sollte ausserdem überprüft werden, ob die Behandlung ausreichend Wirkung zeigt. Wenn nicht, sollte die Ärztin die Therapie anpassen, etwa indem sie stattdessen oder zusätzlich ein anderes DMARD verordnet.

Bei manchen Menschen reichen die klassischen Basistherapeutika nicht aus, um die Entzündung unter Kontrolle zu bringen. Dann kann eine Therapie mit sogenannten Biologika oder Biosimilars weiterhelfen. Das sind Wirkstoffe, die in lebenden Zellen hergestellt werden (bíos = Leben). In der Rheumatherapie kommen verschiedene Biologika zum Einsatz. Gemein ist ihnen, dass sie gezielt in Immunreaktionen eingreifen, die den rheumatischen Entzündungsprozess vorantreiben.

Manche Biologika (z.B. Adalimumab, Etanercept) hindern zum Beispiel den körpereigenen Botenstoff TNF-alpha daran, seine entzündungsfördernde Wirkung zu entfalten. Andere Biologika (z.B. Rituximab) blockieren die Entzündung, indem sie die Anzahl der sogenannten B-Zellen verringern. B-Zellen gehören zu den weissen Blutkörperchen und bilden unter anderem den Botenstoff TNF-alpha.

Bislang kommen Biologika nur zum Einsatz, wenn die anderen Medikamente nicht ausreichend wirken. Denn da die Behandlung mit Biologika ein recht neues Therapieverfahren ist, weiss man noch nicht genug über ihre Langzeitwirkungen.

Anders als Basistherapeutika lassen sich die verschiedenen Biologika nicht miteinander kombinieren. Kombiniert mit einem Basistherapeutikum wirkt ein Biologikum aber eventuell besser als alleine. Bevor die Therapie beginnen kann, muss der Arzt jedoch sicherstellen, dass die Patientin keinerlei Infektionskrankheit hat.

Im Gegensatz zu synthetisch hergestellten Arzneimitteln lassen sich Biologika nicht so einfach nachbauen, da ihr Aufbau sehr komplex ist. Deshalb können Pharmafirmen nach Ablauf eines Patents für ein Biologikum kein Generikum auf den Markt bringen. Stattdessen stellen sie sogenannte Biosimilars her. Das sind Wirkstoffe, die nach dem Vorbild eines Biologikums hergestellt werden, jedoch nicht mit diesem identisch ist. Ein Biosimilar wird nur zugelassen, wenn es die gleiche Wirkung hat wie das Original und ebenso sicher ist.

Es dauert meist einige Wochen, bis die Basistherapie Wirkung zeigt. Wenn der Patient starke Schmerzen hat, kann die Ärztin ihm zur Überbrückung dieser Zeit schmerzstillende Arzneien wie Glukokortikoide oder nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Diclofenac oder Ibuprofen verordnen.

Diese Mittel helfen rasch gegen die Schmerzen und können auch bewirken, dass die Gelenke wieder beweglicher werden. Glukokortikoide und NSAR wirken zudem entzündungshemmend und können somit auch dazu beitragen, dass die Gelenkentzündungen abklingen. Allerdings sind NSAR und Glukokortikoide aufgrund ihrer Nebenwirkungen nicht zur langfristigen Rheuma-Therapie geeignet.

Physiotherapie, Ergotherapie und Kältetherapie

Ergänzend können gegen die rheumatoide Arthritis auch Physiotherapie, eine physikalische Therapie und Ergotherapie sinnvoll sein.

Eine Ergotherapeutin kann den Patienten zum Beispiel über gelenkschonende Bewegungsabläufe und Sitzpositionen beraten. In der Physiotherapie lernt die Betroffene krankengymnastische Übungen, mit denen sich die Beweglichkeit verbessern lässt. In der Zeit zwischen Entzündungsschüben kann es auch hilfreich sein, diese Übungen in warmem Wasser auszuführen: Die Wärme lockert die Muskulatur auf und das Wasser trägt einen Teil des Körpergewicht.

Während eines Entzündungsschubs ist Wärme jedoch nicht geeignet. Im Gegenteil: Bei akuten rheumatischen Beschwerden hilft oft Kälte. Viele Patienten empfinden es als wohltuend, ihre Gelenke für einige Minuten zu kühlen, etwa mit einem Eisbeutel oder einem mit Gel gefüllten Kühlbeutel aus dem Gefrierfach. (Diesen sollte man jedoch unbedingt mit einem Tuch umhüllen, um Erfrierungen an der Haut zu vermeiden.)

Es gibt auch spezialisierte Praxen und Fachkliniken, die gegen rheumatoide Arthritis Kältebehandlungen durch das Aufblasen von gekühlter Luft oder flüssigem Stickstoff auf die Haut anbieten. Zum Teil sind hier auch Kältekammern (Kryotherapie) vorhanden, in denen sich Patientinnen mehrmals täglich für sehr kurze Zeit aufhalten. Die Kälte blockiert die Schmerzrezeptoren in der Haut und verringert die Schmerzweiterleitung in den Nervenfasern.

Hilfen im Alltag

Rheumatoide Arthritis geht in der Regel mit einer eingeschränkten Beweglichkeit der Hände einher. Um diese auszugleichen und damit den Alltag zu erleichtern, sind viele Hilfsmittel verfügbar. Hier einige Beispiele:

  • Scheren, Besteck, Koch- und Schneidehilfen, Obst- und Gemüseschäler, aber auch Töpfe und vieles mehr sind so konzipiert, dass sie dicke Griffe aus Moos- oder Schaumgummi haben.
  • Weiche Griffrillen verhindern bei einigen Modellen das Abrutschen der nassen Hände.
  • Tassen sind mit zwei Henkeln ausgestattet, damit sich das Gewicht auf beide Hände verteilt.
  • Elastische Schnürsenkel müssen nur einmal gebunden werden und lassen sich dann bei jedem An- und Ausziehen einfach dehnen. So muss die Patientin nicht jedes Mal eine Schleife binden.

Ernährung

Der Einfluss der Ernährung auf die Entstehung und den Verlauf rheumatischer Arthritis ist umstritten, da die Ergebnisse aus bisherigen Studien keine eindeutigen Schlüsse zulassen. Fest steht, dass sich die Erkrankung nicht allein durch eine bestimmte Diät lindern oder gar heilen lässt.

Es gibt aber Hinweise darauf, dass eine Ernährungsumstellung Rheumapatienten helfen kann. Bei der Umstellung geht es im Wesentlichen darum, dass Betroffene Nahrungsmittel meiden, die Entzündungen verstärken, und regelmässig entzündungshemmende Nährstoffe zu sich nehmen.

Zu den Lebensmitteln, die Menschen mit rheumatoider Arthritis lieber nur in Massen essen sollten, zählt zum Beispiel Fleisch. Vor allem fettes Fleisch enthält recht große Mengen an Arachidonsäure, einer Fettsäure, die im Körper zu entzündungsfördernden Stoffen abgebaut wird.

Ernährungsmediziner empfehlen Rheumapatientinnen daher, sich überwiegend vegetarisch zu ernähren und nicht mehr als 80 Milligramm Arachidonsäure pro Tag zu sich zu nehmen. Zur Orientierung: Gekochter Schinken enthält etwa 50 Milligramm Arachidonsäure pro 100 Gramm. In einem Hühnerei stecken ungefähr 40 Milligramm dieser Fettsäuren.

Entzündungshemmend wirken hingegen Omega-3-Fettsäuren, die zum Beispiel in fettem Fisch wie Lachs oder Makrele enthalten sind. In Studien hat sich allerdings gezeigt, dass Patienten rund 5,5 Gramm Fischöl pro Tag zu sich nehmen müssen, damit sich ihre Beschwerden bessern. Diese Dosis lässt sich mit einer ausgewogenen Ernährung kaum erreichen. Daher kann es für Menschen mit rheumatoider Arthritis sinnvoll sein, Omega-3-Fettsäuren in Kapselform zu sich zu nehmen.

Da die rheumatoide Arthritis ein erhöhtes Risiko für Osteoporose (Knochenschwund) bedeutet, ist für Rheumatiker auch eine calciumreiche Ernährung für die Knochengesundheit wichtig: Viel Calcium steckt in Nüssen, Gemüse und fettarmen Milchprodukten. Gegebenenfalls können bei der Rheuma-Ernährung auch mit Calcium angereicherte Lebensmittel sinnvoll sein.

Zudem sollten Menschen mit Rheuma bei der Ernährung gezielt auf Lebensmittel mit einem geringen Phosphatgehalt achten, denn Phosphat verhindert, dass Calcium in den Knochen eingebaut wird. Vor allem tierische Produkte und Limonaden enthalten Phosphat. Ebenfalls wichtig für die Knochengesundheit ist Vitamin D. Dieses kann der Körper bei ausreichend Bewegung und Sonnenlicht selbst bilden. Da die rheumatoide Arthritis häufig die Bewegungsfähigkeit einschränkt, kann es sinnvoll sein, Vitamin D als Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen.

7. Verlauf von Rheuma

Die rheumatoide Arthritis ist eine chronische Erkrankung, die sehr unterschiedlich verlaufen kann. Bei der Mehrheit der Betroffenen verläuft die Erkrankung schubweise. Bei manchen breitet sich die Erkrankung mit jedem Schub aus, bei anderen bleiben die Entzündungen jahrelang auf wenige Gelenke beschränkt.

Wie die Erkrankung verläuft, hängt von verschiedenen Einflüssen ab. Wichtig ist in erster Linie eine rechtzeitige Behandlung: Beginnt die Therapie innerhalb von drei Monaten, nachdem die ersten Beschwerden aufgetreten sind, so hat der Betroffene in der Regel eine gute Chance, dass die Erkrankung einen milden Verlauf nimmt.

Einen schweren Verlauf nimmt die Erkrankung häufig bei Menschen, die rauchen und/oder übergewichtig sind. Übergewicht führt dazu, dass die Therapie schlechter wirkt. Auch Raucherinnen sprechen in der Regel schlechter auf die Medikamente an.

Unbehandelt führen die mit der rheumatoiden Arthritis verbundenen Entzündungsprozesse nicht nur zur Zerstörung der Gelenke. Sie können auch das Herz, die Blutgefässe, die Lunge und/oder andere Organe schädigen. Deshalb haben die Erkrankten ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle.

8. Vorbeugen gegen Rheuma

Da die Ursache der rheumatoiden Arthritis nicht vollständig geklärt ist, lässt sich nicht sagen, ob und inwieweit sie sich verhindern liesse. Man weiss jedoch, dass sowohl Rauchen als auch Übergewicht die Entstehung der Erkrankung begünstigen. Wer ihr vorbeugen möchte, sollte daher auf Zigaretten verzichten und ein gesundes Gewicht erreichen beziehungsweise halten.

Entscheidend ist jedoch vor allem, dass eine rheumatoide Arthritis so früh wie möglich erkannt und angemessen behandelt wird. Nur so besteht die Chance, die Erkrankung unter Kontrolle zu halten.