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  4. Scharlach (Scarlatina)

Von Veröffentlicht am 24.11.2016

1. Überblick

Scharlach ist eine durch Bakterien ausgelöste Infektionskrankheit, die in der Regel im Kindesalter auftritt. Die Erkrankung kann aber auch in allen anderen Altersgruppen ausbrechen.

Die Bakterien aus der Gruppe der Streptokokken (A-Streptokokken) befallen typischerweise die Schleimhäute und werden meist durch Tröpfcheninfektionen (Niesen, Husten) übertragen.

Scharlach beginnt plötzlich mit

  • hohem Fieber,
  • Halsschmerzen,
  • Schluckbeschwerden und
  • eventuell weiteren uncharakteristischen Krankheitssymptomen.


Im weiteren Verlauf entsteht ein Hautausschlag am gesamten Körper. Typisch ist eine gerötete Zunge, die sogenannte Himbeerzunge. Der Ausschlag am Körper besteht aus roten, etwa stecknadelkopfgroßen Flecken.

Die typischen Scharlach-Symptome entstehen durch ein Gift (Toxin), das die Bakterien herstellen. Eine an Scharlach erkrankte Person kann andere schon anstecken, während sie selber noch keine Beschwerden hat. Diese sogenannte Inkubationszeit (Zeit von der Infektion bis zu den ersten Symptomen) beträgt bei Scharlach ein bis drei Tage. Eine einmal durchgemachte Scharlach-Erkrankung hinterlässt einen lebenslangen Schutz gegen die auslösende Streptokokkenuntergruppe. Ein Infekt mit anderen Untergruppen kann jedoch wieder auftreten.

Bei Scharlach reichen die äußeren Krankheitszeichen für eine sichere Diagnose meist nicht aus, da auch verschiedene Viren ähnliche Symptome hervorrufen können. Aus diesem Grund führt man bei Verdacht auf Scharlach einen Nachweis von A-Streptokokken mit einem Schnelltest oder einer Bakterienkultur durch.

Mögliche Komplikationen der Erkrankung: Die Scharlach-Infektion breitet sich über den Blutweg in den gesamten Körper aus und führt zu Folgeschäden durch das von den Bakterien gebildete Gift, z.B. rheumatisches Fieber, Nierenkörperchenentzündung. Ärzte therapieren Scharlach in erster Linie mit dem Antibiotikum Penicillin.

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Scharlach ist eine Infektionskrankheit. Häufig setzt sie plötzlich mit hohem Fieber ein und es treten Schluckbeschwerden und Halsschmerzen auf.

Quelle: Thinkstock Collection
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Eine Impfung gegen Scharlach gibt es nicht. Deshalb sollten Eltern ihre erkrankten Kinder behandeln lassen und erst wieder in die Schule oder den Kindergarten schicken, wenn sie gesund sind. So können sich nicht noch weitere Kinder mit Scharlach infizieren.

2. Definition

Scharlach zählt zu den Kinderkrankheiten. Dafür verantwortlich sind Bakterien aus der Gruppe der Streptokokken, die neben Scharlach noch viele andere Erkrankungen verursachen können. Dazu gehören beispielsweise Mandelentzündungen (Tonsillitis), Halsentzündungen oder Wundrose (Erysipel). Problematisch bei Scharlach können Folgeerkrankungen wie rheumatisches Fieber oder eine Nierenkörperchenentzündung (Glomerulonephritis) sein.

Häufigkeit

Scharlach ist weltweit verbreitet. Am häufigsten erkranken Kinder im Vorschul- und Schulalter. Die Erkrankung kann aber auch in allen anderen Altersgruppen ausbrechen. Säuglinge, die jünger als sechs Monate sind, besitzen noch einen Immunschutz der Mutter in Form von Antikörpern und können sich für gewöhnlich nicht infizieren.

Bei Scharlach ist das Risiko für eine Ansteckung mit den verursachenden A-Streptokokken in Gemeinschaftseinrichtungen – wie zum Beispiel in Kindergärten – erhöht. An Scharlach Erkrankte sollten Gemeinschaftseinrichtungen deshalb noch während der ersten Tage der Therapie mit Antibiotika, beziehungsweise solange Symptome bestehen, fernbleiben. Die meisten Erkrankungen treten in den Monaten Oktober bis März auf.

Scharlach ist in der Schweiz nicht meldepflichtig.

3. Ursachen

Bei Scharlach sind die Ursachen genau bekannt. Verantwortlich ist eine Infektion mit Streptokokken der Lancefield-Gruppe A, den sogenannten A-Streptokokken (Streptococcus pyogenes). Sie befallen typischerweise die Schleimhäute. Übertragen werden sie meist durch Tröpfcheninfektionen (Niesen, Husten), selten durch Eiter, verunreinigte Lebensmittel und Wasser oder andere Gegenstände wie Spielzeug, Besteck oder Geschirr (Schmierinfektion).

Bei Scharlach beträgt die Inkubationszeit, das heißt die Zeit zwischen Infektion und Auftreten der ersten Beschwerden, ein bis drei Tage, selten mehr. Eine an Scharlach erkrankte Person kann während der Inkubationszeit schon ansteckend für andere sein.

Wenn jemand, der an Scharlach erkrankt ist, nicht gezielt behandelt wird, kann er bis zu drei Wochen andere Personen anstecken. Bei einer Behandlung mit Antibiotika sind Betroffene nach 24 Stunden nicht mehr ansteckend.

Das natürliche Reservoir für den Scharlach-Erreger ist der Mensch. Insbesondere in den Wintermonaten lassen sich bei bis zu 20 Prozent der Bevölkerung Streptokokken im Rachen nachweisen. Dabei zeigen aber nicht alle Betroffenen Scharlach-Symptome.

Es gibt mehrere Untergruppen von Streptokokken, die Scharlach hervorrufen können. Das ist die Ursache dafür, dass manche Patienten ein zweites Mal an Scharlach erkranken können, obwohl sie gegen die Streptokokken-Untergruppe ihrer ersten Scharlach-Erkrankung immun sind.

4. Symptome

Typisch für Scharlach sind Symptome wie:

Die Mandeln vergrössern und röten sich und weisen kleine Eiterbelege auf. Die Halslymphknoten schwellen an. Ungefähr ab dem dritten Krankheitstag nimmt die Zunge eine charakteristische Rötung an, die auch als Himbeerzunge bezeichnet wird.

Typisch sind bei Scharlach auch Symptome auf der Haut: Gleichzeitig mit der Zungenveränderung bildet sich ein rauer, dichter und sehr feinfleckiger Ausschlag (Exanthem), der an Sandpapier erinnert.

Der Hautausschlag beginnt am Brustkorb und weitet sich dann über den gesamten Körper aus. Das Dreieck zwischen Mund und Kinn bleibt dabei ausgespart. In der Leistengegend ist der Ausschlag besonders ausgeprägt. Etwa ein bis drei Wochen nach Krankheitsbeginn verschwindet dieser Ausschlag wieder und die Haut schuppt sich (besonders an Handflächen und Fusssohlen) ab.

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Ein typisches Scharlach-Symptom: die Himbeerzunge.

Quelle: wikipedia.org/Jbarta

Charakteristische Symptome bei Scharlach sind die gerötete sogenannte Himbeerzunge und der raue, feinfleckige Hautausschlag.

5. Diagnose

Bei Scharlach kann der Arzt eine erste Diagnose anhand der typischen Symptome wie der geröteten Zunge (sog. Himbeerzunge) und dem typischen Ausschlag stellen. Einen wichtigen Hinweis auf eine Scharlacherkrankung liefern die unter dem Unterkiefer (submandibulär von «sub» = unter «mandibula» = Unterkiefer) auftretenden Lymphknotenvergrösserungen.

Bei Scharlach reichen die äusseren Krankheitszeichen für eine sichere Diagnose aber meist nicht aus, da auch verschiedene Viren ähnliche Symptome hervorrufen können. Aus diesem Grund führt man bei Verdacht auf Scharlach einen Nachweis von A-Streptokokken mit einem Schnelltest oder einer Bakterienkultur durch. Dabei nimmt der Arzt einen Abstrich der Mandeln. Ein Labor züchtet den Erreger an und identifiziert ihn.

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6. Therapie

Bei Scharlach erhält der Erkrankte über einen Zeitraum von zehn Tagen eine Therapie mit dem Antibiotikum Penicillin. Ziel der Scharlach-Therapie ist es, Symptome wie Fieber, Halsschmerzen, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Husten und Übelkeit zu mindern und Komplikationen zu verhindern. Die Bakterien (A-Streptokokken) aus dem Rachen können durch die Einnahme von Penicillin jedoch oft nicht vollständig abgetötet werden. Ist jemand an Scharlach erkrankt, der allergisch gegen Penicillin ist, stehen als Therapie-Alternative die Antibiotika Erythromycin, Roxithromycin oder Cephalosporin zur Verfügung.

Zwei Wochen nach Krankheitsbeginn wird der Urin des Erkrankten untersucht, um frühzeitig zu erkennen, ob mit der Komplikation einer Nierenkörperchenentzündung (Glomerulonephritis) zu rechnen ist. Blut im Urin (Mikrohämaturie) weist auf eine Nierenkörperchenentzündung hin. Bei dieser Erkrankung entzünden sich Gefässknäuel der Nierenkörperchen, in denen das Blut filtriert wird und sich der sogenannte Primärharn bildet. Bestimmte Formen der Nierenkörperchenentzündung können dazu führen, dass die Nierenfunktion ausfällt.

Ist ein Kind an Scharlach erkrankt, sollten Eltern weitere Massnahmen ergreifen:

  • Bei Fieber sollte Bettruhe eingehalten werden.
  • Halten Sie Ihr Kind möglichst von anderen Personen fern damit diese sich nicht anstecken.
  • Geben Sie dem Kind möglichst viel zu trinken, damit sich der Schleim in der Lunge besser lösen und abgehustet werden kann.
  • Da die Hustenanfälle vor allem in der Nacht auftreten, sollten Sie für kühle und feuchte Raumluft sorgen. Hängen Sie dafür beispielsweise feuchte Handtücher im Zimmer auf.

7. Verlauf

Komplikationen

Bei Scharlach können Komplikationen auftreten, wenn keine entsprechende Behandlung erfolgt. Die Bakterien bilden eine Art Gift das Erbrechen, Durchfälle, Kreislaufversagen und Herzmuskelentzündung verursachen kann (sog. toxischer Verlauf). Die Infektion kann sich auch über das Blut im gesamten Körper ausbreiten (septischer Verlauf). Dann kann es zu einer Gehirnhautentzündung oder vereiternden Nasennebenhöhlen kommen. Eine mögliche Spätfolge, die nach einer Scharlacherkrankung auftreten kann, ist das rheumatische Fieber, bei dem sich Antikörper gegen Herzklappengewebe oder gegen Nierengewebe richten.

Scharlach ist, wenn sich eine Frau während der Schwangerschaft infiziert, vergleichsweise harmlos. Die Erkrankung zählt zwar zu den Kinderkrankheiten, aber bei einer Scharlach-Infektion in der Schwangerschaft ist im Gegensatz zu anderen Kinderkrankheiten wie Röteln aber nicht mit Komplikationen für das ungeborene Kind zu rechnen.

Prognose

Bei Scharlach ist die Prognose in der Regel gut. Nach Beginn der Therapie mit Antibiotika kann ein Kind, wenn es das allgemeine Befinden erlaubt, nach etwa ein bis zwei Tagen wieder in den Kindergarten oder die Schule gehen.

8. Vorbeugen

Scharlach kann man nicht ursächlich zum Beispiel durch eine Impfung vorbeugen. Allerdings sollten Eltern verschiedene Massnahmen ergreifen, wenn ein Kind an Scharlach erkrankt, damit sich nicht weitere Kinder anstecken:

  • Halten Sie Ihr Kind von anderen Personen fern, damit diese sich nicht anstecken.
  • Bei Scharlach ist die Gefahr einer Ansteckung anderer Personen solange gegeben, bis die Symptome abgeklungen sind. Lassen Sie Ihr Kind möglichst solange zu Hause. Wird Ihr Kind mit Antibiotika behandelt, endet die Ansteckungsgefahr ein bis zwei Tage nach Beginn der Einnahme.

Selbst nach einer überstandenen Infektion können sich Kinder und auch Erwachsene erneut anstecken, da ein lebenslanger Schutz nur gegen die auslösende Bakterienuntergruppe besteht. Eine Infektion mit anderen Untergruppen ist trotzdem möglich.

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