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Schultereckgelenksprengung

(Akromioklavikulargelenkluxation)
Von Veröffentlicht am 24.11.2016

1. Überblick

Bei einer Schultereckgelenksprengung (oder Schultereckgelenksverrenkung bzw. Akromioklavikulargelenkluxation) zerreissen Kapsel und Bänder des Schultereckgelenks unvollständig oder vollständig. Dies ist fast immer die Folge direkter Stürze auf die Schulter, beispielsweise bei einem Sturz vom Velo oder beim Skilaufen.

Bei der Schultereckgelenksprengung richtet sich die Behandlung nach dem Schweregrad der Verletzung. Wenn die Bänder des Schultereckgelenks gezerrt oder teilweise zerrissen sind, reicht es, die Schulter kurzfristig ruhig zu stellen; anschliessend erfolgt eine Krankengymnastik.

Die Therapie der Schultereckgelenksprengung bei vollständig zerrissenen Bändern kann mit oder ohne Operation erfolgen. Für eine Operation spricht, dass sich nur so die Anatomie des Gelenks wiederherstellen lässt; die Risiken und Unannehmlichkeiten der Operation gelten dabei als vergleichsweise gering. Für die nicht-operative Therapie dagegen spricht, dass eine nach der Schultereckgelenksprengung zurückbleibende Gelenkstufe erträglich ist und die Betroffenen in den meisten Fällen später keinerlei Beschwerden haben. Im Einzelfall sind die notwendigen Behandlungsmassnahmen immer mit den Betroffenen abzustimmen.

Unabhängig von den zur Behandlung der Schultereckgelenksprengung eingesetzten Massnahmen ist es nach einer sechs- bis zwölfwöchigen Rehabilitation in fast allen Fällen möglich, die körperlichen Aktivitäten uneingeschränkt wieder aufzunehmen. Eine seltene Spätfolge von Schultereckgelenksprengungen ist der vorzeitige Gelenkverschleiss (Arthrose) im Schultereckgelenk.

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2. Definition

Eine Schultereckgelenksprengung oder Schultereckgelenksverrenkung (Akromioklavikulargelenkluxation) ist gekennzeichnet durch eine Zerrung beziehungsweise unvollständige oder vollständige Zerreissung der Kapsel und der Bänder des Schultereckgelenks.

Das Schultereckgelenk (Akromioklavikulargelenk) stellt die gelenkige Verbindung zwischen dem äusseren Ende des Schlüsselbeins (Klavikula) und dem Schulterdachfortsatz (Akromion) des Schulterblatts dar. Zwischen den Knorpelflächen des Gelenks liegt eine Bandscheibe (Discus intraarticularis). Die Gelenkkapsel und die zusätzlichen Bänder, die ausserhalb des Gelenks liegen und von einer Schultereckgelenksprengung betroffen sind, stabilisieren das Gelenk normalerweise.

Eine Schultereckgelenksprengung lässt sich in unterschiedliche Schweregrade (nach Tossy oder Rockwood) einteilen:

  • Grad I: Die Bänder sind eingerissen, ohne dass sich die Gelenkteile gegeneinander verschieben.
  • Grad II: Die Bänder der Gelenkkapsel sind teilweise zerrissen und die Gelenkanteile sind leicht verschoben.
  • Grad III: Alle Bänder des Schultereckgelenks sind zerrissen.

Bei der Einteilung der Schultereckgelenksprengung nach Rockwood lassen sich mit den Verletzungsgraden IV-VI Spezialformen der vollständigen Bandzerreissung unterscheiden.

Die Schultereckgelenksprengung ist eine häufige Verletzung, die fast immer nach einem direkten Sturz auf die Schulter auftritt.

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3. Ursachen

Einer Schultereckgelenksprengung liegen als Ursachen in der Regel direkte Gewalteinwirkungen durch Stürze auf die Schulter zugrunde. Dies geschieht meistens beim Sport (oft bei abgespreiztem Arm). Am häufigsten kommt es bei Sportarten wie Radfahren, Motorsport, Skifahren, Reiten oder Kampfsport zu Schultereckgelenksprengungen. Auch ein Sturz auf die Schulter aus vollem Lauf kann eine Schultereckgelenksprengung verursachen.

Indirekte Krafteinwirkungen durch einen Sturz auf den ausgestreckten Arm sind selten die Ursache für eine Schultereckgelenksprengung.

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4. Symptome

Die für eine Schultereckgelenksprengung typischen Symptome sind direkt über dem Schultereckgelenk auftretende Schmerzen, die sich durch Druck und durch Armbewegungen auf der entsprechenden Körperseite verstärken. Meist nehmen die Betroffenen deshalb eine typische Schonhaltung ein: Dabei halten sie den Arm abgewinkelt vor dem Körper und stützen ihn mit der Hand des gesunden Arms ab.

Ein weiteres Anzeichen für eine Schultereckgelenksprengung ist die angeschwollene Schulterregion. Wenn alle Bänder gerissen sind, ist ausserdem ein sogenannter Hochstand des äusseren Schlüsselbeins durch die Haut zu erkennen. Wenn dieses Symptom leicht ausgeprägt ist, kann es jedoch durch die Schwellung verdeckt sein.

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5. Diagnose

Bei der Schultereckgelenksprengung erfolgt die Diagnose anhand der körperlichen Untersuchung und durch eine genaue Befragung der Betroffenen (Anamnese). Eine Schwellung im Schulterbereich und ein örtlich genau eingrenzbarer Druckschmerz über dem Schultereckgelenk weisen auf eine Schultereckgelenksprengung hin. Typisch für eine Schultereckgelenksprengung ist, dass Bewegungen zwischen dem Oberarm und dem Schulterblatt (im Schultergelenk) meist keine Schmerzen verursachen, wenn das Schulterblatt stabilisiert ist.

Wenn die Bänder bei der Schultereckgelenksprengung teilweise oder vollständig zerrissen sind, liegt eine Fehlstellung (Luxation) des äusseren Schlüsselbeins vor. Die Anzeichen hierfür tragen ebenfalls zur Diagnose bei: Durch die Fehlstellung wölbt sich die Haut im entsprechenden Bereich der Schulter nach oben vor. Das verschobene Schlüsselbein lässt sich mit dem Finger leicht nach unten drücken (Klaviertastenphänomen). Manchmal ist zu hören, dass die Knochen aneinanderreiben (Krepitation).

Sichern lässt sich die Diagnose einer Schultereckgelenksprengung mit einer Röntgenuntersuchung des Schultergelenks. Sind die Ergebnisse nicht eindeutig, können darüber hinaus sogenannte Funktionsaufnahmen beider Schultergelenke erfolgen. Dazu nehmen die Betroffenen ein etwa zehn Kilogramm schweres Gewicht in jede Hand und stehen still, während sie beide Schultern röntgen lassen. Anschliessend vergleicht der Arzt die beiden Aufnahmen miteinander. Den Schweregrad der Schultereckgelenksprengung zeigt das hochstehende Schlüsselbein an.

Wenn zur Beurteilung der Schultereckgelenksprengung noch genauere Ergebnisse notwendig sind, kann bei der Diagnose auch eine Sonographie (Ultraschall), eine Magnetresonanztomographie (MRT) oder eine Computertomographie (CT) erfolgen.

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6. Therapie

Bei einer Schultereckgelenksprengung hängt die Therapie vom Schweregrad der Verletzung ab:

Liegen Zerrungen oder Teilverletzungen des Schultergelenks (Schweregrade I und II) vor, reicht in der Regel eine konservative Therapie der Schultereckgelenksprengung (also ohne Operation).

Bei einer vollständigen Zerreissung aller Bänder (Verletzungen von Grad III und IV) kommt sowohl eine konservative als auch eine operative Therapie infrage.

Für eine Therapie der Schultereckgelenksprengung durch Operation spricht, dass nur so die Anatomie des Gelenks wiederherstellbar ist und die Risiken und Unannehmlichkeiten der Operation dabei vergleichsweise gering sind. Gegen die Operation spricht, dass eine nach der Schultereckgelenksprengung zurückbleibende Gelenkstufe erträglich ist und in den meisten Fällen später keinerlei Beschwerden bestehen. Die Entscheidung, ob bei einer Schultereckgelenksprengung vom Grad III eine Operation ratsam ist, hängt vom Einzelfall ab und erfolgt in Absprache mit einem Spezialisten (Sportarzt, Unfallchirurg, Orthopäde).

Die bei einer Schultereckgelenksprengung geeignete Sofortmassnahme besteht darin, den Arm in einer Schonhaltung vor dem Bauch zu stabilisieren. Dadurch haben Sie meist keine starken Schmerzen mehr. Um den Arm ruhig zu stellen, ist eine Armschlinge mit einem Dreieckstuch geeignet. Ein aufgelegter Eisbeutel lindert die durch die Schultereckgelenksprengung verursachten Schmerzen und verringert die Schwellung.

Nicht-operative Therapie

Bei einer Schultereckgelenksprengung besteht die nicht-operative oder konservative Therapie darin, das Schultergelenk mit einem speziellen Verband (Gilchrist-Verband) für eine Dauer von wenigen Tagen ruhig zu stellen, bis der Schulterschmerz nachlässt. Wenn Sie keine Schmerzen mehr haben, schliesst sich Krankengymnastik an.

Bei leichteren Schultereckgelenksprengungen mit Zerrungen oder Teilverletzungen des Schultergelenks) sind diese konservativen Massnahmen meist ausreichend. Auch eine schwere Schultereckgelenksprengung lässt sich so versorgen: Selbst wenn die Bänder vollständig zerrissen sind und das Schultergelenk vollständig verschoben ist, treten bei der nicht-operativen Therapie in fast allen Fällen langfristig keine Beschwerden auf. Allerdings kann besonders bei jungen und körperlich aktiven Menschen (z.B. Sportlern) eine Operation empfehlenswert sein.

Operative Therapie

Bei einer Schultereckgelenksprengung besteht die operative Therapie darin, die zerrissenen Bänder zu nähen und das Schultergelenk vorübergehend mit Schrauben, Platten, Drähten oder vom Körper abbaubaren Kordeln zu stützen. Zusätzlich erfolgt eine Stabilisierung der Bänder, weil die alleinige Bandnaht die auf das Gelenk wirkenden Kräfte nicht aushalten würde. Anschliessend ist es für die Dauer von sechs Wochen – der Heilungszeit der Bänder und der Kapsel – nötig, das Gelenk mit einem sogenannten Gilchrist-Verband ruhig zu stellen. Danach sollten Sie das Gelenk allmählich wieder beweglich machen und die Muskulatur mithilfe von Krankengymnastik kräftigen.

Manchmal ist im Anschluss an die operative Therapie der Schultereckgelenksprengung eine zweite Operation erforderlich, um das Stabilisierungsmaterial zu entfernen. Die nach der Operation zurückbleibende Narbe über dem Schultergelenk ist relativ gross.

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7. Verlauf

Prognose

Die Schultereckgelenksprengung zeigt meist einen günstigen Verlauf mit guter Prognose: Nach ihrer Ausheilung treten in mehr als 90 Prozent der Fälle keine Beschwerden im Alltag und beim Sport auf. Teilweise können nach Verletzungen von Grad II und Grad III jedoch Schulterschmerzen oder eine chronische Gelenkinstabilität zurückbleiben. Der Arm ist dann in seiner Funktion eingeschränkt.

Seltene Spätfolge einer Schultereckgelenksprengung ist ein vorzeitiger Verschleiss (Arthrose) im Schultereckgelenk. Wenn durch diese Veränderung im weiteren Verlauf chronische Schmerzen entstehen, ist es unter Umständen erforderlich, das äussere Ende des Schlüsselbeins operativ zu entfernen.

Nachsorge

Nach Abschluss der Behandlung einer Schultereckgelenksprengung ist für den weiteren Verlauf eine geeignete Nachsorge wichtig: Eine konsequente Krankengymnastik ist entscheidend für den Rehabilitationsprozess. Nach einer leichten Schultereckgelenksprengung (Tossy 1 oder 2) sind, sobald die Schmerzen nachlassen, wieder sportliche Aktivitäten möglich, wenn die Sportart die betroffene Schulter nicht beansprucht. Die Sportpause nach einer Schultereckgelenksprengung hat meist eine Dauer von ein bis zwei Wochen. Bei den konservativ behandelten Grad-III-Verletzungen ist die Behandlung vergleichbar, die Sportpause beträgt dann etwa drei bis vier Wochen.

Nach einer operativen Behandlung einer Schultereckgelenksprengung ist es ratsam, den Arm ungefähr sechs Wochen lang nur bis zu einem Winkel von 90 Grad vom Körper abzuspreizen. Nach sechs Wochen entfernt der Arzt die eingesetzten Metallteile. Die anschliessende Nachsorge besteht aus krankengymnastischen Übungen, bis die Schulter wieder voll beweglich ist. Meist ist die Schulter zwölf Wochen nach der Schultereckgelenksprengung wieder vollständig belastbar.

8. Vorbeugen

Einer Schultereckgelenksprengung können Sie nur bedingt vorbeugen, da diese Verletzung durch Stürze auf die Schulter entsteht. Um Ihr Schultereckgelenks bei solchen Stürzen zu schützen und so eine Verletzung zu verhindern, sollten Sie das Verletzungsrisiko möglichst gering halten.

Geeignete Massnahmen zum Vorbeugen einer Schultereckgelenksprengung bestehen darin, im Verkehr oder beim Sport immer eine geeignete Schutzkleidung zu tragen: zum Beispiel Motorradjacken mit Protektoren oder Schutzpads beim American Football.

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