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1. Überblick

Als Schleudertrauma bezeichnet man im Allgemeinen eine Verletzung im Bereich der Halswirbelsäule (HWS), die durch plötzliche, sehr starke Beugung und Überstreckung des Kopfs entsteht. Beim Schleudertrauma sind vorrangig oder ausschliesslich Gewebe wie Muskeln und Bindegewebe betroffen (Weichteilverletzung) – Gelenkverletzungen und Knochenbrüche können in einigen Fällen zusätzlich vorkommen.

Genau genommen steht der Begriff «Schleudertrauma» für die Bewegung des Kopfes bei einem Unfall und nicht für ein festgelegtes Krankheitsbild. Auffahrunfälle oder Sportverletzungen (etwa beim Kampfsport) sind Beispiele für einen typischen Unfallhergang. Sie können dazu führen, dass die Halswirbelsäule kurzfristig sehr stark gebeugt und anschliessend überstreckt wird. Dies kann unterschiedliche Folgen haben.

Nach einem Schleudertrauma kommt es meist zu einer schmerzhaften Steilhaltung der Halswirbelsäule und zu einer Verspannung der Nacken- und Halsmuskulatur. Die Bänder der Halswirbel können in schlimmeren Fällen gezerrt oder eingerissen sein. Die schleudernde Bewegung verletzt nur in seltenen Fällen die Bandscheiben. Eine weitere seltene Komplikation liegt vor, wenn Blutgefässe einreissen und es ins Gewebe einblutet.

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Die Diagnose Schleudertrauma kann der Arzt in der Regel leicht stellen, nachdem der Verletzte den Unfallhergang geschildert hat. Ebenso ist eine körperliche Untersuchung aufschlussreich. Als nächstes klärt der Arzt, wie stark die Verletzungen sind, indem er bildgebende Verfahren anwendet. Hierzu dienen Röntgenaufnahmen, in seltenen Fällen auch die Computer- oder Magnetresonanztomographie. Die Therapie des Schleudertraumas erfolgt meist konservativ, also ohne operativen Eingriff. Betroffene sollten sich zwar wenig belasten, dennoch Kopf und Hals beweglich halten. Liegen keine schweren Verletzungen vor, können Betroffene ihren Alltag wieder aufnehmen – Bettruhe oder Halskrausen sind dann nicht erforderlich. Physiotherapie kann unterstützend wirken und die Beschwerden lindern.

Bei einem Schleudertrauma ist die Prognose von Person zu Person unterschiedlich. In vielen Fällen heilt ein Schleudertrauma auch ohne besondere Behandlung nach wenigen Tagen bis Wochen wieder aus. Liegen keine schwerwiegenden Verletzungen vor, ist es wichtig, vorsichtig wieder aktiv zu werden und keine Schonhaltung einzunehmen. Medikamente und bestimmte Therapieformen (z.B. physikalische Therapie) helfen gegen Verspannungen und Schmerzen.

Bestanden schon vor dem Schleudertrauma Vorerkrankungen der Wirbelsäule, kann dies den Verlauf ungünstig beeinflussen. In manchen Fällen können die Beschwerden eines Schleudertraumas chronisch verlaufen. In manchen Fällen scheinen auch psychische Faktoren eine Rolle zu spielen. Der nachwirkende Unfallschock, Sorge um die Gesundheit oder andere Gründe können dazu führen, dass Betroffene eine Schonhaltung einnehmen und verstärkt Schmerzen wahrnehmen.

Wie häufig ein Schleudertrauma chronisch verläuft und welchen Anteil psychische Gründe haben, ist stark umstritten. Es lassen sich feinste Verletzungen im Halswirbelbereich nicht immer sicher nachweisen – auch wenn der Betroffene Beschwerden hat.

Betroffene mit einem Schleudertrauma können beim chronischen Verlauf ein sogenanntes «Schmerzgedächtnis» entwickeln, also Veränderungen im Nervenstoffwechsel. Dadurch können in einigen Fällen Schmerzen auch dann erhalten bleiben, wenn die Ursache lange zurückliegt.

2. Definition

Das Schleudertrauma ist eine Weichteilverletzung der Wirbelsäule und tritt durch rasch aufeinander folgende, entgegengesetzte Bewegungen des Kopfs auf. Die Weichteilverletzungen reichen von meist einfachen Muskelzerrungen bis zu Bänderzerrung und Bandscheibenzerreissungen. Selten treten begleitend Gelenk-, Knochen- oder Nervenverletzungen auf.

In vielen Fällen ist das Schleudertrauma aus medizinischer Sicht harmlos. Dennoch kann es durch die kurzzeitige starke Belastung zu feinen Verletzungen und vorübergehenden Schwellungen oder Entzündungen des Gewebes kommen, das für den Betroffenen schmerzhaft ist. Auch spannen sich die Muskeln im Bereich der Halswirbelsäule häufig reflexhaft stark an, um Rücken und Hals zu schützen. Je nach Stärke des Schleudertraumas klingen die Beschwerden meist nach wenigen Tagen bis Wochen wieder vollständig ab.

Wie bei vielen Erkrankungen, kann auch die psychische Komponente den Verlauf beim Schleudertrauma mit beeinflussen. Je nachdem, wie der Einzelne mit der Verletzung umgeht oder die schmerzhafte und erschreckende Situation verarbeitet, können die Beschwerden unterschiedlich stark ausfallen.

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3. Ursachen

Ein Autounfall ist die häufigste Schleudertrauma-Ursache. Beim Auffahren mit dem Auto auf ein Hindernis oder ein anderes Auto sowie in solchen Fällen, wo ein anderes Auto hinten auffährt, wird der Kopf nach vorne beziehungsweise nach hinten geschleudert und die Halswirbelsäule (HWS) dabei gewaltsam gebeugt oder überstreckt. Unmittelbar auf dieses Trauma folgt ein zweites, das in die entgegengesetzten Richtung verläuft (sog. Contrecoup).

Aber auch weitere Ursachen kommen infrage: Zu einem Schleudertrauma kann es nicht nur bei Auto-, sondern auch bei Sportunfällen kommen. Sportarten mit einem erhöhten Risiko sind beispielsweise Tauchen, Boxen, Karate, Judo oder Ringen. Nicht zu vergessen sind auch Vergnügungsunfälle, beispielsweise beim Achterbahn- oder Autoscooterfahren.

Es handelt sich beim Schleudertrauma um einen komplexen Verletzungsmechanismus, bei dem verschiedene Biege- und Scherkräfte wirken. Diese können selten ernstere, meist jedoch minimale Verletzungen hervorrufen. Verletzungen und anschliessende Entzündungen in den Muskeln oder auch Muskelverspannungen (Blockaden), die bei einem Schleudertrauma auftreten, können Ursachen von Schmerzen sein. Teilweise können die in der Folge auftretenden Schmerzen auch psychosomatischer Natur sein, das heisst die psychische Komponente wirkt sich auf den Körper und die Schmerzen aus. Zu welchem Anteil körperliche Folgen und psychische Faktoren eine Rolle spielen, ist umstritten.

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Zu einem Schleudertrauma kann es nicht nur bei Auto-, sondern auch bei Sportunfällen kommen. Sportarten mit einem erhöhten Risiko sind beispielsweise Tauchen, Boxen, Karate, Judo oder Ringen. Nicht zu vergessen sind auch Vergnügungsunfälle, beispielsweise beim Achterbahn- oder Autoscooterfahren.

4. Symptome

Ein Schleudertrauma kann – je nach Ausmass– unterschiedliche Symptome hervorrufen. Zu den ersten Symptomen zählen Bewegungseinschränkungen des Kopfs beziehungsweise der Halswirbelsäule. Sie treten unmittelbar nach dem Unfallereignis oder ein bis zwei Tage verzögert auf. In vielen Fällen nehmen die Schmerzen in ihrer Intensität zu (Crescendo-Symptome), häufig ohne dass die medizinischen Gründe dafür gefunden werden können beziehungsweise bekannt sind. Denkbar sind feine Verletzungen im Gewebe mit Entzündungsreaktionen, ebenso eine schmerzhafte Muskelverspannung im Bereich der Halswirbelsäule. Die häufigsten Symptome beim Schleudertrauma sind:

Bei einem leichten Schleudertrauma vergehen diese Symptome nach wenigen Tagen bis Wochen. Weitere mögliche Beschwerden sind ausserdem:

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5. Diagnose

Beim Schleudertrauma basiert die Diagnose im Wesentlichen auf der Unfallgeschichte, den vom Betroffenen beschriebenen Symptomen und der körperlichen Untersuchung. Indem der Arzt die Halswirbelsäule röntgt, kann er eine knöcherne Beteiligung der Halswirbel ausschliessen.

Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) gehören beim Schleudertrauma nicht zur Routine. Für die Diagnose von stärkeren Weichteilverletzungen oder Knochenverletzungen setzen Ärzte diese bildgebenden Verfahren in Einzelfällen jedoch ein. Wenn die Symptome verzögert auftreten, sowie bei akuter Bewusstlosigkeit, Gedächtnisschwund, Übelkeit und Erbrechen muss immer umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Dieser untersucht Kopf und Wirbelsäule, um eine Schädel- oder Hirnverletzung sicher nachweisen beziehungsweise ausschliessen zu können.

Hat der Arzt den Verdacht, dass durch das Schleudertrauma zusätzliche Nerven verletzt wurden, führt er zur genauen Diagnose entsprechende neurologische Untersuchungen durch. So erstellt er beispielsweise ein Elektromyogramm (EMG) oder er misst die Nervenleitgeschwindigkeit (NLG).

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6. Therapie

Bei einem Schleudertrauma hängt die Therapie vom Ausmass der Verletzungen ab. Handelt es sich nur um eine Zerrung der Weichteile ohne ernstere Befunde, erfolgt die Behandlung symptomatisch, das heisst die Beschwerden lindernd. Die Heilung des Schleudertraumas verzögert sich, wenn der Betroffene sich über längere Zeit schont oder eine Halskrause trägt. Deshalb empfehlen Ärzte bei einem leichten Schleudertrauma, die Alltagsaktivitäten nach kurzer Schonung wieder aufzunehmen und den Heilungsprozess mit krankengymnastischen Nackenübungen zu unterstützen.

Sind die Beschwerden durch ein Schleudertrauma stärker ausgeprägt und halten die Schmerzen länger an, kann zur Therapie neben leichter Krankengymnastik auch eine physiotherapeutische Behandlung hilfreich sein. Auch Chiropraktik im Sinne der manuellen Therapie kann bei einem Schleudertrauma angewendet werden. Reine chirotherapeutische Manipulationen müssen in der akuten Phase jedoch vermieden werden. Die manuelle Therapie weist gute Erfolge bei der Behandlung von Übelkeit und Schwindelgefühlen auf, die beim Schleudertrauma als Folge einer Verletzung von Nervenrezeptoren auftreten können.

Bei dauerhaften Verspannungen können regelmässige Wärmeanwendungen und in einigen Fällen Akupunktur schmerzlindernd wirken. Um die Schmerzen zu lindern, kann man Muskelrelaxanzien oder Schmerzmittel einnehmen.

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Bei ernsteren Weichteilzerrungen, die durch das Schleudertrauma entstanden sind, kann es nötig sein, dass der Betroffene eine Halskrause tragen muss. Sind Frakturen der Halswirbelsäule vorhanden, wird der Bereich über längere Zeit ruhig gestellt oder gegebenenfalls operiert.

7. Verlauf

Beim Schleudertrauma ist der Verlauf von Person zu Person unterschiedlich. Ein leichtes Schleudertrauma heilt meist auch ohne Behandlung innerhalb von Tagen bis Wochen ab. Auch wenn der Arzt keine Verletzung feststellen kann, halten in manchen Fällen die Schmerzen beziehungsweise Beschwerden weiter an. Warum ein Schleudertrauma in einigen Fällen problemlos verläuft und in anderen Fällen einen chronischen Verlauf nimmt, kann unterschiedliche Ursachen haben – und ist Grundlage verschiedener Diskussionen.

Nimmt ein Schleudertrauma einen chronischen Verlauf, sind verschiedene Gründe denkbar:

  • Die Wirbelsäule war bereits vor dem Schleudertrauma geschädigt, etwa durch Arthrose (Gelenkverschleiss).
  • Betroffene nehmen dauerhaft eine Schonhaltung ein, welches schmerzhafte Verspannungen begünstigt und die Wirbelsäule einseitig belastet.
  • Es bildet sich ein sogenanntes «Schmerzgedächtnis» aus – in einem solchen Fall nimmt der Betroffene Schmerzen auch dann noch wahr, wenn die ursprünglichen Ursachen bereits länger zurückliegen.
  • Betroffene können durch das Schleudertrauma geschockt und verängstigt sein, oder sie werden von anderen bestärkt, sich mehr als nötig zu schonen. Dadurch können die Beschwerden eines Schleudertraumas subjektiv stärker erlebt werden.
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8. Vorbeugen

Einem Schleudertrauma können Sie nur vorbeugen, indem Sie versuchen, Unfälle zu vermeiden – und sich sowohl im Strassenverkehr als auch im Sportbereich umsichtig verhalten.

Als Sicherheitsmassnahme im Auto ist die richtige Einstellung der Kopfstütze von Bedeutung. Des Weiteren ist es wichtig, dass Sie bei Verdacht auf ein Schleudertrauma immer einen Arzt aufsuchen. Nur so lassen sich mögliche schwerwiegendere Verletzungen erkennen und behandeln.

Bei einem leichten Schleudertrauma können Sie einem chronischen Verlauf teilweise vorbeugen, indem Sie sich an die Empfehlungen des Arztes halten. Meist ist es sinnvoll, die Wirbelsäule nach einer kurzen Ruhezeit wieder sanft zu belasten und zu bewegen. So vermeidet man eine nachteilige Schonhaltung.

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