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Rotatorenmanschettenruptur

(Rotatorenmanschettenriss)
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1. Überblick

Die Rotatorenmanschettenruptur (Rotatorenmanschettenriss) ist eine Verletzung der Schulter. Der Riss betrifft eine oder mehrere Sehnen der vier Muskeln, die die sogenannte Rotatorenmanschette bilden. Meist wird die Sehne des Obergrätenmuskels verletzt, die Supraspinatussehne.

Folgende vier Muskeln und ihre Sehnen bilden die Rotatorenmanschette und können bei einer Rotatorenmanschettenruptur verletzt werden:

  • Obergrätenmuskel (Musculus supraspinatus)
  • Untergrätenmuskel (Musculus infraspinatus)
  • kleiner runder Armmuskel (Musculus teres minor)
  • Unterschulterblattmuskel (Musculus subscapularis)

Alle vier ziehen vom Schulterblatt zum Oberarmknochen und setzen dort mit ihren Sehnen an. Ihre Aufgabe besteht darin, das Schultergelenk zu stabilisieren und den Kopf des Oberarmknochens in der Gelenkpfanne des Schulterblatts zu halten. Die Muskeln sind am Heben und Drehen des Armes beteiligt und helfen, die Hand für bestimmte Bewegungen und Tätigkeiten in Position zu bringen.

Eine Rotatorenmanschettenruptur verursacht je nach Ausmass unterschiedliche Beschwerden. Dabei gilt, dass eher kleine Risse häufig mehr schmerzen als grössere Schädigungen. Typische Symptome sind belastungs- und positionsabhängige Schulterschmerzen, die vor allem beim seitlichen Anheben des Arms (Abduktion) gegen Widerstand auftreten. Auch nachts schmerzt die Schulter mitunter, wenn man auf der Seite liegt.

Ein Rotatorenmanschettenriss trifft überwiegend Menschen nach dem 30. Lebensjahr, häufiger Männer als Frauen. Es bestehen vorwiegend drei Ursachen für eine Rotatorenmanschettenruptur:

  • Verschleiss (Degeneration), begünstigt durch langjähriges Arbeiten über Kopf oder sogenannte Überkopfsportarten wie Tennis, Basketball, Handball, Golf
  • Einengung und Schädigung der Sehnen durch Platzmangel in dem Raum unter dem Schulterdach (sog. subakromiales Impingement)
  • Verletzungen und Unfälle, etwa ein Sturz auf den Arm oder die Schulter

Ein Riss tritt in aller Regel nur bei vorgeschädigten Sehnen auf. Eine gesunde und reibungslos arbeitende Rotatorenmanschette ist für viele Bewegungen der Schulter, des Arms und der Hand unverzichtbar. Daher sollte nach einer Rotatorenmanschettenruptur rasch mit der Therapie begonnen werden. Sie umfasst – je nach Schweregrad, Alter, Beruf und Anspruch des Betroffenen – nicht-operative (konservative) und operative Massnahmen.

Die konservative Behandlung setzt auf Medikamente gegen Schmerz und Entzündung sowie auf physiotherapeutische Massnahmen. Als typische Operation gilt die Naht der Rotatorenmanschette. Nach dem Eingriff muss der Betroffene den Arm auf spezielle Weise lagern. Durch physiotherapeutische Übungen werden Kraft und Beweglichkeit der Schultermuskeln beziehungsweise des Schultergelenks wieder aufgebaut.

2. Definition

Eine Rotatorenmanschettenruptur (Rotatorenmanschettenriss) liegt vor, wenn eine oder mehrere Sehnen der vier die Rotatorenmanschette bildenden Muskeln verletzt oder gerissen sind. Als Rotatorenmanschette wird eine Muskelgruppe im Schultergelenk bezeichnet.

In manchen Fällen liegt zusätzlich eine Verletzung von Bändern im Bereich des Schultergelenks vor (sog. Pulleyläsion); ebenso kann es zu begleitenden Schäden an der langen Bizepssehne kommen (LBS-Läsion), die ebenfalls nah am Schultergelenk verläuft.

Häufigkeit

Eine Rotatorenmanschettenruptur zählt zu den häufigen Verletzungen der Schulter. Je älter man wird, desto wahrscheinlicher kommt es zu einem Riss der Rotatorenmanschette. So zeigen Ultraschalluntersuchungen bei etwa jedem zehnten 40 bis 49-Jährigen, jedem dritten 50 bis 59-Jährigen, jedem zweiten 60 bis 69-Jährigen sowie mehr als zwei Dritteln der Siebzigjährigen Zeichen einer Rotatorenmanschettenruptur.

Rotatorenmanschette

Die Rotatorenmanschette spielt eine grosse Rolle für die Funktion des Schultergelenks. Durch seinen speziellen Aufbau ermöglicht das Schultergelenk dem Arm eine grosse Bewegungsfreiheit: Im Gegensatz zu anderen Gelenken wie dem Hüft- oder Kniegelenk besteht nur ein kleinflächiger Kontakt zwischen dem Oberarmkopf und der Gelenkpfanne des Schulterblatts. Beim Hüftgelenk zum Beispiel umschliesst die Gelenkpfanne des Beckenknochens den Kopf des Oberschenkelknochens zu einem recht grossen Teil und hält ihn gewissermassen fest.

Das Schultergelenk hingegen ist auf die Rotatorenmanschette angewiesen: Dieses Gefüge aus vier Muskeln und deren Sehen stabilisiert die Schulter massgeblich; vorausgesetzt, dass alle Strukturen unverletzt sind und dass sie genügend freien Raum zwischen dem knöchernen Schulterdach (Akromion) und dem Kopf des Oberarmknochens finden, um sich frei und ohne einzuklemmen zu bewegen.

Folgende vier Muskeln und deren Sehnen bilden die Rotatorenmanschette:

  • Obergrätenmuskel (Musculus supraspinatus)
  • Untergrätenmuskel (Musculus infraspinatus)
  • kleiner runder Armmuskel (Musculus teres minor)
  • Unterschulterblattmuskel (Musculus subscapularis)

All diese Muskeln ziehen vom Schulterblatt zum Oberarmknochen und setzen dort mit ihren Sehnen an. Sie legen sich wie eine Manschette rund um den Kopf des Oberarmknochens und decken das Schultergelenk dabei dachartig ab. Daher stammt auch die Bezeichnung als «Schultersehnenkappe». Von vorne betrachtet setzt die Sehne des Unterschulterblattmuskels vorne an der Schulter an, die des Obergrätenmuskels oben, die des Untergrätenmuskels hinten oben und die des kleinen runden Armmuskels hinten unten.

Die Muskeln der Rotatorenmanschette haben – neben der Stabilisierung des Gelenks – noch weitere wichtige Aufgaben: Sie bewegen den Arm im Schultergelenk und schaffen somit auch die Voraussetzung für viele Tätigkeiten der Hand. Gemeinsam mit dem Deltamuskel (Musculus deltoideus) heben sie den Arm nach aussen (Abduktion) und beteiligen sich an Drehbewegungen des Arms nach innen (Innenrotation) und aussen (Aussenrotation).

Ist einer der Muskeln der Rotatorenmanschette gelähmt, stört dies das empfindliche muskuläre Gleichgewicht des Schultergelenks. Eine mögliche Folge: Die Position des Kopfes des Oberarmknochens verändert sich im Gelenk, viele Bewegungen laufen nicht mehr wie gewohnt ab.

Eine Schädigung der Rotatorenmanschette beginnt in vielen Fällen im Bereich der Sehne des Obergrätenmuskels: der Supraspinatussehne. Wie auch die Sehnen der anderen Muskeln der Rotatorenmanschette verläuft sie unmittelbar auf der Gelenkkapsel im Raum unter dem Schulterdach (subakromialer Raum).

3. Ursachen

Einer Rotatorenmanschettenruptur (Rotatorenmanschettenriss) liegen als Ursachen meist langjähriger Verschleiss (Degeneration) und Belastungen der Sehnen zugrunde. Im Laufe des Lebens werden die Muskeln und Sehnen der Rotatorenmanschette stark beansprucht – die Degeneration der Sehnen setzt bereits ab dem 30. Lebensjahr ein. Es gibt eine Reihe von Faktoren, die diesen Verschleiss vorantreiben und begünstigen, wobei sich äussere und innere (anatomische) Ursachen unterscheiden lassen.

Für eine Rotatorenmanschettenruptur stellen äussere Ursachen wie bestimmte sportliche oder berufliche Tätigkeiten einen Risikofaktor dar, wenn bei ihnen die Arme ständig angehoben werden müssen. Beispiele für sogenannte Überkopfsportarten sind Handball, Tennis, Basketball, Badminton, Volleyball, Golf, Kunstturnen, Kampfsport und Rudern. Auch unter den Berufsgruppen gelten vor allem solche, bei denen die Arme über Kopf gehalten werden müssen, als besonders anfällig für eine Rotatorenmanschettenruptur (z.B. Maler und Lackierer, Stuckateure, Zimmerleute).

Bei degenerierten Sehnen kann schon eine verhältnismässig leichte Belastung oder ein leichtes Trauma zur Rotatorenmanschettenruptur führen. Daher kommen als Ursachen durchaus auch leichte, vielleicht gar nicht als schlimm wahrgenommene Verletzungen infrage.

Ein Riss der Rotatorenmanschette kann ebenso durch hohe Belastung (wie Krafttraining, schweres Heben) entstehen. Auch ein Sturz auf den ausgestreckten Arm kann einen Riss der Rotatorenmanschette verursachen. Auch hier besteht aber meist eine Vorschädigung der Sehnen.

Zu den anatomischen Ursachen zählen krankhafte Veränderungen der Sehnen (sog. Enthesiopathie). Sie entstehen, da die Sehnen in ihrem Ansatz relativ schlecht durchblutet werden und somit schlecht ernährt werden. Dies macht sie anfälliger für Verletzungen und Risse.

4. Symptome

Eine Rotatorenmanschettenruptur (Rotatorenmnaschettenriss) äussert sich durch verschiedene, teils typische Symptome. Je nach Ursache des Risses entstehen die Beschwerden plötzlich oder sie entwickeln sich über einen längeren Zeitraum. In aller Regel bestehen belastungs- und positionsabhängige Schmerzen – häufig treten sie auch nachts auf, wenn man auf der betroffenen Seite liegt. Vor allem beim seitlichen Anheben des Arms (Abduktion) gegen Widerstand schmerzen die betroffene Schulter und der Oberarm. Hierbei tut es typischerweise besonders in einem Abspreizwinkel zwischen 60 und 120 Grad weh (sog. schmerzhafter Bogen oder engl. painful arc).

Kleine Risse der Rotatorenmanschette können beschwerdefrei bleiben oder über ein bis zwei Tage zunehmend Beschwerden machen. Bei älteren Menschen nehmen die Schmerzen mitunter über einen längeren Zeitraum fortwährend zu, sodass nicht gleich an eine Rotatorenmanschettenruptur gedacht wird.

Die Symptome führen dazu, dass manche Bewegungen nur mit weniger Kraft erfolgen können als im gesunden Zustand. Dies schränkt Betroffene zusätzlich ein, da bestimmte Tätigkeiten nicht mehr möglich sind.

In welchem Ausmass eine Rotatorenmanschettenruptur diese Symptome verursacht, hängt von mehreren Punkten ab:

  • Bestand vor dem Riss bereits eine Sehnenentzündung?
  • Über welchen Zeitraum haben sich die Veränderungen entwickelt?
  • Ist die Manschette bzw. eine ihrer Sehnen teilweise oder gar vollständig gerissen?

Als weitere Symptome einer Rotatorenmanschettenruptur kommen infrage:

  • Schmerzen an der Aussenseite des Oberarms, dort, wo der Deltamuskel ansetzt
  • Druckschmerzen im Bereich der Sehne des Obergrätenmuskels (Supraspinatussehne), ggf. findet sich eine tastbare Muskellücke an dieser Stelle
  • Der Arm der betroffenen Seite wirkt bei manchen Bewegungen wie gelähmt (sog. Pseudoparalyse)

Die Schmerzen beginnen vor dem Knochenvorsprung des Schulterblatts (Akromion) oder seitlich davon und strahlen in das Schulterblatt oder in die Muskeln und den Unterarm aus. Spreizt man den Arm gegen einen Widerstand ab oder dreht ihn nach innen, verstärken sich die Schmerzen. Der grosse Muskelansatzhöcker am Oberarmknochen (Tuberculum majus) reagiert schmerzhaft auf Druck. Letztlich schmerzt die Schulter auch im Ruhezustand.

5. Diagnose

Bei einer Rotatorenmanschettenruptur (Rotatorenmanschettenriss) stellt der Arzt die Diagnose unter anderem anhand der typischen Schulterschmerzen und der geschwächten Muskulatur. Hierzu befragt er den Betroffenen zuerst nach der Art der Beschwerden, wie lange sie schon bestehen und in welchen Situationen sie auftreten. In der körperlichen Untersuchung stellt er fest, ob die Muskelkraft verringert ist und bei welchen Bewegungen und in welchen Positionen der Patient über Schmerzen klagt.

Hierzu nutzt der Arzt eine Reihe unterschiedlicher klinischer Tests, sogenannte Impingementtests.

Beispiele sind die nach ihren "Erfindern" benannten Tests nach

Sie alle dienen dazu, bestimmte Bewegungsabläufe zu testen und damit einhergehende Auffälligkeiten wie Schmerzen oder eine Muskelschwäche nachzuweisen, die auf eine Rotatorenmanschettenruptur schliessen lassen. Die Diagnose wird immer wahrscheinlicher, wenn die Tests positiv sind, also auf krankhafte Veränderungen hindeuten.

Ein weiterer Test kann vor allem einen ausgedehnten Riss nachweisen: der drop-arm-Test (engl. drop = fallen) beziehungsweise das drop-arm-Zeichen. Hierbei hebt der Arzt den Arm des Patienten bis etwa 90 Grad an und bittet den Betroffenen, seinen Arm nun aus eigener Kraft gegen die Schwerkraft zu halten. Besteht eine ausgeprägte Ruptur, gelingt das nicht und der Arm fällt einfach herunter.

Ergänzend zu diesen Untersuchungen kann der Arzt bei Verdacht auf eine Rotatorenmanschettenruptur zur exakten Diagnose auf bildgebende Verfahren wie

  • eine Ultraschalluntersuchung,
  • eine Röntgenuntersuchung
  • und eine Kernspintomographie (MRT)

zurückgreifen. Sie zeigen jeweils typische Befunde, die die Diagnose festigen können.

Im Ultraschall erkennt der Arzt einen Rotatorenmanschettenriss anhand einer Unterbrechung der Sehne oder – bei einem Riss der gesamten Manschette – an dem Fehlen der Manschette über dem Oberarmkopf (sog. Humeruskopfglatze). Auch ein Erguss unter dem Schulterdach (subakromial) wäre sichtbar.

Eine Röntgenuntersuchung kann zwar die Rotatorenmanschette nicht direkt darstellen – es ergeben sich bei einem Riss aber in manchen Fällen Hinweise auf mögliche Ursachen. In der Regel erfolgen drei Aufnahmen aus verschiedenen Positionen. Es kann eine ausgeprägte anatomische Enge unter dem Schulterdach (Akromion) sichtbar sein; mögliche Ursache wäre ein Knochensporn, der die Sehnen über längere Zeit geschädigt hat, oder ein abnorm geformtes Akromion. Der Oberarmkopf kann im Falle eines ausgeprägten Rotatorenmanschettenrisses nach oben verrückt sein (hoch stehen), da ihn die Muskeln durch die Ruptur nicht mehr in der Gelenkpfanne des Schulterblattes halten können.

Mittels Kernspintomographie lässt sich eine Rotatorenmanschettenruptur direkt feststellen und das genaue Ausmass der Verletzung (teilweiser oder vollständiger Riss) zeigt sich deutlich. Auch ein Erguss kann im MRT auffallen.

6. Therapie

Eine Rotatorenmanschettenruptur (Rotatorenmanschettenriss) erfordert in den meisten Fällen eine gezielte Therapie. Welche Behandlung infrage kommt, hängt von einer ganzen Reihe von Faktoren

  • dem Ausmass der Schädigung: Handelt es sich um einen teilweisen oder vollständigen Riss? Sind mehrere Sehnen betroffen?
  • dem Zeitpunkt des Risses bzw. der Dauer der Beschwerden: Wie lang liegt das Ereignis zurück?
  • der Stärke der Schmerzen
  • dem Alter, Anspruch und Aktivitätsgrad des Betroffenen: Geht der Patient beruflichen oder sportlichen Aktivitäten nach, die die volle Funktion der Rotatorenmanschette voraussetzen?

Bei einer Rotatorenmanschettenruptur verfolgt die Therapie drei Ziele:

  1. die Funktion wiederherzustellen
  2. die Kraft wiederherzustellen
  3. Schmerzfreiheit herbeizuführen

Entweder erfolgt eine konservative, nicht operative Therapie oder es steht eine Operation mit entsprechender Nachbehandlung an.

Konservative Therapie, Physiotherapie

Eine konservative Therapie eignet sich, wenn die Rotatorenmanschettenruptur die Funktion der Schulter nicht oder nur in geringem, für den Patienten akzeptierbaren Masse einschränkt und wenn die Schmerzen im Vordergrund stehen.

Die Behandlung umfasst mehrere Aspekte:

  • Medikamente, die die Entzündung hemmen, sog. NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika)
  • Medikamente, die die Schmerzen lindern (Analgetika)
  • Glukokortikoid-Injektionen unter das Schulterdach; hier besteht das Risiko, dass die Medikamente die Sehnen zusätzlich schädigen können. Daher beschränkt sich die Zahl der Injektionen meist auf 3.
  • gezielte Physiotherapie mit Muskelaufbautraining (vorausgesetzt sie verursacht keine Schmerzen)
  • manuelle Therapie
  • unterstützende physikalische Therapie, z. B. Interferenzstrombehandlung (ein Art der Elektrotherapie), heisse Rolle (Wärmetherapie), Ultraschallbehandlung, Kältetherapie

Zudem kommt der Eigentherapie grosse Bedeutung zu: Der Betroffene kann zuhause krankengymnastische Übungen machen und so aktiv dazu beitragen, dass die Muskeln wieder zu Kräften kommen. Besonders wichtig sind Regelmässigkeit und Ausdauer der Physiotherapie: Es empfiehlt sich ein Training über mehrere Monate hinweg zum Beispiel an fünf Tagen pro Woche für 15 bis 30 Minuten.

In manchen Fällen muss der Arm beziehungsweise die Schulter zu Beginn der konservativen Therapie auf einer sogenannten Thoraxabduktionsschiene für ein paar Wochen ruhiggestellt werden. Schon früh muss aber eine begleitende physiotherapeutische Behandlung erfolgen, da die Beweglichkeit der Schulter unbedingt erhalten bleiben muss. Anfangs handelt es sich meist um passive Übungen, das heisst, der Patient muss nicht selber aktiv seine Muskeln einsetzen. Später kommen aktive, teils durch den Physiotherapeuten unterstützte Übungen hinzu.

In folgenden Situationen sollten Patient und Arzt gemeinsam überlegen, ob eine Operation weiterhelfen kann:

  • wenn konservative Therapie und Physiotherapie nicht den gewünschten Erfolg zeigen
  • wenn der Betroffene weiterhin unter nachts auftretenden Schmerzen und Kraftlosigkeit in der Schulter leidet, also Beschwerden, die ihn sichtlich einschränken und seine Lebensqualität herabsetzen

Operation

Bei einer Rotatorenmanschettenruptur empfiehlt sich eine Operation meist dann, wenn der Funktionsausfall sehr ausgeprägt ist und ein direktes Trauma zum Riss geführt hat. Auch wenn die konservative Therapie nicht zu dem gewünschten Erfolg geführt hat und bei Sportlern, die einer Überkopfsportart nachgehen, zum Beispiel Handball- oder Tennisspieler, steht eine operative Behandlung des Risses zur Wahl.

Heutzutage kann die Mehrzahl der Betroffenen mittels Schlüssellochchirurgie, also einer Gelenkspiegelung (Arthroskopie), operiert werden. Meist lässt sich bei einer Rotatorenmanschettenruptur eine offene Operation, bei der ein grösserer Hautschnitt erfolgt, umgehen. Eine weitere Möglichkeit besteht in der sogenannten mini-open-repair-Technik, die mit einem sehr kleinen Schnitt auskommt (engl. open = offen; repair = Reparatur).

Bei der Arthroskopie blickt der Arzt mit einem optischen Instrument (Endoskop) in das Schultergelenk und begutachtet die umliegenden Strukturen. Er beurteilt vorerst folgende Punkte:

  • Form, Grösse und Lokalisation des Risses
  • Beschaffenheit bzw. Qualität des Sehnengewebes
  • Beweglichkeit der Sehnenplatte

Ein Vorteil der Schlüssellochtechnik besteht darin, dass der Arzt sie sowohl für die Diagnose als auch zur Therapie einsetzen kann: Stellt sich bei der Spiegelung heraus, dass eine Operation nicht nötig oder hilfreich ist, bricht der Chirurg die Untersuchung ab. Eine Rotatorenmanschettenruptur hingegen kann er direkt im selben Schritt therapieren.

Die Operation hat in den meisten Fällen zum Ziel, die gerissene Sehne zu nähen. Häufig erweitert der Operateur zusätzlich den Raum unter dem Schulterdach (Akromion), den sogenannten Subakromialraum. Dies nennen Fachleute subakromiale Dekompression. Dabei entfernt der Chirurg zum einen Gewebe des Schleimbeutels, der unter dem Schulterdach liegt (Bursa subacromialis), zum anderen trägt er mit speziellen Instrumenten (kleinen Fräsen) Teile des Knochens des Akromions ab. Hierbei kann es sich um einen störenden Knochensporn oder die Korrektur eines ungünstig verlaufenden Akromions handeln, das den Raum unter dem Schulterdach einengt.

In seltenen Fällen kommt es bei einer Rotatorenmanschettenruptur dazu, dass ein Stück Knochen mit ausreisst, meist an bestimmten Vorsprüngen des Oberarmknochens, an denen die Sehnen der Muskeln ansetzen (sog. Tuberculum minus und Tuberculum majus). Dieses Knochenstück muss dann wieder angeschraubt und verankert (fixiert) werden.

Bei einer sehr ausgeprägten Rotatorenmanschettenruptur erfolgt in der Operation ein sogenannter Muskeltransfer. Bei diesem Verfahren versetzt der Chirurg Teile des grossen Brustmuskels (Musculus pectoralis major) oder des breiten Rückenmuskels (Musculus latissimus dorsi) in den Bereich der Rotatorenmanschettenruptur. Ziel des Eingriffs: Die Muskeln sollen die Funktion der Rotatorenmanschette soweit möglich übernehmen beziehungsweise zumindest teilweise ersetzen. Der Muskeltransfer ist eine Notlösung, wenn die anderen Operationstechniken aufgrund des Ausmasses der Verletzung nicht zum Einsatz kommen können.

Nachbehandlung

Eine Rotatorenmanschettenruptur erfordert eine intensive und konsequente Nachbehandlung. In den ersten etwa vier bis sechs Wochen nach der Operation lagern Betroffene den Arm der operierten Seite auf einem Abspreizkissen, auch Schulterabduktionskissen oder einfach Abduktionskissen genannt. Während dieser Zeit erfolgt vor allem eine passive krankengymnastische Versorgung, die zum Ziel hat, dass der Betroffene Arm und Schulter wieder frei bewegen kann.

Im Anschluss wird mithilfe von Physiotherapie die Kraft der Muskeln der Rotatorenmanschette schrittweise wiederaufgebaut. Für alle Übungen gilt: Sie dürfen nicht schmerzen!

Erfolgt bei einer Rotatorenmanschettenruptur eine dosierte und angemessene Nachbehandlung erhöht dies – im Gegensatz zu einer mit Schmerzen einhergehenden, überfordernden Behandlung – die Chance auf ein langfristig gutes Ergebnis.

7. Verlauf

Es gibt sehr unterschiedliche Ausprägungen einer Rotatorenmanschettenruptur. Daher lässt sich der Verlauf der Krankheit nicht allgemeingültig vorhersagen. Erfolgt – wenn es medizinisch zweckmässig ist – frühzeitig eine Operation und arbeitet der Betroffene gut mit (gute Compliance) besteht für eine Rotatorenmanschettenruptur eine gute Prognose: Die meisten Patienten erlangen wieder die volle Funktionsfähigkeit ihrer Schulter.

In vielen Fällen einer Rotatorenmanschettenruptur zeigt sich erst im Verlauf der Nachbehandlung und den folgenden Monaten, inwiefern die Schmerzen tatsächlich abgenommen haben, wie beweglich der Arm ist und wie kräftig die Muskeln sind. Das Ergebnis hängt stark von einer konsequent durchgeführten Physiotherapie ab. Nicht selten lässt die Kraft im Vergleich zum Zustand vor dem Riss etwas nach.

Sportler müssen sich darauf einstellen, dass sie ihrer Disziplin erst etwa ein halbes Jahr nach der Rotatorenmanschettenruptur wieder im gewohnten Ausmass nachgehen können. Dies gilt ebenso für Menschen, die beruflich körperlich schwer arbeiten und ihre Arme einsetzen. Auch sie müssen circa sechs Monate warten, bis ihre Schulter den Belastungen wieder Stand halten kann. Der individuelle Verlauf kann von dieser Zeitangabe abweichen – besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welches Vorgehen und welcher zeitliche Ablauf für Sie realistisch sind.

Komplikationen

Ein unbehandelter Riss der Rotatorenmanschette kann je nach Ausmass der Verletzung zu Komplikationen führen, etwa einer Arthrose (Gelenkverschleiss) des Schultergelenks. Ärzte sprechen in diesem Fall von einer Defektarthropathie (griechisch arthros = Gelenk, pathie = Krankheit). Auch eine Schultersteife (sog. Frozen Shoulder) mit nicht rückgängig zu machender Einschränkung der Beweglichkeit kann die Folge sein.

Wenn – wie in den meisten Fällen – eine verschleissbedingte Rotatorenmanschettenruptur vorliegt, besteht die Gefahr, dass die Sehnen zu einem späteren Zeitpunkt wieder reissen. Die Wahrscheinlichkeit für eine solche Re-Ruptur steigt mit der Grösse des Vorschadens: Bei sehr ausgeprägtem Schaden beträgt die Häufigkeit eines wiederholten Einreissens bis zu 70 Prozent. Betrachtet man verschiedene Schweregrade, reissen im Mittel bei jedem vierten Betroffenen im weiteren Leben eine oder mehrere Sehnen der Rotatorenmanschette erneut.

8. Vorbeugen

Einer Rotatorenmanschettenruptur (Rotatorenmanschettenriss) können Sie nur bedingt vorbeugen. Ein Risiko geht von längerfristig immer wieder erfolgenden Tätigkeiten aus, bei denen die Arme über Kopf gehalten werden, wie es bei bestimmten sogenannten Überkopfsportarten (z. B. Handball, Tennis) und Berufen (z.B. Maler und Lackierer) vorkommt.

Die Sehnen der Rotatorenmanschette werden bei solchen Überkopfbewegungen bei entsprechender Veranlagung geschädigt. Wer einer Rotatorenmanschettenruptur vorbeugen möchte, kann also versuchen, auf solche Bewegungen zu verzichten – beruflich wie privat. Dies stellt sich natürlich bei einem einmal ergriffenen Beruf als sehr schwierig dar.

Hobbysportler, die von einer Rotatorenmanschettenruptur betroffen sind, sollten sich möglichst für eine andere Disziplin entscheiden, die die Schultern und Arme weniger belastet. So können sie verhindern, dass die Verletzung wieder auftritt.