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1. Überblick

Eine Schimmelpilzallergie ist eine allergische Reaktion auf Schimmelpilze. Die eigentlichen Auslöser der Allergie (die sog. Allergene) sind die Fortpflanzungszellen dieser Pilze – die sogenannten Sporen.

Die für eine Schimmelpilzallergie verantwortlichen Schimmelpilze sind überall in unserer Umwelt vorhanden. In Wohnungen sind typische Quellen für Schimmelpilze feuchte Stellen hinter Tapeten und Textilien, Kachelwände und Polstermöbel. Aber auch Nahrungsmittel enthalten häufig Schimmelpilze.

Die typischen Symptome einer Schimmelpilzallergie ähneln denen einer Hausstauballergie oder Pollenallergie: Bei Kontakt mit dem Allergen tränen und jucken die Augen. Weitere Anzeichen der Allergie gegen Schimmelpilze sind Niesreiz, Fliessschnupfen, eine verstopfte Nase und Husten. Aber auch Atemnot, Asthma bronchiale, Nesselfieber oder Migräne können im Rahmen einer allergischen Reaktion auf Schimmelpilze auftreten.

Bei einer Schimmelpilzallergie besteht die Behandlung vor allem darin, den Kontakt zum allergieauslösenden Schimmelpilz nach Möglichkeit vollständig zu vermeiden. Bei einem Schimmelpilzbefall der Wohnräume bedeutet dies, die betroffenen Räume zu sanieren. Als Vorbeugung ist eine ausreichende Belüftung der Wohnräume und eine nicht zu hohe Luftfeuchtigkeit ratsam. Akute Beschwerden einer Schimmelpilzallergie lassen sich durch entsprechende Medikamente – wie Antihistaminika und Glukokortikoide – lindern.

Die Schimmelpilzallergie bleibt zwar in der Regel ein Leben lang bestehen, doch durch konsequente Massnahmen lassen sich allergische Reaktionen und damit verbundene Beschwerden ausschalten oder zumindest auf ein Minimum reduzieren.

2. Definition

Eine Schimmelpilzallergie ist eine gesteigerte beziehungsweise übersteigerte Reaktion des Immunsystems auf Schimmelpilze beziehungsweise auf deren Fortpflanzungszellen (sog. Sporen). Die Pilzsporen stellen demnach die Allergene (d.h. die allergieauslösenden Stoffe) dar. Sie verbreiten sich wie Pollen über die Luft und können so allergische Reaktionen vom Soforttyp (Typ I) auslösen.

Je nachdem, gegenüber welcher Art von Schimmelpilz die Überempfindlichkeit besteht, kann die Schimmelpilzallergie saisonal oder ganzjährig auftreten. Schimmelpilze sind Mikroorganismen, die überall in unserer Umwelt vorhanden sind. Sie lieben die Feuchtigkeit und breiten sich deshalb bevorzugt in Zimmerecken oder an Wänden aus, die im Winter zu sehr auskühlen oder in die über undichte Stellen im Dach oder undichte Rohre Nässe eindringt. Die von Schimmelpilzen gebildeten Gifte haben ein breites Wirkungsspektrum: Schimmelpilzgifte können zum Beispiel antibiotisch wirken, verschiedene Organe (Zellen, Haut, Leber, Herz, Nieren, Nervensystem) und das Immunsystem schädigen oder lähmende, krebserregende sowie fruchtschädigende Eigenschaften haben. Manche Schimmelpilze macht sich der Mensch beispielsweise bei der Herstellung (Käse) und Haltbarmachung (Fleischwaren) von Nahrungsmitteln oder der Herstellung von Medikamenten (Penicillin) zunutze; gleichzeitig können viele Schimmelpilze beim Menschen neben der Schimmelpilzallergie zahlreiche Erkrankungen hervorrufen.

3. Ursachen

Einer Schimmelpilzallergie (Hausstaubmilbenallergie) liegen als Ursachen bestimmte Stoffe (sog. Allergene) zugrunde, die eine Fehlregulation und eine überschiessende Abwehrreaktion des Immunsystems auslösen. Die für Schimmelpilzallergien verantwortlichen Allergene sind die Fortpflanzungszellen verschiedener Schimmelpilze: Eine saisonale Schimmelpilzallergie hat ihre Ursachen häufig in Sporen der Gattungen Cladosporium, Alternaria und Helminthosporium. Eine ganzjährige Allergie gegen Schimmelpilze entsteht oft durch Sporen der Gattungen Penicillium (Pinselschimmel), Mucor (Köpfchenschimmel), Aspergillus (Giesskannenschimmel), Chaetonium und Aureobasidium.

In der freien Natur finden sich die für eine Schimmelpilzallergie infrage kommenden Ursachen in hohen Konzentrationen unter anderem auf Blätterhaufen, Komposthaufen, Brennholzstapeln und unter Laub. Vor allem bei hoher Luftfeuchtigkeit und häufigem Wetterwechsel entsteht eine hohe Konzentration an Schimmelpilzsporen in der Luft.

In Wohnungen sind feuchte Mauern, feuchte Stellen hinter Tapeten und Textilien, Holzverschalungen, Kachelwände, Klimaanlagen, Matratzen, Polstermöbel und Luftbefeuchter als typische Schimmelpilzquellen mögliche Ursachen für das Auftreten einer Schimmelpilzallergie. Mangelnde Belüftung, ungünstige Möblierung, Kondenswasserbildung oder unbemerkte Feuchtigkeitsschäden durch konstruktionsbedingte Baumängel begünstigen neben warmen Temperaturen und hohen Umgebungsfeuchtigkeiten die Bildung von Schimmelpilzen.

Ausserdem können Nahrungsmittel als mögliche Quelle für Schimmelpilzallergene die Ursachen für eine Schimmelpilzallergie sein. Allerdings reagieren die meisten Schimmelpilzallergiker weniger auf Allergene aus der Nahrung als auf eingeatmete Allergene. Nahrungsmittel können verschimmeln, aber auch mit verschimmelten Zutaten zubereitet worden sein (z.B. Obstsaft, Obstessig, Wein, Tomatenketchup). Schimmelpilze kommen auch als Starterkulturen beziehungsweise Veredler (z.B. Roquefort, Wein) zum Einsatz. Ihre Stoffwechselprodukte, wie beispielsweise Enzyme, finden auch zur Be- und Verarbeitung von Produkten Verwendung.

4. Symptome

Eine Schimmelpilzallergie äussert sich typischerweise durch Symptome, die denen einer Hausstauballergie oder Pollenallergie ähneln: In den meisten Fällen löst der Kontakt mit den allergieauslösenden Pilzsporen Augentränen und -jucken, Niesreiz, Fliessschnupfen, eine verstopfte Nase und Husten aus. Bei schweren allergischen Reaktionen können als weitere Anzeichen der Schimmelpilzallergie Atemnot, Asthma bronchiale, Nesselfieber oder Migräne auftreten. Ohne Behandlung kann sich ein lebensbedrohlicher anaphylaktischer Schock entwickeln.

Häufige Symptome einer Schimmelpilzallergie auf Nahrungsmittel sind Magen-Darm-Beschwerden. Je nach allergieauslösender Schimmelpilzart können die Beschwerden ganzjährig oder saisonal auftreten.

5. Diagnose

Bei einer Schimmelpilzallergie sind zur Diagnose zunächst genaue Informationen dazu wichtig, wann und wo die Symptome der Allergie auftreten. Auf diese Weise lassen sich bereits erste allergieauslösende Stoffe (sog. Allergene) als Auslöser der Beschwerden ausschliessen und andere in die engere Wahl ziehen.

Die für die allergische Reaktion infrage kommenden Allergene sind für die weitere Diagnostik nützlich: Mit ihrer Hilfe erfolgt ein Allergietest, meist ein sogenannter Prick-Test. Da die verwendeten Allergenlösungen bei diesem Test noch nicht standardisiert sind, fällt eine Schimmelpilzallergie-Diagnose meistens jedoch sehr schwer.

Lässt sich durch den Test ein für die Schimmelpilzallergie verantwortliches Allergen identifizieren, erfolgt eine Untersuchung des Bluts auf Antikörper (RAST-Test), um das Testergebnis zu bestätigen. In speziellen Fällen kann ein nasaler Provokationstest mit dem entsprechenden Schimmelpilz erfolgen. Da ein Provokationstest starke allergische Reaktionen auslösen kann, ist es wichtig, dass er immer unter einer mindestens eine halbe Stunde andauernden ärztlichen Überwachung erfolgt.

6. Therapie

Bei einer Schimmelpilzallergie verspricht eine Therapie in Form einer sogenannten Allergenkarenz den grössten Erfolg. Das bedeutet: Meiden Sie den Kontakt zum allergieauslösenden Schimmelpilz nach Möglichkeit vollständig. Dazu gehört bei Schimmelpilzbefall in Ihren Wohnräumen vor allem eine Sanierungsmassnahme, um das Schimmelpilzvorkommen in Ihrem Zuhause auf ein gesundheitlich unschädliches Niveau herabzusenken.

Die zur erfolgreichen Therapie einer Schimmelpilzallergie nötigen Massnahmen beinhalten vor allem die Sanierung von Feuchtstellen oder befallenen Klimaanlagen. Mit einer Bürste, Sodalauge und hochprozentigem Essigkonzentrat lassen sich Schimmelpilze entfernen. Chemische Mittel zum Entfernen von Schimmelpilzen wirken nur kurzfristig, zudem sind die Wirkstoffe meist ungesund. Handelt es sich um einen Schaden grösseren Ausmasses, ist es ratsam, auf jeden Fall einen Fachmann hinzuzuziehen.

Ausserdem ist es bei einer Schimmelpilzallergie wichtig, auf die regelmässige Durchlüftung der Wohnräume vor allem während der Wintermonate zu achten. Lüften Sie unbedingt durch Stosslüftung bei weit offenem Fenster mindestens drei Minuten lang – und zwar möglichst alle zwei bis vier Stunden. Dabei ist es ratsam, auch in versteckten Winkeln der Wohnung eine Luftzirkulation zu ermöglichen. Stellen Sie sperrige Möbel, die die Luftzufuhr an der Tapete verhindern, bei Schimmelpilzbefall am besten um. Ideal ist eine relative Luftfeuchtigkeit von unter 60 Prozent.

Symptome der Schimmelpilzallergie lassen sich durch Medikamente bekämpfen: Wirksame Mittel sind Antihistaminika und Glukokortikoide. Die eigentliche Ursache der Schimmelpilzallergie können diese Medikamente jedoch nicht beseitigen. Ist der allergieauslösende Stoff (Allergen) bekannt, kann die Therapie gegen die Schimmelpilzallergie auch eine Hyposensibilisierung umfassen. Leichte Hautirritationen können Sie mithilfe spezieller Pflegeprodukte mit Inhaltsstoffen wie Dexpanthenol, Urea, Sanddorn oder Aloe Vera lindern.

7. Verlauf

Eine Schimmelpilzallergie nimmt im Regelfall einen lebenslang dauernden Verlauf. Wenn die Allergiker den Kontakt zum allergieauslösenden Stoff (Allergen) weitestgehend vermeiden, können sie die Beschwerden bei einer konsequenten antiallergischen Behandlung jedoch ausschalten oder auf ein Minimum reduzieren.

Unbehandelt kann eine Schimmelpilzallergie bei fortwährender Allergenbelastung in weiterem Verlauf zu einem allergischen Asthma führen. Darüber hinaus kann in seltenen Fällen ein lebensbedrohlicher anaphylaktischer Schock auftreten.

8. Vorbeugen

Wenn Sie einer Schimmelpilzallergie vorbeugen möchten, sind folgende Tipps für Sie hilfreich:

  • Sorgen Sie dafür, dass Ihre Wohnung/Ihr Haus stets gut gelüftet ist. Die relative Luftfeuchtigkeit liegt am besten zwischen 40 und 60 Prozent.
  • Regelmässiges Stoss- beziehungsweise Querlüften ist am besten geeignet. Lüften Sie nicht vom warmen ins kalte Zimmer.
  • Achten Sie auf mögliche Stockfleckenbildung hinter Schränken, Kacheln und Holzverkleidungen. Kalkputz oder Silikatfarben bieten keine Lebensgrundlage für Schimmelpilze.
  • Lassen Sie keine Küchenabfälle liegen.
  • Lagern Sie Obst und Gemüse im Kühlschrank.
  • Verzehren Sie Lebensmittel möglichst frisch und vermeiden Sie unnötige Lagerzeiten.
  • Schimmelpilze wachsen oft in Blumentöpfen. Giessen Sie daher Zimmerpflanzen sparsam und wechseln Sie häufiger die Erde. Auf Zimmerpflanzen im Schlafbereich verzichten Sie am besten ganz.
  • Entfernen Sie Luftbefeuchter von Heizkörpern.
  • Lassen Sie Ihre Klimaanlage regelmässig warten und reinigen.
  • Achten Sie bei Gartenarbeit darauf, nicht zu intensiv mit abgestorbenen Pflanzenteilen und Kompost in Kontakt zu kommen.

Da eine Schimmelpilzallergie eine Allergie gegen die Fortpflanzungszellen (Sporen) von Schimmelpilzen ist, sind alle Massnahmen zum Vorbeugen eines Schimmelpilzbefalls Ihrer Wohnräume und auch Ihrer Nahrungsmittel die beste Methode, um eine allergische Reaktion auf Schimmelpilze zu verhindern.