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Veröffentlicht am 12.03.2020

1. Überblick

Eine Schilddrüsenüberfunktion beschleunigt den Stoffwechsel und die Herzfrequenz. Die Folgen sind gravierend und reichen von Herzrasen bis zur Psychose.

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) bildet die Schilddrüse mehr Hormone, als der Körper benötigt. Dies führt zu einer Überversorgung des Körpers mit Schilddrüsenhormonen, die ihrerseits die Stoffwechselvorgänge übermässig ankurbeln.

Die Schilddrüse, deren Gestalt einem Schmetterling ähnelt, sitzt unterhalb des Kehlkopfs. Das Organ bildet die beiden Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3). Schilddrüsenhormone greifen in alle Stoffwechselvorgänge des Körpers ein. Entsprechend verursacht eine Schilddrüsenüberfunktion viele unterschiedliche Symptome. Zu den allgemeinen Anzeichen einer Hyperthyreose zählen:

  • Gewichtsabnahme trotz ausreichender Ernährung und gesteigertem Appetit,
  • Haarausfall,
  • vermehrtes Schwitzen und Wärmeintoleranz (d.h. die Betroffenen empfinden Wärme schnell als unangenehm).
  • Unruhe

Daneben wirkt sich eine Schilddrüsenüberfunktion auf einzelne Organsysteme wie etwa das Herz-Kreislauf-System aus. Denn Schilddrüsenhormone machen den Körper für die Wirkung von Stresshormonen (z.B. Adrenalin, Noradrenalin) empfindlich und führen so zu einer Beschleunigung des Herz-Kreislauf-Systems.

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Die Schilddrüsenüberfunktion ist ein Symptom verschiedener anderer Erkrankungen. Die häufigsten Ursachen für eine Überfunktion der Schilddrüse sind:

  • der sogenannte Morbus Basedow (Immunhyperthyreose) und
  • die Schilddrüsenautonomie.

Um eine Hyperthyreose zu diagnostizieren, bestimmt der Arzt die Konzentration der Schilddrüsenhormone im Blut und führt allenfalls eine Szintigraphie durch. Ausserdem kann er nach bestimmten Antikörpern suchen, die für eine Autoimmunerkrankung und die basedowsche Krankheit sprechen.

Die bei einer Schilddrüsenüberfunktion eingesetzte Behandlung zielt darauf ab, die Bildung von Schilddrüsenhormonen durch Medikamente zu hemmen. Gängige Wirkstoffe sind zum Beispiel Thiamazol und Carbimazol. Ausserdem kann zur Hyperthyreose-Therapie eine Schilddrüsenoperation oder eine Radiojodtherapie zum Einsatz kommen, um funktionsfähiges Schilddrüsengewebe zu entfernen und so die Hormonproduktion zu verringern. Bleibt nach der Operation oder Radiojodtherapie zu wenig Schilddrüsengewebe übrig, dann kann eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) die Folge sein. Dies kann mit einer Hormonersatztherapie (mit dem Wirkstoff L-Thyroxin) behandelt werden.

2. Definition

Eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) ist eine Funktionsstörung der Schilddrüse: Die Schilddrüse bildet zu viele Schilddrüsenhormone, was zu einer Überversorgung des Körpers mit Schilddrüsenhormonen führt, die ihrerseits die Stoffwechselvorgänge übermässig beschleunigen.

Die Schilddrüse (Thyroidea) erinnert in ihrer Form an einen Schmetterling und befindet sich unterhalb des Kehlkopfs. In der Fachsprache bezeichnet man dieses Organ auch als Glandula thyroidea (lat. glandula = Drüse und thyreos = Türstein, Schild). Der Begriff Hyperthyreose für die Schilddrüsenüberfunktion setzt sich aus der griechischen Vorsilbe hyper (= über) und der medizinischen Kurzbezeichnung der Schilddrüse (Thyroidea) zusammen.

Die Schilddrüsenüberfunktion ist keine eigenständige Erkrankung der Schilddrüse. Sie ist vielmehr ein Symptom verschiedener anderer Erkrankungen: Vor allem der Morbus Basedow und die Schilddrüsenautonomie sind oft für eine Hyperthyreose verantwortlich.

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Häufigkeit

Etwa ein Prozent der Bevölkerung hat eine Schilddrüsenüberfunktion. Dabei sind Frauen deutlich öfter betroffen als Männer. In den meisten Fällen setzt die Hyperthyreose zwischen dem 20. und dem 50. Lebensjahr ein.

3. Ursachen

Eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) kann viele verschiedene Erkrankungen als Ursachen haben. Zu den häufigsten gehören der Morbus Basedow und die Schilddrüsenautonomie.

Morbus Basedow (basedowsche Krankheit)

Am häufigsten hat eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) ihre Ursachen in der Autoimmunerkrankung namens Morbus Basedow (bzw. basedowsche Krankheit). Diese Erkrankung ist nach dem Amtsarzt der Stadt Merseburg – Karl A. von Basedow – benannt, der sie im Jahr 1840 erstmals beschrieb. Etwa zwei Drittel der Fälle eines Morbus Basedow entwickeln sich nach dem 35. Lebensjahr, Frauen sind etwa fünfmal häufiger von der basedowschen Krankheit betroffen als Männer.

Bei Autoimmunerkrankungen richtet sich die Wirkung des Immunsystems gegen körpereigenes Gewebe. Die Ursachen hierfür sind unbekannt. Neben äusseren Faktoren (Umwelteinflüssen) gelten erblich bedingte Veranlagungen als mögliche Auslöser. Im Fall des Morbus Basedow aktivieren dann Antikörper fälschlicherweise die Hormonproduktion im Schilddrüsengewebe: Ein gegen körpereigene Antigene gerichteter Antikörper (sog. Autoantikörper) ahmt die Wirkung des schilddrüsenstimulierenden Hormons (Thyreoidea-stimulierendes Hormon, TSH) nach. Die Autoantikörper heissen TRAK (TSH-Rezeptor-Autoantikörper). Als Folge bildet die Schilddrüse eine unkontrolliert grosse Menge an Schilddrüsenhormonen – es kommt zu einer Schilddrüsenüberfunktion. Da solche autoimmunen Vorgänge die basedowsche Krankheit auslösen, zählt sie zu den immunogenen Hyperthyreosen oder Immunhyperthyreosen.

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Schilddrüsenautonomie

Eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) kann auch durch eine sogenannte Schilddrüsenautonomie entstehen. Unter "Autonomie" versteht man in diesem Zusammenhang, dass Teile der Schilddrüse unabhängig von äusseren Einflüssen nach ihren eigenen Gesetzen funktionieren. Im Fall der Schilddrüsenautonomie bedeutet dies, dass sich die bedarfsgerechte Hormonbildung von der Kontrolle durch die übergeordneten Zentren im Gehirn – Hypothalamus und Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) – entkoppelt.

Die Schilddrüsenautonomie hat ihre Ursachen in der Regel in einem Jodmangel. Von der Autonomie sind immer nur bestimmte Bereiche der Schilddrüse betroffen. Einen solchen Bereich bezeichnet man als autonomes Adenom. Abhängig von der Menge des autonomen Schilddrüsengewebes kann die Schilddrüsenfunktion bei einer Schilddrüsenautonomie normal oder nur leicht gesteigert sein; es kann aber auch eine ausgeprägte Schilddrüsenüberfunktion vorliegen.

Seltene Ursachen

Nur selten steckt hinter einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) weder ein Morbus Basedow noch eine Schilddrüsenautonomie, sondern eine andere Erkrankung. Seltene Ursachen für eine Unterfunktion der Schilddrüse sind zum Beispiel Schilddrüsenentzündungen sowie hormonbildende Tumoren der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), die unkontrolliert zu viel thyroideastimulierendes Hormon (TSH) bilden.

Eine Schilddrüsenüberfunktion kann auch durch die Anwendung von Substanzen entstehen, die Jod enthalten (z.B. Medikamente oder Röntgenkontrastmittel). Die Jodgabe allein verursacht keine Hyperthyreose, kann aber eine kompensierte Schilddrüsenautonomie oder einen unerkannten milden Morbus Basedow in eine Schilddrüsenüberfunktion überführen. Nicht zu vergessen ist die Hyperthyreosis factitia – eine Schilddrüsenüberfunktion, deren Ursachen in zu grossen Mengen eingenommene Schilddrüsenhormone sind. Diese Form der Hyperthyreose ist in dem Sinne "selbst gemacht".

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4. Symptome

Die bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) auftretenden Symptome sind Ausdruck dafür, dass der Stoffwechsel des Körpers durch die Überversorgung mit Schilddrüsenhormonen allgemein beschleunigt ist. Ausserdem steigt bei einer Schilddrüsenüberfunktion die Empfindlichkeit des Organismus gegenüber den Stresshormonen Adrenalin und Noradrenalin.

Welche Symptome im Einzelfall bei einer Schilddrüsenüberfunktion auftreten, hängt auch vom jeweiligen Auslöser der Funktionsstörung ab (z.B. Morbus Basedow). Zu den allgemeinen Anzeichen einer Hyperthyreose gehören:

Dass die Schilddrüsenüberfunktion auf das Herz-Kreislauf-System wirkt, zeigt sich durch folgende Symptome:

  • beschleunigter Puls
  • Herzklopfen bis Herzrasen
  • Herzrhythmusstörungen
  • Bluthochdruck (Hypertonie)

Durch ihre Wirkung auf das Zentralnervensystem (ZNS = Gehirn und Rückenmark) verursacht die Schilddrüsenüberfunktion ausserdem folgende Symptome:

  • Nervosität
  • Zittern der Hände
  • Schlafstörungen bei gesteigerter Ermüdbarkeit
  • Stimmungsschwankungen
  • Bewegungsunruhe
  • schnelle Erschöpfung schon bei leichter Belastung
  • Muskelschmerzen und Muskelschwäche

Durch den beschleunigten Stoffwechsel kann es bei der Schilddrüsenüberfunktion zusätzlich zu Durchfall kommen. Bei Frauen sind weitere Hyperthyreose-Symptome in Form von Zyklusstörungen möglich. Die Schilddrüsen sind durch eine Überfunktion nicht zwangsläufig vergrössert. Eine solche Struma (Kropf) kann aber genauso wie bei der Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) vorliegen.

Ein Hervortreten des Augapfels (Exophtalmus), umgangssprachlich auch als Glubschauge, Glotzauge oder Glanzauge bezeichnet, tritt in der Regel nur bei einer durch Morbus Basedow verursachten Schilddrüsenüberfunktion auf und ist Anzeichen für eine Erkrankung der Augenhöhle (endokrine Orbitopathie). Die Ausprägung dieses Symptoms sagt jedoch nichts über den Grad der Hyperthyreose aus. Menschen, die einen Morbus Basedow haben und rauchen, haben ein deutlich erhöhtes Risiko, dass ihr Augapfel hervortritt.

In manchen Fällen verursacht ein Morbus Basedow neben der Schilddrüsenüberfunktion drei klassische Symptome, die man zusammen auch als Merseburger Trias bezeichnet: Herzrasen, Exophthalmus und Struma.

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5. Diagnose

Bei der Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) erfolgt die Diagnose anhand der Konzentration der Schilddrüsenhormone im Blut. Um eine Schilddrüsenüberfunktion auszuschliessen, genügt es, einen durchschnittlichen Wert des schilddrüsenstimulierenden Hormons (thyreoideastimulierendes Hormon, TSH) nachzuweisen. Bei einer Überfunktion der Schilddrüse müsste das TSH erniedrigt sein. Dabei wird unterschieden zwischen einer beginnenden oder milden (latenten) und einer ausgeprägten (manifesten) Überfunktion der Schilddrüse:

  • Bei einer latenten Hyperthyreose ist nur der Wert für das schilddrüsenstimulierende Hormon (TSH) niedrig. Die Werte für die freien Schilddrüsenhormone FT3 und FT4 sind (noch) normal.
  • Bei einer manifesten Hyperthyreose ist TSH verringert oder gar nicht nachweisbar, während FT3 und FT4 erhöht sind.
  • Eine Ausnahme stellt eine Hyperthyreose, die durch Tumore verursacht wird, dar. Dabei sind TSH und FT4 und häufig auch FT3 erhöht.

Ein Überangebot an Schilddrüsenhormonen allein lässt jedoch noch keine Rückschlüsse auf die eigentliche Ursache für die Schilddrüsenüberfunktion zu: Eine Überfunktion der Schilddrüse kann auf verschiedene Erkrankungen zurückzuführen sein, deren Diagnose weitere Untersuchungen nötig macht. Darum sind eine gründliche Befragung (zum Beispiel zu eingenommenen Medikamenten und vorausgegangenen Untersuchungen) und gegebenenfalls weitere Untersuchungen nötig, um die Ursache der Hyperthyreose einzugrenzen.

Am häufigsten ist die Schilddrüsenüberfunktion Anzeichen für einen Morbus Basedow oder für eine Schilddrüsenautonomie:

  • Einen Morbus Basedow kann man anhand der drei folgenden Symptome diagnostizieren: hervortretender Augapfel (Exophthalmus), vergrösserte Schilddrüse, Herzrasen (sog. Merseburger Trias). Der Nachweis bestimmter Autoantikörper (sog. TRAK, TSH-Rezeptorautoantikörper) oder eine Feinnadelbiopsie können die Diagnose bekräftigen. In der Ultraschalluntersuchung (Sonographie) zeigt sich die Schilddrüse beim Morbus Basedow meist dunkler (das heisst echoarm) und vermehrt durchblutet.
  • Ob eine Schilddrüsenautonomie hinter der Schilddrüsenüberfunktion steckt, kann im Allgemeinen eine sogenannte Szintigraphie zeigen: Hierbei bekommt man eine radioaktiv markierte Substanz in die Vene gespritzt. Nach etwa 20 Minuten ist die Substanz im Schilddrüsengewebe durch eine spezielle Kamera zu sehen. Da gesundes und krankes Schilddrüsengewebe die Substanz unterschiedlich stark aufnehmen, ist es so möglich, Gebiete mit gesteigerter Hormonbildung (sog. heisse Knoten) von solchen mit normaler, niedriger oder fehlender Bildung (sog. kalte Knoten) unterscheiden.
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6. Therapie

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) zielt die Therapie in erster Linie darauf ab, die Symptome zu verbessern. Dies kann durch Medikamente, eine Operation oder eine Radiojodtherapie (d.h. durch Zuführung von radioaktivem Jod) geschehen.

Medikamente

Ob bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) eine medikamentöse Therapie geeignet ist und welche Medikamente zum Einsatz kommen, hängt vor allem von der Ursache der Überfunktion ab:

Verursacht ein Morbus Basedow Ihre Schilddrüsenüberfunktion, erhalten Sie zur Therapie vor allem sogenannte Thyreostatika (Thiamazol und Carbimazol). Diese Medikamente lindern die Symptome der Hyperthyreose, indem sie die Bildung der Schilddrüsenhormone hemmen. Bei Morbus Basedow ist es am besten, sich etwa ein Jahr lang mit Thyreostatika behandeln zu lassen, da innerhalb der ersten Monate häufig Rückfälle auftreten. Kommt es nach einigen Jahren zu einem Rückfall (Rezidiv), ist es ratsam, eine Operation oder eine Radiojodtherapie in Erwägung zu ziehen.

Wenn Ihre Schilddrüsenüberfunktion auf eine Schilddrüsenautonomie zurückzuführen ist, sind Thyreostatika für Ihre Behandlung jedoch nicht geeignet: Thyreostatika hemmen zwar auch bei der Schilddrüsenautonomie die Hormonproduktion, nach Absetzten der Medikamente besteht die Autonomie allerdings unverändert fort. Für eine dauerhaft wirksame Therapie müssten Sie die Mittel also immer weiter einnehmen. Thyreostatika sind allerdings nicht nebenwirkungsfrei: Bei ihrer Einnahme können Fieber, GelenkschmerzenMuskelschmerzen, Übelkeit und allergische Reaktionen mit Hautausschlag auftreten; in sehr seltenen Fällen können die Blutbildung und die Leberfunktion gestört sein. Daher fällt die Wahl der Behandlung bei einer Hyperthyreose durch Schilddrüsenautonomie oftmals von vornherein auf eine Operation oder eine Radiojodtherapie: So lässt sich eine lebenslange Einnahme der Medikamente vermeiden.

Wenn die Empfindlichkeit Ihres Organismus gegenüber den Stresshormonen Adrenalin und Noradrenalin durch die Schilddrüsenüberfunktion gesteigert ist, können Sie zur Therapie weitere Medikamente erhalten: In dem Fall helfen Beta-Blocker wie zum Beispiel Propanolol, die Symptome zu lindern.

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Operation

In bestimmten Fällen kann bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) eine operative Therapie erfolgen: Die Operation kommt zum Beispiel dann für Sie infrage,

  • wenn ein Morbus Basedow die Schilddrüsenüberfunktion verursacht und Sie trotz Behandlung durch Medikamente einen Rückfall (Rezidiv) haben oder
  • wenn eine Schilddrüsenautonomie die Ursache für die Überfunktion der Schilddrüse ist.

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion zielt die operative Behandlung darauf ab, genau so viel von dem funktionsfähigen Schilddrüsengewebe zu entfernen, dass der verbleibende Rest nicht mehr ausreicht, um den Körper mit Schilddrüsenhormonen zu überschwemmen. Bei der Schilddrüsenautonomie, die nur einen bestimmten Bereich der Schilddrüse betrifft (autonomes Adenom), entfernt der Operateur nur diesen Bereich. Beim Morbus Basedow hingegen ist die ganze Schilddrüse betroffen, sodass der Operateur sie nahezu vollständig (subtotal) entfernen muss. Bleibt nach der Operation nicht mehr genügend Schilddrüsengewebe übrig, um den Körper ausreichend mit Hormonen zu versorgen, kommt es zu einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). Diese kann man jedoch ohne Probleme mit einer Hormonersatztherapie mit dem Wirkstoff L-Thyroxin behandeln.

Die operative Hyperthyreose-Therapie birgt wie jede Operation gewisse Risiken in sich: So kann es zum Beispiel im Anschluss an die Operation einer Schilddrüsenüberfunktion zu Nachblutungen kommen. Die meisten Schilddrüsenoperationen haben jedoch keine bleibenden Folgen. Nur in etwa einem Prozent aller Fälle treten dauerhafte und schwerwiegende Komplikationen auf: Wenn der Operateur zum Beispiel den Stimmbandnerv verletzt, hat dies Heiserkeit und eine schwache Stimme zur Folge. Und wenn der Operateur versehentlich die Nebenschilddrüsen mitentfernt, kann es zu einem Mangel an Kalzium im Blut mit Muskelkrämpfen (Tetanie) kommen, was sich aber durch Medikamente behandeln lässt. Es ist daher im Einzelfall sorgfältig abzuwägen, ob eine Operation zur Therapie der Schilddrüsenüberfunktion erforderlich ist.

Radiojodtherapie

Wenn Ihre Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) eine operative Therapie sinnvoll macht, Sie es aber strikt ablehnen, sich operieren zu lassen, oder eine Operation bei Ihnen zu riskant wäre, kann eine Radiojodtherapie weiterhelfen.

Die bei einer Schilddrüsenüberfunktion eingesetzte Radiojodtherapie ist eine Strahlenbehandlung der Schilddrüse. Hierzu nehmen Sie ein radioaktives Jodisotop – Jod 131 – ein. Das radioaktive Jod wirkt gezielt auf das Schilddrüsengewebe und mindert so die Schilddrüsenüberfunktion, während die Strahlenbelastung anderer Organe verschwindend gering ist. Nach aktuellem Kenntnisstand ist die Strahlenmenge zu gering, um Krebserkrankungen auszulösen.

Eine Radiojodtherapie zur Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion darf weder in der Schwangerschaft noch in der Stillzeit durchgeführt werden, weil sonst die Schilddrüse des Fötus geschädigt werden kann. Wer eine Schilddrüsenüberfunktion durch Radiojodtherapie behandeln lässt, sollte nach der Behandlung einen eventuellen Kinderwunsch für mindestens sechs Monate zurückstellen.

Bei einer Schilddrüsenautonomie ist eine Radiojodtherapie eine sehr gute Alternative zur Operation. Bei einem Morbus Basedow gibt es hingegen Hinweise, dass die Behandlung womöglich das Risiko für eine endokrine Orbitopathie (Erkrankung der Augenhöhle mit hervortretendem Augapfel) erhöht oder dass sich eine schon bestehende endokrine Orbitopathie verschlechtern kann.

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Ernährung

Eine spezielle Diät, die gegen eine Schilddrüsenüberfunktion hilft, gibt es nicht. Die richtige Ernährung ist bei einer Hyperthyreose trotzdem wichtig:

  • Zum einen ist es ratsam, dass der ohnehin durch die Überversorgung mit Schilddrüsenhormonen beschleunigte Stoffwechsel nicht zusätzlich durch koffeeinhaltige Getränke oder Alkohol angeregt wird.
  • Zum anderen ist es bei einer bestehenden Hyperthyreose wichtig, dass ein Zuviel an Jod vermieden wird. Die Ernährung muss dabei nicht völlig jodfrei gestaltet werden. Es sollten aber nicht mehr als 500 Mikrogramm pro Tag aufgenommen werden. Wichtige Jodquellen sind Meeresfische, Milchprodukte und jodiertes Speisesalz. Bei einer Hyperthyreose sollten besonders Meeresalgen, jodhaltige Heilwasser und jodhaltige Medikamente vermieden werden. Auch die Anwendung jodhaltiger Desinfektionsmittel oder jodhaltiger Röntgenkontrastmittel ist nicht empfehlenswert.

7. Verlauf

Prognose

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) hängen Verlauf und Prognose vor allem davon ab, wodurch die Funktionsstörung der Schilddrüse bedingt ist:

  • Der Morbus Basedow heilt nach angemessener Behandlung in den meisten Fällen dauerhaft aus. Wenn die Erkrankung erneut auftritt (Rezidiv) – dies kann auch noch nach mehreren Jahren geschehen – sollte über eine Operation nachgedacht werden.
  • Bei der Schilddrüsenautonomie kann eine medikamentöse Therapie nur die Symptome lindern, eine Heilung bewirkt sie nicht. Daher ist bei einer Autonomie der Schilddrüse eine Operation oder eine Radiojodtherapie ratsam.
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Komplikationen

Eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) kann im weiteren Verlauf mit verschiedenen Komplikationen verbunden sein: Eine mögliche Komplikation aller Schilddrüsenüberfunktionen (unabhängig von deren Ursache) ist die sogenannte thyreotoxische Krise – eine lebensbedrohliche Verschlimmerung der Schilddrüsenüberfunktion. Sie kann infolge einer unzureichenden Behandlung entstehen. Auch zusätzliche Belastungen, wie zum Beispiel Zweiterkrankungen, schwere Infektionen, Unfälle oder Narkosen können Auslöser einer thyreotoxischen Krise sein. Am häufigsten tritt die thyreotoxische Krise aber nach der Verabreichung von Jod (z.B. in Röntgenkontrastmitteln) auf, wenn eine unbekannte Schilddrüsenüberfunktion besteht.

Anzeichen für eine thyreotoxische Krise sind beispielsweise hohes Fieber mit Schweissausbrüchen, beschleunigter Puls (Tachykardie), Unruhe bis hin zur Psychose, starkes Erbrechen, schwerer Durchfall, Muskelkrämpfe und Muskelschwäche. Bleibt die Verschlimmerung der Schilddrüsenüberfunktion unbehandelt, kommt es im weiteren Verlauf zu Bewusstseinsstörungen und Verwirrtheit und letztlich zu Koma und Kreislaufversagen. Die thyreotoxische Krise ist eine lebensbedrohliche Notfallsituation, die eine schnelle intensivmedizinische Hilfe notwendig macht.

8. Vorbeugen

Einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) können Sie nur begrenzt vorbeugen, da diese Funktionsstörung der Schilddrüse fast immer durch Erkrankungen bedingt ist, deren Entstehung Sie nicht beeinflussen können.

Eine Schilddrüsenüberfunktion kann aber auch andere – äussere – Ursachen haben, die sich durchaus vermeiden lassen: Eine Hyperthyreose kann zum Beispiel die Folge einer Überdosierung von Schilddrüsenhormonen oder der Anwendung jodhaltiger Substanzen (wie z.B. Medikamente oder Röntgenkontrastmittel) sein. Solchen Schilddrüsenüberfunktionen durch von aussen zugeführte Substanzen kann man vorbeugen, indem Sie die jeweiligen Substanzen nur in der vorgeschriebenen Dosis einnehmen beziehungsweise indem Ärzte sie nur sorgfältig verabreichen. Vor der Verordnung jodhaltiger Substanzen oder vor einer Operation ist es daher ratsam, immer die Schilddrüsenfunktion zu untersuchen.

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Dr. med. Claudia Twerenbold erklärt, ob Masken wirklich schützen – und worauf man bei selbstgemachten Modellen achten sollte.
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