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1. Überblick

Schizophrenie ist eine psychische Erkrankung. Sie beeinflusst die gesamte Persönlichkeit in unterschiedlicher Weise und äussert sich auf verschiedenen Ebenen. Oft zeigen die Betroffenen ein gestörtes Verhältnis zur Realität. Dies äussert sich zum Beispiel in Halluzinationen und Wahnvorstellungen.

«Die Leute in meinem Kopf geben zu allem, was ich mache, eine Meinung ab und sagen mir ständig, dass ich ein schlechter Mensch bin!» So ähnlich könnte ein Erkrankter ein typisches Symptom der Schizophrenie beschreiben: akustische Halluzinationen. Manche Betroffenen hören dabei eine oder mehrere Stimmen, obwohl niemand in ihrer Umgebung etwas sagt. Die Stimmen sagen den Betroffenen dabei recht unterschiedliche Dinge: Manchmal kommentieren sie nur, manchmal verhöhnen sie den Erkrankten oder stacheln ihn zu aggressiven Handlungen gegen sich oder – selten – gegen andere Personen an. Beginnt eine Schizophrenie, können akustische Halluzinationen manchmal auch nur aus Geräuschen wie Knacken, Knattern oder Rauschen bestehen. Mediziner nennen diese nicht realen Geräusche Akoasmen.

Auch visuelle Halluzinationen sind möglich. Dabei sieht der Schizophrenie-Patient Farben, Dinge oder Personen, die nicht vorhanden sind – oft werden Halluzinationen in ein komplettes Wahnsystem eingebaut. Dazu ein Beispiel: Ein Schizophrenie-Patient sieht viele goldene Lichtstrahlen aus dem Himmel herabgleiten, während ihm Stimmen sagen, dass er als Retter der Welt auserkoren sei. Der Patient entwickelt also gleichzeitig einen Grössenwahn, den er – genauso wenig wie die Halluzinationen – infrage stellt. Für ihn ist das Erlebte völlig real und in sich schlüssig: Natürlich sprechen die Engel zu ihm und lassen ihn in hellem Lichterglanz erscheinen, denn er ist ja der neue Messias!

Solch blühende Wahnvorstellungen des Betroffenen bezeichnen Mediziner übrigens auch als floride Symptomatik (lat: flos = die Blume) und werden von Angehörigen, Freunden oder Nachbarn oft als beängstigend empfunden.

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Eine Schizophrenie kann sich durch viele unterschiedliche Symptome bemerkbar machen.

Quelle: Thinkstock Collection

Doch nicht alle Symptome einer Schizophrenie sind sofort für Aussenstehende ersichtlich. So gehören zu den Kennzeichen einer Schizophrenie – neben einer veränderten Wahrnehmung – unter anderem:

  • beeinträchtigtes Denkvermögen: Der Gedankenfluss des Betroffenen bricht manchmal ab oder ist verlangsamt.
  • Abflachen der Gefühle: Schizophrene wirken häufig abwesend und gefühlsarm.
  • Veränderung der Bewegungen: Die Betroffenen können z.B. völlig erstarren (sog. katatoner Stupor) oder sich nur noch eingeschränkt bewegen. Sie können aber auch sehr aktiv sein.

Fachärzte für Psychiatrie (Psychiater) unterscheiden verschiedene Formen der Schizophrenie. Sie orientieren sich an den Symptomen, die am deutlichsten auftreten. Herrschen zum Beispiel Wahn und Halluzination vor, sprechen sie von einer paranoid-halluzinatorischen Schizophrenie.

Die Ursachen einer Schizophrenie sind bis heute noch nicht genau erforscht – allerdings spricht vieles dafür, dass mehrere Einflüsse eine Schizophrenie begünstigen. Man vermutet, dass sowohl genetische Vorbelastungen in der Familie, biologische Störungen als auch die Lebensgeschichte und Persönlichkeit der Betroffenen eine grosse Rolle spielen (sog. multifaktorielles Entstehungsmodell).

Um Schizophrenie festzustellen, befragt der Arzt den Betroffenen nach seinen Beschwerden und ob eventuell andere Familienmitglieder an Schizophrenie erkrankt sind. Anschliessend schliesst er Erkrankungen aus, die mit ähnlichen Beschwerden wie die Schizophrenie einhergehen, zum Beispiel Entzündungen im Gehirn, andere psychische Erkrankungen oder Vergiftungen.

Dazu können unter anderem Blutuntersuchungen und bildgebende Verfahren wie eine Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) sinnvoll sein. Verschiedene neuropsychologische Tests unterstützen die Diagnostik.

Die Therapie der Schizophrenie erfolgt in erster Linie mit sogenannten Psychopharmaka. Dies sind Medikamente, die die Psyche des Menschen beeinflussen. Ausserdem unterstützt eine Psychotherapie die Betroffenen darin, mit ihrer Krankheit umzugehen und ihren Alltag zu bewältigen.

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2. Definition

Schizophrenie gehört laut Definition zur Hauptgruppe der psychischen Störungen, bei denen sich das innere Erleben und die Wahrnehmung der Umwelt in charakteristischer Weise verändern. Die Betroffenen zeigen in fast allen Bereichen, die eine Person ausmachen, Auffälligkeiten. So verändern sich Wahrnehmung, Denken, Gefühlsleben, Antrieb und Bewegung (Motorik) der betroffenen Menschen teilweise erheblich.

Eine Schizophrenie tritt häufig in Schüben auf. Die Betroffenen verfallen für eine bestimmte Zeit in eine Psychose. Eine Psychose ist ein Krankheitszustand, bei dem der Betroffene den Bezug zur Realität verliert.

Viele Berichte in den Medien verwechseln die Schizophrenie mit einer multiplen Persönlichkeitsstörung. Bei dieser eigenständigen Erkrankung existieren zwei oder mehr verschiedene Persönlichkeiten innerhalb eines Menschen. Bei der Schizophrenie treten solche Phänomene nicht auf. Die Verwechslung mag daher rühren, dass Mediziner die Schizophrenie früher als Spaltungsirresein bezeichnet haben.

Formen

In der Psychiatrie unterscheiden Ärzte verschiedene Formen der Schizophrenie. Je nach Ausprägung der Symptome teilen sie sie unter anderem in folgende Untertypen ein:

  • paranoid-halluzinatorische Schizophrenie: hauptsächlich Wahnvorstellungen und Halluzinationen vor:
  • katatone Schizophrenie: Symptome betreffen v.a. die Motorik
  • hebephrene Schizophrenie: vorwiegend das Gefühlsleben ist gestört
  • Schizophrenia simplex: Symptome entwickeln sich schleichend über einen längeren Zeitraum. Vor allem das Denken und die Emotionen sind beeinträchtigt. Wahn oder Halluzinationen treten meist nicht auf.
  • zönästhetische Schizophrenie: Betroffene empfinden den eigenen Körper als fremd.

Häufigkeit

Zwischen 0,5 bis 1,6 Prozent der Bevölkerung entwickeln mindestens einmal in ihrem Leben eine Schizophrenie. Die Wahrscheinlichkeit eines Menschen, im Laufe seines Lebens schizophren zu werden, wird auf etwa 1 Prozent geschätzt, das heisst: Etwa eine von hundert Personen erkrankt. Frauen und Männer sind etwa gleich häufig schizophren. Männer erkranken im Durchschnitt drei bis fünf Jahre früher als Frauen an Schizophrenie.

Die meisten Betroffenen erkranken zwischen dem 15. und dem 35. Lebensjahr an Schizophrenie.

3. Ursachen

Bei den Schizophrenie-Ursachen scheinen unterschiedliche Faktoren zusammenzuwirken. Man nimmt an, dass eine genetische Veranlagung (Disposition) eine zentrale Rolle spielt. Das sogenannte Vulnerabilitäts-Stress-Coping-Modell ist in diesem Zusammenhang besonders anerkannt. Vertreter dieses Modells gehen davon aus, dass sowohl neurobiologische als auch psychologische und soziale Faktoren bei einer Schizophrenie als Ursachen zusammenwirken.

Genetische Grundlagen

Untersuchungen mit schizophrenen Menschen und deren Angehörigen weisen darauf hin, dass eine genetische Veranlagung an der Entstehung beteiligt ist.

Sind in einer Familie beispielsweise beide Elternteile an einer Schizophrenie erkrankt, liegt das Risiko für das Kind bei 40 Prozent, ebenfalls eine Schizophrenie zu entwickeln. Ist ein Elternteil schizophren, beträgt die Wahrscheinlichkeit für das Kind etwa 9 bis 16 Prozent. Hat ein Zwillingskind eine Schizophrenie, liegt das Risiko für das Geschwisterkind bei eineiigen Zwillingen bei 40 bis 60 Prozent und bei zweieiigen Zwillingen bei 15 Prozent. Bei einem betroffenen Geschwister liegt das Schizophrenie-Risiko für die Geschwister bei etwa 6 bis 20 Prozent.

Die Familien- und Zwillingsstudien zeigen, dass bei Schizophrenie und der Suche nach ihren Ursachen die Vererbung eine grosse Rolle spielt. Man sieht sie jedoch nicht als alleinige Ursache der Schizophrenie an. Auch biochemische Faktoren oder Komplikationen bei der Geburt können die Wahrscheinlichkeit für eine Schizophrenie erhöhen. Die Krankheit bricht allerdings nur aus, wenn andere Faktoren wie zum Beispiel Stress hinzukommen.

Eine Veranlagung (Disposition) für eine Schizophrenie äussert sich häufig in einigen Auffälligkeiten. Beispielsweise haben Betroffene oft Schwierigkeiten, Informationen auszuwählen, die für das Lösen einer Aufgabe wichtig sind. Wenn sie Informationen verarbeiten, greifen sie häufig nicht auf Erfahrungen zurück, die ihnen helfen könnten. Ausserdem setzen scheinbar harmlose Ereignisse sie schnell unter Anspannung. Bei Stress hingegen verhalten sie sich passiv.

Häufige Auslöser einer Schizophrenie sind bei der entsprechenden genetischen Veranlagung Drogenkonsum und besonders einschneidende Lebensereignisse wie der Tod eines geliebten Menschen.

Psychosoziale Faktoren

Die Annahme, dass Probleme und Störungen im Miteinander der Familie, in der Partnerschaft oder im Berufsleben (sog. psychosoziale Bedingungen) eine Schizophrenie begünstigen, ist wissenschaftlich nicht belegt. Man vermutet, dass diese Faktoren allenfalls den Verlauf der Erkrankung beeinflussen. So erleiden beispielsweise mehr Betroffene einen Rückfall, die von ihren Familien übermässig behütet werden.

Ausserdem tritt die Schizophrenie häufig in Lebensphasen auf, in denen Betroffene grosse Umbrüche bewältigen müssen. Zum Beispiel erkranken oft Pubertierende und Menschen, die ins Berufsleben einsteigen.

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Biochemische Erklärungen

Schizophrenie hat wahrscheinlich auch biochemische Ursachen: In einer bestimmten Hirnregion (dem mesolimbischen System) reagieren bei Menschen mit Schizophrenie Andockstellen für Dopamin überempfindlich. Bei Dopamin handelt es sich um einen Botenstoff des Nervensystems, einen sogenannten Neurotransmitter. Neurotransmitter übermitteln Nervenimpulse von einer Nervenzelle (Neuron) zur nächsten.

Auch wenn diese sogenannte Dopamin-Hypothese nicht ausreichend belegt ist, spricht doch einiges dafür, dass Dopamin an der Entstehung der Schizophrenie beteiligt ist.

Als wichtigstes Argument für den Einfluss des Dopamins gilt die Wirksamkeit der Neuroleptika. Neuroleptika sind Medikamente, die Ärzte unter anderem bei der Therapie der Schizophrenie einsetzen. Diese Arzneimittel verhindern, dass Dopamin an Dopamin-Rezeptoren andockt. Neuroleptika bewirken vor allem einen Rückgang von Wahn oder Halluzinationen. Diese Wirkweise der Neuroleptika untermauert die Dopamin-Hypothese.

Neuroanatomische Befunde

Zumindest bei einem Teil der von Schizophrenie Betroffenen kommen auch Besonderheiten im Aufbau des Gehirns als Ursachen infrage: So sind in einigen Fällen mit Gehirnflüssigkeit gefüllte Kammern im Gehirn (3. Ventrikel und Seitenventrikel) erweitert. Zudem konnten Forscher eine veränderte Hirndurchblutung feststellen. Diese neuroanatomischen Befunde erklären möglicherweise die typischen Denkstörungen vieler Betroffener.

Drogen

Sogenannte Halluzinogene wie zum Beispiel LSD oder Meskalin können eine schizophrene Psychose auslösen.

Ausserdem gibt es Hinweise für einen Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und Schizophrenie: Bei Menschen mit der Veranlagung zur Schizophrenie kann regelmässiger Cannabiskonsum die Erkrankung begünstigen.

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4. Symptome

Eine Schizophrenie kann sich durch viele unterschiedliche Symptome bemerkbar machen. Für sich allein genommen kann jedes Symptom auch bei vielen anderen Erkrankungen auftreten.

Bei der Schizophrenie klassifizieren Mediziner die Symptome unter anderem folgendermassen:

  • Positivsymptome, Plussymptome, produktive Schizophrenie-Symptome:
    • Wahn
    • Halluzination
    • Denkstörungen (z.B. Zerfahrenheit, unlogisches Denken, Sprachstörungen)
    • psychomotorische Symptome (z.B. monotone Bewegungen, Teilnahmslosigkeit, Erstarren)
  • Negativsymptome, Minussymptome, unproduktive Schizophrenie-Symptome:
    • Antriebslosigkeit
    • gestörte Aufmerksamkeit, Konzentrationsschwierigkeiten
    • verminderte Reaktionen
    • Sprachverarmung bis zum Sprachverlust
    • Unfähigkeit, sich zu freuen oder Spass an etwas zu haben
    • eingeschränkte Fähigkeit zu sozialen Kontakten, sozialer Rückzug

Je nachdem, welche Form der Schizophrenie vorliegt, sind bestimmte Symptome besonders stark ausgeprägt. So ist zum Beispiel die paranoide Schizophrenie – also die Schizophrenie vom paranoid-halluzinatorischen Typ – vor allem durch die Symptome Wahn und Halluzinationen geprägt. Die paranoide Schizophrenie ist zum Beispiel häufig mit einem Verfolgungswahn verbunden. Das bedeutet, dass Betroffene das Gefühl haben, dass ihnen ständig jemand folgt. Viele hören ausserdem Stimmen, die ihnen Befehle erteilen oder Angst machen. Aber auch Halluzinationen, die andere Sinne betreffen, können die paranoide Schizophrenie kennzeichnen. Betroffene nehmen zum Beispiel Gerüche war, die nicht vorhanden sind.

Betroffene, bei denen eine paranoide Schizophrenie vorliegt, haben jedoch keine oder weniger starke Störungen des Denkens. Auch ist die Stimmungslage nicht zwingend auffällig, weil die Patienten weder sehr niedergeschlagen und antriebslos, noch übersteigert fröhlich und tatendurstig sind. Ausserdem ruft eine paranoide Schizophrenie in der Regel weniger häufig Bewegungsstörungen hervor, wie sie zum Beispiel bei der katatonen Schizophrenie typisch sind.

Wahn

Wahnvorstellungen gelten als typische Schizophrenie-Symptome. Dabei verlieren Betroffene den Bezug zur Realität. Etwa 80 Prozent der Menschen mit Schizophrenie haben im Verlauf der Erkrankung Wahnvorstellungen, vor allem Verfolgungs- und Beziehungswahn, bei dem der Betroffene das Verhalten anderer wahnhaft auf sich selbst bezieht. Ein Beispiel: Ein Betroffener sieht, dass in seiner Strasse Bauarbeiter die Strasse aufreissen. Er bezieht diese Aktion sofort auf sich und ist felsenfest davon überzeugt, dass das Ganze stattfindet, damit ihn die Bauarbeiter – die eigentlich Geheimagenten sind – ständig beobachten können und unterirdische Abhörleitungen bis in die Wohnung des Betroffenen verlegen.

Das Besondere an Wahnideen als Schizophrenie-Symptome ist, dass sie für Aussenstehende sehr bizarr wirken und häufig magisch-mystische Einschläge aufweisen. Zum Beispiel könnte der Betroffene sich als Gottheit geben oder meinen, über besondere Kräfte zu verfügen, die man von Märchen- oder Fantasy-Figuren kennt.

Halluzinationen

Halluzinationen sind ebenfalls häufige Schizophrenie-Symptome, die bei etwa der Hälfte der Betroffenen auftreten. Eine Halluzination ist eine Sinnestäuschung. Hierbei empfinden Menschen mit Schizophrenie etwas als real, für das kein tatsächlicher Sinnesreiz vorhanden ist.

Sie sehen beispielsweise Gesichter in Wänden, die gar nicht vorhanden sind (optische Halluzination); oder sie hören Stimmen, die sonst niemand wahrnimmt (akustische Halluzination). Akustische Halluzinationen kommen sehr häufig als Schizophrenie-Symptome vor. Oft äussern sie sich durch Stimmen, die dem Erkrankten Befehle erteilen (sog. imperative Stimmen) oder ihr Verhalten kommentieren (sog. kommentierende Stimmen). Manche Betroffene hören auch Stimmen, die sich untereinander unterhalten (sog. dialogisierende Stimmen). Auch das sogenannte Gedankenlautwerden gehört zu den akustischen Halluzinationen. Dabei glauben Betroffene, die eigenen Gedanken zu hören. Generell können Halluzinationen als Schizophrenie-Symptome jedes Sinnesorgan betreffen, also auch das Riechen und Schmecken.

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Ich-Störungen

Ich-Störungen als Schizophrenie-Symptome kommen bei fast jedem zweiten Schizophrenen vor. Dabei verschwimmen für den Betroffenen die Grenzen zwischen «Ich» und «Umwelt». Psychiater unterscheiden bei Schizophrenie folgende Ich-Störungen als Symptome:

  • Depersonalisation: Eigene Gedanken, Gefühle oder Körperteile empfindet der Betroffene als fremd, als nicht zu sich gehörig.
  • Derealisation: Die Umwelt wird als unwirklich und andersartig erlebt.
  • Gedankenausbreitung: Der Schizophrene hat das Gefühl, dass sich seine Gedanken im Raum ausbreiten und andere sie hören können.
  • Gedankenentzug: Betroffene glauben, dass ihre Gedanken von aussen entzogen bzw. weggenommen werden.
  • Gedankeneingebung: Der Betroffene glaubt, dass seine Gedanken von aussen eingegeben sind.
  • Fremdbeeinflussung: Eigenes Handeln wird als von aussen gesteuert erlebt. Betroffene fühlen sich wie eine Marionette.

Formale Denkstörungen

Formale Denkstörungen sind Schizophrenie-Symptome, die bei etwa zwei von drei Schizophrenen auftreten. Dabei ist der Denkablauf verzerrt.

Die Betroffenen verschmelzen zum Beispiel verwandte Sachverhalte (sog. Kontamination). Teilweise erfinden sie Wörter neu, die völlig absurd klingen können und keinen Sinn zu haben scheinen (sog. Neologismen).

Das Denken von Menschen mit Schizophrenie ist zerfahren und zusammenhangslos, mit sprunghaften und unlogischen Gedankengängen (Zerfahrenheit) bis hin zu willkürlichen Verknüpfungen von Worten (Wortsalat, Schizophasie). So können sie zum Beispiel in einem Satz über völlig unterschiedliche Dinge reden, so dass der Zuhörer gar nicht weiss, worüber der Betroffene gerade spricht. Oder sie sagen einfach Wörter vor sich hin, ohne Sinn, Grammatik und besonderen Inhalt.

Bei manchen Betroffenen äussern sich formale Denkstörungen dadurch, dass ihr Denken in einem Gespräch plötzlich ohne erkennbaren Grund abbricht (sog. Gedankensperrung).

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Affektive Störungen

Bei fast allen Menschen mit Schizophrenie treten affektive Symptome auf – die Schizophrenie wirkt sich also auch auf die Gefühlswelt der Betroffenen aus. Besonders die hebephrene Schizophrenie äussert sich durch affektive Symptome.

Im Gespräch wirken von Schizophrenie Betroffene zum Beispiel emotional abwesend oder gefühlsarm (sog. mangelnder affektiver Rapport). Sie können auf Situationen und Dinge unangemessen reagieren, die man ihnen erzählt (sog. Parathymie). Beispielsweise können sie auf eine traurige Geschichte mit Freude reagieren und umgekehrt. Auch ihre Mimik passt häufig nicht zu der Situation (sog. Paramimie). Sie verhalten sich manchmal albern und läppisch heiter (sog. läppischer Affekt).

Weitere Schizophrenie-Symptome sind völlig entgegengesetzte Gefühle, die Schizophrene gleichzeitig erleben können – insbesondere die hebephrene Schizophrenie ruft bei Betroffenen gegensätzliche Emotionen hervor. Sie lieben und hassen zum Beispiel zur selben Zeit oder können etwas wollen und gleichzeitig nicht wollen (sog. psychotische Ambivalenz).

Besonders wenn die akute Phase der Schizophrenie abgeklungen ist, bleibt bei den Betroffenen häufig eine Gefühlsarmut bestehen.

Psychomotorische Störungen

In einigen Fällen zeigen Menschen mit einer Schizophrenie Störungen in ihren Bewegungen (Motorik), die eng mit ihrer Psyche zusammenhängen (psychomotorisch).

Psychomotorische Störungen als Schizophrenie-Symptome können beispielsweise dazu führen, dass Betroffene nicht mehr in der Lage sind, sich zu bewegen, obwohl sie bei vollem Bewusstsein sind. Sie liegen dann wie erstarrt da – sogenannter katatoner Stupor – und wirken verängstigt und innerlich angespannt. Aussenstehende können Schizophrene in dieser Situation aber bewegen – sie nehmen die neue Haltung ein wie eine Schaufensterpuppe (sog. Katalepsie).

Bei einigen Betroffenen begleitet eine starke motorische Unruhe die Schizophrenie-Symptome. Die Schizophrenen fühlen sich getrieben und neigen dazu, bestimmte Bewegungen immer wieder auszuführen (Bewegungsstereotypen), beispielsweise den Körper hin- und herzuwippen.

Auch die Fähigkeit, mit anderen Menschen zu kooperieren, leidet unter der Schizophrenie. Manche Betroffene führen etwa automatisch genau das Gegenteil von dem aus, was man ihnen sagt (sog. Negativismus); oder sie erledigen Aufgaben so, als ob sie eine Maschine oder ein Automat wären (sog. Befehlsautomatie).

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5. Diagnose

Um beim Verdacht auf eine Schizophrenie die Diagnose stellen zu können, müssen mehrere charakteristische Symptome mindestens einen Monat lang vorliegen.

Es gibt keinen speziellen Schizophrenie-Test. Deshalb schliesst der Arzt zu Beginn Krankheiten aus, die das Verhalten des Betroffenen ebenfalls erklären könnten. Zu diesen gehören zum Beispiel:

  • organisch bedingte Psychosen: z.B. Gehirntumor, Entzündungen oder Vergiftungen des Gehirns, Schädel-Hirn-Trauma
  • Persönlichkeitsstörungen: z.B. Borderline-Störungen, paranoide Persönlichkeitsstörung
  • affektive Erkrankungen: Auch im Rahmen einer Depression können zum Beispiel Wahn oder Halluzinationen auftreten.

 

Im Rahmen der Schizophrenie-Diagnose führt der Arzt verschiedene wichtige Tests und Untersuchungen durch. Dazu zählen:

  • Erfassen der Krankheitsgeschichte (Anamnese)
  • körperliche Untersuchung
  • Untersuchung des Blutbilds
  • Untersuchung des Gehirns: z.B. Elektroenzephalographie (EEG) und eventuell bildgebende Verfahren (MRT, CT)


Der Arzt stellt bei Schizophrenie die Diagnose anhand verschiedener Kriterien. Der Betroffene muss mindestens eines der folgenden Symptome aufweisen:

  • Gedankenlautwerden, -entzug, -eingebung oder -ausbreitung
  • Kontroll- oder Beeinflussungswahn
  • Hören von Stimmen, die sich unterhalten (dialogisieren) oder das Verhalten kommentieren
  • anhaltender, vollkommen ins Absurde gesteigerter bzw. bizarrer Wahn


Treten mindestens zwei der folgenden Symptome auf, kann der Arzt die Schizophrenie ebenfalls feststellen:

  • anhaltende Halluzinationen – gleich welches Sinnes
  • Gedankenabreißen oder -einschiebungen im Gedankenfluss
  • die Psychomotorik (also mit dem psychischen Befinden zusammenhängende Bewegungen) betreffende Symptome wie Bewegungslosigkeit bei vollem Bewusstsein (katatoner Stupor), automatenhaftes Verhalten etc.
  • auffällige geistige Abwesenheit (Apathie), Sprachverarmung
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6. Therapie

Die Schizophrenie-Therapie berücksichtigt, dass vielfältige Faktoren an der Entstehung beteiligt sein können. Dementsprechend wird ein sogenannter mehrdimensionaler Therapieansatz praktiziert. Dieser umfasst drei Komponenten:

  • Behandlung mit sogenannten Psychopharmaka. Psychopharmaka sind Medikamente, die die Psyche der Betroffenen beeinflussen.
  • Psychotherapie
  • Soziotherapie

Insbesondere bei akuter Schizophrenie ist die Therapie oft nicht einfach, da viele Betroffene nicht einsehen, dass sie eine Behandlung benötigen. Deshalb sind sie zu Beginn häufig nicht bereit, mit Ärzten und Therapeuten zusammenzuarbeiten.

Behandlung mit Psychopharmaka

Besonders in der akuten Phase einer Schizophrenie ist die Therapie mit Psychopharmaka der wichtigste Baustein – Psychiater setzen vor allem sogenannte Neuroleptika (z.B. Haloperidol) ein.

Neuroleptika blockieren die Aufnahme des Dopamins über den sogenannten Dopamin-Rezeptoren. Dopamin ist ein Botenstoff im Gehirn (sog. Neurotransmitter) der Informationen zwischen den Nervenzellen (Neuronen) vermittelt. Bei schizophrenen Menschen scheinen die Dopamin-Rezeptoren mehr Dopamin aufzunehmen als bei Gesunden (sog. Überempfindlichkeit). Dies ruft Symptome wie Wahn und Halluzinationen hervor. Wahn und Halluzinationen bei Schizophrenie lassen sich durch eine Therapie mit Neuroleptika reduzieren.

Sind die akuten Symptome abgeklungen, nimmt der Betroffene die Neuroleptika für mindestens sechs weitere Monate ein (sog. Erhaltungstherapie). Treten danach wiederholt Rückfälle auf, helfen bei Schizophrenie Neuroleptika in einer niedrigeren Dosis. Langfristig kann diese Schizophrenie-Therapie weitere Rückfälle vermeiden.

Bei Menschen, die chronisch unter Halluzinationen und Wahn leiden, ist es sinnvoll, dass sie dauerhaft Neuroleptika einnehmen.

Neuroleptika können zum Teil starke Nebenwirkungen auslösen. Es gibt allerdings neuere Wirkstoffe (sog. atypische Neuroleptika), die gute Erfolge zeigen und weniger Nebenwirkungen hervorrufen (z.B. der Wirkstoff Olanzapin).

Welches Medikament im Einzelfall infrage kommt, hängt von den auftretenden Symptomen ab. Bei Plussymptomen verschreiben Ärzte zur Schizophrenie-Therapie vor allem stark wirksame Neuroleptika wie Haloperidol. Treten vorwiegend Minussymptome auf, wählt der Arzt häufig atypische Neuroleptika (Atypika), zum Beispiel Clozapin.

Wenn möglich, erhalten Menschen mit Schizophrenie nur ein Medikament zur Therapie (sog. Monotherapie). Treten Symptome wie starke Erregung, Angst oder Unruhe auf, verschreibt der Arzt manchmal zusätzlich ein starkes Beruhigungsmittel aus der Wirkstoffgruppe der Benzodiazepine, beispielsweise Lorazepam.

Psychotherapie

Bei der sogenannten «unterstützenden (supportiven) Psychotherapie» unterstützen Therapeuten, Ärzte und Pfleger den Betroffenen im Umgang mit der Schizophrenie.

Sie informieren ihn über die Erkrankung und klären über die Behandlungsmöglichkeiten auf. Ausserdem erarbeitet der Therapeut mit dem Betroffenen die Einflussfaktoren, die seine Krankheit begünstigen. Das Ziel besteht darin, den Betroffenen Hoffnung und Mut zu machen und sie für eine Therapie zu motivieren.

Die Psychotherapie dient auch dazu, aktuelle Probleme und Lebensentscheidungen zu besprechen und Lösungen zu finden, die die Erkrankung berücksichtigen – ohne den Betroffenen dabei zu über- oder unterfordern. Über- und Unterforderungen können einen erneuten schizophrenen Schub auslösen.

In der Schizophrenie-Therapie haben vor allem Methoden der Verhaltenstherapie in den letzten Jahren an Einfluss gewonnen. Sie zielen darauf ab, geistige Fähigkeiten zu verbessern. Außerdem üben Betroffene dabei den Umgang mit anderen Menschen, mit dem Ziel, soziale Ängste abzubauen.

Darüber hinaus hilft die Verhaltenstherapie den Betroffenen, mit Symptomen wie Wahn und Halluzinationen umzugehen. Sie erarbeiten mit dem Therapeuten zum Beispiel Ablenkungsstrategien, die ihnen helfen, ihre Aufmerksamkeit von bedrohlichen Halluzinationen abzulenken.

Die Verhaltenstherapie kann auch bei Personen sinnvoll sein, die noch keine therapiebedürftige Schizophrenie, aber ein erhöhtes Risiko für die Erkrankung haben. Die Verhaltenstherapie kann manchmal verhindern, dass die Schizophrenie tatsächlich ausbricht.

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Soziotherapie

Die sogenannte Soziotherapie im Rahmen der Schizophrenie-Therapie fördert die Fähigkeiten der Betroffenen, die sie im alltäglichen Leben benötigen, zum Beispiel im Umgang mit anderen. Soziotherapeutische Angebote sind unter anderem Arbeits- und Beschäftigungstherapie. Ausserdem zählen auch Massnahmen zur Wiedereingliederung (Rehabilitation) in verschiedenen Einrichtungen zum soziotherapeutischen Angebot.

Soziotherapie arbeitet nach dem Prinzip der kleinen Schritte. So steigert beispielsweise der Arbeitstherapeut die Anforderungen an die Betroffenen stufenweise. Dies betrifft sowohl die Arbeitszeiten als auch den Schwierigkeitsgrad der Arbeitsaufgaben.

Die Schizophrenie-Therapie beginnt in der Regel in einer stationären Klinik. Danach kann der Betroffene in eine Tagesklinik wechseln (sog. teilstationäres Angebot). Bei der nächsten Stufe wechselt er in eine Wohngemeinschaft mit therapeutischer Begleitung, in der er selbstständiger leben kann.

7. Verlauf

Bei Schizophrenie ist der Verlauf der Erkrankung von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Viele Betroffene zeigen bereits Monate bis Jahre vor dem Ausbruch der Schizophrenie erste Anzeichen, die allerdings nicht offenkundig auf eine Schizophrenie hindeuten. Sie ziehen sich beispielsweise in dieser Zeit aus ihrem sozialen Umfeld zurück, wirken distanziert, sind häufig depressiv und nehmen die Realität bereits verzerrt wahr. Dieses Vorstadium der Schizophrenie bezeichnen Psychiater als Prodromalphase.

Beim akuten Ausbruch der Schizophrenie treten die Symptome Wahn, Halluzination, Ich-Störungen, Denkstörungen und/oder Beeinträchtigungen der Gefühle und des Antriebs bei jedem Betroffenen in unterschiedlichen Ausprägungen und Kombinationen auf. Diese akute Krankheitsphase der Schizophrenie dauert Wochen bis Monate und klingt danach im weiteren Verlauf wieder ab.

Etwa ein Drittel der Betroffenen wird nach einer ersten schizophrenen Episode wieder vollständig gesund.

Der Verlauf der Schizophrenie kann aber auch in Schüben erfolgen. Die Gefahr liegt darin, dass nach jedem Schub, also nach jedem erneuten Ausbruch der Schizophrenie, bestimmte Symptome dauerhaft (chronisch) bestehen bleiben (sog. Chronifizierung). Vor allem sogenannte Minussymptome (Negativsymptome) schränken Betroffene dann zunehmend ein. Zu den Negativsymptomen gehören zum Beispiel:

In seltenen Fällen bilden sich auch Symptome wie Wahn oder Halluzination (sog. Positivsymptomatik) nicht mehr vollständig zurück.

Bei ungefähr 33 Prozent der Betroffenen tritt die Schizophrenie im Verlauf immer wieder auf – die Symptome verschwinden aber mit einer entsprechenden Behandlung fast vollständig. Bei weiteren 33 Prozent der Personen mit Schizophrenie treten im Verlauf dauerhaft Symptome wie anhaltender Wahn oder Halluzinationen auf.

Untersuchungen zeigen, dass bestimmte Umstände den Verlauf einer Schizophrenie günstig beeinflussen, zum Beispiel:

  • Bricht eine Schizophrenie akut aus (z.B. infolge eines traumatischen Erlebnisses), ohne dass die Betroffenen im Vorfeld Anzeichen dafür zeigten, deutet dies auf eine günstige Prognose hin.
  • Eine früh beginnende Behandlung einer Schizophrenie mit Neuroleptika beugt ebenfalls in der Regel einem chronischen Verlauf vor.
  • Günstig für den Verlauf sind auch Lebensumstände wie eine feste Partnerschaft und ein gutes soziales Netzwerk.
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8. Vorbeugen

Erbliche Faktoren scheinen bei der Schizophrenie eine grosse Rolle zu spielen – was die Möglichkeiten zum Vorbeugen stark einschränkt. Als genetisch vorbelastet gelten zum Beispiel Menschen, deren Eltern an einer Schizophrenie erkrankt sind oder waren. Aber auch soziale und psychische Faktoren wie Stress, Traumata und belastende Ereignisse begünstigen den Ausbruch der Krankheit. Aus diesem Grund empfiehlt man Menschen mit einer erblichen Vorbelastung für Schizophrenie, Stress weitestgehend zu vermeiden.

Auch mit dem Verzicht auf Drogen können entsprechend veranlagte Menschen einer Schizophrenie vorbeugen. Vor allem sogenannte Halluzinogene wie zum Beispiel LSD können eine schizophrene Psychose auslösen.

Auch mit dem Verzicht auf Drogen können entsprechend veranlagte Menschen einer Schizophrenie vorbeugen. Vor allem sogenannte Halluzinogene wie zum Beispiel LSD können eine schizophrene Psychose auslösen.

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