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1. Überblick

Die Schürfwunde ist eine häufige Verletzung, die durch Abschürfung der Haut entsteht: Typische Situationen, die zu Schürfwunden führen, sind Streifstürze (z.B. beim Velofahren oder Inlineskaten) oder das Streifen einer grob verputzten Wand, was zum Beispiel eine Schürfwunde am Knie oder Ellenbogen verursachen kann.

Durch eine Hautabschürfung entsteht typischerweise eine Wunde mit unregelmässigen Wundrändern. Die Schürfwunde nässt und geht mit einem Wundschmerz einher. Schürfwunden können ausserdem (je nach Unfallhergang) stark verunreinigt sein und Fremdkörper enthalten. Ist nur die Oberhaut verletzt, blutet die Schürfwunde nicht und hat auch nur ein geringes Infektionsrisiko. Eine tiefe Schürfwunde sondert jedoch (punktförmig oder in grösseren Mengen) Blut ab – dann können auch leichter Keime eindringen. Ohne sachgemässe und rechtzeitige Reinigung der Schürfwunde kann sich dann Eiter bilden.

Schürfwunden sofort richtig zu behandeln ist wichtig, weil dies grossen Einfluss auf die Heilungsdauer hat. Eine kleinere Schürfwunde macht in der Regel keine besondere Behandlung erforderlich: Die natürliche Wundheilung reicht aus, damit sich die Schürfwunde nicht entzündet. Es genügt, die Wunde schnell vorsichtig zu säubern und dann am besten an der Luft trocknen zu lassen. Bei einer schwereren Schürfwunde mit grossflächigen Hautabschürfungen können sich jedoch Infektionen ausbreiten, die eine verzögerte Wundheilung zur Folge haben: Eine eitrige Schürfwunde heilt nicht so schnell wie eine sauber verschlossene. Daher ist es ratsam, eine grossflächige, blutende und verschmutzte Schürfwunde nur zum Schutz vor Keimen mit einem sterilen Verband abzudecken und sie dann ärztlich versorgen zu lassen. Bei jeder Schürfwunde ist es ratsam, den Impfschutz zu prüfen und gegebenenfalls die Schutzimpfung gegen Tetanus aufzufrischen.

Obwohl Schürfwunden mit starken Schmerzen verbunden sein können, heilen sie meist problemlos und ohne dass sich Narben bilden. Dennoch ist es empfehlenswert, bei Aktivitäten, die mit einem hohen Risiko für Stürze mit Streifverletzungen verbunden sind (z.B. Inlineskaten, Zweiradfahren), entsprechende Schutzbekleidung zu tragen: So kann man einer Schürfwunde weitgehend vorbeugen.

2. Definition

Eine Schürfwunde ist eine offene, mechanische Wunde der Haut infolge einer Abschürfung. Schürfwunden bluten in der Regel wenig, da die tieferen Schichten, in denen sich die Blutgefässe befinden, nicht betroffen sind. Es tritt jedoch Gewebsflüssigkeit aus: Die Schürfwunde nässt. Nur wenn die kleinen Blutgefässe der tiefer liegenden Lederhaut verletzt sind, kann auch punktförmig Blut aus der Schürfwunde treten.

3. Ursachen

Einer Schürfwunde liegen als Ursachen ganz bestimmte mechanische Krafteinwirkungen auf die Haut zugrunde: Die Haut streift unter grossem Druck beispielsweise an einer Fläche oder einem Gegenstand entlang, wodurch mehr oder weniger oberflächliche Abschürfungen entstehen.

Schürfwunden sind beispielsweise bei Kindern häufig, wenn sie beim Spielen hinfallen. Auch wenn man eine grob verputzte Mauer streift, kann man sich eine Schürfwunde zuziehen. Weitere typische Ursachen für eine Schürfwunde sind Streifstürze beim Sport: Hierzu kommt es zum Beispiel oft beim Velofahren oder Inlineskaten, wo man sich beim Hinfallen zum Beispiel eine Schürfwunde am Knie zuziehen kann.

4. Symptome

Die für eine Schürfwunde kennzeichnenden Symptome entstehen durch die Abschürfung der Haut: Typischerweise entsteht durch eine Hautabschürfung

  • eine nässende Schürfwunde (Schürfwunden sondern meist viel Gewebsflüssigkeit ab), die
  • unregelmässige Wundränder hat und
  • mit einem deutlichen Wundschmerz verbunden ist.

Je nach Schwere der Schürfwunde können diese Symptome unterschiedlich stark ausgeprägt sein.

Abhängig davon, wodurch die Schürfwunde entstanden ist, kann sie stark verunreinigt sein (z.B. nach einem Sturz auf Asphalt oder einem Sportplatz). Ist nur die Oberhaut von der Verletzung betroffen, blutet die Wunde nicht. Dann ist auch das Infektionsrisiko gering. Geht die Verletzung jedoch tiefer, kommen weitere Symptome hinzu: Eine tiefe Schürfwunde sondert – punktförmig oder auch in grösseren Mengen – Blut ab. In dem Fall können leicht Keime eindringen. Ohne sachgemässe beziehungsweise rechtzeitige Reinigung der Schürfwunde kann sich dann Eiter als Anzeichen einer Infektion bilden.

5. Diagnose

Bei einer Schürfwunde ist die Diagnose einfach: Schürfwunden kann man leicht daran erkennen, dass die Haut nur oberflächlich verletzt ist. Bei der Untersuchung der Schürfwunde fragt der Arzt danach, wie die Wunde entstanden ist, wie lange die Verletzung zurückliegt und ob Fremdkörper in die Wunde gelangt sein könnten.

Da sich auch eine kleine Schürfwunde infizieren kann, erkundigt sich der Arzt bei der Diagnose ausserdem, ob ein ausreichender Impfschutz vor Tetanus (Wundstarrkrampf) besteht oder ob eine Auffrischung der Tetanusimpfung notwendig ist.

6. Therapie

Bei einer kleineren Schürfwunde ist in der Regel keine besondere Therapie erforderlich. Sofort nach einem Unfall beginnt die natürliche Wundheilung, auch bei oberflächlichen Hautverletzungen wie Schürfwunden. Wenn die Wunde verschmutzt ist, säubern Sie sie daher so schnell wie möglich (innerhalb der ersten Stunde nach der Verletzung) unter kaltem, fliessenden Wasser und bestreichen Sie sie mit einem Desinfektionsmittel. Lassen Sie die Schürfwunde dann am besten an der Luft trocknen. Geht das nicht (weil die Wunde unter der Kleidung liegt), können Sie sie mit einem Pflaster oder Wundverband abdecken. Stören Sie den Prozess der natürlichen Wundheilung lieber nicht durch zusätzliche Massnahmen wie Salbenverbände oder Cremes. Nur eine sehr grossflächige, blutende und entzündete Schürfwunde kann ein zusätzliches Eingreifen nötig machen:

Grossflächige Schürfwunden lassen Sie am besten von einem Arzt versorgen, statt sie selbst zu behandeln. Die ärztliche Therapie besteht darin, die Schürfwunde mit einer sterilen Bürste und einem Desinfektionsmittel zu reinigen. Vor dieser Wundreinigung erhalten Sie unter Umständen Schmerzmittel. Anschliessend legt der Arzt einen Verband an, der die Schürfwunde vor zusätzlichen Verletzungen und vor Infektionen schützt. Es ist ratsam, ihn täglich zu wechseln, um zu überprüfen, dass die Schürfwunde heilt und sich nicht infiziert. Sobald sich eine Kruste über der Schürfwunde gebildet hat, ist kein Verband mehr nötig. Tragen Sie die Kruste nicht ab, da sie die sich darunter bildende neue Haut optimal schützt.

Wenn Sie Sport treiben und sich eine Schürfwunde im beanspruchten Gelenkbereich zugezogen haben, ist es zur Therapie ratsam, einige Tage mit den sportlichen Aktivitäten zu pausieren. Vermeiden Sie nach Möglichkeit, dass die Kruste nicht aufreisst, da sonst der Heilungsprozess gestört ist. Während dieser Heilungszeit ist es ratsam, auf Wassersport und Vollbäder zu verzichten. Duschen ist problemlos möglich.

Sofortmassnahmen

Eine kleine, unproblematische Schürfwunde erfordert ausser der Säuberung keine Therapie. Nötig ist aber eine Behandlung von blutenden oder grossen Schürfwunden – dann haben die richtigen Sofortmassnahmen grossen Einfluss darauf, wie schnell die Schürfwunden heilen können.

Denken Sie daran: Wer die Wundversorgung einer blutenden Schürfwunde übernimmt, zieht am besten Schutzhandschuhe an, um sich vor Infektionen mit HIV oder Hepatitis zu schützen. Die anschliessend empfehlenswerten Sofortmassnahmen, um Schürfwunden richtig zu behandeln, lauten:

  • Die Schürfwunde ist mit keimfreiem (sterilem) Verbandsmaterial zu verbinden. Dabei ist es wichtig, dass die Wunde nicht mit den Fingern in Berührung kommt.
  • Tragen Sie keinesfalls Cremes, Salben, Sprays, Puder, Desinfektionsmittel oder Ähnliches auf die Wunde auf.
  • Wenn Fremdkörper in der Schürfwunde festsitzen, ist es ratsam, sie von einem Arzt entfernen zu lassen.
  • Auch das Auswaschen von verschmutzten behandlungsbedürftigen Schürfwunden erfolgt am besten nur durch einen Arzt.

7. Verlauf

Eine kleine Schürfwunde zeigt meist einen problemlosen Verlauf und heilt innerhalb weniger Tage ab, ohne dass eine Narbe zurückbleibt.

Ausgedehnte Schürfwunden können Narben hinterlassen, wenn die Hautabschürfungen so tief gehen, dass die Lederhaut mitverletzt ist. Hier kann die Heilungsdauer bis zu zwei Wochen betragen. Kommt es im Verlauf einer blutenden und verschmutzten Schürfwunde zur Wundinfektion, wobei die Schürfwunde typischerweise eitert, kann dies die Wundheilung zusätzlich beträchtlich verzögern.

8. Vorbeugen

Wenn Sie einer Schürfwunde so weit wie möglich vorbeugen möchten, ist ein umsichtiges Verhalten zu empfehlen: Je nachdem, welchen Beruf oder Sport Sie ausüben, können Sie entsprechende Schutzbekleidung tragen, mit der sich grössere Verletzungen vermeiden lassen (z.B. Armschoner beim Inline-Skaten). Besonders Kinder ziehen sich beim Spielen jedoch häufig Schürfwunden zu, die nicht zu vermeiden sind.

Wenn es zu einer Schürfwunde gekommen ist, können Sie immer noch einiges tun. Die richtige Behandlung von Schürfwunden und ausreichender Impfschutz können eine schnelle Heilung fördern und Komplikationen vorbeugen:

  • Schürfwunden versorgen:
    • Kleine, oberflächliche Schürfwunde versorgen: Wunde vorsichtig säubern, natürliche Wundheilung nicht durch Salbenverbände oder Cremes stören, am besten an der Luft trocknen lassen
    • Grosse und/oder blutende Schürfwunde behandeln: Wunde mit sterilem Verband abdecken und zum Arzt gehen, der die Wunde professioneller reinigen, mögliche Fremdkörper entfernen und dann einen Verband anlegen kann
  • Impfschutz prüfen: Wann fand die letzte Tetanusimpfung statt? Wenn Sie das nicht mehr wissen oder wenn die letzte Schutzimpfung mehrere Jahre zurückliegt, ist es auch bei kleineren Schürfwunden ratsam, sich gegen Tetanus impfen zu lassen.