1. Home
  2. Gesundheit
  3. Krankheit
  4. Rotavirus-Infektion

Von

1. Überblick

Eine Rotavirus-Infektion (Rotavirus-Gastroenteritis) kommt insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern vor. Rotaviren sind hoch ansteckend und können leicht über eine Schmierinfektion (fäkal-oral) übertragen werden.

Eine Rotavirus-Infektion kann vor allem bei Kindern unter zwei Jahren zu besonders schweren Symptomen wie wässrigen Durchfällen, Erbrechen und Bauchschmerzen führen.

Von der Ansteckung bis zum Ausbruch der ersten Symptome (Inkubationszeit) vergehen in der Regel ein bis drei Tage. Insgesamt dauert eine Rotavirus-Infektion durchschnittlich zwei bis sechs Tage. Ansteckungsgefahr besteht jedoch über den Zeitraum der akuten Symptome hinaus: Bis zu acht Tage können Rotaviren mit dem Stuhl ausgeschieden werden. Ob Rotaviren die Ursache der Darminfektion sind, lässt sich durch eine Stuhluntersuchung nachweisen.

Die Behandlung der Rotavirus-Gastroenteritis erfolgt symptomatisch mithilfe von Flüssigkeit und Elektrolyten. Insbesondere bei Säuglingen und kleinen Kindern besteht aufgrund von Durchfall und Erbrechen die Gefahr der Austrocknung (Dehydrierung), da sie häufig nicht ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen können. Daher müssen sie oft im Spital behandelt werden, denn hier können Infusionen verabreicht werden.

Um einer Rotavirus-Infektion vorzubeugen, sind hygienische Maßnahmen besonders wichtig. Diese reichen jedoch allein meist nicht aus, um sich vor Rotaviren zu schützen, da Rotaviren sehr hygiene- und umweltresistent sind.

2. Definition

Rotaviren sind eine der häufigsten Ursachen von Durchfallerkrankungen bei Säuglingen und Kleinkindern. Vor allem Rotaviren der sogenannten Serogruppe A führen weltweit zu schweren Darminfektionen, die in Dritte-Welt-Ländern häufig tödlich verlaufen. Man schätzt, dass dort jährlich 100 Millionen Kinder erkranken und 600'000 bis zu einer Million Kinder durch Rotavirus-Infektionen (Rotavirus-Gastroenteritis) sterben. Hierzulande infizieren sich am häufigsten Säuglinge und Kleinkinder im Alter von sechs Monaten bis zwei Jahren mit dem Rotavirus.

Erwachsene können sich über ihre Kinder mit Rotaviren anstecken. Auch Menschen über 60 Jahre sind gefährdet – so sind Rotavirus-Ausbrüche in Altersheimen keine Seltenheit.

3. Ursachen

Die Ursache einer Rotavirus-Infektion (Rotavirus-Gastroenteritis) ist die fäkal-orale Übertragung mit den hoch ansteckenden Rotaviren. Menschen stecken sich über Schmierinfektion, kontaminiertes Spielzeug, Wasser und Lebensmittel an. Die Zeit zwischen der Ansteckung und dem Ausbruch der Darminfektionen (Inkubationszeit) beträgt ein bis drei Tage. Man ist über den Zeitraum der akuten Infektion mit Rotaviren hinaus so lange ansteckend, wie das Virus mit dem Stuhl ausgeschieden wird. In der Regel wird das Virus etwa bis zu acht Tage lang ausgeschieden, in Einzelfällen kann dieser Zeitraum auch länger ausfallen.

Es gibt verschiedene Typen von Rotaviren, die zeitlich und saisonal unterschiedlich auftreten.

4. Symptome

Bei einer Rotavirus-Infektion (Rotavirus-Gastroenteritis) können die Symptome unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Insbesondere Säuglinge und Kleinkinder zeigen häufig schwere Symptome. Typische Beschwerden einer Rotavirus-Gastroenteritis, also einer Darminfektion durch Rotaviren, sind:

Manchmal treten ausserdem Atemwegsbeschwerden auf. Durch die starken Durchfälle und das Erbrechen kann es zu einem hohen Flüssigkeitsverlust mit der Gefahr einer Austrocknung (Dehydratation) kommen. Diese muss unbedingt ärztlich behandelt werden.

Zeichen einer Dehydratation sind:

  • Durst
  • Unruhe und Reizbarkeit
  • Trockene Zunge und Schleimhäute
  • Verwirrtheit
  • Lethargie
  • Eingesunkene Augen
  • Verminderte Urinausscheidung

Unterscheidung der Rotavirus- von einer Norovirus-Gastroenteritis

Auch Noroviren können ein bis drei Tage nach der Ansteckung zu einer schweren Darminfektion führen. Es erkranken nicht nur Säuglinge und Kleinkinder; auch Jugendliche, Erwachsene sowie alte Menschen (vor allem in Altenheimen) sind gefährdet. Eine Infektion mit Noroviren führt zu ähnlichen Symptomen wie eine Rotavirus-Gastroenteritis: Schwallartiges heftiges Erbrechen und starke Durchfälle mit zum Teil erheblichem Flüssigkeitsverlust sind typisch. Die Betroffenen fühlen sich meist schwer krank und schwach, haben starke Bauchschmerzen sowie mitunter Übelkeit, Kopf- und Muskelschmerzen. Eine Norovirus-Gastroenteritis kann allerdings auch schwächer ausgeprägt sein. Die akuten Beschwerden sind in der Regel nach zwei bis drei Tagen ausgestanden. Eine Rotavirus-Erkrankung verläuft bei kleinen Kindern unter zwei Jahren meist deutlich schwerer als eine Norovirus-Gastroenteritis und die Symptome halten länger an.

Um eine Norovirus- von einer Rotavirus-Infektion zu unterscheiden, wird eine Stuhluntersuchung mit dem Nachweis der Viren durchgeführt. Werden Noroviren gefunden, muss der Arzt dies, wie auch bei einer Infektion mit Rotaviren, dem Gesundheitsamt melden.

5. Diagnose

Bei Verdacht auf eine Rotavirus-Infektion (Rotavirus-Gastroenteritis) kann der Arzt die Diagnose mithilfe verschiedener Untersuchungen stellen. Auch die Beschwerden, wie wässrige Durchfälle, Erbrechen und Bauchschmerzen, geben Hinweise darauf, ob eine Rotavirus-Infektion infrage kommt, vor allem, wenn auch andere Personen – zum Beispiel Kinder im Kindergarten – an einer Rotavirus-Gastroenteritis leiden. Es gibt aber zahlreiche andere Durchfallerkrankungen, die ähnliche Symptome bereiten.

Eine Infektion mit Rotaviren lässt sich am besten durch eine Stuhluntersuchung diagnostizieren. Ein spezifisches Antigen wird mittels Enzym-Immun-Test (EIA) im Labor nachgewiesen. Etwas aufwändiger ist der direkte Nachweis der Rotaviren mittels Elektronenmikroskopie, der jedoch selten durchgeführt wird. Mit einer speziellen molekularbiologische Methode, der Polymerase-Kettenreaktion (PCR), lässt sich auch der genaue Rotavirus-Typ ermitteln.

6. Therapie

Bei einer Rotavirus-Infektion (Rotavirus-Gastroenteritis) besteht die Therapie darin, den Flüssigkeitsverlust auszugleichen, der durch Durchfall und Erbrechen entsteht. Insbesondere für Säuglinge und Kleinkinder kann eine Rotavirus-Infektion gefährlich sein, da sie leicht einen Flüssigkeitsmangel erleiden. Ausreichend Flüssigkeit und Elektrolyte helfen, den Verlust auszugleichen und schützen vor einer Austrocknung (Dehydratation).

In der Regel können Erwachsene den Flüssigkeitsverlust durch ausreichendes Trinken kompensieren. Wenn jedoch ein Kind die Flüssigkeit nicht bei sich behält oder es nicht trinken will, kann eine Infusion notwendig sein, die im Spital erfolgt. Mittel gegen Viren (Virustatika) werden nicht verabreicht, Antibiotika (Mittel gegen Bakterien) helfen bei Virusinfektionen wie der Rotavirus-Gastroenteritis nicht.

Cola-Getränke eignen sich nicht für an einer Rotavirus-Infektion erkrankte Säuglinge und Kleinkinder als Therapie. Dies hat folgenden Grund: Cola enthält sehr viel Zucker, der mitunter die bei Durchfall ohnehin schon gesteigerte Wasserabgabe aus dem Körper ins Darminnere fördert. Ausserdem verstärkt das in der Cola enthaltene Koffein den bereits wegen des Brechdurchfalls bestehenden Kaliumverlust.

Verläuft eine Rotavirus-Infektion bei Kindern leicht, sollten sie mehr trinken als sonst, je nach Alter und vorheriger Kost Muttermilch, Säuglingsnahrung, ungesüsster Kräutertee oder Wasser. Soweit es möglich ist, sollte das Kind ausserdem normal gestillt werden oder essen – es ist nicht nötig auf eine spezielle Schon- oder Aufbaukost umzustellen oder längere Nahrungspausen einzulegen.

Ein drohender oder bestehender Wassermangel (Austrocknung, Dehydratation), muss durch spezielle Elektrolylösungen ausgeglichen werden. Je nach dem wie alt das Kind ist, können sie von den Eltern gefüttert werden oder das Kind trinkt sie selber. Zuhause hergestellte Mischungen aus Saft, Salz, Zucker und Wasser sind nicht empfehlenswert.

Ernährungsempfehlungen für Kinder

Für Kinder mit akuter Durchfallerkrankung empfehlen Fachleute Folgendes:

  • Stillende Mütter können ihre Säuglinge zwischen dem Füttern der oralen Rehydratationslösung (Elektrolytlösung) anlegen.
  • In der Zeit während oder kurz nach dem Durchfall sollten gestillte Säuglinge nicht auf Säuglingsmilch oder Spezialnahrung umgesetzt werden, da dies Nahrungsmittelunverträglichkeiten provozieren kann.
  • Nicht gestillte Säuglinge können ihre gewohnte Säuglingsmilchnahrung unverdünnt über viele kleine Mahlzeiten verteilt einnehmen.
  • Säuglinge, die eine hypoallergene Säuglingsmilch (HA-Nahrung) erhalten, sollen keine andere Säuglingsmilch auf Kuhmilch- oder Sojabasis erhalten.
  • Säuglinge, die schon vor einer Rotavirus-Infektion Beikost erhielten, können diese auch während oder nach der Erkankung wieder erhalten.
  • Es ist nicht nötig, das Kind auf eine spezielle Nahrung umzustellen, z.B. eine sog. Heilnahrung mit geringerem Milchzucker- (Lactose) und/oder Fettgehalt oder Milchnahrungen auf Basis von Sojaeiweiss oder mit hydrolysiertem Eiweiss.
  • Kleinkinder erhalten eine für ihr Alter angemessene Kost, z.B. Brot mit Aufstrich, Nudel-, Kartoffel- oder Reisgerichte, Hafer- oder Griessbrei oder Suppen (Kartoffelsuppe, Rüeblisuppe).
  • Kinder, die nicht erbrechen, können zunehmend Speisen mit normalem Fettgehalt essen.
  • Nicht empfehlenswert sind Säfte mit hohem Zuckeranteil (Fruchtzucker, Rohrzucker), wie etwa Apfelsaft, oder Säfte mit hohem Anteil am Zuckeraustauschstoff Sorbit. Auch sehr süsse Speisen sollten gemieden werden.

Erwachsene

Eine Rotavirus-Infektion verläuft bei ansonsten gesunden Erwachsenen auch ohne spezielle Therapie häufig unproblematisch – die Symptome bessern sich von selbst wieder und der Körper überwindet den Brechdurchfall ohne Medikamente. Erwachsenen mit Rotavirus-Infektion, die nur unter leichtem Durchfall und Erbrechen leiden, schadet das Hausmittel «Cola und Salzstangen» als Therapie zwar nicht unbedingt – empfohlen wird es aber auch nicht. Neben dem in Salzstangen enthaltenen Natrium braucht der Körper auch Kalium. Daher sollte man zusätzlich Bananen essen, sie sind kaliumreich.

Erwachsene müssen ebenso wie Kinder darauf achten, ausreichend zu trinken, zum Beispiel Mineralwässer oder ungesüsste Kräutertees. In schwereren Fällen können sie sich Elektrolyt-Präparate aus der Apotheke besorgen (Wirkstoff Dinatriumhydrogencitrat).

7. Verlauf

Eine Rotavirus-Infektion (Rotavirus-Gastroenteritis) kann im Verlauf von leichten Durchfällen bis hin zu schwersten Krankheitssymptomen variieren. Vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern sind schwere Verläufe möglich, da ihr Immunsystem noch nicht stark genug ausgebildet ist. Die Infektion dauert in der Regel zwei bis sechs Tage. Die grösste Gefahr besteht darin, aufgrund des Flüssigkeitsverlusts durch den Durchfall und das Erbrechen auszutrocknen (Dehydratation).

In Dritte-Welt-Ländern versterben jedes Jahr bis zu 600'000 Kinder im Alter bis zu fünf Jahren an den Folgen einer Rotavirus-Gastroenteritis.

8. Vorbeugen

Allgemeine Massnahmen

Einer Rotavirus-Infektion (Rotavirus-Gastroenteritis) kann man durch Hygienemassnahmen nur schwer vorbeugen, da die Erreger sehr hygiene- und umweltresistent sind. Dennoch empfiehlt es sich, ein paar Vorsichtsmassnahmen zu ergreifen, wenn man in Kontakt mit erkrankten Personen kommt.

Idealerweise sollten Sie den Kontakt zu Rotavirus-Infizierten gänzlich meiden – wenn beispielsweise das eigene Kind erkrankt ist, ist dies aber natürlich nicht möglich.

Wichtig sind gründliches Händewaschen nach dem Kontakt sowie die Desinfektion von Kontaktflächen wie Türgriffen, Toilette und Waschbecken. Ein infiziertes Kind darf Gemeinschaftseinrichtungen wie den Kindergarten so lange nicht besuchen, wie es ansteckend ist. Auch sollte es den Kontakt zu anderen Personen in dieser Zeit meiden (wie Grosseltern, Freunde).

In Kliniken gelten besondere Vorsichtsregeln bei Rotavirus-Infektionen (zum Beispiel das Tragen von Handschuhen, besondere Desinfektionsmassnahmen). Allerdings zählen Rotavirus-Erkrankungen bei Säuglingen und Kleinkindern zu den häufigsten Darminfektionen, die innerhalb des Spitals übertragen werden (sog. nosokomiale Infektion).