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1. Überblick

Schnarchen (Rhonchopathie) ist ein weit verbreitetes Phänomen. Es tritt im Schlaf auf und belastet in der Mehrzahl der Fälle insbesondere die Nachtruhe des Bettpartners. Es existieren unterschiedliche Angaben über die Häufigkeit des Schnarchens, wobei sich eine Abhängigkeit von Alter und Geschlecht ausmachen lässt.

Am häufigsten schnarchen Männer im mittleren bis hohen Lebensalter, hier schwanken die Angaben zwischen 20 und 46 Prozent. Unter den Frauen in der gleichen Altersspanne sind 8 bis 25 Prozent von Rhonchopathie betroffen.

Schnarchen ist auf unterschiedliche Ursachen zurückzuführen: Der Grossteil der Schnarcher weist das sogenannte primäre Schnarchen auf, das entsteht, wenn im Schlaf die Gaumenmuskeln entspannen und das Gaumensegel im Atemluftstrom hin- und her flattert. Hierbei empfindet der Schnarcher den Schlaf grundsätzlich als erholsam. Aus medizinischer Sicht ist diese Form der Rhonchopathie unbedenklich für die Gesundheit und bedarf in der Regel keiner Behandlung.

Der Betroffene selbst hat grossen Einfluss auf sein Schnarchen. Um das Schnarchen zu verhindern, können eine Gewichtsreduktion, Verzicht auf Rauchen und eine Einschränkung des Alkoholkonsums helfen. Darüber hinaus können Schnarcher heute auf eine Vielzahl technischer Hilfsmittel und operativer Eingriffe zurückgreifen, um die Ursachen zu bekämpfen. Wenige dieser Massnahmen jedoch bekämpfen das Schnarchen vollständig.

Schnarchen kann aber auch in Zusammenhang mit Atemstörungen wie der Schlafapnoe beziehungsweise dem obstruktiven Schlafapnoesyndrom (OSAS) stehen. Dabei ist es häufig besonders laut und unregelmässig. Der Betroffene empfindet den Schlaf als nicht erholsam und klagt über Tagesmüdigkeit.

Beim obstruktiven Schlafapnoesyndrom, das etwa 90 Prozent aller Schlafapnoe-Fälle ausmacht, werden durch Erschlaffung der Schlundmuskulatur im Schlaf die Atemwege verlegt. Dadurch kommt es zu einem Sauerstoffmangel und einem Kohlendioxidanstieg mit deutlich verlangsamter Pulsfrequenz. Dies führt in der Lunge zu Gefässverengungen und nachfolgend zur Erhöhung des pulmonalen Widerstands. Es besteht die Gefahr einer Rechtsherzvergrösserung und einer Rechtsherzschwäche.

2. Definition

Charakteristisch für das Schnarchen (Rhonchopathie) sind im Schlaf auftretende Atemgeräusche, die nahezu jede Nacht bestehen. Ein primäres oder habituelles (gewohnheitsmässiges) Schnarchen liegt vor, wenn es durch die Rhonchopathie nicht zu Beeinträchtigungen der Kreislauffunktion und des Sauerstoffgehalts im Blut kommt und die Zahl der Weckreaktionen im Elektroenzephalogramm (EEG) nicht ansteigt. Bei primären Schnarchern finden sich keine Schlafstörungen und selten Tagesmüdigkeit.

Abgrenzung zur Schlafapnoe

Wichtig ist die Abgrenzung des primären Schnarchens gegenüber der sogenannten obstruktiven Schlafapnoe (OSAS). Sie kann langfristige gesundheitliche Folgen haben und geht mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einher.

Etwa vier Prozent der Männer und zwei Prozent der Frauen im mittleren Erwachsenenalter haben eine Schlafapnoe.

3. Ursachen

Schnarchen (Rhonchopathie) hat recht simple Ursachen. Das charakteristische Geräusch entsteht, wenn beim Schlafen die Gaumenmuskeln entspannen und das Gaumensegel im Atemluftstrom hin- und her flattert. Beim Schnarchen spielt die Körperlage eine wesentliche Rolle. Sie kann die Ursachen begünstigen: Während in Rückenlage ein Zurücksinken des Zungengrunds (hinterer Teil der Zunge am Übergang zum Rachen) das Schnarchen häufig fördert, kann die Bauchlage die Schnarchgeräusche oft reduzieren oder sogar vollständig verschwinden lassen.

Risikofaktoren

Folgende Faktoren begünstigen das Auftreten des Schnarchens:

 

  • Übergewicht:
    Es findet sich ein Bezug zwischen der Höhe des Body Mass Index (BMI) und dem Auftreten von Schnarchen. Dies erklärt sich unter anderem durch eine vermehrte Einlagerung von Fett im Bereich des Halses, was zu einer Einengung der Atemwege führt.
     
  • Alter
     
  • Männliches Geschlecht
     
  • Konsum von Alkohol kurz vor dem Schlafengehen
     
  • Rauchen
     
  • Einnahme von Schlafmitteln

     
  • Nasenatmungsbehinderung, z.B. durch Schnupfen (Rhinitis)


bmi-In selteneren Fällen entstehen die Schnarchgeräusche nicht im Rachen, sondern in der Nase. Weitere anatomische Gegebenheiten können das Schnarchen begünstigen, so etwa ein langer, tiefstehender und schlaffer Gaumen oder ein langes und breites Gaumenzäpfchen. Zu den Ursachen kann auch ein Schleimhautüberschuss im Bereich des weichen Gaumens oder eine Vermehrung von Weichteilgewebe im Rachen zählen.

4. Symptome

Primäres Schnarchen (Rhonchopathie) ruft typische Symptome hervor. Dazu gehören beispielsweise:

 

  • atemabhängige Geräusche im Schlaf
     
  • morgendliche Mundtrockenheit
     
  • eventuell Tagesmüdigkeit

Liegt dem Schnarchen eine Krankheit wie etwa die Schlafapnoe zugrunde, können weitere Symptome auftreten, wie:

 

  • Tagesmüdigkeit mit kurzen Einschlafepisoden, insbesondere bei monotoner Tätigkeit (wie z.B. beim Fahren auf der Autobahn); Sekundenschlaf
     
  • morgendliche Kopfschmerzen
     
  • Konzentrationsschwäche
     
  • Gedächtnisstörungen
     
  • Depressionen
     
  • Potenzstörungen

5. Diagnose

Um beim primären Schnarchen (Rhonchopathie) die Diagnose zu stellen, ist zunächst eine gründliche Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) des Schnarchers durch einen Schlafmediziner erforderlich. Neben dem Hals-Nasen-Ohren (HNO)-Arzt können auch speziell ausgebildete Nerven- und Lungenärzte geeignete Ansprechpartner für Betroffene sein.

Schlafapnoe-Ausschluss

Durch die fachärztliche Klärung folgender Aspekte lassen sich primäres Schnarchen und Schlafapnoe voneinander unterscheiden:

 

  • Wie sind die normalen Schlafgewohnheiten?
  • Wie verläuft der normale Arbeits- bzw. Tagesrhythmus?
  • Wie ist das abendliche Trink- und Essverhalten?
  • Liegen nächtliche Atmungsstörungen vor?
  • Kommt es zu Ein- oder Durchschlafstörungen?
  • Wird über Morgen- oder Tagesmüdigkeit geklagt?
  • Ist die Leistungsfähigkeit vermindert?
  • Zeigt sich am Tage eine Einschlafneigung oder kommt es zu Mikroschlafattacken (Sekundenschlaf)?

HNO-ärztliche Untersuchung

Dem Anamnesegespräch schliesst sich eine HNO-ärztliche Untersuchung an. Diese umfasst die Begutachtung der Nase, des Rachens und des Kehlkopfs. Der Facharzt kann so feststellen, ob es Hinweise auf eine anatomische Ursache für das Schnarchen gibt.

Durch Messung von Druckschwankungen im Lauf einer Nacht kann es gelingen, die Rhonchopathie-Entstehung einer gewissen Höhe im oberen Atemweg zuzuordnen (z.B. Nase oder Rachen). Dies geschieht mittels spezieller, gut verträglicher Katheter, die durch die Nase eingeführt werden.

Endoskopie

Eine Spiegelung (Endoskopie) der oberen Atemwege wird im Wachzustand des Betroffenen durchgeführt. Besondere Aufmerksamkeit gilt hierbei der Grösse der Gaumenmandeln, der Zunge, der Länge des Zäpfchens, der Grösse und Spannkraft des Gaumensegels sowie der Nasenanatomie.

Schlaflabor

Sofern sich Hinweise auf ein obstruktives Schlafapnoesyndrom (OSAS) oder eine anderweitig gestörte Schlafphysiologie finden, sollte sich der HNO-Untersuchung eine Untersuchung im Schlaflabor anschliessen.

6. Therapie

Schnarchen (Rhonchopathie) lässt sich auf verschiedene Weise behandeln: Die Therapie setzt sich zusammen aus konservativer und operativer Behandlung.

Konservative Therapie

Es gibt kein Standard-Mittel gegen Schnarchen (Rhonchopathie), das allen Betroffenen weiterhelfen kann. Allerdings lässt sich häufig mit einfachen Therapie-Massnahmen und Verhaltensregeln eine deutliche Besserung erzielen.

Alle Personen, die aufgrund eines zu hohen Körpergewichts schnarchen, können durch schrittweises Abnehmen selber aktiv zu einer verbesserten Lebensqualität beitragen. Nikotinverzicht und die Einschränkung des abendlichen Alkoholkonsums können ebenfalls eine geeignete Hilfe darstellen, um das Schnarchen zu verhindern. Darüber hinaus kann es helfen, einen stabilen Schlaf-Wach-Rhythmus einzuhalten.

Generell gilt: Jede Behandlung des primären Schnarchens versucht begünstigende Faktoren konsequent auszuschliessen.

Grundvoraussetzungen für die Verbesserung des Schnarchens sind:

 

  • Gewichtsreduktion
     
  • Einschränkung des abendlichen Alkoholkonsums
     
  • Schlafen in Bauchlage bei Schnarchen, das besonders stark oder nahezu ausschliesslich in Rückenlage auftritt (ggf. unterstützt durch Tragen einer Rückenlage-Verhinderungsweste)

Weitere Verhaltensregeln zur Verbesserung des Schnarchens sind:

 

  • Aufgabe des Rauchens
     
  • Verzicht auf Schlafmittel
     
  • Vorverlagerung des Unterkiefers mithilfe einer zahnärztlichen Bissschiene zur Erweiterung der Atemwege
     
  • Bei erschwerter Nasenatmung Linderung durch den Naseneingang erweiternde Einsätze
     
  • Kinnbinden, wenn das Schnarchen lediglich bei geöffnetem Mund auftritt

Operative Therapie

Die operative Therapie umfasst verschiedene Methoden. Wichtig ist, die Therapie individuell auf den Betroffenen abzustimmen.

Ergeben die klinischen Untersuchungen, dass das Schnarchen anatomisch bedingt ist, so können operative Verfahren zum Einsatz kommen. Ziel ist es, das Schnarchen zu verhindern oder zumindest soweit zu vermindern, dass es seinen sozial mitunter stark störenden Charakter verliert. Die vollständige Beseitigung der Geräusche ist nur in wenigen Fällen möglich.

Weichgaumenchirurgie

Im Bereich des Mundraums ist neben der Entfernung der Gaumenmandeln (Tonsillektomie) die Weichgaumenchirurgie eine Behandlungsoption für das Schnarchen. Hierzu zählen verschiedene Techniken, wie etwa:

 

  • Minimalinvasive Radiofrequenz-Chirurgie
    Bestimmte für das Schnarchen verantwortliche Anteile (Zungengrund, Gaumenzäpfchen, etc.) werden verkleinert.
     
  • UPPP (Uvulopalatopharyngoplastik)
    Gaumenzäpfchen (Uvula), Teile des weichen Gaumens und in einigen Fällen die Mandeln, werden entfernt.
     
  • LAUP (Laser-assistierte Uvulopalatoplastik)
    Das Gaumenzäpfchen wird gekürzt oder entfernt.

Nasenscheidewand

Liegt eine Verbiegung der Nasenscheidewand vor und klagt der Betroffene auch subjektiv über eine Nasenatmungsbehinderung, kann eine operative Begradigung der Nasenscheidewand (Septumplastik) das Schnarchen verbessern.

7. Verlauf

Die Gesundheit wird durch primäres Schnarchen (Rhonchopathie) nicht beeinträchtigt. Sofern Betroffene die konservative Behandlung (Abnehmen etc.) diszipliniert einhalten, verspricht sie derzeit die meiste Hoffnung auf langzeitlichen Erfolg und einen positiven Verlauf des Schnarchens.

8. Vorbeugen

Primärem Schnarchen (Rhonchopathie) kann man durch eine Gewichtsreduktion (bei übergewichtigen Patienten) sowie durch Einhalten einiger Verhaltensregeln vorbeugen:

 

  • Einschränkung des abendlichen Alkoholkonsums
     
  • Aufgabe des Rauchens
     
  • Verzicht auf Schlafmittel
     
  • Vorverlagerung des Unterkiefers mithilfe einer zahnärztlichen Bissschiene zur Erweiterung der Atemwege
     
  • Bei erschwerter Nasenatmung Linderung durch den Naseneingang erweiternde Einsätze