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Von Veröffentlicht am 01.01.1970

1. Überblick

Scheidenpilz (Vaginalpilz) tritt bei drei von vier Frauen mindestens einmal im Leben auf. Damit ist diese entzündliche Pilzinfektion der Scheidenschleimhaut eine der häufigsten Infektionen der weiblichen Geschlechtsorgane.

Andere Bezeichnungen für Scheidenpilz sind Soorvaginitis oder Soorkolpitis, was auf den häufigsten Auslöser einer Scheidenpilz-Infektion hinweist: Soor (auch Candidose genannt) ist eine durch Pilze der Gattung Candida (meist Candida albicans ) verursachte Pilzinfektion. Die Begriffe Vaginitis und Kolpitis bedeuten Scheidenentzündung (lat. Vagina u. griech. Kolpium = Scheide; -itis = Entzündung).

Die Scheidenpilz-Erreger gelangen meist beim Geschlechtsverkehr in die Scheide. Aber auch durch mangelhafte Hygiene können Pilze übertragen werden. Bei normal funktionierender Immunabwehr und ungestörtem Schutzmechanismus der Scheide rufen Pilze allerdings keine Infektion in der Scheide hervor: Normalerweise herrscht dort ein sehr saures, erregerfeindliches Milieu, das vor Vaginalpilz schützt. Nur unter bestimmten Voraussetzungen können in die Scheide gelangte Pilze als Krankheitserreger wirken und eine Scheidenpilz-Infektion verursachen.

Ein Scheidenpilz entsteht vor allem durch hormonelle Veränderungen (wie in der Schwangerschaft oder durch Einnahme der Antibabypille) und bei Diabetes. Ausserdem können weitere Faktoren, zum Beispiel Antibiotika oder übertriebene Körperhygiene mit Intimsprays und Scheidenspülungen, einen Scheidenpilz begünstigen.

Typische Scheidenpilz-Symptome sind vor allem ein weisslich-krümeliger Ausfluss aus der Scheide und ein starker Juckreiz in der Scheide. Ausserdem können von Scheidenpilz betroffene Frauen Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und Schmerzen beim Wasserlassen haben.

Der Scheidenpilz ist oft schon anhand der charakteristischen Schleimhautveränderungen mit grau-weisslich krümeligen Belägen diagnostizierbar. Um die Diagnose der Scheidenpilz-Infektion zu sichern, macht der Arzt Abstriche, die er mikroskopisch untersucht und in Laboratorien schickt, in denen eine Anzucht der Erreger erfolgt. Zur Scheidenpilz-Behandlung kommen in der Regel speziell gegen Pilze wirksame Medikamente zum Einsatz, sogenannte Antimykotika. Ein konsequent behandelter Vaginalpilz verläuft in der Regel schnell und unkompliziert und tritt meistens nach seiner Heilung nicht wieder auf.

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2. Definition

Der Begriff Scheidenpilz (Vaginalpilz) bezeichnet per Definition eine Pilzinfektion der Scheide, durch die sich die Scheidenschleimhaut entzündet. Die für eine Scheidenpilzinfektion verwendeten Bezeichnungen Soorvaginitis beziehungsweise Soorkolpitis weisen auf den häufigsten Erreger dieser Scheidenentzündung hin: Soor ist eine Pilzinfektion, die durch Pilze der Gattung Candida entsteht – daher auch Candidose genannt. Meist sind Candidosen auf den Pilz Candida albicans zurückzuführen. Die Begriffe Vaginitis und Kolpitis leiten sich vom lateinischen beziehungsweise griechischen Wort für Scheide ab (lat.: Vagina, griech.: Kolpium); die Endung -itis bezeichnet eine Entzündung.

Eine vaginale Pilzinfektion ist eine alltägliche Erkrankung. Scheidenpilze gehört zu den häufigsten Infektionen der Geschlechtsorgane bei Frauen: Etwa drei von vier Frauen sind mindestens einmal im Leben von Scheidenpilz betroffen.

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3. Ursachen

Einem Scheidenpilz (Vaginalpilz) liegen als Ursachen in erster Linie Pilze zugrunde, die nicht zur normalen Besiedlung der Scheide (Scheidenflora) gehören. Gewöhnlich – bei einer normal funktionierenden Immunabwehr und ungestörtem Schutzmechanismus der Scheide – rufen in die Scheide geratene Pilze keine Scheidenentzündung hervor. Durch die natürliche bakterielle Besiedlung der Scheide – vor allem durch die zugehörigen Milchsäurebakterien (Laktobazillen) – herrscht in der Scheide ein sehr saures, erregerfeindliches Milieu. Dies verhindert, dass sich andere Mikroorganismen ansiedeln oder übermässig vermehren, und schützt die Scheide so vor Scheidenpilz.

Ist das Immunsystem geschwächt (wie z.B. bei einer längeren Therapie mit Kortikosteroiden oder Breitbandantibiotika) oder liegen Allgemeinerkrankungen (wie ein Diabetes mellitus) vor, können in die Scheide gelangte Pilze als Krankheitserreger wirken und so die Ursachen für Scheidenpilz sein. Auch eine übertriebene Körperhygiene mit Intimsprays und Scheidenspülungen kann den Schutzmechanismus der Scheide beeinträchtigen und so der Grund für die Entstehung von Vaginalpilz sein. Weitere eine Pilzinfektion der Scheide begünstigende Faktoren können eng anliegende Kleidung aus synthetischen Stoffen und stark zuckerhaltige Nahrungsmittel sein.

Häufige Auslöser für das Auftreten von Vaginalpilz sind Veränderungen im Hormonhaushalt und damit einhergehende Veränderungen der Schleimhaut. Für ein vermehrtes Auftreten von Scheidenpilz durch hormonelle Veränderungen kommen als Ursachen eine Schwangerschaft, die Einnahme der Antibabypille (bes. bei hohem Östrogengehalt), die Menstruation und die Wechseljahre infrage.

Erreger

Ein Scheidenpilz (Vaginalpilz) hat seine Ursachen am häufigsten (in 80% aller Fälle) in dem Erreger Candida albicans , einem Hefepilz der Gattung Candida. Ein weiterer Vertreter derselben Gattung, Candida glabrata, kann ebenfalls eine entzündliche Pilzinfektion der Scheide verursachen. Alle durch Pilze der Gattung Candida ausgelösten Infektionen tragen die Bezeichnung Candidose oder Soor.

Die beiden für Scheidenpilz als Ursachen infrage kommenden Pilzarten sind regelmässig auf Pflanzen und Gegenständen zu finden. Die Erreger können über die Nahrung auf die Mundschleimhaut und die Schleimhäute des Magen-Darm-Trakts und durch verschiedene Übertragungswege in die Scheide gelangen.

Infektionsweg

Die Übertragung der für Scheidenpilz (Vaginalpilz) verantwortlichen Erreger kann verschiedene Ursachen haben. Der häufigste zu einer Scheidenpilzinfektion führende Infektionsweg ist der Geschlechtsverkehr. Ausserdem können die Pilze über eine durch falsche Toilettenhygiene verursachte Schmierinfektion vom Enddarm in die Scheide gelangen. Eine vaginale Pilzinfektion kann aber auch entstehen, wenn mehrere Menschen Badeanzüge, Unterwäsche oder Handtücher gemeinsam nutzen.

4. Symptome

Die für Scheidenpilz (Vaginalpilz) typischen Symptome sind starker Juckreiz sowie Brennen in der Scheide und an den äusseren primären Geschlechtsorganen – der Scham (Vulva). Sowohl Scheide als auch Scham sind meist rot und geschwollen. Aus der Scheide tritt ein vermehrter, weisslich-krümeliger Ausfluss aus (sog. Fluor vaginalis). Weitere mögliche Symptome für Scheidenpilz sind Schmerzen beim Wasserlassen oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr.

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5. Diagnose

Um bei einem Scheidenpilz (Vaginalpilz) die Diagnose stellen zu können, befragt der Arzt die Betroffenen zunächst ausführlich über Beschwerden und Begleitumstände. Bei der körperlichen Untersuchung zeigt sich eine vaginale Pilzinfektion dadurch, dass die Schleimhaut der Scheide gerötet ist und grau-weissliche, meist krümelige Beläge aufweist. Um zu klären, welche Erreger die Pilzerkrankung verursacht haben, sind Abstriche von der Scheidenschleimhaut notwendig. Unter dem Mikroskop sind häufig Pilzfäden oder Sprosszellen nachweisbar. Um die Scheidenpilz-Diagnose zu sichern, schickt der Arzt Proben der Abstriche an ein Labor.

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6. Therapie

Bei einem Scheidenpilz (Vaginalpilz) sind zur Therapie spezielle Medikamente gegen Pilze geeignet – sogenannte Antimykotika. Wirksame Mittel gegen Scheidenpilz sind die Wirkstoffe Imidazole oder Nystatin. Die Behandlung der Pilzinfektion erfolgt in erster Linie direkt an den betroffenen Stellen mit speziellen Scheidenzäpfchen und Salben. Imidazole sind je nach Dosierung ein bis sechs Tage anzuwenden. Tritt der Scheidenpilz zum ersten Mal auf, reicht in der Regel eine kurze Behandlung aus.

Neben den Antimykotika stehen zur Scheidenpilz-Therapie sogenannte Antiseptika mit dem Wirkstoff Povidon-Jod zur Verfügung. Sie sind in Form von Tabletten, als Lösung, Creme oder Zäpfchen erhältlich. Antiseptika eignen sich bei einer leichteren oder beginnenden Scheidenpilzinfektion. Wenn Sie eine Erkrankung der Schilddrüse haben, dürfen Sie diese Mittel jedoch nicht zur Vaginalpilz-Behandlung einsetzen.

Mitbehandlung des Partners

Bei einem akuten Scheidenpilz (Vaginalpilz) ist der Erfolg Ihrer Therapie durch eine Mitbehandlung des Partners nicht entscheidend beeinflussbar: Scheidenpilze heilen dadurch nicht schneller ab.

In den Fällen, in denen ein chronischer Scheidenpilz besteht, ist es jedoch ratsam, auch beim Mann Penis und Sperma zu untersuchen. Ist dabei derselbe Erreger nachweisbar, der dem Vaginalpilz zugrunde liegt, ist eine Mitbehandlung des Partners empfehlenswert.

Allgemeine Massnahmen

Bei einem Scheidenpilz (Vaginalpilz) sind neben der medikamentösen Therapie einige allgemeine Massnahmen sinnvoll:

  • Durch eine Rasur der Schamhaare können Sie die Heilung von Scheidenpilz begünstigen.
  • Wechseln Sie Ihre Unterwäsche zweimal täglich und waschen Sie sie bei 95 Grad Celsius.
  • Im feuchtwarmen Milieu fühlen sich Pilze besonders wohl. Daher ist es wichtig, den Körper nach dem Waschen sorgfältig abzutrocknen, luftdurchlässige Unterwäsche zu tragen und kunststoffbeschichtete Slip-Einlagen oder Binden zu vermeiden.
  • Liegt bei Ihnen eine akute Erkrankung vor oder neigen Sie allgemein zu Scheidenpilzinfektionen, ist es ratsam, sich zuckerarm und ballaststoffreich zu ernähren. Hefepilze ernähren sich von Zucker.
  • Nach dem Stuhlgang ist es wichtig, sich mit dem Toilettenpapier immer von vorne nach hinten zu reinigen und nicht umgekehrt. Gleiches gilt für die Hygienemassnamen. Es ist ratsam, den äusseren Bereich der Scheide täglich mit viel Wasser und einem milden Reinigungsmittel zu säubern. Auf Intimlotionen oder Intimsprays verzichten Sie am besten grundsätzlich.
  • Wenn es bei Ihnen zu häufig wiederkehrenden Infektionen mit Scheidenpilz kommt und Sie mit der Antibabypille verhüten, kann es sinnvoll sein, auf mechanische Verhütungsmittel umzustellen.

Scheidenpilz-Therapie in der Schwangerschaft

Wenn Sie schwanger sind und einen Scheidenpilz (Vaginalpilz) haben, ist eine Therapie auf jeden Fall noch in der Schwangerschaft wichtig, auch wenn Sie keine Beschwerden haben. Schwangere sind aufgrund der hormonellen Veränderungen besonders anfällig für Vaginalpilze. Wenn Sie einen während der Schwangerschaft bestehenden Scheidenpilz nicht behandeln, kann sich der Pilz bei der Geburt auf das Kind übertragen. Neugeborene haben noch keine ausreichende Eigenabwehr. Daher ist in der Schwangerschaft eine frühzeitige Scheidenpilz-Behandlung besonders wichtig.

Zur Scheidenpilz-Therapie in der Schwangerschaft sind die speziellen Mittel gegen Pilze (sog. Antimykotika) in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten nur in besonders schweren Fällen erlaubt. Führen Sie die Vaginaltabletten besser nicht mit einem Applikator in die Scheide ein, da dies im Extremfall eine Fehlgeburt auslösen kann.

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7. Verlauf

Ein Scheidenpilz (Vaginalpilz) nimmt – konsequent behandelt – in der Regel einen schnellen und unkomplizierten Verlauf. In 95 Prozent der Fälle tritt eine Scheidenpilzinfektion nach ihrer Heilung nicht wieder auf. Um zu verhindern, dass ein Pilz die Scheide erneut infiziert, ist es besonders wichtig, Erkrankungen zu behandeln, die eine Pilzinfektion begünstigen (z.B. Diabetes mellitus). Ein konsequentes Ausschalten solcher Risikofaktoren trägt dazu bei, chronische Scheidenpilze zu verhindern. Darüber hinaus ist es für Betroffene und ihre Partner wichtig, auf eine sorgfältige Sexualhygiene zu achten.

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8. Vorbeugen

Sie können einem Scheidenpilz (Vaginalpilz) vorbeugen, indem Sie auf eine regelmässige, aber keinesfalls übertriebene Intimhygiene achten: Häufige Schaumbäder und parfümierte Seifen schaden dem natürlichen Schutzmechanismus der Scheide. Ausserdem ist es ratsam, zur Vorbeugung einer Scheidenpilzinfektion auf eng anliegende, synthetische Kleidung zu verzichten und keine kunststoffbeschichteten Slip-Einlagen oder Binden zu verwenden. Achten Sie ausserdem bei der Toilettenhygiene stets darauf, von vorne nach hinten zu wischen – niemals umgekehrt.

Wenn Sie zu häufig wiederkehrendem Scheidenpilz neigen, beispielsweise in der Schwangerschaft, aufgrund anderer Erkrankungen (wie Diabetes mellitus) oder durch eine Behandlung mit Antibiotika, können Sie weitere Massnahmen für den Erhalt des natürlichen Schutzmechanismus der Scheide ergreifen: Setzen Sie zur Scheidenpilz-Vorbeugung Mittel ein, die Milchsäurebakterien (Lactobacillus grasseri, Lactobacillus acidophilus) enthalten, oder führen Sie einfach wiederholt einen mit Joghurt getränkten Tampon in die Scheide ein. Die Milchsäurebakterien können einem Vaginalpilz vorbeugen, da sie die Schleimhaut der Scheide besiedeln und krankheitserregende Pilze verdrängen. Zusätzlich senken sie den pH-Wert der Scheidenschleimhaut und tragen so zum Erhalt der Scheidenflora bei.

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