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1. Überblick

Schwerhörigkeit ist eine häufige Erkrankung: Sie kann akut (plötzlich) oder chronisch (schleichend) verlaufen und vorübergehende oder bleibende Schäden verursachen. Da sie in gewissem Masse auch eine Alterserscheinung darstellt, sind ältere Menschen wesentlich häufiger betroffen als junge.

Etwa 16 Prozent der Europäer ab 10 Jahren ist mehr oder weniger stark schwerhörig. Durch vermehrte Lärmbelastung der Ohren nimmt die Schwerhörigkeit mittlerweile auch bei jungen Menschen stark zu.

Schwerhörigkeit bedeutet für den Betroffenen meist eine deutliche Einschränkung. Besonders die alltägliche Kommunikation (unter anderem Telefonieren) stellt für schwerhörige Menschen häufig ein Problem dar. Unbehandelt schränkt eine Schwerhörigkeit das soziale Leben mehr oder weniger stark ein. Bleibt eine Hörschwäche bei Neugeborenen oder Kindern unerkannt, kann dies die Entwicklung beeinträchtigen. So sind Schallreize für Baby und Kleinkind wichtig, damit sich das Gehör optimal ausbilden kann. Auch ist das Hören für Kinder notwendig, um Sprechen zu erlernen.

Die Ursachen von Schwerhörigkeit sind dabei vielfältig und reichen von der Altersschwerhörigkeit über Infektionen bis hin zu chronischen Lärmschädigungen oder Tumoren. Eine Schwerhörigkeit kann auch angeboren sein, etwa wenn das Ohr oder bestimmte Nerven fehlgebildet sind. Auch kann das ungeborene Kind unter anderem durch Vireninfektionen (zum Beispiel Röteln), Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft oder Geburtskomplikationen geschädigt werden und eine Schwerhörigkeit entwickeln.

Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt kann eine Schwerhörigkeit meist sehr einfach feststellen und einordnen. Dazu führt er zunächst einen Hörtest durch, um die Hörfähigkeit zu prüfen. Weitere Tests und eventuell auch bildgebende Verfahren geben dem HNO-Arzt Hinweise auf die Ursachen der Schwerhörigkeit. Sowohl Therapie wie auch Prognose richten sich nach der Ursache der Hörminderung. Es kommen in manchen Fällen sowohl medikamentöse als auch operative Massnahmen infrage. Häufig verschreibt der HNO-Arzt Hörhilfen, also Hörgeräte oder Hörersatzmittel. Diese gleichen die Schwerhörigkeit ganz oder teilweise aus.

2. Definition

Schwerhörigkeit ist eine Einschränkung, die viele Menschen zumindest zeitweise erleben. Dabei ist das Hörvermögen herabgesetzt. Oftmals tritt Schwerhörigkeit nur vorübergehend auf, zum Beispiel beim Fliegen oder im Gebirge, nach einem Konzert mit lauter Musik oder bei einer Entzündung des Ohrs. In einem gewissen Mass ist ein Gehörverlust auch mit zunehmendem Alter normal. Schwerhörigkeit kann angeboren oder erworben sein.

Anatomie

Um das normale Hören und Schwerhörigkeit zu verstehen, ist ein Blick auf die Anatomie des Ohrs hilfreich. Das Ohr ist das Organ, das für das Hören zuständig ist. Es besteht aus drei Segmenten:

  • Dem äusseren Ohr mit der Ohrmuschel und dem äusseren Ohrkanal
  • Dem Mittelohr mit dem Trommelfell, den Gehörknöchelchen (Hammer, Amboss und Steigbügel) und der Mittelohrhöhle
  • Dem Innenohr, das aus der Gehörschnecke (Cochlea) und dem inneren Gehörgang besteht

Das äussere Ohr ist dafür ausgelegt, die Schallwellen aufzunehmen. Das Trommelfell wandelt den Schall in Vibrationen um und leitet diese an das Mittelohr weiter. Die Bewegungen setzen sich in der Gehörschnecke fort, wo sie je nach Tonhöhe an unterschiedlichen Stellen Erregungen auslösen. Das Gehirn wertet diese Impulse schliesslich aus und wandelt sie in wahrgenommene Töne um.

Akustik

Akustik ist die Lehre vom Schall, die dem HNO-Arzt hilft, eine Schwerhörigkeit zu erkennen und zu beschreiben. Liegt eine Schwerhörigkeit vor, hören Betroffene einige oder alle Tonhöhen schlechter als gewöhnlich. Die Tonhöhe entspricht einer bestimmten Eigenschaft der Schallwellen, der Frequenz. Sie wird in Hertz (Hz) gemessen. Je höher ein Ton klingt, desto grösser ist seine Frequenz. Tiefe Töne haben demnach eine niedrige Frequenz. Der menschliche Hörbereich liegt zwischen 20 und 20'000 Hz, wobei das menschliche Ohr zwischen 500 und 5'000 Hz am empfindlichsten ist (menschliche Sprache). Infraschall und Ultraschall liegen ausserhalb des Hörbereichs des erwachsenen Menschen.

Die Stärke des Schallreizes, also die Lautstärke, hat die Einheit Dezibel (dB). Dabei liegt die sogenannte Schmerzgrenze bei 130 dB. Geräusche über diesem Pegel können das Gehör dauerhaft schädigen und somit zu Schwerhörigkeit führen. Die untere Hörgrenze, die sogenannte Hörschwelle bezeichnet die Lautstärke, bei der eine Person einen Ton von 1'000 Hz gerade noch wahrnimmt. Die Hörschwelle liegt bei 0 dB. Bei Schwerhörigkeit liegt die Hörschwelle für bestimmte oder alle Frequenzen deutlich höher.

Einteilung der Schwerhörigkeit

Experten unterscheiden bei der Schwerhörigkeit drei wesentliche Formen: Bei der Schallleitungsschwerhörigkeit gelangt der Schall nicht mehr ausreichend in das Innenohr. Dies ist zum Beispiel bei Trommelfellschäden oder während einer Mittelohrentzündung der Fall. Eine Schallempfindungsstörung entsteht durch eine verringerte Funktion der Gehörknöchelchen, des Hörnervs oder des Gehirns. Dies geschieht beispielsweise bei langfristigem Hörschaden durch permanente Lautstärke. Die dritte Form der Schwerhörigkeit ist eine Kombination aus Schallleitungs- und Schallempfindungsstörung.

Schwerhörigkeit kann akut (plötzlich) oder chronisch (schleichend) auftreten. In den meisten Fällen ist eine akute Schwerhörigkeit nur von kurzer Dauer und verschwindet von selbst. In anderen Fällen bedarf sie, genau wie der chronische Hörschaden, einer Behandlung. Ob und wie gut sich eine Schwerhörigkeit therapieren lässt, ist sehr unterschiedlich.

Je nachdem, welche Lautstärke und Tonhöhe eine Person nicht mehr hört, unterscheiden Ärzte verschiedene Grade der Schwerhörigkeit von der Taubheit:

 

  • Geringgradige Schwerhörigkeit: Zum Beispiel hört der Betroffen nicht mehr das Ticken einer Armbanduhr (Hörverlust von 20 bis 40 dB).
  • Mittelgradige Schwerhörigkeit: Der Erkrankte nimmt keine Umgebungsgeräusche mehr wahr, zum Beispiel Vogelgezwitscher (Hörverlust von 41 bis 60 dB).
  • Hochgradige Schwerhörigkeit: Der Betroffene hört Gespräche nicht mehr (Hörverlust von 61 bis 80 dB).
  • Resthörigkeit oder Taubheit: Der Erkrankte hört auch sehr laute Geräusche nicht mehr, zum Beispiel Discomusik (Hörverlust über 81 dB).

Weicht die Hörfähigkeit um maximal 20 dB ab, liegt keine Schwerhörigkeit vor: Dann sprechen Ärzte noch von Normalhörigkeit.

3. Ursachen

Für eine Schwerhörigkeit gibt es unterschiedliche Ursachen – je nachdem, ob es sich um eine Schallleitungsschwerhörigkeit oder eine Schallempfindungsschwerhörigkeit beziehungsweise um eine akute (plözliche) oder chronische (schleichende) Erkrankung handelt.

Schallleitungsschwerhörigkeit

Eine Schallleitungsschwerhörigkeit kann verschiedene Ursachen haben und entsteht entweder durch einen Verschluss des Gehörgangs, so dass der Schall nicht mehr zum Innenohr gelangen kann, oder durch Schädigungen der schallleitenden Strukturen.

Die Schwerhörigkeit kann akut eintreten durch:

  • Vermehrte Bildung von Ohrschmalz (Cerumen) oder das nach hinten Schieben des Ohrschmalzes bei Reinigungsversuchen sowie die Arbeit unter staubigen Bedingungen
  • Wasser, das zum Beispiel nach dem Baden oder Schwimmen ins Ohr eingedrungen ist
  • Eine Entzündung der Haut des Gehörgangs (Otitis externa) oder eine lokal begrenzte Entzündung ausgehend von den Haarwurzeln im Gehörgang (Ohrfurunkel) – durch die entzündliche Schwellung der Haut kann der Gehörgang verschliessen.
  • Durchstechen oder Zerreissen des Trommelfells, zum Beispiel bei der Ohrreinigung oder durch einen Schlag auf das Ohr mit der flachen Hand
  • Einen Verschluss oder eine Verletzung der Ohrtrompete: Die Ohrtrompete (Tube) ist die Verbindung zwischen Mittelohr und Nasenrachen. Sie gleicht den Luftdruck im Mittelohr aus. Bei Schnupfen kann die Tube durch entzündliche Veränderungen verengt oder ganz verschlossen sein. Bei schnellen Luftdruckveränderungen, zum Beispiel beim Fliegen, Seilbahnfahren oder Tauchen, baut sich so ein Druckunterschied zwischen Mittelohr und äusserem Gehörgang auf, der das Trommelfell dehnt und manchmal zerreisst.
  • Verletzungen im Mittelohr oder Schädelbruch, wodurch die Verbindung zwischen den Gehörknöchelchen unterbrochen ist (Luxation)
  • Eine Mittelohrentzündung (Otitis media)

Eine Schallleitungsschwerhörigkeit kann durch andere Ursachen jedoch auch chronischen Charakter annehmen. Dies geschieht zum Beispiel durch:

 

  • Angeborene Schalleitungsstörungen, wobei zum Beispiel die Ohrmuschel fehlentwickelt sein kann oder ganz fehlt (Mikrotie) oder die Gehörgänge versperrt sind. Auch angeborene Fehlbildungen des Mittelohrs, vor allem der Gehörknöchelchen, sind möglich.
  • Vermehrtes Knochenwachstum im Gehörgang (Exostosen)
  • Verengungen (Stenosen) durch Narben und Entzündungen
  • Chronische Mittelohrentzündung
  • Chronische Belüftungsstörung der Ohrtrompete (sog.Tubenventilationsstörung) : Die Tube ist dauerhaft verschlossen. Besonders bei Kindern kann sich so Flüssigkeit im Mittelohr ansammeln (Sero- oder Mukotympanon). Heilt die Erkrankung nicht aus, verändert sich die Mittelohrschleimhaut (Tympanosklerose) und es entsteht eine hochgradige Schwerhörigkeit.
  • Otosklerose: Entzündliche Umbauprozesse des Knochens fixieren den Steigbügel (Gehörknöchel) und machen ihn damit unbeweglich. Dadurch ist die Beweglichkeit der Gehörknöchelkette insgesamt und somit die Fähigkeit der Schallübertragung eingeschränkt.
  • Geschwulste: Tumoren im Gehörgang und im Mittelohr können sowohl gut- als auch bösartig sein, sind aber relativ selten.

Schallempfindungsschwerhörigkeit

Die Schallempfindungsschwerhörigkeit kann akut auftreten oder chronische Formen annehmen. Für die akute Schallempfindungsschwerhörigkeit können verschiedene Ursachen verantwortlich sein:

  • Hörsturz: Plötzliche, meist einseitige, Hörverschlechterung.
  • Starker Lärm über 140 dB
  • Akute Infektionen, die auch das Innenohr betreffen, wie Hirnhautentzündung, Gürtelrose am Ohr (Zoster oticus), AIDS, Mumps, Lues (Syphilis), Toxoplasmose, Borreliose, Masern, Scharlach, Typhus und Fleckfieber.
  • Nebenwirkungen von Medikamenten
  • Akute und chronische Vergiftungen durch Stoffe, die in der verarbeitenden Industrie eingesetzt werden wie: Aminobenzol, Blei, Fluor, Kohlenmonoxid, Quecksilber, Schwefelkohlenstoff und Nitrobenzol
  • Gewalteinwirkung auf den Schädel, die das Innenohr auch dann schädigen kann, wenn der Schlag nicht direkt auf das Ohr trifft: Dabei können die Schädelknochen die Druckwelle auf das Innenohr weiterleiten (Knochenleitung).
  • Schädelbruch: Bei einem Schädelbruch kann die Bruchlinie durch alle Strukturen des Ohrs gehen. Geht die Bruchlinie durch das Innenohr (Pyramidenquerbruch) kann es zu plötzlichem Hörverlust, Schwindel oder einer Gesichtsnervenlähmung kommen.
  • Riss der Membranen zwischen Mittelohr und Innenohr (Fensterruptur) durch operative Eingriffe, Gewalteinwirkungen, Lärmschäden, Druckverletzung (Barotrauma)
  • Stresssituationen (psychogene Schwerhörigkeit)

Die chronische Schallempfindungsstörung entsteht zum Beispiel durch folgende Ursachen:

 

  • Angeborene anatomische Fehlbildungen (z.B. inkomplette Anlage der Hörschnecke) wie auch funktionelle Störungen
  • Tägliche mehrstündige Lärmbelastung über 80 dB über lange Zeit, zum Beispiel bei Metallarbeitern, Baggerfahrern, Strassenbauarbeitern oder Disk Jockeys (DJ) ohne entsprechenden Gehörschutz
  • Verschiedene Alterungsprozesse im fünften bis sechsten Lebensjahrzehnt: Zunächst verschlechtert sich das Hören der hohen Frequenzen, so hört man beispielsweise das Zirpen der Grillen nicht mehr. Das Sprachverständnis, besonders bei starken Hintergrundgeräuschen nimmt ab (Cocktailparty-Effekt).
  • Erkrankungen wie Nieren- und Schilddrüsenfunktionsstörungen, Diabetes mellitus, Gefässveränderungen (Arteriosklerose) sowie eine Reihe von Immunerkrankungen
  • Akustikusneurinom, eine langsam wachsende gutartige Geschwulst am Hör- beziehungsweise Gleichgewichtsnerv
  • Druckerhöhung und damit Schädigung der Sinneszellen im Innenohr (Morbus Menière)
  • Schwerhörigkeit aufgrund autoimmuner Antikörper: Diese wurde erstmals 1979 beschrieben und kommt sowohl einzeln als auch in Form von Syndromen (z.B. Systemischer Lupus Erythematosus) vor.
  • Hörstörungen, deren Ursache in den Hirnstrukturen zu suchen ist (zentrale Hörstörungen): Meist finden sich hierbei gleichzeitig weitere Veränderungen des Nervensystems.

4. Symptome

Bei Schwerhörigkeit unterscheiden sich die Symptome je nach Ursache stark in Ausmass und Art. Schwerhörigkeit äussert sich jedoch immer darin, dass die Betroffenen Töne und Geräusche nur noch in abgeschwächter Form wahrnehmen. Je nach Grad der Schwerhörigkeit fallen beispielsweise Gespräche immer schwerer oder Betroffene drehen die Lautstärke von Radio und Fernseher hoch, oftmals ohne dass ihnen ihr Hörproblem bewusst ist. Durch eine starke, nicht ausgeglichene Schwerhörigkeit kann das soziale Leben beeinträchtigt sein – depressive Verstimmungen sind dann als weitere Symptome und Folge der Hörprobleme möglich.

Neben einer Schwerhörigkeit können zusätzlich noch weitere, teilweise sehr unterschiedliche Symptome bestehen. In einigen Fällen bemerken Betroffene mit zunehmendem Hörverlust oder nach einem Hörsturz Ohrgeräusche (Tinnitus). Da das Innenohr auch das Gleichgewichtsorgan enthält, kann es bei Veränderungen des Innenohrs zu Schwindelanfällen kommen.

5. Diagnose

Bei Schwerhörigkeit stellt die Diagnose der Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO-Arzt). Dazu sind verschiedene Tests notwendig. Zunächst jedoch befragt der Arzt den Patienten ausführlich nach den Symptomen und Vorerkrankungen (Anamnese). Dabei möchte er zum Beispiel wissen, seit wann die Schwerhörigkeit erstmals aufgefallen ist und ob noch weitere Beschwerden bestehen. Bevor der HNO-Arzt die Hörfähigkeit mit einem Hörtest genauer feststellt, nimmt er eine körperliche Untersuchung vor. Zu ihr gehören verschiedene Tests, wie zum Beispiel die Stimmgabelprüfung. Dieser Versuch kann nach einer festgestellten Schwerhörigkeit Aufschluss über die Art der Hörminderung geben (Schallleitung, Schallempfindung). Mithilfe einer Ohrenspiegelung (Otoskopie) kann der Arzt mögliche körperliche Veränderungen im Ohr erkennen.

Bei einer Schwerhörigkeit führt der Arzt zur genauen Diagnose verschiedene Hörtests durch. Sie helfen ihm, die Hörfähigkeit für die einzelnen Tonhöhen (Frequenzen) festzustellen. Dabei ermittelt der Arzt die Töne, die der Erkrankte gerade noch hören kann. Eingetragen in ein Diagramm mit der Lautstärke auf der y-Achse (Ordinate) und der Tonhöhe auf der x-Achse (Abzisse), ergibt das die Hörkurve, die Aufschluss über die Schwerhörigkeit gibt.

Können Betroffene Töne erst bei höheren Lautstärkewerten hören, so weicht die ermittelte Hörkurve von der Normalkurve ab. Mithilfe dieser Hörkurve kann der Arzt auch den Hörverlust in Dezibel errechnen.

Bei einer Schwerhörigkeit-Diagnose kommen zur Diagnose meist noch weitere Tests infrage, etwa die Tympanometrie und die Stapedius-Reflexmessung. Hierbei misst der Arzt die Funktion des Trommelfells. Auch die Messung der sogenannten otoakustischen Emissionen (elektrische Reaktionsaudiometrie) ist aufschlussreich, um der Ursache einer Schwerhörigkeit auf den Grund zu gehen. Hierbei sendet das Ohr einen empfangenen Ton ähnlich eines Echos zurück (otoakustische Emissionen). Dies geschieht allerdings nur beim gesunden Ohr. Besteht der Verdacht auf stoffwechselbedingte Ursachen für die Schwerhörigkeit, führt der Arzt ausserdem Blutuntersuchungen durch.

6. Therapie

Bei einer Schwerhörigkeit hängt die Therapie entscheidend von den Ursachen ab. Je nach Krankheitsursache ist meist eine spezielle Behandlung notwendig. Diese kann bei der Schwerhörigkeit von medikamentösen oder operativen Massnahmen, bis hin zur Anpassung eines Hörgeräts gehen. Hörgeräte lassen sich hinter dem Ohr tragen oder sind als dezente In-Ohr-Geräte erhältlich. Ein Hörgeräteakustiker berät über die einzelnen Möglichkeiten und passt das Hörgerät an.

Eine psychotherapeutische Behandlung ist bei Schwerhörigkeit zur Therapie sinnvoll, wenn die Hörminderung durch Stress bedingt ist oder der Betroffene durch die Einschränkungen im sozialen Leben unter depressiver Verstimmung leidet.

7. Verlauf

Bei Schwerhörigkeit kann der Verlauf sehr unterschiedlich sein und ist von der auslösenden Ursache abhängig. Bei Anzeichen von Schwerhörigkeit oder anderen Hörproblemen ist es in jedem Fall wichtig, baldmöglichst einen HNO-Arzt aufzusuchen. In manchen Fällen hat lediglich Ohrenschmalz den Gehörgang verschlossen und kann vom Arzt leicht entfernt werden. In anderen Fällen ist der Arztbesuch sinnvoll, um neben den Ursachen das genaue Mass der Schwerhörigkeit zu ermitteln und eine geeignete Behandlung zu finden. Vor allem bei Kindern ist es wichtig, angeborene sowie erworbene Hörfehler so früh wie möglich festzustellen, da sich durch die Schwerhörigkeit sonst im weiteren Verlauf Sprachschwierigkeiten entwickeln können.

8. Vorbeugen

Einer Schwerhörigkeit lässt sich teilweise vorbeugen. Damit eine Schwerhörigkeit nicht dauerhaft bestehen bleibt, sollten Sie bei einer Veränderung der Hörwahrnehmung immer den Hals-Nasen-Ohren (HNO)-Arzt aufsuchen. Ein plötzlicher Hörverlust gilt immer als ein Notfall und muss umgehend von einem HNO-Arzt abgeklärt werden.

Ausserdem ist es zum Vorbeugen von Schwerhörigkeit wichtig, die Ohren nicht dauerhaft übermässigem Lärm auszusetzen. Das gilt sowohl im Arbeitsbereich als auch in der Freizeit. Am Arbeitsplatz sorgen gesetzliche Bestimmungen für ausreichenden Hörschutz. Zum Beispiel müssen Menschen, die bei einem Lärmpegel von mehr als 85 Dezibel arbeiten, einen Hörschutz tragen. Doch auch Freizeitlärm, kann das Gehör schädigen und zu Schwerhörigkeit führen: Oft erreicht Musik zum Beispiel in Diskotheken oder auf Konzerten gesundheitsschädliche Lautstärken. Deshalb ist es auch im Freizeitbereich sinnvoll, bei Lärm auf einen Gehörschutz zu achten. Wattestopfen oder Ohrstöpsel aus Schaumstoff lassen sich bei Lärmbelastung ins Ohr setzen. Damit lässt sich teilweise einem Lärmschaden und einer Schwerhörigkeit vorbeugen. Wichtig ist ausserdem, Musik von entsprechenden Geräten (etwa Mp3-Player) nicht häufig und nicht in voller Lautstärke zu hören. Gönnen Sie Ihrem Gehör so häufig wie möglich wohltuende Ruhe und schützen Sie es vor Lärm – und damit vor Schwerhörigkeit.