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  4. Schlüsselbeinbruch (Klavikulafraktur, Bruch Schlüsselbein)

Von Veröffentlicht am 01.01.1970

1. Überblick

Der Schlüsselbeinbruch (Klavikulafraktur) ist einerseits eine sehr häufige Verletzung, besonders bei Kindern und Jugendlichen. Andererseits zählt zu den ungefährlichsten Knochenbrüchen.

Bei einem Schlüsselbeinbruch bricht das Schlüsselbein beziehungsweise die Klavikula: Dies ist ein etwa handlanger Röhrenknochen, der das Schulterblatt mit dem Brustkorb am Brustbein verbindet. Häufigste Ursache für den Schlüsselbeinbruch ist ein Sturz auf die Schulter oder auf den ausgestreckten Arm.

Wer bei einem Schlüsselbeinbruch den Arm der betroffenen Seite bewegt oder Druck auf die Schulter ausübt, verspürt Schmerzen. Oft schwillt der Bereich über dem gebrochenen Schlüsselbein an und es kann ein Bluterguss (Hämatom) entstehen.

Diagnostizieren lässt sich ein Schlüsselbeinbruch mithilfe einer Röntgenaufnahme oder einer Computertomographie. In der Regel erfolgt bei Schlüsselbeinbrüchen eine konservative Behandlung mit einem sogenannten Rucksackverband. Eine Operation ist bei einem Schlüsselbeinbruch nur sehr selten erforderlich. In den meisten Fällen ist eine vollständige Heilung erreichbar.

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2. Definition

Bei einem Schlüsselbeinbruch (Klavikulafraktur) ist der etwa handlange Röhrenknochen gebrochen, der das Schulterblatt mit dem Brustkorb am Brustbein verbindet – das Schlüsselbein beziehungsweise die Klavikula. In den meisten Fällen entstehen dabei schräg verlaufende Brüche und Keilfrakturen, bei denen sich zwei Hauptbruchstücke und ein sogenannter Biegungskeil bilden.

Häufigkeit

Der Schlüsselbeinbruch (Klavikulafraktur) ist der Knochenbruch (Fraktur) mit der zweitgrössten Häufigkeit – häufiger ist nur der Speichenbruch. Kinder und Jugendliche ziehen sich besonders oft Schlüsselbeinbrüche zu.

Klassifikation

Ein Schlüsselbeinbruch (Klavikulafraktur) kann verschiedene Brucharten und Bruchstellen aufweisen. Dementsprechend lassen sich verschiedene Typen von Schlüsselbeinbrüchen unterscheiden. Per Definition erfolgt eine Einteilung oder Klassifikation in die vier folgenden Typen:

 

  • Typ 1: stabile Fraktur ausserhalb (lateral) der Bänder (schultergelenksnah)
  • Typ 2: instabile Fraktur zwischen den äusseren Bändern mit Verschiebung des inneren Schlüsselbeinbruchstücks nach oben (kopfwärts) durch Muskelzug des Kopfwendemuskels (Musculus sternocleidomastoideus)
  • Typ 3: instabile Fraktur innerhalb der äusseren Bandansätze, Fraktur nahe am mittleren Drittel des Schlüsselbeins
  • Typ 4: Besonderheit der kindlichen Schlüsselbeinfraktur, bei welcher der äussere weiche Knochenmantel verschoben, jedoch nicht durchtrennt ist

Ein Schlüsselbeinbruch betrifft in etwa 80 Prozent der Fälle das mittlere Teilstück des Schlüsselbeins, da dort der Durchmesser des Knochens am geringsten ist. Dabei können sich die Bruchenden durch Muskelzug des Kopfwendemuskels (Musculus sternocleidomastoideus) verschieben. In den äusseren Bereichen des Schlüsselbeins tritt nur selten ein Bruch auf, da der Knochen dort dicker und zudem durch zahlreiche Bänder stabilisiert ist.

3. Ursachen

Einem Schlüsselbeinbruch (Klavikulafraktur) liegen Gewalteinwirkungen als Ursachen zugrunde. Die häufigsten Gründe für Schlüsselbeinbrüche sind Stürze – besonders bei Sportarten wie Fussball, Velofahren oder Skifahren. Dabei fallen die Betroffenen auf die Schulter oder auf den ausgestreckten, den Sturz abfangenden Arm.

Gelegentlich ist ein Schlüsselbeinbruch auf eine direkte Gewalteinwirkung, wie einen Schlag auf die vordere Schulter, zurückzuführen. Ein beim Autofahren angelegter Sicherheitsgurt kann bei einem Verkehrsunfall ebenfalls die Ursache für einen Schlüsselbeinbruch sein. Ausserdem kann eine schwere Geburt zu einem Schlüsselbeinbruch bei Neugeborenen führen.

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4. Symptome

Ein Schlüsselbeinbruch (Klavikulafraktur) äussert sich häufig durch die folgenden Symptome: Der Bereich über dem gebrochenen Schlüsselbein ist geschwollen und es bildet sich dort ein Bluterguss (Hämatom). Bei einer Armbewegung oder bei Druck auf die Schulter auf der vom Schlüsselbeinbruch betroffenen Seite treten Schmerzen auf. Daher legen die Betroffenen meist den Oberarm in Schonhaltung an den Körper an und neigen die Schulter dabei leicht nach vorne.

In manchen Fällen verschieben sich die Bruchenden des Schlüsselbeins und bilden ein weiteres typisches Anzeichen für den Schlüsselbeinbruch: eine sicht- und tastbare Stufe im Schlüsselbein. Hierzu kommt es, weil der Kopfwendemuskel (Musculus sternocleidomastoideus) am brustbeinnahen Knochenbruchstück zieht.

Häufig lassen sich bei einem Schlüsselbeinbruch durch eine Bewegung des Schultergelenks weitere typische Symptome erzeugen: Reibegeräusche des gebrochenen Knochens (sog. Krepitationen). In einigen Fällen erscheint das gebrochene Schlüsselbein verkürzt. Selten liegt bei einem Schlüsselbeinbruch eine offene Verletzung mit freiliegenden, die Haut durchspiessenden Knochenenden vor.

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5. Diagnose

Bei einem Schlüsselbeinbruch (Klavikulafraktur) gelingt die Diagnose meist schon anhand der typischen Symptome:

 

  • Der Oberarm ist meist in Schonhaltung an den Körper angelegt, wobei die Schulter leicht nach vorne geneigt ist.
  • Im Bereich über dem gebrochenen Schlüsselbein sind häufig eine Schwellung und ein Bluterguss (Hämatom) zu sehen; ausserdem weist das gebrochene Schlüsselbein oft eine sicht- und tastbare Stufe auf.
  • Durch Armbewegungen auf der vom Schlüsselbeinbruch betroffenen Seite oder durch Druck auf die entsprechende Schulter kommt es zu Schmerzen.
  • Durch eine Bewegung des betroffenen Schultergelenks lässt sich oft ein Reibegeräusch des gebrochenen Knochens (sog. Krepitation) erzeugen.

Um die Schlüsselbeinbruch-Diagnose abzusichern und den Bruch örtlich genauer einzugrenzen, erfolgt eine Röntgenuntersuchung der Schulter und des Schlüsselbeins in mindestens zwei Ebenen. Mithilfe des Röntgenbilds lässt sich die Verdachtsdiagnose bestätigen. Zudem lassen sich Ausmass und Art des Schlüsselbeinbruchs einschätzen.

Es ist leicht möglich, auf Röntgenbildern einen in der Nähe des Brustbeins liegenden Schlüsselbeinbruch aufgrund von Überlagerungseffekten zu übersehen. In diesen Fällen ist eine Computertomographie (CT) bei der Diagnose hilfreich, da bei dieser Untersuchungsmethode auch kleine Frakturen erkennbar sind.

Darüber hinaus ist es bei der Schlüsselbeinbruch-Diagnose wichtig, zu untersuchen, ob gleichzeitig Nerven und Gefässe, die den Arm der betroffenen Seite versorgen, verletzt sind. Bei derartigen begleitenden Verletzungen ist sowohl die Durchblutung als auch die Empfindsamkeit des Arms gestört. Ausserdem kann die Bewegung bestimmter Muskelgruppen eingeschränkt sein. In den meisten Fällen ist es dann ratsam, den Schlüsselbeinbruch zu operieren.

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6. Therapie

Bei einem Schlüsselbeinbruch (Klavikulafraktur) kann grundsätzlich eine konservative oder eine operative Therapie erfolgen. Welche Massnahmen letztendlich zum Einsatz kommen, entscheidet sich im Zuge der genauen Beurteilung des Bruchs im Röntgenbild.

Konservative Therapie

In 98 Prozent der Fälle ist bei einem Schlüsselbeinbruch (Klavikulafraktur) eine konservative Therapie möglich. Das bedeutet: Sie erhalten einen sogenannten Rucksackverband, um das gebrochene Schlüsselbein etwa drei bis vier Wochen lang ruhig zu stellen. Hierbei legt der Arzt Ihnen einen Zugverband um beide Schultern, den er am Rücken straff anzieht und befestigt. Die Schultern sind dadurch nach hinten gezogen. Auf diese Weise gelingt es, die gebrochenen Knochen zu richten und zu halten. In der ersten Woche ist es ratsam, den Verband täglich nachzuziehen. Im Anschluss an diese Schlüsselbeinbruch-Therapie ist eine Physiotherapie mit gezielten Übungen hilfreich, um die vollständige Beweglichkeit wiederherzustellen.

Operation

Sind bei einem Schlüsselbeinbruch (Klavikulafraktur) gleichzeitig die unter dem Schlüsselbein liegenden Blutgefässe oder Nerven verletzt, ist zur Therapie in jedem Fall eine Operation erforderlich. Dies gilt auch für offene Brüche des Schlüsselbeins oder stark verschobene Knochenbruchstücke. Ausserdem ist eine Operation notwendig, wenn der Schlüsselbeinbruch nach einer vier- bis fünfwöchigen konservativen Behandlung immer noch Beschwerden bereitet.

Die Operation des Schlüsselbeinbruchs erfolgt unter Vollnarkose. Bei dem operativen Eingriff legt der Operateur die Fraktur frei und führt den Knochen in seine ursprüngliche Lage zurück. Gleichzeitig versorgt er durch den Schlüsselbein eventuell verletzte Gefässe. Anschliessend fixiert er die Bruchenden in ihrer korrekten Lage. Dies erfolgt entweder mithilfe von Metallplatten, die der Operateur durch Schrauben mit den Knochen verbindet (Plattenosteosynthese) und die nach etwa einem halben bis einem Jahr wieder entfernt werden, oder mit einer Drahtschlinge, die etwa sechs Wochen im Knochen verbleibt. Nach der Operation erhalten Sie für drei bis vier Tage einen sogenannten Gilchrist-Verband, der Ihren Arm fixiert und so das Schultergelenk ruhig stellt.

Bei einem Schlüsselbeinbruch im äusseren Drittel des Schlüsselbeins können auch sogenannte Hakenplatten bei der operativen Therapie zum Einsatz kommen. Solange das Material nach der Operation noch nicht wieder entfernt ist (also etwa für die Dauer von acht Wochen), dürfen Sie das Schultergelenk nur eingeschränkt bewegen.

7. Verlauf

Der Schlüsselbeinbruch (Klavikulafraktur) nimmt in der Regel einen günstigen Verlauf: Er ist einer der ungefährlichsten Knochenbrüche.

Prognose

Wenn bei einem Schlüsselbeinbruch (Klavikulafraktur) eine fachgerechte Therapie und im weiteren Verlauf eine intensive physiotherapeutische Nachbehandlung erfolgt, ist die Prognose gut: In dem Fall lässt sich meist eine vollständige Heilung erzielen. Durch eine konservative Therapie kann die Schulter nach einem Schlüsselbeinbruch verschmälert sein, was aber keine funktionellen Nachteile hat.

Komplikationen

Mögliche (aber seltene) Komplikationen bei einem Schlüsselbeinbruch (Klavikulafraktur) sind verletzte Blutgefässe und Nerven, verschobene Knochen und eine durchgespiesste Haut. In solchen Fällen ist eine operative Behandlung ratsam. In sehr seltenen Fällen kann es im Verlauf der Operation zu weiteren Komplikationen kommen: Es können Verletzungen grosser Gefässe, Nervengebilde oder von Brust- oder Rippenfell (Pleura) entstehen. Wenn der Schlüsselbeinbruch nicht knöchern heilt, kann sich nach der Operation – aber auch bei einer konservativen Behandlung – ausserdem ein sogenanntes Falschgelenk (eine Pseudarthrose) bilden, das häufig einen weiteren operativen Eingriff notwendig macht.

8. Vorbeugen

Einem Schlüsselbeinbruch (Klavikulafraktur) können Sie nur bedingt vorbeugen, da er in der Regel die Folge eines Unfalls (meist eines Sturzes, z.B. beim Sport) ist. Um das Unfallrisiko und somit das Risiko für Schlüsselbeinbrüche zu minimieren, ist es allgemein ratsam, beim Ausüben bestimmter Sportarten wie etwa Skifahren Vorsicht walten zu lassen, um Stürze zu vermeiden.

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