Von

1. Überblick

Bei unzähligen Gelegenheiten kann man sich eine Schnittwunde zuziehen – ob beim Hantieren mit Messer, Schere, Skalpell, Klingenrasierer, Bruchscherben oder Papier: Kurz nicht aufgepasst, und schon schneidet man sich. Daher gehören Schnittwunden (v.a. am Finger) zu den häufigsten Verletzungen überhaupt.

Jede Schnittwunde ist die Folge einer mechanischen Verletzung durch einen scharfkantigen Gegenstand. Eine so entstandene Wunde hat typischerweise glatte Wundränder, blutet meist stark und geht mit einem Wundschmerz einher. Schnittverletzungen können aber unterschiedlich tief sein: So können nur die oberen, aber auch alle Schichten der Haut durchtrennt sein. Zusätzlich können Blutgefässe, Nerven oder Sehnen verletzt sein, was zum Beispiel folgende Symptome auslösen kann:

  • starke, pulsierende oder spritzende Blutung bei einer durchtrennten Arterie
  • Begungseinschränkungen bei einer verletzten Sehne
  • Lähmungen oder Gefühlsstörungen bei einem verletzten Nerv

Eine oberflächliche Schnittwunde stellt, sofern sie nicht verunreinigt und mit Keimen infiziert ist, keine problematische Verletzung dar. Eine solche Schnittwunde kann man selbst mit einem Pflaster versorgen. Tiefe Schnittverletzungen können jedoch zu Komplikationen führen: Blutet eine Schnittwunde stark, kann es zu einem Kreislaufschock kommen, dann steht zunächst die rasche Blutstillung im Vordergrund. Bei allen tieferen Schnittwunden besteht ausserdem die beste Behandlung darin, die Wunde primär zu verschliessen – das heisst: Lassen Sie jede tiefe Schnittwunde innerhalb von höchstens sechs Stunden nach ihrer Entstehung nähen, klammern oder kleben (d.h. mit Gewebekleber verschliessen). Da ein solcher primärer Wundverschluss nur bei frischen Schnittwunden möglich ist, gilt es, das Zeitfenster von sechs Stunden nach Möglichkeit einzuhalten.

Wenn keine Begleitverletzungen vorliegen, heilt die Schnittwunde bei schneller und optimaler Versorgung komplikationslos ab. Zurück bleibt nur eine kleine Narbe. Durch eine verspätete Wundbehandlung, Begleitverletzungen oder eine Verunreinigung der Schnittwunde verlängert sich die Heilungsdauer.

2. Definition

Eine Schnittwunde ist eine mechanisch durch äussere, scharfe Gewalt (Schnittverletzung) entstandene Wunde. Schnittwunden können unterschiedlich tief sein: Es können nur die oberen, aber auch alle Schichten der Haut durchtrennt sein. Zusätzlich können Blutgefässe, Nerven oder Sehnen verletzt sein. Typischerweise sind Schnittwunden glattrandig und bluten meist stark. Schnittverletzungen gehören zu den häufigsten Verletzungen, besonders im Haushalt.

Alle mechanischen Wundverletzungen lassen sich nach der Art der Gewalteinwirkung und nach ihrem Aussehen in verschiedene Wundarten unterteilen und erfordern eine unterschiedliche Behandlung: So können neben der Schnittwunde zum Beispiel Risswunden, Stichwunden, Sägewunden, Bisswunden, Quetschwunden, Schürfwunden, Platzwunden und Kratzwunden auftreten.

3. Ursachen

Einer Schnittwunde liegen als Ursachen scharfe Gewalteinwirkungen zugrunde: Scharfkantige Gegenstände (z.B. Schere, Messer, Scherben, Skalpell, scharfkantige Ränder von Konservendosen, Papier, Sportgeräte usw.) können Schnittwunden verursachen.

Die Schnittwunde gehört – besonders im Haushalt, aber auch am Arbeitsplatz und bei sportlichen Aktivitäten – zu den häufigsten Hautverletzungen. Meist hat eine Schnittwunde ihre Ursachen in einem Unfall. Oft spielt dabei unzureichender Schutz der Haut bei mehr oder weniger riskanten Tätigkeiten oder auch nur Unachtsamkeit eine Rolle. Manche Menschen fügen sich Schnittwunden (besonders an Armen und Beinen) auch selber zu. Dieses selbstverletzende Verhalten ist beispielsweise häufig bei Persönlichkeitsstörungen wie der Borderline-Störung zu beobachten.

4. Symptome

Eine Schnittwunde ist – je nach Tiefe der Verletzung – durch folgende Symptome gekennzeichnet:

  • Typischerweise sind die Ränder einer Schnittwunde glatt,
  • häufig klaffen die Wundränder weit auseinander und
  • die meisten Schnittwunden bluten stark.

Auch die mit einer Schnittwunde verbundenen Beschwerden sind von der Verletzungstiefe abhängig: Bei einer einfachen Schnittverletzung sind nur die oberen Schichten der Haut durchtrennt. In der Regel stehen dann der Wundschmerz und eine mehr oder weniger starke Blutung im Vordergrund. Eine tiefe Schnittwunde, bei der zusätzlich grössere Blutgefässe, Sehnen oder Nerven verletzt sind, kann weitere Symptome auslösen:

  • Als Anzeichen für eine durchtrennte Arterie kann viel Blut pulsierend oder spritzend aus der Wunde austreten,
  • eine Sehnenverletzung kann sich durch Bewegungseinschränkungen äussern und
  • eine Nervenverletzung kann mit Lähmungen oder Gefühlsstörungen verbunden sein.

5. Diagnose

Bei einer Schnittwunde gelingt die Diagnose oft schon auf den ersten Blick (sog. Blickdiagnose), da sie sich in der Regel leicht von anderen mechanisch entstandenen Wunden (wie Stichwunden, Kratzwunden, Bisswunden, Schürfwunden, Quetschwunden oder Platzwunden) unterscheiden lässt.

Um herauszufinden, ob sich möglicherweise Fremdkörper in der Schnittwunde befinden und ob Blutgefässe, Sehnen oder Nerven von der Schnittverletzung betroffen sein können, ist es wichtig zu wissen, wie genau es zu der Verletzung gekommen ist. Ausserdem ist es ratsam, bei der Diagnose abzuklären, ob Krankheitserreger in die Wunde gelangt sein könnten. In dem Zusammenhang ist es auch wichtig, den Tetanusschutz zu prüfen und die Tetanusimpfung gegebenenfalls aufzufrischen.

6. Therapie

Bei einer Schnittwunde hängt die Therapie in erster Linie von der Tiefe der Verletzung ab: Kleine, harmlose Schnittwunden können Sie oft mit Pflastern selbst versorgen. In der Regel heilen kleine Schnittverletzungen sehr gut ab, wenn man mögliche Infektionsrisiken vermeidet und den Verband gelegentlich wechselt. Sobald eine Schnittwunde Anzeichen einer Infektion zeigt, helfen Salben mit antibiotisch wirkenden Substanzen.

Wenn Sie eine tiefe Schnittwunde haben, besteht die beste Therapie darin, die Wunde primär zu verschliessen – das heisst: die Schnittwunde zu nähen, zu klammern oder zu kleben (d.h. mit Gewebekleber zu verschliessen). Falls notwendig, betäubt der Arzt die verletzte Körperstelle dabei örtlich (sog. Lokalanästhesie), um die Schnittwunde ohne Schmerzen versorgen zu können. Ein primärer Wundverschluss ist jedoch nur bei frischen Schnittwunden möglich.

Ist eine primäre Wundversorgung zur Therapie möglich und somit die Voraussetzung für eine primäre Wundheilung geschaffen, heilt die Schnittwunde in der Regel komplikationslos ab. Allerdings verzichten Sie besser auf Wassersport und Vollbäder, bis der Arzt die Fäden ziehen oder das Klammermaterial entfernen kann. Duschen ist jedoch problemlos möglich.

Eine schnelle Therapie von Schnittwunden ist deshalb anzustreben, weil bei einer Schnittwunde, die älter als sechs Stunden ist, eine sogenannte offene oder sekundäre Wundheilung eintreten kann: Diese ist wesentlich langwieriger als eine sofort behandelte Schnittverletzung und hinterlässt oft deutliche Narben. Daher ist es wichtig, dass Sie eine Schnittwunde nach Möglichkeit behandeln, solange das Zeitfenster von sechs Stunden nach Entstehung der Verletzung nicht überschritten ist.

Wenn Sie eine Schnittwunde im Bereich eines Gelenks haben, das Sie bei einer bestimmten Sportart beanspruchen, pausieren Sie am besten während der Heilung der Wunde mit dem Sport. Bei manchen Schnittwunden im Gelenkbereich ist es erforderlich, das betroffene Gelenk mit einer Schiene ruhig zu stellen, um das Zusammenwachsen der Wundränder zu fördern.

Tetanusschutz

Egal, ob Sie eine grosse oder nur eine kleine Schnittwunde haben – bei der Therapie jeder Wunde ist der Tetanusschutz zu bedenken, denn: Die meisten Fälle von Tetanus (Wundstarrkrampf) entstehen durch akute Hautverletzungen bei fehlender oder unzureichender aktiver Immunisierung. Wenn die letzte Impfung gegen Tetanus länger als fünf Jahre zurückliegt, lassen Sie diese demnach lieber auffrischen. Besteht bei Ihnen keine Grundimmunisierung, ist eine aktive Tetanusimpfung ratsam.

Erste Hilfe

Vor allem eine tiefe Schnittwunde erfordert zur Therapie die richtigen Sofortmassnahmen. Wer die Erste Hilfe von Schnittwunden übernimmt, trägt am besten Schutzhandschuhe, sofern es sich nicht um die eigene Wunde handelt: Schutzhandschuhe schützen bei der Erstversorgung von blutenden Wunden vor Infektionen mit HIV oder Hepatitis.

Als Erste Hilfe für tiefe Schnittwunden gilt: Um den Blutverlust so gering wie nur möglich zu halten, lagern Sie den verletzten Körperteil hoch. Decken Sie die Schnittwunde anschliessend steril ab. Wenn die Blutung durch diese Massnahmen nicht zum Stillstand kommt, drücken Sie auf die Wunde und damit auf die Blutgefässe im Wundbereich Druck aus. Im Notfall vermindern Sie die Blutung aus einer Schnittwunde am einfachsten und sichersten, indem Sie mit der Hand das Verbandsmaterial fest auf die Wunde drücken.

Der nächste Schritt zur fachgerechten Wundversorgung besteht darin, einen Druckverband anzulegen. Mit einem richtig angelegten Druckverband ist es möglich, auf die Schnittwunde über einen längeren Zeitraum einen stetig wirkenden Druck auszuüben. Durch diese äusserst einfache Erste-Hilfe-Massnahme können Sie so gut wie alle Blutungen stoppen. Allerdings ist ein Druckverband nicht bei allen Schnittwunden möglich. Bei Verletzungen im Halsbereich drücken Sie das Verbandsmaterial am besten so lange direkt auf die Wunde, bis sie aufhört zu bluten. Es ist ratsam, solche Schnittwunden dann innerhalb weniger Stunden von einem Arzt behandeln zu lassen.

Wenn eine Schnittwunde extrem stark blutet und grosse Arterien verletzt sind, gelingt es womöglich weder durch das manuelle Aufpressen des Verbandmaterials noch durch einen Druckverband, die Blutung zu stoppen. In solchen Fällen besteht die geeignete Erste-Hilfe-Massnahme darin, die Blutzufuhr zur verletzten Stelle zu unterbrechen. Dafür ist es nötig, den Puls der zuführenden Schlagader zu suchen und die Arterie gegen einen darunter liegenden Knochen zu drücken. Bei einem verletzten Oberarm befindet sich die hierzu geeignete Stelle am inneren Bizeps. Bei grossen Blutungen des Beins ist die Mitte der Leistenbeuge zum Abdrücken besonders gut geeignet. Verzichten Sie jedoch unbedingt auf das Abbinden von Extremitäten, da hierdurch schwere Folgeschäden entstehen können, die nicht selten zum Verlust von Gliedmassen führen.

7. Verlauf

Eine richtig versorgte Schnittwunde zeigt meist einen guten Verlauf: Die Heilung verläuft problemlos, es bleibt nur eine kleine Narbe zurück.

Komplikationen

Bei einer Schnittwunde können verschiedene Umstände den Verlauf der Heilung ungünstig beeinflussen und so zu Komplikationen führen: Wenn eine Schnittwunde verunreinigt oder zu Beginn der Behandlung älter als sechs Stunden ist, kann die Wundheilung so beeinträchtigt sein, dass die Heilungsdauer verlängert ist und sich deutliche Narben bilden. Ungünstig verlaufende Narben, etwa senkrecht zur Beugefalte oder über ein Gelenk, können die Beweglichkeit des betroffenen Gelenks infolge von schrumpfendem Narbengewebe einschränken. Unter Umständen ist in diesen Fällen eine operative Korrektur notwendig. Auch hier können Wundinfektionen die Heilungsdauer erheblich verlängern.

Auch die Tiefe der Schnittwunde kann verschiedene Komplikationen bedingen: So können durch tiefe Schnittverletzungen auch Nerven, Blutgefässe und Sehnen schwerer verletzt sein. Dann machen nicht die Schnittwunden an sich, sondern die Begleitverletzungen den Betroffenen länger zu schaffen: Ist zum Beispiel bei einer Schnittwunde am Finger eine Sehne durchschnitten, kann dies zu Bewegungseinschränkungen führen; im Verlauf einer Nervenverletzung können Lähmungen oder Gefühlsstörungen bestehen.

8. Vorbeugen

Einer Schnittwunde können Sie – wie anderen Verletzungen der Haut – am besten und einfachsten vorbeugen, indem Sie eine geeignete Schutzausrüstung (Handschuhe, Helm, Knieschützer usw.) tragen. Zudem hilft umsichtiges und kluges Verhalten, Schnittverletzungen zu vermeiden.