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1. Überblick

Röteln sind eine Viruserkrankung, die meist im Kindsalter auftritt. Sie äussern sich durch Fieber, einen typischen Hautausschlag und geschwollene Lymphknoten. Oft verlaufen Röteln auch ohne Beschwerden, so dass sie kaum oder gar nicht bemerkt werden.

Röteln sind hochansteckend. Die ursächlichen Viren werden durch Tröpfcheninfektion übertragen, zum Beispiel durch Husten oder Niesen. Komplikationen sind recht selten, sofern Röteln nicht während der Schwangerschaft auftreten. Doch gerade im ersten Schwangerschaftsdrittel werden sie zu einer Gefahr für das Ungeborene: Röteln können die Organe des Embryos schwer schädigen und sind somit eine medizinische Begründung für einen Schwangerschaftsabbruch. Aus diesem Grund sollte bei allen Mädchen bis zur Pubertät eine Impfung gegen Röteln erfolgen. Aber auch Jungen sollten eine Impfung gegen Röteln erhalten, um eine Ausbreitung der Erkrankung zu vermeiden.

2. Definition

Röteln sind eine weltweit verbreitete Infektionserkrankung, die von bestimmten Viren ausgelöst wird. Wie auch Masern und Mumps gehören Röteln zu den sogenannten Kinderkrankheiten. Röteln gehen mit einem feinfleckigem Ausschlag (Exanthem) einher. Dieser Ausschlag ist von der Haut erhaben und bildet kleine, hellrote Knötchen, die zuerst im Gesicht und dann vor allem am Rumpf des Kindes auftreten.

Mit den so genannten Ringelröteln (Erythema infectiosum) haben die Röteln nichts zu tun. Deshalb führt eine Rötelninfektion auch nicht zur Immunität gegen die Ringelröteln.

Häufigkeit

Röteln treten in 80 bis 90 Prozent aller Fälle im Kindsalter auf. Die Häufigkeit von Rötelninfektionen ist im Frühjahr am höchsten. Seit die Schutzimpfung gegen Röteln als Kombinationsimpfung (mit Masern und Mumps) in die Impfempfehlungen aufgenommen wurde, ist die Anzahl der Rötelnerkrankungen deutlich zurückgegangen.

Für ungeimpfte Frauen im gebärfähigen Alter besteht immer noch ein nicht zu unterschätzendes Risiko, Röteln zu entwickeln und somit bei einer Schwangerschaft das Virus auf das Ungeborene zu übertragen.

3. Ursachen

Den Röteln liegen als Ursachen Infektionen mit einem Virus zugrunde, dem so genannten Rubellavirus. Dieses Virus besitzt als Erbmaterial RNA und gehört zur Familie der Togaviren. Das Rötelnvirus ist weltweit verbreitet. Der Mensch ist sein einziger bekannter Wirt. Wer einmal Röteln hatte, ist ein Leben lang immun gegen den Erreger.

Die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch (Inkubationszeit) beträgt bei Röteln etwa zwei bis drei Wochen.

Übertragung

Die für Röteln verantwortlichen Viren sind ausserhalb des Körpers nur kurzzeitig überlebensfähig. Ihre Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion, also durch Niesen und Husten. Eine Ansteckung ist auch beim Küssen und durch Benutzen von gemeinsamem Geschirr oder Besteck möglich. Darüber hinaus können Röteln auch während einer Schwangerschaft über die Plazenta an das Ungeborene übertragen werden.

Die Ansteckung kann etwa eine Woche vor bis eine Woche nach Auftreten des typischen Hautausschlags (Exanthem) erfolgen.

4. Symptome

Röteln äussern sich anfangs nur durch milde Symptome wie vergrösserte schmerzlose Lymphknoten, entzündete Schleimhäute und leichtes Fieber. Nach kurzer Zeit wird das typische Anzeichen der Röteln sichtbar: der kleinfleckige Hautausschlag (Exanthem). Der Ausschlag beginnt erst hinter den Ohren und breitet sich schnell über Gesicht und Hals auf den ganzen Körper aus. In dieser Phase treten ausserdem vergrösserte, oft schmerzhafte Lymphknoten auf – insbesondere im Nacken und hinter den Ohren. Weitere Symptome der Röteln können Gelenkschmerzen, Bindehautentzündung (Konjunktivitis) und eine vergrösserte Milz sein.

Der für Röteln typische Ausschlag klingt nach ein bis drei Tagen wieder ab. Bei Kindern verlaufen Röteln in der Hälfte aller Fälle ohne Symptome.

5. Diagnose

Bei Röteln lässt sich die Diagnose nicht allein anhand des klinischen Erscheinungsbilds stellen: Der typischerweise bei Röteln auftretende Hautausschlag kann anderen Krankheitsbildern wie Ringelröteln, Masern oder Scharlach ähneln. Daher können Röteln erst dann eindeutig diagnostiziert werden, wenn für Röteln spezifische Antikörper im Blut oder gegebenenfalls direkt die RNA des ursächlichen Virus nachweisbar sind.

Der RNA-Nachweis kommt insbesondere bei der Pränataldiagnostik zum Einsatz, wenn festgestellt werden soll, ob während einer Schwangerschaft Röteln vorliegen. Dabei wird zum Beispiel aus dem Fruchtwasser (Amnionflüssigkeit) eine Probe entnommen, um das Virus direkt nachweisen zu können. Ab der 22. Schwangerschaftswoche lässt sich zusätzlich auch das Blut des Fötus auf Antikörper untersuchen. Diese Untersuchungen können nur erfahrene Experten vornehmen.

6. Therapie

Die gegen Röteln eingesetzte Therapie zielt darauf ab, die vorliegenden Beschwerden zu lindern. Bei Fieber werden fiebersenkende Medikamente (z.B. Paracetamol oder Ibuprofen), bei Gelenkentzündung (Arthritis) entsprechende Entzündungshemmer eingenommen.

Von Röteln betroffene Kinder sollten Bettruhe einhalten. Die Betroffenen sind immer zu isolieren, um zu verhindern, dass sich weitere Personen mit dem sehr ansteckenden Virus infizieren. Die Isolierung dauert so lange, bis der Hautausschlag verschwunden ist.

7. Verlauf

Im Allgemeinen zeigen Röteln einen guten Verlauf, auch bei Komplikationen. Bei jedem zweiten Kind verlaufen die Röteln ohne Beschwerden.

Wer einmal Röteln hatte, braucht sich in der Regel keine Sorgen um eine wiederholte Infektion zu machen: Nach überstandener Erstinfektion besteht bei den Betroffenen eine lebenslange Immunität gegen Röteln. Nur wenn die Erstinfektion oder Impfung lange zurückliegen, können die Röteln gelegentlich erneut auftreten. Diese so genannte Reinfektion ist sehr selten. Bei vielen Menschen verläuft eine solche Reinfektion sogar ohne Krankheitssymptome oder mit leichten Beschwerden wie bei einer Infektion der oberen Atemwege. Spätestens danach besteht bei den Betroffenen ein sicherer Schutz vor Röteln.

Komplikationen

Komplikationen treten bei Röteln selten auf. Je höher das Alter der Betroffenen, desto eher kann es zu Problemen kommen wie:

Die am meisten gefürchtete Komplikation ist die Infektion mit dem Rötelnvirus während der Schwangerschaft: Ist die Mutter mit Röteln infiziert, kann auch das Ungeborene über die Plazenta angesteckt werden. Dies kann zu starken Organmissbildungen des Embryos führen (Embryopathie). Mögliche Fehlbildungen bei Ungeborenen infolge von Röteln sind zum Beispiel:

  • Augenfehlbildungen (Katarakt)
  • Taubheit
  • Herzmissbildung, zum Beispiel nicht geschlossene Herzwände
  • geistige Schäden

Bei Röteln während einer Schwangerschaft ist ferner das Risiko für eine Früh- oder Fehlgeburt erhöht. Wenn Röteln bei einer schwangeren Frau diagnostiziert werden, kann eine Abtreibung in Betracht gezogen werden.

8. Vorbeugen

Die Impfung gegen Röteln ist die beste Massnahme zum Vorbeugen dieser Virusinfektion.

Den ersten aktiven Impfschutz erhalten Kinder in der Regel zwischen dem 11. und 14. Lebensmonat. Die zweite Impfung sollte spätestens bis Ende des zweiten Lebensjahrs erfolgen. Ist dies nicht geschehen, sollte die Impfung unbedingt vor der Einschulung stattfinden. Ist später, vor allem bei den Mädchen, kein Impfschutz wegen der fehlenden zweiten Impfung vorhanden, so kann dies immer noch nachgeholt werden. Am besten und sichersten ist es jedoch, die erwähnten Impfregeln einzuhalten.

Bei unvollständigem oder unklaren Impfschutz gegen Röteln gelten folgende Empfehlungen:

  • Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht geimpft sind oder deren Impfstatus unklar ist, sollten bei entsprechender Indikation eine zweimalige MMR-Impfung erhalten.
  • Frauen im gebärfähigen Alter, bei denen bislang nur eine Impfung stattgefunden hat, sollten bei entsprechender Indikation eine weitere Impfung mit einem MMR-Impfstoff bekommen.
  • Personen, die in Einrichtungen der Pädiatrie, der Geburtshilfe und der Schwangerenbetreuung sowie in Gemeinschaftseinrichtungen arbeiten und nicht geimpft sind oder bei denen der Impfstatus nicht sicher bekannt ist, sollten ebenfalls eine einmalige MMR-Impfung erhalten.

Schwangere Frauen werden nicht gegen Röteln geimpft. Eine Impfung sollte daher unbedingt spätestens drei Monate vor der Empfängnis erfolgen. Bei einer geplanten Schwangerschaft empfiehlt es sich, unbedingt rechtzeitig den Schutz vor Röteln mit dem Frauenarzt zu besprechen beziehungsweise die Konzentration der Antikörper im Blut (Titer) zu bestimmen.

Besteht bei Schwangeren ohne hinreichenden Impfschutz der Verdacht, dass sie sich mit dem Erreger der Röteln infiziert haben, können sie innerhalb von vier Tagen nach der möglichen Ansteckung noch passiv geimpft werden. Dazu werden den ungenügend vor Röteln geschützten Schwangeren Antikörper gegen das Virus verabreicht.

Was Eltern zu Hause tun können

  • Isolieren Sie Ihr Kind, damit sich andere nicht anstecken. Vermeiden Sie vor allem den Kontakt zu schwangeren Frauen oder zu Frauen, die nicht gegen Röteln geimpft sind.
  • Gönnen Sie Ihrem Kind Bettruhe, es sei denn, das Kind fühlt sich selber fit genug, um aufzustehen.
  • Ansteckungsgefahr besteht etwa bis zu fünf bis sieben Tagen nach Ausbruch der Symptome. Lassen Sie Ihr Kind möglichst solange zu Hause.