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Schilddrüsenunterfunktion

(Hypothyreose)

Überblick

von Onmeda-Ärzteteam

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) bildet die Schilddrüse zu wenig Schilddrüsenhormone. Frauen sind häufiger von der recht weit verbreiteten Hypothyreose betroffen als Männer.

In den meisten Fällen führt eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse zu der Schilddrüsenunterfunktion (chronische Schilddrüsenentzündung Hashimoto). Die Symptome einer Hypothyreose sind vielfältig – Müdigkeit, Leistungsknick und Veränderungen an Haut und Haaren stehen im Vordergrund.

Eine Schilddrüsenunterfunktion kann angeboren sein oder sich im Laufe des Lebens entwickeln (sog. erworbene Unterfunktion der Schilddrüse). Weiterhin unterscheidet man eine weniger schwach ausgeprägte (latente) von einer ausgeprägten (manifesten) Form der Hypothyreose. Unbehandelt behindert eine angeborene Schilddrüsenunterfunktion die geistige und körperliche Entwicklung des Neugeborenen beziehungsweise Kindes und führt im Extremfall zum sogenannten Kretinismus. Aufgrund einer Reihenuntersuchung (Screening) von Neugeborenen kommt dies in der Schweiz und anderen medizinisch gut versorgten Ländern heutzutage nur noch äusserst selten vor, da sich der Diagnose der Hypothyreose direkt eine Behandlung anschliesst.

Häufigste Ursache für eine erworbene Unterfunktion der Schilddrüse ist die Zerstörung oder der Verlust des Schilddrüsengewebes, etwa durch eine Autoimmunerkrankung, bei der Abwehrzellen das Gewebe der Schilddrüse angreifen (Hashimoto-Thyreoiditis) und so eine Hypothyreose verursachen.

Die Schilddrüse ist ein schmetterlingsförmiges Organ unterhalb des Kehlkopfs, das zwei Schilddrüsenhormone produziert: Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3). Sie beeinflussen unterschiedliche Stoffwechselvorgänge des Körpers. Bei einem Mangel an Schilddrüsenhormonen arbeitet der Stoffwechsel langsamer und die Leistungsfähigkeit nimmt ab. Bei Erwachsenen kommt es durch die Schilddrüsenunterfunktion zum Beispiel zu

Um eine Schilddrüsenunterfunktion festzustellen, fragt der Arzt den Betroffenen nach seinen Beschwerden und seiner medizinischen Vorgeschichte (Anamnese) und untersucht ihn körperlich, indem er zum Beispiel die Schilddrüse abtastet. Zudem wird die Konzentration der Schilddrüsenhormone im Blut bestimmt und das Organ mit Ultraschall untersucht.

Die Therapie einer Hypothyreose erfolgt durch Medikamente (L-Thyroxin, Levothyroxin), die den Mangel an Hormonen ausgleichen. Nehmen Betroffene die Medikamente in korrekter Dosierung regelmässig ein, bleiben sie genauso leistungsfähig wie Personen mit einer gesunden Schilddrüse. Auch die Lebenserwartung wird durch eine Schilddrüsenunterfunktion nicht beeinträchtigt.

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion ruft ein Mangel an Schilddrüsenhormonen vielfältige Symptome hervor, die sich oft schleichend entwickeln.
Bei einer Schilddrüsenunterfunktion ruft ein Mangel an Schilddrüsenhormonen vielfältige Symptome hervor, die sich oft...

Definition

Unter einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) versteht man eine Unterversorgung des Körpers mit den Schilddrüsenhormonen Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3). Die Schilddrüse produziert zu wenig Schilddrüsenhormone, um den Bedarf des Körpers zu decken.

Ärzte unterscheiden zwei Ausprägungen der Schilddrüsenunterfunktion:

  • subklinische oder latente Hypothyreose: Die Konzentration der Schilddrüsenhormone ist noch normal, der sog. Basalwert für TSH (TSH basal) ist erhöht.
  • manifeste Hypothyreose: Die Konzentration des sog. freien Thyroxins im Blut ist erniedrigt, die von TSH erhöht.

Nach dem zeitlichen Auftreten unterscheiden Fachleute die angeborene von der erworbenen Schilddrüsenunterfunktion. Ferner spielt es eine Rolle, wie es zu der Unterfunktion der Schilddrüse kommt.

Häufigkeit

Die Schilddrüsenunterfunktion zählt zu den häufigsten hormonellen Erkrankungen. Die Häufigkeit der Schilddrüsenunterfunktion nimmt mit dem Alter zu. 1 von 5000 Neugeborenen kommt mit einer Schilddrüsenunterfunktion zur Welt.

Etwa 1 bis 2 von 200 Menschen (entspricht 0,5 bis 1 Prozent) sind von einer Unterfunktion der Schilddrüse betroffen.

Anatomie der Schilddrüse

Im medizinischen Sprachgebrauch bezeichnet man die Schilddrüse als Glandula thyroidea (lat. glandula = Drüse und griech. thyreos = Türstein, Schild).

Sie hat einen schmetterlingförmigen Aufbau und ist mit einem durchschnittlichen Gewicht von 25 bis 30 Gramm die grösste Hormondrüse des Menschen. Sie besteht aus zwei Seitenlappen, die über den Schilddrüsenmittellappen (sog. Schilddrüsen-Isthmus) miteinander verbunden sind. Die Schilddrüse liegt im vorderen Halsbereich unterhalb des Kehlkopfs. Die Schilddrüsenlappen befinden sich hauptsächlich seitlich der Luftröhre.

Die Schilddrüse ist eine hormonbildende Drüse. Aus der körpereigenen Aminosäure Tyrosin und Jod bildet sie die Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4; Tetrajodthyronin) und Trijodthyronin (T3). Die Schilddrüsenhormone beeinflussen nahezu alle Stoffwechselvorgänge des Menschen. Sie sind wichtig für die körperliche Entwicklung, das Knochenwachstum, die Muskulatur und den Energiestoffwechsel. Ferner stellt die Schilddrüse das Hormon Calcitonin her – es ist an der Regulation des Kalziumstoffwechsels beteiligt.

Jod ist ein lebensnotwendiges Spurenelement, das der Mensch mit der Nahrung aufnehmen muss. Der tägliche Jodbedarf liegt bei 200 Mikrogramm. Durch regelmässigen Fischverzehr und jodierte Speisesalze lässt sich der tägliche Jodbedarf leicht decken. Jod gelangt aus dem Magen-Darm-Trakt mit dem Blut in die Schilddrüse und wird dort nach mehreren Zwischenschritten in die Schilddrüsenhormone eingebaut. Die Hormone werden dann an das Blut abgegeben.

Übergeordnete Zentren im Gehirn, der Hypothalamus und die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), steuern die Bildung der Schilddrüsenhormone. Sinkt der Schilddrüsenhormonspiegel im Blut, werden im Gehirn Hormone (Thyreotropin-Releasing-Hormon, kurz TRH, und Thyreoidea-stimulierendes-Hormon, kurz TSH) freigesetzt, die über das Blut die Schilddrüse erreichen und dort die Produktion von Schilddrüsenhormonen anregen.

Normwerte der Schilddrüsenhormone

Bezeichnung Abkürzung Unterer Normwert Oberer Normwert
Freies Trijodthyronin fT3 2,2 pg/ml 5,5 pg/ml
Freies Thyroxin fT4 0,6 ng/dl 1,8 ng/dl
Thyreoidea-stimulierendes-Hormon TSH 0,4 mU/l

2,5 mU/l

 

pg =Pikogramm (10 -12 Gramm, 1 Billionstel Gramm)

ng = Nanogramm (10 -9 Gramm, 1 Milliardstel Gramm)

U = Milli-Units (tausendstel Einheiten)

ml = Milliliter

dl = Deziliter 

l = Liter

Ursachen

Eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) kann vielfältige Ursachen haben. Ist die Funktion der Schilddrüse selbst gestört, spricht man von einer primären Hypothyreose. Sie ist die mit Abstand häufigste Form der Schilddrüsenunterfunktion. Bei der seltenen sekundären Hypothyreose schüttet die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) – das Steuerungszentrum vieler Drüsen – zu wenige Hormone aus, so dass die Schilddrüse nicht stimuliert wird.

Äusserst selten ist die Funktion des sogenannten Hypothalamus gestört. Der Hypothalamus ist ein Teil des Zwischenhirns und steuert die Hirnanhangsdrüse als übergeordnetes Zentrum. Die wissenschaftliche Bezeichnung für eine Schilddrüsenunterfunktion, die durch Störungen im Hypothalamus entsteht, lautet tertiäre Hypothyreose.

Primäre Hypothyreose

Eine Schilddrüsenunterfunktion kann angeboren sein, zum Beispiel wenn die Schilddrüse komplett fehlt oder zu klein ist. Eine angeborene Schilddrüsenunterfunktion kann auch infolge einer genetisch bedingten Störung der Jodverwertung auftreten, das heisst, dem Körper steht genügend Jod zur Verfügung, er kann es jedoch nicht in die Schilddrüsenhormone einbauen.

Wenn ein Defekt der Schilddrüse zu einer Schilddrüsenunterfunktion führt, handelt es sich um eine primäre Hypothyreose. Die Ursache liegt im Organ selbst.

Wesentlich häufiger wird die Schilddrüsenunterfunktion aber im Lauf des Lebens erworben. Meist liegen als Ursachen ein Verlust oder eine Zerstörung von ursprünglich funktionsfähigem Schilddrüsengewebe zugrunde, zum Beispiel nach:

  • Entzündungen der Schilddrüse (Thyreoiditis), vor allem als Folge einer Autoimmunerkrankung (Hashimoto-Thyreoiditis), bei der der Körper seine Abwehrstoffe gegen das Gewebe der Schilddrüse richtet und dieses zerstört
  • Schilddrüsenoperationen z.B. aufgrund einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
  • Bestrahlung der Schilddrüse
  • der Einnahme bestimmter Medikamente (z.B. Thyreostatika)
  • einer Radiojodtherapie

Eine Radiojodtherapie wird zur Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion eingesetzt. Mittels radioaktiver Strahlung wird übermässig hormonproduzierendes Gewebe zerstört. In manchen Fällen führt dies zu einer Schilddrüsenunterfunktion.

Eine Schilddrüsenunterfunktion kann in seltenen Fällen auch durch einen extremen Mangel an dem lebenswichtigen (essenziellen) Spurenelement Jod bedingt sein. Dies wird dadurch begünstigt, dass die Schweiz zu den Jodmangelgebieten zählt.

Sekundäre Hypothyreose

Eine sekundäre Hypothyreose liegt vor, wenn es aufgrund von Störungen der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), zum Beispiel durch Tumoren, zu einer Fehlversorgung der Schilddrüse mit dem Thyreoidea-stimulierendem-Hormon (TSH) kommt. Die Schilddrüse selbst ist dabei völlig in Takt. Diese Form der Schilddrüsenunterfunktion ist sehr selten.

Tertiäre Hypothyreose

Bei der tertiären Hypothyreose liegt eine Störung des Hypothalamus vor, so dass nicht genügend Thyreotropin-Releasing-Hormone (TRH) produziert werden. Dadurch ist der Regelkreis zwischen Gehirn und Schilddrüse unterbrochen und die Schilddrüse wird nicht angeregt, Schilddrüsenhormone zu produzieren.

Als Ursachen kommen Anlagedefekte, Tumoren oder Entzündungen infrage. Diese Störung kommt sehr selten vor.

Symptome

Die bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) auftretenden Symptome sind je nach Alter des Betroffenen sehr unterschiedlich.

Erwachsene

Im Erwachsenenalter entwickelt sich eine Schilddrüsenunterfunktion meist schleichend. Symptome treten in der Regel erst bei einer stärkeren Unterfunktion auf. Anfangs bemerkt der Betroffene meist keine oder kaum Beschwerden. Für eine Hypothyreose typische Symptome sind:

  • Leistungsabfall: Müdigkeit und gesteigertes Schlafbedürfnis
  • Antriebsarmut
  • Verlangsamung
  • Konzentrationsstörungen
  • Desinteresse
  • Kälteempfindlichkeit
  • Appetitlosigkeit
  • Verstopfung (Obstipation)
  • erhöhter Infektanfälligkeit
  • kühle, trockene, schuppige, blassgelbe Haut
  • brüchiges, strohiges Haar
  • brüchige Nägel
  • raue, heisere Stimme
  • Gewichtszunahme (verringerter Grundumsatz)
  • verlangsamtem Herzschlag (Bradykardie)
  • frühzeitig einsetzende Arterienverkalkung (Arteriosklerose) aufgrund erhöhter Cholesterinwerte
  • Zyklusstörungen (bei Frauen)
  • Störungen von Fruchtbarkeit, Libido und Potenz
  • abgeschwächte Muskeleigenreflexe

Gerade bei älteren Menschen mit einer Schilddrüsenunterfunktion sind häufig nur einige dieser Symptome vorhanden. Leichte Formen einer Hypothyreose werden daher oft übersehen. Bei alten Menschen sollte eine Schilddrüsenunterfunktion mit Labortests (TSH-Wert) ausgeschlossen werden, wenn ihr körperlicher und geistiger Zustand nicht ihrem Alter entspricht oder wenn Depressionen und Gedächtnisstörungen auftreten.

Als Folge einer vermehrten Einlagerung bestimmter Substanzen (Eiweiss-Zucker-Säure-Verbindungen) in das Unterhautfettgewebe ist die Haut bei Menschen mit Hypothyreose häufig teigig aufgetrieben (sog. Myxödem). Die Symptome zeigen sich oft in der Region um die Augen und an den Handrücken. Durch Myxödeme der Stimmbänder und der Zunge kann die Stimme rau und verwaschen klingen.

Eine sehr seltene, schwere Ausprägung des Myxödems ist das Myxödemkoma. Es kann entstehen, wenn eine Hypothyreose lange Zeit unzureichend behandelt wird oder nicht erkannt wird und weitere Faktoren hinzukommen, die den Patienten schwächen (z.B. Infektion, Operation). Symptome des Myxödemkomas sind Schwäche, Reglosigkeit, niedriger Blutdruck (Hypotonie), stark erniedrigte Körpertemperatur sowie eine verlangsamte oder zu oberflächliche Atmung (Hypoventilation). Betroffene müssen intensivmedizinisch behandelt werden.

Kinder

Kinder können infolge einer Schilddrüsenunterfunktion folgende Symptome aufweisen:

Neugeborene

Infolge einer nicht behandelten Schilddrüsenunterfunktion verzögert sich sowohl die körperliche als auch die geistige Entwicklung. In der Schweiz gibt es eine Reihenuntersuchung (Screening) der Neugeborenen auf eine Schilddrüsenunterfunktion. Wird sie festgestellt, erfolgt im direkten Anschluss eine Therapie mit Tabletten.

Neugeborene mit Hypothyreose weisen nach der Geburt folgende Symptome auf:

  • Sie trinken wenig (Trinkfaulheit).
  • Sie leiden unter Verstopfung (Obstipation).
  • Sie bewegen sich wenig (Bewegungsarmut).
  • Ihre Haut bleibt länger gelb gefärbt (sog. Icterus prolongatus; verlängerter Neugeborenenikterus).

Die fehlenden Schilddrüsenhormone müssen durch Tabletten ersetzt werden, um die Schilddrüsenunterfunktion auszugleichen. Die Symptome verschwinden in der Regel nach einigen Monaten der Tabletteneinnahme. Die Medikamente müssen jedoch lebenslang eingenommen werden, um den Hormonspiegel im Gleichgewicht zu halten.

Diagnose

Bei einer angeborenen Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) wird die Diagnose dank einer gesetzlichen Bestimmung heutzutage meist sehr früh gestellt: Bei jedem Neugeborenen untersucht ein Arzt zwischen dem dritten und fünften Lebenstag anhand einiger Tropfen Blut aus der Ferse die Schilddrüsenfunktion (sog. Neugeborenen-Screening). Hierbei bestimmt er den Wert des Hormons TSH, dem Thyroidea-stimulierenden Hormon. Es wird von der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) gebildet und ist wichtiger Teil des Regelkreises zwischen Gehirn und Schilddrüse.

Besteht im Jugend- und Erwachsenenalter der Verdacht auf eine Unterfunktion der Schilddrüse, müssen die Schilddrüsenhormone im Blut bestimmt werden, die sogenannten Schilddrüsenwerte.

Ein normaler TSH-Wert schliesst Störungen der Schilddrüse (primäre Hypothyreose) aus. Ein erniedrigter Wert des freien Thyroxin (fT4) bestätigt eine Schilddrüsenunterfunktion. Die Höhe der Konzentration des Schilddrüsenhormons T4 steht bei der Diagnose eher im Hintergrund, da der Wert erst bei einer weit fortgeschrittenen Hypothyreose abnimmt.

Da oft eine Entzündung der Schilddrüse, die sogenannte Hashimoto-Thyreoiditis, Ursache einer Unterfunktion der Schilddrüse ist, sollte eine Blutprobe auf das Vorhandensein spezieller Antikörper untersucht werden. Sie entstehen im Rahmen dieser Autoimmunerkrankung und heissen TPO-Antikörper und Thyreoglobulin-Antikörper. Sie greifen gesundes körpereigenes Gewebe an, das daraufhin seine Funktion einbüsst.

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion müsste der TSH-Wert erhöht sein, wogegen er bei einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) erniedrigt wäre.

Als sekundäre Hypothyreose bezeichnet man eine Unterfunktion der Schilddrüse aufgrund von Störungen der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse). Es entsteht ein Mangel an TSH. TSH regt die Schilddrüse normalerweise dazu an, Schilddrüsenhormone zu produzieren – fehlt TSH, resultiert eine Schilddrüsenunterfunktion. Zur Diagnose einer sekundären und tertiären Hypothyreose müssen sowohl das Thyreotropin-Releasing-Hormon (TRH) als auch das TSH bestimmt werden.

Mithilfe einer Ultraschalluntersuchung (Sonographie) untersucht der Arzt zusätzlich die Beschaffenheit der Schilddrüse und sieht nach, ob Knoten vorliegen. Aussagen über die Funktionstüchtigkeit der Schilddrüse können auf diesem Wege allerdings nicht getroffen werden.

Therapie

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion erfolgt die Therapie durch die Einnahme von Medikamenten. Sie ersetzen die fehlenden Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4; Tetrajodthyronin) und Trijodthyronin (T3). Die jodhaltigen Schilddrüsenhormone T3 und T4 regen unter anderem den Zellstoffwechsel an und sind für ein normales Körperwachstum notwendig. Ein Wirkstoff, der bei einer Schilddrüsenunterfunktion häufig zur Behandlung eingesetzt wird, ist Levothyroxin (L-Thyroxin). Das eigentlich wirksame Hormon ist Trijodthyronin – es entsteht im Blut aus L-Thyroxin, von dem ein Jodatom abgespalten wird.

Besteht eine angeborene Schilddrüsenunterfunktion, müssen die fehlenden Hormone umgehend ersetzt werden, damit die Entwicklung des Gehirns und anderer Organe nicht beeinträchtigt wird. Dank des Neugeborenen-Screenings erkennen Ärzte die angeborenen Formen der Schilddrüsenunterfunktion heute in den ersten Tagen nach der Geburt, so dass die Behandlung umgehend beginnen kann. Betroffene müssen die Hormone lebenslang regelmässig einnehmen.

Erwachsene mit einer ausgeprägten (manifesten) Hypothyreose müssen regelmässig und dauerhaft Schilddrüsenhormone einnehmen, um eine ausreichende Konzentration zu erreichen. Wer Medikamente gegen seine Schilddrüsenunterfunktion einnimmt, muss während der Behandlung in regelmässigen Abständen seinen Hormonstatus mittels einer Blutuntersuchung überprüfen lassen. Nebenwirkungen treten bei korrekter Dosierung nicht auf.

Wichtig: Personen mit einer schweren Hypothyreose sollten die Therapie langsam und mit einer geringen Dosierung beginnen. Generell gilt, dass die Behandlung mit niedriger Dosis beginnt, die dann langsam gesteigert wird.

In seltenen Fällen kann sich eine Schilddrüsenunterfunktion bis zum sogenannten Myxödemkoma ausweiten, wenn eine Behandlung der Hypothyreose unterbleibt. Dann ist intensivmedizinische Hilfe notwendig. Sie umfasst:

  • Atemhilfe,
  • die Zufuhr von Steroidhormonen (Glukokortikoide),
  • eine Glukoseinfusion,
  • die Regulation des Elektrolyt- und Wasserhaushaltes,
  • die Gabe von Levothyroxin (L-Thyroxin) und
  • bei Bedarf eine Wiedererwärmung.

Verlauf

Ist bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) die Hormontherapie korrekt eingestellt und werden die Medikamente regelmässig eingenommen, ist mit einem unkomplizierten Verlauf zu rechnen: Leistungsfähigkeit oder Lebensdauer sind in keiner Weise eingeschränkt.

Komplikationen

Wird eine Schilddrüsenunterfunktion rechtzeitig mit Medikamenten behandelt, ist die Entwicklung des Säuglings nicht gefährdet. Eine angeborene Schilddrüsenunterfunktion kann unbehandelt zu Komplikationen führen: Kinder mit einer angeborenen Hypothyreose bleiben geistig zurück und zeigen eine Entwicklungsstörung (sog. Kretinismus). Typische Spätfolgen einer Schilddrüsenunterfunktion im Kindsalter sind:

  • Sprachstörungen
  • Wachstumsrückstand (verminderte Körpergrösse)
  • Reifungsrückstand (Knochen- und Zahnalter)
  • geistige und psychische Retardierung (Kinder sind in der Entwicklung zurückgeblieben)
  • Schwerhörigkeit

Eine ungenügend behandelte oder nicht erkannte Schilddrüsenunterfunktion kann in seltenen Fällen im Verlauf zum sogenannten Myxödem-Koma führen, welches sich durch

  • Schwäche,
  • Reglosigkeit,
  • niedrigen Blutdruck (Hypotonie)
  • Untertemperatur sowie
  • eine verlangsamte oder zu oberflächliche Atmung (Hypoventilation) auszeichnet.

In diesem Fall ist sofort intensivmedizinische Hilfe notwendig.

Vorbeugen

Einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) kann man je nach Ursache meist nicht vorbeugen. Um einen Rückfall (Rezidiv) zu verhindern, muss eine lebenslange Hormonbehandlung erfolgen.

Verursacht ein extremer Jodmangel die Hypothyreose, können Sie durch die konsequente Verwendung jodierter Speisesalze die Jodversorgung verbessern. Es wird empfohlen, zudem zweimal wöchentlich Seefisch zu essen, da Seefisch viel Jod enthält. Um den täglichen Bedarf sicher zu decken, können Sie in Rücksprache mit Ihrem Arzt zusätzlich Jodpräparate einnehmen.

Empfohlene Jodzufuhr nach Altersklassen

Der Jodbedarf des Menschen hängt unter anderem vom Alter und speziellen Lebenssituationen wie etwa einer Schwangerschaft ab.

Gruppe Altersklasse empfohlene Jodzufuhr
Säuglinge bis 4 Monate (Schätzwert)
4 bis 12 Monate
40 µg / Tag
80 µg / Tag
     
Kinder 1 bis unter 4 Jahre
4 bis unter 7 Jahre
7 bis unter 10 Jahre
10 bis unter 13 Jahre
13 bis unter 15 Jahre
100 µg / Tag
120 µg / Tag
140 µg / Tag
180 µg / Tag
200 µg / Tag
     
Jugendliche und Erwachsene 15 bis unter 51 Jahre
51 Jahre und älter
200 µg / Tag
180 µg / Tag
     
Schwangere – – 230 µg / Tag
     
Stillende – – 260 µg / Tag