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  4. Rheuma (Rheumatoide Arthritis, Arthritis, rheumatoide)

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1. Überblick

1,5 Millionen Menschen in der Schweiz leiden an rheumatischen Erkrankungen, im Volksmund kurz als Rheuma bezeichnet. Mediziner unterscheiden degenerative und entzündliche rheumatische Erkrankungen.

Die häufigste entzündliche Rheuma-Form ist die rheumatoide Arthritis (RA). Bei dieser Erkrankung ist die körpereigene Abwehr (Immunsystem) fehlgesteuert. Sie greift die eigenen Gelenke und verschiedenen Gewebe an und zerstört diese (Autoimmunität). Frauen sind von Rheuma etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer.

Die Ursachen der rheumatoiden Arthritis sind noch nicht vollständig geklärt. Es bestehen jedoch Zusammenhänge mit genetischen Faktoren und gegen körpereigene Gewebe gerichteten (autoimmunologischen) Prozessen.

Typische Symptome von Rheuma sind:

  • nächtliche und morgendliche Schmerzen der Fingergelenke sowie

  • eine Morgensteifigkeit dieser Gelenke, die länger als eine Stunde anhält.


Meist tritt Rheuma an beiden Händen spiegelbildlich an den gleichen Gelenken auf. In der Folge sind immer mehr Gelenke betroffen und verformen sich. Seltener verursacht Rheuma Symptome an Organen (Augen, Speichel- und Tränendrüsen, Haut, Herz, Lunge).

Die Diagnose der rheumatoiden Arthritis stellt der Arzt anhand der Krankengeschichte sowie Röntgenaufnahmen von Händen und Füssen und Blutuntersuchungen.

Um Folgeschäden zu verhindern oder zu verzögern, ist bei Rheuma der frühzeitige Beginn einer abgestimmten und wirksamen Therapie entscheidend. Diese besteht aus den sogenannten Basismedikamenten, eventuell in Kombination mit anderen entzündungshemmenden Medikamenten. Eine noch relativ neue Therapieoption bei Rheuma sind die sogenannten Biologika.


Ergänzend helfen physikalische Therapie, Ergotherapie, Krankengymnastik und chirurgische Therapie. Die Therapie kann die Beschwerden bei Rheuma allerdings nur lindern – geheilt werden kann die rheumatoide Arthritis nicht.

In den meisten Fällen verläuft Rheuma chronisch. Obwohl es auch gutartige Verläufe gibt, besteht die Möglichkeit, dass Betroffene mit der Zeit berufsunfähig und dauerhaft hilfsbedürftig werden. Es gibt inzwischen aber viele Hilfsmittel, die Menschen mit Rheuma den Alltag erleichtern und ihnen ihre Selbständigkeit weitgehend erhalten. 

Wissenswertes

  • Unter einer Arthritis versteht man eine Entzündung eines oder mehrerer Gelenke.

  • Ist nur ein Gelenk entzündet, spricht man von einer Monoarthritis, sind mehrere betroffen, von einer Polyarthritis.

  • Eine Gelenkentzündung kann ganz plötzlich auftreten – etwa durch eine Infektion. Man spricht dann von einer akuten Arthritis.

  • Wenn eine Gelenkentzündung länger andauert und zum Beispiel schubweise immer wieder aufflammt, handelt es sich um eine chronische Arthritis.

  • Einige Menschen setzen eine Arthritis mit einer Arthrose gleich: Arthritis und Arthrose sind jedoch nicht dasselbe! Als Arthrose bezeichnet man den fortschreitenden Verschleiss der Gelenke.

  • Bei Arthrose kommt es zu einem Abbau des Gelenkknorpels, wodurch die Gelenkfläche nach und nach zerstört wird.

  • Dieses abgeriebene Knorpel- oder Knochenmaterial kann im weiteren Verlauf allerdings dazu führen, dass sich das Gelenk entzündet – Medizinier sprechen dann von einer aktivierten Arthrose.

  • Die häufigste Form der Arthritis ist die rheumatoide Arthritis, im Volksmund häufig auch kurz Rheuma genannt.

  • Bei dieser Erkrankung ist die körpereigene Abwehr (Immunsystem) fehlgesteuert. Sie greift fälschlicherweise die eigenen Gelenke und verschiedene Gewebe an und zerstört sie.

  • Man spricht bei der rheumatoiden Arthritis daher von einer sogenannten Autoimmunerkrankung, da sich das Immunsystem gegen körpereigene Strukturen richtet.

  • Typisch für eine rheumatoide Arthritis sind nächtliche und morgendliche Schmerzen der Fingergelenke sowie eine Morgensteifigkeit der Gelenke von mindestens 60 Minuten.

  • Neben Autoimmunerkrankungen (z.B. Rheuma oder Schuppenflechte) stecken häufig auch Infektionen mit Bakterien oder anderen Erregern hinter einer Gelenkentzündung.

  • Die Erreger können entweder über eine Wunde direkt das Gelenk infizieren oder sie werden von einem Infektionsherd im Körper über den Blutweg in das Gelenk weitergeleitet – zum Beispiel im Rahmen einer Borreliose (sogenannte Lyme-Arthritis).

  • Auch Stoffwechselerkrankungen wie Gicht verursachen manchmal schmerzhafte Entzündungen der Gelenke. Bei Gicht sammelt sich zu viel Harnsäure im Blut an. Dadurch bilden sich im Laufe der Zeit Harnsäurekristalle, die sich unter anderem in Gelenken ablagern und eine Entzündung hervorrufen können.

  • Je nach Ursache für die Arthritis können unterschiedliche Beschwerden auftreten. Zu den typischen Symptomen bei einer Gelenkentzündung zählen Schmerzen, Schwellung, Überwärmung, Rötung und eine eingeschränkte Beweglichkeit des betroffenen Gelenks.

  • Es gibt zahlreiche Behandlungsmöglichkeiten, die bei einer Arthritis helfen können. Wie die Therapie genau aussieht, hängt von der jeweiligen Ursache ab.

  • Wenn etwa eine bakterielle Infektion hinter der Entzündung steckt, kommen Antibiotika zum Einsatz, die gezielt gegen die Bakterien wirken.

  • Bei einer rheumatoiden Arthritis verschreibt der Arzt spezielle Rheumamedikamente (sog. Basistherapeutika). Diese wirken erst nach einigen Wochen bis Monaten – ihnen gelingt es aber, entzündliche Schübe bei Rheuma zu verhindern.

  • In vielen Fällen kommen bei einer Gelenkentzündung auch Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente wie Glukokortikoide («Kortison») zum Einsatz.

  • Vorbeugen können Sie einer Arthritis nur bedingt. Generell empfehlenswert ist es, sich regelmässig zu bewegen und dabei die Gelenke möglichst gleichmässig zu belasten – zum Beispiel durch Spazierengehen oder Schwimmen

  • Ausserdem ist es wichtig, Verletzungen (wie eine offene Wunde am Knie) frühzeitig und angemessen zu behandeln, damit sich keine Entzündung auf das Gelenk ausbreitet.

2. Definition

Der Begriff «Rheuma» fasst eine Vielzahl verschiedener rheumatischer Erkrankungen zusammen. Die rheumatoide Arthritis (kurz: RA) ist die häufigste entzündliche Form von Rheuma. Das Immunsystem, die körpereigene Abwehr, greift fälschlicherweise die eigenen Gelenke und verschiedene Gewebe an und zerstört sie. Rheuma tritt überwiegend an Gelenken auf, seltener auch an inneren Organen, den Augen und der Haut. Betrifft das Rheuma mehr als fünf Gelenke, sprechen Mediziner auch von einer chronischen Polyarthritis. Im Verlauf entwickelt sich die rheumatoide Arthritis fast immer zu einer Polyarthritis, da mit der Zeit an immer mehr Gelenken Beschwerden auftreten.

Häufigkeit

Die rheumatoide Arthritis ist die häufigste entzündliche rheumatische Erkrankung. In der Schweiz leiden etwa 70'000 Menschen an dieser Rheuma-Form. Frauen sind rund doppelt so häufig betroffen wie Männer. Die rheumatoide Arthritis kann in jedem Lebensalter auftreten und ist somit keine typische Alterskrankheit. Am häufigsten beginnt Rheuma bei Frauen jedoch zwischen dem 55. und 64. Lebensjahr, bei Männern zwischen 65 und 75 Jahren.

3. Ursachen

Die für die rheumatoide Arthritis beziehungsweise Rheuma verantwortlichen Ursachen sind noch immer nicht endgültig geklärt. Es handelt sich wahrscheinlich um einen Autoimmunprozess, bei dem sich Zellen des Immunsystems gegen den eigenen Körper richten. An der zerstörerischen Entzündungsreaktion im Körper sind verschiedene Stoffe beteiligt.

Rheuma hat wahrscheinlich auch genetische Ursachen.

4. Symptome

Die für Rheuma (rheumatoide Arthritis) typischen Symptome entstehen durch die ständige Gelenkentzündung. Rheuma-Symptome sind vor allem:

  • nächtliche und morgendliche Gelenkschmerzen

  • Morgensteifigkeit der Gelenke von mindestens 60 Minuten

  • angeschwollene Gelenke, typischerweise die Fingergrund- (sog. MCP-Gelenke) und Fingermittelgelenke (sog. PIP-Gelenke)

  • allgemeines Krankheitsgefühl mit Müdigkeit und Erschöpfung


Obwohl im Frühstadium manchmal nur wenige Gelenke betroffen sind, entwickelt sich fast immer nach einer gewissen Zeit eine sogenannte Polyarthritis, also eine Entzündung vieler grosser und kleiner Gelenke des Körpers. Häufig sind die Hand- und Fingergelenke befallen. Brust- und Lendenwirbelsäule sind von Rheuma nicht betroffen, Ausnahme ist das Kopf-Hals-Gelenk (Atlanto-Axial-Gelenk).

Im weiteren Krankheitsverlauf können sich unter anderem folgende typische Veränderungen der Gelenke entwickeln:

  • Ulnardeviation
    Die Finger weichen zur Ellenseite hin ab; die Elle (Ulna) ist einer der beiden Unterarmknochen und liegt in der Verlängerung des kleinen Fingers.

  • Schwanenhalsdeformität
    Verformung der Finger; das letzte Fingerglied knickt nach unten weg, das mittlere Fingerglied ist überstreckt

  • Knopflochdeformität
    Die Fingerknöchel der Fingermittelgelenke treten nach oben

  • Rheumaknoten
    gummiartige Knoten wachsen an den Streckseiten der Gelenke

Rheuma beziehungsweise die rheumatoide Arthritis kann nicht nur an den Gelenken Symptome hervorrufen. Auch Organe können betroffen sein:

  • Lunge: Bindegewebsvermehrung der Lunge (Lungenfibrose) oder eine Rippenfellentzündung (Pleuritis)

  • Herz: Herzbeutelentzündung (Perikarditis)

  • Augen: Entzündung von verschiedenen Schichten der Augenwand (Skleritis und Episkleritis)

  • Haut: Rheumaknoten oder Kleingefässentzündung (Vaskulitis) mit teilweise grossen Hautdefekten vor allem an Unterschenkeln und Fussrücken

  • Speichel und Tränendrüsen: Chronische Entzündung mit Trockenheit von Mund und Augen (Sicca-Syndrom)

5. Diagnose

Bei Rheuma beziehungsweise der rheumatoiden Arthritis stellt der Arzt die Diagnose immer aufgrund der Bewertung mehrerer Befunde: der körperlichen Untersuchung, der Laborbefunde und der Röntgenuntersuchung.

Typische Veränderungen der Blutwerte sind:

  • Anstieg der Entzündungswerte, wie Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) und C-Reaktives-Protein (CRP)

  • entzündungsbedingte Blutarmut (Anämie) mit Abfall des Hämoglobinwerts

  • Nachweis der sogenannten Rheumafaktoren (verschiedene Autoantikörper, d.h. Antikörper, die gegen körpereigene Strukturen gerichtet sind). Der Rheumafaktor ist allerdings nur bei etwa 65 bis 80 Prozent der Personen mit rheumatoider Arthritis nachweisbar und kann auch bei einigen anderen Krankheiten und sogar bei Gesunden vorliegen. Der Rheumafaktor ist daher nicht allein geeignet, bei Rheuma beziehungsweise rheumatoider Arthritis die Diagnose zu sichern.

Eine Röntgenuntersuchung ermöglicht es dem Arzt, Rheuma zu erkennen und die Diagnose zu stellen, denn die rheumatoide Arthritis zerstört im Krankheitsverlauf mitunter die Gelenke. Entsprechend zeigen Röntgenbilder typische Veränderungen:

  • gelenknahe Osteoporose: gelenknahe Entkalkung im Knochen (Frühzeichen)

  • Erosionen: mäusebissartige Knochendefekte am äusseren Rand der Gelenkfläche

  • Verschiebung der Wirbelkörper der Halswirbelsäule bei Mitbefall des Kopf-Hals-Gelenks

Röntgenaufnahmen der Hände und Füsse sind besonders gut geeignet, um frühzeitig typische Veränderungen zu erkennen.

ACR-Diagnosekriterien

ACR steht für American College of Rheumatology und bezeichnet die wissenschaftliche Vereinigung der US-amerikanischen Rheumatologen. Die sogenannten ACR-Kriterien, die 1987 aufgestellt wurden, dienen der Diagnose und der Bestimmung der Erkrankungsaktivität bei verschiedenen rheumatischen Erkrankungen. Von den sieben Punkten müssen mindestens vier für die Diagnose von Rheuma (rheumatoide Arthritis) erfüllt sein:

  • über mindestens sechs Wochen Morgensteifigkeit der Gelenke, die wenigstens eine Stunde anhält

  • Gelenkentzündung (Arthritis) mit tastbarer Schwellung in drei oder mehr Gelenkregionen seit mindestens sechs Wochen

  • Arthritis an Hand- oder Fingergelenken länger als sechs Wochen

  • symmetrische Arthritis, d.h. auf beiden Körperseiten sind dieselben Gelenke gleichzeitig betroffen länger als sechs Wochen

  • Rheumaknoten

  • Rheumafaktornachweis im Blut

  • typische Röntgenveränderungen (gelenknahe Osteoporose und/oder Erosionen)

Sind diese Kriterien erfüllt, ist die Erkrankung bereits relativ weit fortgeschritten. Da es für eine angemessene Therapie wichtig ist, Rheuma möglichst frühzeitig zu erkennen, hat das ACR diese Diagnosekriterien erweitert. Die geprüften Kriterien bleiben weitgehend gleich, allerdings wird ein Punktesystem eingeführt. Liegen sechs von zehn Punkten vor, gilt die rheumatoide Arthritis als sicher festgestellt.

Die neue ACR-Klassifikation gilt für Personen, bei denen mindestens ein Gelenk geschwollen ist, ohne dass eine andere Ursache erkennbar ist. Je nachdem, wie viele grosse und/oder kleine Gelenke betroffen sind, werden 0 bis 5 Punkte vergeben. Auch die Dauer der Beschwerden und das Vorliegen bestimmter Blutwerte (z.B. C-reaktives Protein, Rheumafaktoren) werden bepunktet. Damit soll es nicht nur möglich sein, die rheumatoide Arthritis festzustellen, sondern auch zu erkennen, wie weit sie bereits fortgeschritten ist. In der Praxis muss sich die neue Klassifikation aber noch beweisen.

DAS-Diagnosekriterien

DAS steht für Disease Activity Score und erfasst auf Grundlage einer bestimmten Anzahl von Gelenken (z.B. 28 berücksichtigte Gelenke = DAS28) die Krankheitsaktivität der rheumatoiden Arthritis (Rheuma). Der DAS-Wert dient zusätzlich zu den ACR-Kriterien als Mess- beziehungsweise Beurteilungsinstrument. Die Skala des DAS reicht von 0 bis 10, wobei 0 für die nicht vorhandene Krankheitsaktivität steht und 10 für die grösste Aktivität.

6. Therapie

Die rheumatoide Arthritis, die häufigste Rheuma-Form, erfordert eine Therapie, bei der internistischen Rheumatologen, Orthopäden, Krankengymnasten und Ergotherapeuten interdisziplinär zusammenarbeiten. Ziel der Rheuma-Therapie ist es, zu vermeiden, dass immer mehr Gelenke zerstört werden. Bei Rheuma beziehungsweise rheumatoider Arthritis stehen verschiedene Therapie-Verfahren zur Verfügung, zum Beispiel:

  • Therapie mit schmerzlindernden und entzündungshemmenden Medikamenten

  • Einspritzen von Kortisonpräparaten in die Gelenke oder Kortisontabletten

  • Krankengymnastik und physikalische Therapie

  • Ergotherapie und Rehabilitation

  • Operative Therapie: Entfernung der Gelenkschleimhaut (Synovektomie) und wiederherstellende (rekonstruktive) Chirurgie mit Gelenkprothesen

Es ist bislang nicht möglich, die rheumatoide Arthritis beziehungsweise Rheuma ursächlich zu heilen.

NSAR und Kortison

Schmerzmittel wie nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) haben in der Rheuma-Therapie die Aufgabe, die Symptome zu lindern. Auf den Verlauf der rheumatoiden Arthritis haben sie keinen Einfluss.

Der Vorteil der NSAR ist, dass ihre Wirkung schnell einsetzt. Die Schmerzen lassen rasch nach und die Betroffenen können sich wieder besser bewegen. Als alleinige Rheuma-Therapie sind sie langfristig aber nicht geeignet. Mögliche Nebenwirkungen betreffen vor allem das Magen-Darm-System: Es kann zu Blutungen kommen.

Kortison wirkt stark entzündungshemmend. Der Arzt verschreibt es zum Beispiel in akuten Krankheitsphasen, wenn kortisonfreie Entzündungshemmer (NSAR) nicht ausreichend wirken.

Basistherapeutika

In den letzten Jahren haben sich grundlegende Veränderungen in der Therapie der rheumatoiden Arthritis ergeben. Sobald die Diagnose gesichert ist, verschreibt der Arzt sogenannte Basistherapeutika. Sie greifen direkt in den Krankheitsverlauf ein.

Die Wirkung der Basistherapeutika tritt nicht sofort, sondern je nach Substanz erst nach einigen Wochen bis zu mehreren Monaten ein. Mit den Basistherapeutika gelingt es jedoch, entzündliche Schübe bei Rheuma zu verhindern, die Beschwerden vorübergehend verschwinden zu lassen und zu verhindern, dass die Gelenke versteifen. Bis sie wirken, kommen zur Rheuma-Therapie NSAR zum Einsatz, um die Symptome zu lindern.

TNF-alpha-Hemmer

Die Standardtherapie wirkt nicht bei allen Betroffenen. Deshalb arbeiten Forscher intensiv daran, neue Präparate zu entwickeln, um den Krankheitsfortschritt bei Rheuma beziehungsweise rheumatoider Arthritis aufzuhalten und die Schmerzen zu lindern. Eine neuere, vielversprechende Entwicklung sind Wirkstoffe, die in die Kommunikation zwischen Immunzellen eingreifen, welche den Entzündungsprozess bei der rheumatoiden Arthritis vorantreiben.

Von Bedeutung ist dabei der körpereigene, entzündungsfördernde Botenstoff TNF-alpha (TNF = Tumornekrosefaktor): An Entzündungen beteiligte weisse Blutkörperchen fordern über TNF-alpha andere Immunzellen dazu auf, mitzuwirken. TNF-alpha-Hemmer greifen gezielt in diese biologischen Vorgänge ein und schalten TNF-alpha aus – und halten damit den Entzündungsprozess auf. TNF-alpha-Hemmer zählen zu den sogenannten Biologika (Biologics), genauer zur Gruppe der monoklonalen Antikörper.

B-Zell-Hemmer

Auch Medikamente, welche die B-Zellen hemmen, kommen in der Rheuma-Therapie zum Einsatz. B-Zellen gehören zu den weissen Blutkörperchen und sind in der Lage, Antikörper zu bilden. Der auch bei Lympknotenkrebs (Non-Hodgkin-Lymphome) angewendete Antikörper wird bei rheumatoider Arthritis nach einer Vorbehandlung mit einem TNF-alpha-Hemmer eingesetzt, wenn diese Therapie nicht oder nur unzureichend wirksam oder nicht verträglich ist.

Der Wirkstoff bindet gezielt an das Merkmal CD20, das nur auf bestimmten B-Zellen im Immunsystem zu finden ist, und zerstört diese B-Zellen. B-Zellen mit dem Oberflächeneiweiss CD20 spielen eine Schlüsselrolle bei der Entstehung und Aufrechterhaltung der rheumatoiden Arthritis. Andere B-Zellen, die Teil des schützenden Immunsystems sind, greift Rituximab nicht an. So werden gezielt nur die entzündungsverursachenden Faktoren ausgeschaltet. Auf diese Weise kann die Gelenkzerstörung bei vielen Personen mit rheumatoider Arthritis aufgehalten oder zumindest gehemmt werden.

Krankengymnastik

Moderne Konzepte der Rheuma-Therapie zeichnen sich dadurch aus, dass verschiedene Methoden miteinander kombiniert werden. Dazu gehören neben den Arzneimitteln auch Krankengymnastik, physikalische Therapie und Ergotherapie (z.B. Gelenkschutzberatung). Falls erforderlich, ergänzen auch soziale und psychologische Massnahmen die Therapie. Bei starken Gelenkzerstörungen können Operationen und gegebenenfalls auch der Ersatz des zerstörten Gelenks durch ein künstliches Gelenk nötig werden.

7. Verlauf

Meistens nimmt Rheuma beziehungsweise die rheumatoide Arthritis einen chronischen Verlauf. Obwohl auch gutartige Verläufe vorkommen, schreitet die rheumatoide Arthritis meist allmählich fort. Gelenkzerstörungen sind fast immer spätestens nach einigen Jahren im Röntgenbild zu sehen. Die heutigen Behandlungsmethoden können den Rheuma-Verlauf bei den meisten Betroffenen bremsen. Die Gelenkentzündung und Schmerzen sind lange Zeit gut kontrollierbar. Dennoch besteht die Möglichkeit, dass Menschen mit Rheuma dauerhaft erwerbsunfähig beziehungsweise hilfsbedürftig werden.

Bei Betroffenen mit einem schweren Rheuma-Verlauf ist die Lebenserwartung mitunter kürzer als bei Gesunden.

Bewegung und Sport

Die rheumatoide Arthritis beziehungsweise Rheuma kann bislang nicht geheilt werden. Ziele der Therapie sind daher, die Schmerzen und Entzündungen zu lindern, die Gelenkbeweglichkeit zu erhalten und zu verhindern, dass die Gelenke ihre Form verändern. Die wichtigste Massnahme besteht darin, die Gelenke weiterhin zu bewegen. Werden sie geschont oder eventuell sogar ruhig gestellt, kann dieses die Schmerzen dagegen nur kurzfristig lindern. Ausserdem versteift sich ein ruhig gestelltes Gelenk schneller und überlastet andererseits gesunde Gelenke, so dass das Rheuma sich verschlimmert.

Bei Rheuma sind gezielte krankengymnastische Übungen in Absprache mit dem Arzt oder Bewegungstherapeuten sinnvoll. Zuweilen ist es hilfreich, solche Übungen im warmen Wasser durchzuführen, welches die Muskulatur auflockert und einen Teil des Eigengewichts des Betroffenen trägt.

Empfehlenswert sind auch Bewegungsgruppen. Dabei erlernen Betroffene unter fachkundiger Anleitung in einer Turnhalle oder im Schwimmbad, welche Übungen geeignet sind, die Beweglichkeit der Gelenke zu erhalten.

Auch die gezielte Ergotherapie kann für Personen mit rheumatischen Erkrankungen von Nutzen sein. Dabei üben Betroffene Bewegungsabläufe – zum Beispiel Sitzpositionen – die ihnen den Alltag erleichtern.

Kälte lindert die Beschwerden

Kälte lindert Schmerzen und Schwellungen an entzündeten Gelenken, wie sie bei der rheumatoiden Arthritis auftreten. Eisbeutel oder mit Gel gefüllte Kühlbeutel aus dem Gefrierfach können mehrmals täglich für einige Minuten auf die betroffenen Gelenke gelegt werden. Die Beutel sollten dazu immer mit einem Tuch umhüllt werden, um Erfrierungen an der Haut zu vermeiden.

In spezialisierten Praxen und Fachkliniken werden Kältebehandlungen auch durch das Aufblasen von gekühlter Luft oder flüssigem Stickstoff auf die Haut durchgeführt. Hier gibt es zum Teil auch Kältekammern, in denen sich der Betroffene mehrmals täglich für sehr kurze Zeit aufhält. Die Kälte blockiert die Schmerzrezeptoren in der Haut und verringert die Schmerzweiterleitung in den Nervenfasern.

Hilfen im Alltag

Um die eingeschränkte Beweglichkeit der Hände zu überbrücken und damit den Alltag zu erleichtern, gibt es viele Hilfsmittel. Diese Hilfsmittel erleichtern nicht nur Alltägliches wie einen Apfel zu schälen, sondern sie entlasten und schützen gleichzeitig die Gelenke. Nicht zuletzt ermöglichen sie vielen Rheumatikern, sich ein Stück Unabhängigkeit im Alltag zurückzuerobern.

Ist nur eine Hand durch das Rheuma stark eingeschränkt, kann man Hilfsmittel wählen, die das einhändige Arbeiten erlauben. Scheren, Besteck, Koch- und Schneidehilfen, Obst- und Gemüseschäler, aber auch Töpfe und vieles mehr sind so konzipiert, dass sie dicke Griffe aus Moos- oder Schaumgummi haben. Weiche Griffrillen verhindern bei einigen Modellen das Abrutschen der nassen Hände. Tassen sind mit zwei Henkeln ausgestattet, damit sich das Gewicht auf beide Hände verteilt.

Beispiele für Alltagshilfen

  • Greifhilfe
    Für Personen mit eingeschränkter Bewegungsfähigkeit der Hand gibt es spezielle Greifhalter. Sie ermöglichen es, Gegenstände wie Besteck, Schreibinstrumente oder Bürsten sicher in den Griff zu bekommen.

  • Kugelschreiber
    Es gibt Kugelschreiber, die sich gut greifen lassen und keinen starken Druck benötigen, um zu schreiben. Für den besseren Griff gibt es für den Daumen eine Vertiefung.

  • Schlüssel-Drehhilfe
    Die Schlüsseldrehhilfe lässt sich gut fassen und ermöglicht das einfache Aufschliessen einer Tür.

  • Knöpfhilfe
    Das Gerät passt sich individuell der Handform an, ist leicht zu greifen und erleichtert das Schliessen der Knöpfe. Gerade bei solch filigranen Abläufen der Hände sind Hilfsmittel eine wichtige Möglichkeit, sich trotz Rheuma selbstständig zu versorgen.

  • Teller
    Ein zusätzlicher Ring aus weichem Kunststoff kann so an dem Teller angebracht werden, dass ein höherer Rand entsteht. Vorteil: Der Rheumatiker kann nur mit einer Hand essen, ohne dass das Essen vom Teller rutscht.

  • Schneidebrett
    Rutschfeste Schneidebretter haben eine Haltevorrichtung, in die das gewünschte Gemüse oder Brot eingespannt werden kann, ähnlich einer Schraubzwinge. Dadurch können die Lebensmittel einhändig geschnitten werden.

  • Trinkbecher
    Sie haben zwei Henkel, damit das Gewicht von beiden Händen getragen werden kann.

  • Flaschenöffner
    Ob Schraubverschlüsse, Getränkedosen oder Kronkorken, der Flaschenöffner ermöglicht mit einfachem Griff und wenig Kraftaufwand das Öffnen dieser Flaschen.

  • Dehnbare SchnürsenkelBetroffene können Schnürschuhe weiterhin anziehen, ohne dass sie eine Schleife binden müssen. Möglich ist dies durch den Einsatz elastischer Schnürsenkel, die einmal gebunden werden und sich dann bei jedem An- und Ausziehen einfach dehnen.

  • Dosenöffner, Zahnbürste und Co
    Heutzutage gibt es die verschiedensten Geräte mit elektrischem Antrieb. Sie entlasten, da der Betroffene sich nicht anstrengen muss.

  • Für Linkshänder
    Ist die rechte Hand stärker eingeschränkt als die linke, besteht die Möglichkeit, Alltagsgegenstände speziell für den Linkshänder zu verwenden. Auch hier gibt es heutzutage Angebote vom Dosenöffner bis hin zur Schere.

Rheuma und Ernährung

Da sich Rheuma häufig mit Medikamenten allein nicht kontrollieren lässt, hoffen viele Betroffene auf Linderung durch eine spezielle Rheuma-Ernährung. Eine spezielle Ernährung bei Rheuma kann die Basistherapie aber nicht ersetzen sondern allenfalls ergänzen.

Ziel einer speziellen Rheuma-Ernährung ist es, die Entzündung zu hemmen und Knochenschwund (Osteoporose) vorzubeugen. Eine entzündungshemmende Ernährung bei Rheuma umfasst:

  • wenige tierische Lebensmittel wie Fleisch- und Wurstwaren, Eier, vollfette Milch und Milchprodukte

  • viele Omega-3-Fettsäuren wie Eicosapentaensäure (EPA), z.B. aus Fisch bzw. Fischöl, Lein-, Weizenkeim-, Raps-, Soja- oder Walnussöl

  • viele Antioxidantien, z.B. Vitamin E, Selen

Eine weitere wichtige Aufgabe der Ernährung bei Rheuma ist es, dem Knochenschwund vorzubeugen. Osteoporose ist zwar ein eigenständiges Krankheitsbild, kann aber auch als Folge der rheumatoiden Arthritis auftreten. Eine Rheuma-Ernährung, die dem Knochenschwund vorbeugt, enthält vor allem viel Kalzium. Dieses steckt vor allem in fettarmer Milch und Milchprodukten. Gegebenenfalls können bei der Rheuma-Ernährung auch mit Kalzium angereicherte Lebensmittel sinnvoll sein.

Zudem sollten Betroffene gezielt Lebensmittel mit einem geringen Phosphatgehalt auswählen, denn Phosphat verhindert, dass Kalzium in den Knochen eingebaut wird. Vor allem tierische Produkte enthalten Phosphat. Ebenfalls wichtig für die Knochengesundheit ist Vitamin D. Dieses kann der Körper bei ausreichend Bewegung und Sonnenlicht selbst bilden. Da bei Rheumatikern die Bewegungsfähigkeit häufig eingeschränkt ist, kann es sinnvoll sein, im Rahmen der Ernährung bei Rheuma Vitamin D als Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen.

8. Vorbeugen

Es gibt keine Massnahmen, die die rheumatoide Arthritis verhindern beziehungsweise Rheuma vorbeugen. Sinnvoll und gelenkfreundlich ist allerdings regelmässige Bewegung, bei der alle Gelenke gleichmässig belastet werden, wie tägliches Spazierengehen, Schwimmen, Velofahren und Gymnastik.

Wenn Sie bereits an Rheuma erkrankt sind, ist eine angemessene Therapie wichtig – damit lassen sich Komplikationen oft vorbeugen.