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  4. Schlafapnoe (Schlafapnoesyndrom)

Von Veröffentlicht am 24.11.2016

1. Überblick

Setzt die Atmung nachts im Schlaf immer wieder aus, spricht man von Schlafapnoe beziehungsweise dem Schlafapnoesyndrom (griech. A-Pnoe = ohne Atem).

Ursache für Schlafapnoe können eine Obstruktion (Einengung) der oberen Luftwege oder eine Störung des Atemantriebs sein. Aber auch andere Erkrankungen wie zum Beispiel Herzinsuffizienz können das Schlafapnoesyndrom auslösen.

Liegt eine Schlafapnoe vor, gehört oft ein lautes, unregelmässiges Schnarchen mit Atempausen zu den Symptomen. Konzentrationsstörungen und Stimmungsschwankungen am Tag können generell auf Schlafstörungen zurückzuführen sein, so auch auf das Schlafapnoesyndrom.

In den meisten Fällen helfen zur Linderung der Schlafapnoe bereits Massnahmen wie der Verzicht auf Alkohol (v.a. abends), regelmässige Schlafzeiten und das Schlafen in Seitenlage. Bei übergewichtigen Patienten ist es sinnvoll, das Gewicht zu reduzieren. Ist die Schlafapnoe auf Nasenpolypen beziehungsweise vergrösserten Rachenmandeln zurückzuführen, hilft eine operative Korrektur im Nasen-Rachenraum.

Sind diese Massnahmen erfolglos, kann eine Atemmaske, die während des Schlafs die Atemwege durch leichten Überdruck offen halten, der Schlafapnoe und dem damit verbundenen Schnarchen entgegen wirken.

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2. Definition

Der Begriff Schlafapnoe (Schlafapnoesyndrom) leitet sich aus dem Griechischen ab (A-Pnoe) und bedeutet «Schlaf ohne Atem». Eine Schlafapnoe ist eine Atemregulationsstörung, die durch zwei Kriterien definiert ist:

 

  • Atempausen von mindestens zehn Sekunden Dauer im Schlaf
  • Mehr als zehn Atempausen pro Schlafstunde

Atempausen während des Einschlafens und im REM-Schlaf (Rapid Eye Movement) werden nicht dazu gezählt, da sie recht häufig und nicht ungewöhnlich sind. Auch sind bis zu fünf Atempausen pro Stunde normal.

Häufigkeit

Männer neigen häufiger zum Schnarchen als Frauen, besonders mit zunehmendem Alter. Die Häufigkeit des Schlafapnoe-Syndroms beträgt etwa zwei bis vier Prozent in der Gesamtbevölkerung. Bei den über 40-Jährigen wird sie auf vier Prozent der Männer und zwei Prozent der Frauen geschätzt. Von den Betroffenen sind 80 Prozent deutlich übergewichtig.

3. Ursachen

Für eine Schlafapnoe (Schlafapnoesyndrom) werden zwei Ursachen diskutiert. Dementsprechend unterscheidet man zwei Formen:
 

  • obstruktives Schlafapnoesyndrom
  • zentrale Schlafapnoe


In mehr als 90 Prozent der Fälle liegt das sogenannte obstruktive Schlafapnoesyndrom vor, bei dem durch Erschlaffung der Schlundmuskulatur im Schlaf die Atemwege verlegt werden. Beim Verschluss der Atemwege kommt es zum Sauerstoffmangel und Kohlendioxidanstieg mit deutlich verlangsamter Pulsfrequenz. Der CO2-Anstieg führt im Gehirn zu gesteigertem Atemantrieb und damit zur Hyperventilation sowie zur Öffnung der Atemwege mit gleichzeitiger Steigerung der Herzfrequenz. Begünstigt wird die obstruktive Schlafapnoe durch:
 

  • starkes Übergewicht
     
  • Nasenpolypen
     
  • vergrösserte Rachenmandeln
     
  • Vergrösserung der Zunge (Makroglossie)
     
  • Alkohol
     
  • Beruhigungsmittel
     
  • Rauchen
     
  • metabolisches Syndrom
     
  • Diabetes mellitus
     
  • Herzinsuffizienz
     
  • Rückenlage.


Auch ein nach hinten fallender Unterkiefer im Schlaf fördert die Erkrankung.

Wenn bei einer Person gleichzeitig Fettleibigkeit (Adipositas), Schlafapnoe und Cor pulmonale vorliegen, spricht man vom sogenannten Pickwick-Syndrom, benannt nach der Figur Little Joe in Charles Dickens' Roman «Die Pickwicker».

In weniger als zehn Prozent der Fälle liegt keine Verlegung der Atemwege vor sondern eine sogenannte zentrale Schlafapnoe. Bei ihr ist die Atemmuskulatur aufgrund fehlender Stimulierbarkeit der Rezeptoren zeitweise funktionsuntüchtig. Auch bei chronischen Lungenkrankheiten kann eine Schlafapnoe als sogenannte sekundäre alveoläre Hypoventilation auftreten: In den Lungenbläschen (Alveolen) herrscht dann ein chronischer Sauerstoffmangel.

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4. Symptome

Eine Schlafapnoe (Schlafapnoesyndrom) ruft folgende Symptome hervor:

  • Tagesmüdigkeit mit kurzen Einschlafepisoden, insbesondere bei monotoner Tätigkeit (wie z.B. beim Fahren auf der Autobahn); Sekundenschlaf
     
  • morgendliche Kopfschmerzen
     
  • Konzentrationsschwäche
     
  • Gedächtnisstörungen
     
  • Depressionen
     
  • Potenzstörungen

Charakteristisch für die Schlafapnoe sind nächtliche Atempausen, lautes Schnarchen und Phasen von Hyperventilationen, ohne dass die Betroffenen davon aufwachen. Die Hyperventilationsphasen führen zu einem gestörten Schlafrhythmus mit nachfolgendem chronischem Schlafdefizit und Tagesmüdigkeit.

Bei der klinischen Untersuchung zeigt sich bei länger bestehendem Schlafapnoesyndrom eine Vermehrung der roten Blutkörperchen, die durch den nächtlichen Sauerstoffmangel bedingt ist. Weiterhin ist der Sauerstoffgehalt des Bluts bei gleichzeitig erhöhtem CO2-Gehalt vermindert.

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5. Diagnose

Bei einer Schlafapnoe (Schlafapnoesyndrom) lässt sich die Diagnose meist schon aufgrund der geschilderten Beschwerden stellen. Weitere klinische Untersuchungen (z.B. Blutwerte) ergänzen diese Angaben.

Eindeutige Ergebnisse liefert die Untersuchung im Schlaflabor. Dazu verbringt der Patient eine Nacht in einer Schlafkabine, wo während des Schlafs die Atemfrequenz, der Sauerstoffgehalt des Bluts, das Atemgeräusch, das Echokardiogramm (EKG) sowie eine Hirnstromkurve (EEG) registriert werden. Die Untersuchung wird als Polysomnographie bezeichnet.

Aus den Ergebnissen lässt sich nach Feststellung der Zahl und der Dauer von Atempausen der sogenannte Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) berechnen. Dieser ergibt sich aus der Anzahl der Atempausen und Hypopnoen pro Schlafstunde. Als Hypopnoe bezeichnet man eine Phase flacher Atmung während des Schlafs, bei der der Atemstrom für mindestens zehn Sekunden deutlich verringert ist. Dabei fällt für gewöhnlich die Sauerstoffsättigung ab und es findet ein Wechsel von einer tiefen Schlafphase in eine leichtere statt (Weckreaktion, Arousal-Effekt). Ein AHI von fünf bedeutet, dass im Mittel fünf Atempausen pro Stunde in der Messnacht aufgezeichnet wurden.

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6. Therapie

Bei einer Schlafapnoe (Schlafapnoesyndrom) zielt die Therapie darauf ab, die Atmung im Schlaf zu normalisieren. In den meisten Fällen helfen Therapie-Massnahmen wie der Verzicht auf Alkohol und Nikotin, regelmässige Schlafzeiten und das Schlafen in Seitenlage sowie bei übergewichtigen Patienten eine Gewichtsreduzierung.

Sind diese Massnahmen erfolglos, empfiehlt sich als Therapie die nächtliche Benutzung eines Atemtherapiegeräts in Kombination mit einer Atemmaske, wobei zwischen Nasen- und Vollgesichtsmaske unterschieden wird. Über die Maskenbeatmung werden durch Überdruck die Atemwege während des Schlafs offen gehalten, um Atempausen und Schnarchen zu vermeiden. In Anlehnung an die englische Bezeichnung CPAP (continuous positive airway pressure = kontinuierlicher positiver Atemwegdruck) spricht man auch von einer CPAP-Maske. Im Schlaflabor wird eine solche Maske individuell angepasst und deren Handhabung erlernt.

Neben der Atemmaske kommen weitere Hilfsmittel, wie Aufbissschienen und chirurgische beziehungsweise HNO-ärztliche Eingriffe, zur Behandlung des Schlafapnoesyndroms in Betracht.

Die chirurgischen Massnahmen betreffen die operative Entfernung von Atemhindernissen (z.B. vergrösserten Gaumenmandeln) und Entfernung von Nasenpolypen. Andere Operationen mit Korrektur der Nasenscheidewand oder des weichen Gaumens sind aufgrund guter Ergebnisse konventioneller Methoden nicht mehr sinnvoll und werden nur noch selten angewandt.

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7. Verlauf

Komplikationen

Der nächtliche Sauerstoffmangel bei einer Schlafapnoe (Schlafapnoesyndrom) führt in der Lunge zu Gefässverengungen und nachfolgend zur Erhöhung des pulmonalen Widerstands. Letztendlich kommt es zur Rechtsherzvergrösserung und Rechtherzschwäche, dem sogenannten Cor pulmonale.

Klinisch zeigt sich ein Cor pulmonale anfangs mit schnellem Herzschlag sowie Luftnot erst unter Belastung, dann auch in Ruhephasen. Später kommen eine Vergrösserung der Leber und Ödeme (Wasseransammlungen) in den Beinen hinzu.

Prognose

Die obstruktive Schlafapnoe ist, unabhängig von Alter, Körpergewicht und bestehenden Stoffwechselerkrankungen, mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko verbunden. Unbehandelt ist die durchschnittliche Sterblichkeitsrate bei einer Schlafapnoe mit einem Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) von über 30 pro Stunde deutlich erhöht: Auf einen Zeitraum von zehn Jahren bezogen (10-Jahres-Mortalitätsrate), stirbt die Hälfte aller Betroffenen.

8. Vorbeugen

Da über 80 Prozent der von Schlafapnoe Betroffenen übergewichtig sind, zählt eine Gewichtsreduktion zu den ersten vorbeugenden Massnahmen gegen das Schlafapnoesyndrom.

Wenn Sie auf Alkohol und Nikotin verzichten sowie schwere Mahlzeiten unmittelbar vor dem Schlafengehen vermeiden, können Sie positive Wirkungen auf einen erholsamen Schlaf erzielen und einer Schlafapnoe vorbeugen. Ebenso ist es empfehlenswert, auf regelmässige und ausreichende Schlafenszeiten zu achten und beim Schlaf die Seitenlage zu bevorzugen.

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