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  4. Sexualstörungen der Frau (Frigidität)

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1. Überblick

Sexualstörungen der Frau – früher häufig auch (meist abwertend) als Frigidität bezeichnet – können in verschiedenen Bereichen sexueller Aktivität auftreten. Dazu gehören Verlangen, Erregung, Orgasmus und sexuell bedingte Schmerzen.

Zumindest vorübergehend treten Sexualstörungen bei einer grossen Anzahl von Frauen auf. Genaue Zahlen zur Häufigkeit gibt es aber nicht.

Sexualstörungen können psychische und organische Ursachen haben, zum Beispiel Depressionen oder Scheidentrockenheit nach der letzten Regelblutung (Menopause). Auch die Angst vor einer Schwangerschaft oder einer Geschlechtskrankheit kann zu sexuellen Problemen führen. In der Diagnose versucht der Arzt herauszufinden, was die Sexualstörungen hervorruft. Häufig zeigen sich bei den Frauen ein starker Leistungsdruck und Ängste in Bezug auf die eigene Sexualität. Da – als Ursache oder infolge der sexuellen Störungen – oft Partnerschaftsprobleme auftreten, wird der Partner in die Therapie der Sexualstörung miteinbezogen: Neben der Informationsvermittlung stehen hier die Reduzierung von Angst und Leistungsdruck sowie die Steigerung des Genussempfindens im Vordergrund. Mögliche Therapieverfahren bei Sexualstörungen sind zum Beispiel die Sexualberatung, Sexualtherapie oder Psychotherapie.

Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie) als Form der Sexualstörungen können auch organische Ursachen haben, etwa Entzündungen der inneren oder äusseren Geschlechtsorgane (z.B. Eierstockentzündung, Vaginitis) oder Vernarbungen. In diesem Fall ist es das Ziel der Therapie, diese zu beheben und damit auch die Sexualstörungen zu behandeln.

Mit einer angemessenen Behandlung bessern sich Sexualstörungen oft. Ein chronischer Verlauf ist selten und kommt meist nur bei bestimmten Auslösern wie einem schweren seelischen Trauma oder nicht ausreichend behandelbaren körperlichen Ursachen vor.

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2. Definition

Zu funktionellen Sexualstörungen (sexuelle Dysfunktion), also Beeinträchtigungen der Sexualität, kann es bei Frauen in jeder Phase der sexuellen Aktivität kommen. Mediziner unterscheiden vier Formen von Sexualstörungen, die sowohl bei Frauen als auch bei Männern auftreten können:

  • mangelndes sexuelles Verlangen (sog. sexuelle Appetenzstörung)
  • Störungen der sexuellen Erregung
  • Orgasmusstörungen
  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (sog. Dyspareunie)

Das lateinische Wort frigidus bedeutet «kalt, kühl». Der abwertende Ausdruck Frigidität bezeichnet also eine «Gefühlskälte» der Frau, die sich in geringem sexuellen Verlangen oder Genuss äussert. Es ist wichtig, die sexuellen Funktionsstörungen von dem umgangssprachlichen und abfälligen Gebrauch des Worts «frigide» abzugrenzen, mit dem Frauen bezeichnet werden, wenn sie nicht den sexuellen Ansprüchen eines Sexualpartners entgegenkommen.

Häufigkeit

Sexuelle Funktionsstörungen (Dysfunktionen) der Frau treten recht häufig auf, genaue Zahlen gibt es dazu aber nicht. In Untersuchungen berichten etwa 30 bis 35 Prozent der Frauen, dass sie zumindest für eine gewisse Zeit kein Verlangen nach sexueller Aktivität haben. Bei etwa 16 Prozent der Frauen treten beim Geschlechtsverkehr Schmerzen auf.

3. Ursachen

Sexualstörungen der Frau können verschiedene Ursachen haben. Es scheinen sowohl seelische als auch körperliche Ursachen eine Rolle zu spielen. Ein Grundproblem der Frauen ist meist, dass sie sich in Bezug auf Sexualität unter Leistungsdruck setzen oder sich selbst zu kritisch beobachten. Für diese Haltungen, die im Rahmen von Sexualstörungen von Bedeutung sein können, werden verschiedene Ursachen angeführt.

Partnerschaftsprobleme

Partnerschaftsprobleme können Sexualstörungen der Frau als Ursachen zugrunde liegen. So können sich zum Beispiel alltägliche Streitereien negativ auf die Sexualität auswirken und das Geniessen des Geschlechtsverkehrs indirekt beeinträchtigen. Auch die mangelnde Kommunikation über die sexuellen Bedürfnisse kann eine befriedigende Sexualität behindern. Schliesslich können fehlende Zärtlichkeit und Stimulation die Lust der Frau einschränken und dazu führen, dass nicht genug Scheidenflüssigkeit produziert wird.

Auch Veränderungen – wie Familienzuwachs oder eine sich über viele Jahre einstellende Eintönigkeit einer langjährigen Beziehung – können sich negativ auf das Sexualleben eines Paares auswirken und Sexualstörungen auslösen.

Fehlendes Einfühlungsvermögen und mangelnde Bereitschaft, auf die Bedürfnisse und Wünsche des Partners einzugehen, haben oft zur Folge, dass der Geschlechtsverkehr nur von einem der Partner als befriedigend und genussvoll empfunden wird. Dabei finden sich besonders Frauen oft damit ab, mit dem Partner keinen Orgasmus zu erleben.

Traumatische Erfahrungen

Liegen Sexualstörungen bei einer Frau vor, können die Ursachen dafür auch als traumatische Erfahrungen in der Vergangenheit zu finden sein. Wurden frühere sexuelle Aktivitäten als beängstigend oder demütigend erlebt, wird das spätere lustvolle Erleben von Sexualität erschwert. Traumatische Erfahrungen können eine Spanne von Erlebnissen umfassen – vom unangenehmen «ersten Mal» bis hin zu sexuellem Missbrauch.

Mangelnde Informationen

Unzureichende Kenntnis des eigenen Körpers, zum Beispiel durch mangelnde Informationen über den Ablauf des Geschlechtsverkehrs, können zu Unsicherheiten führen, die das Auftreten sexueller Störungen begünstigen.

Biologische Faktoren

Schmerzen beim Sexualverkehr (Dyspareunie) sind häufig durch organische Ursachen, etwa Entzündungen oder vernarbtes Gewebe, bedingt. Nach der letzten Menstruationsblutung (Menopause) ist die Produktion von Scheidenflüssigkeit bei Frauen häufig reduziert, wodurch es zu einer trockenen Scheide und dadurch unter Umständen zu Schmerzen beim Geschlechtsverkehr kommen kann.

Darüber hinaus kann die Einnahme von Medikamenten, vor allen Dingen Antidepressiva, das sexuelle Verlangen der Frau verringern. Auch Depressionen an sich können Sexualstörungen hervorrufen.

Äussere Faktoren

Die Angst vor einer Schwangerschaft oder einer Geschlechtskrankheit behindert oft eine befriedigende Sexualität.

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4. Symptome

Unter dem Überbegriff Sexualstörungen der Frau werden verschiedene Symptome zusammengefasst:

Bei Störungen des sexuellen Verlangens (Appetenz) berichten Frauen, dass sie kaum bis keine sexuellen Fantasien oder Bedürfnisse haben. Einige Frauen lehnen eine sexuelle Beziehung regelrecht ab. Störungen des sexuellen Verlangens müssen nicht ohne sexuelle Erregung und Befriedigung ablaufen, in der Regel ergreift die Frau jedoch selten die Initiative für sexuelle Aktivitäten.

Bei Störungen der sexuellen Erregung bleibt eine genitale Reaktion aus, das heisst trotz sexuellem Reiz wird nur wenig oder keine Scheidenflüssigkeit produziert. Mit dieser Form der Sexualstörungen verbundene Symptome sind, dass der Geschlechtsverkehr oft schmerzhaft ist und der Frau darüber hinaus das Gefühl von Erregung und Lust fehlt.

Orgasmusprobleme können den Ablauf oder das subjektive Erleben des Orgasmus betreffen. Nach einer vorausgegangenen Phase der sexuellen Erregung tritt bei den betroffenen Frauen der Orgasmus stark verzögert oder gar nicht auf.

Bei Störungen mit sexuell bedingten Schmerzen werden zwei Störungsformen unterschieden: Treten (trotz normaler Erregungsphase) vor, bei oder nach dem Geschlechtsverkehr wiederholt anhaltende genitale Schmerzen auf, spricht man von Dyspareunie. Beim Vaginismus (Scheidenkrampf) hingegen kommt es zur unwillkürlichen Verkrampfung der Vaginalmuskulatur, die den Geschlechtsverkehr unmöglich oder schmerzhaft macht.

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5. Diagnose

Um bei Sexualstörungen der Frau die Diagnose zu stellen, führt der Arzt oder Therapeut in der Regel ein psychodiagnostisches Gespräch mit der Betroffenen. Hierbei liefern die spontanen Gefühlsäusserungen der Frau oft wertvolle Informationen über bestehende Konflikte.

Darüber hinaus ist es wichtig abzugrenzen, ob tatsächlich Symptome von Krankheitswert vorliegen oder ob die berichtete Problematik eher ein Ausdruck überhöhter Erwartungen bezüglich der normalen sexuellen Aktivität ist. Insbesondere bei Sexualstörungen mit sexuell bedingten Schmerzen erfolgt im Rahmen der Diagnose eine gründliche körperliche Untersuchung, um mögliche organische Ursachen (z.B. Entzündungen) festzustellen.

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6. Therapie

Bei Sexualstörungen der Frau richtet sich die Therapie vor allem nach den Ursachen der Störung. Als mögliche Therapieformen kommen eine Sexualberatung, eine Sexualtherapie oder eine Psychotherapie (als Einzel- oder Paartherapie) infrage.

Die Sexualberatung hat zum Ziel, wichtige Informationen über den Geschlechtsverkehr zu vermitteln, sprachliche Hemmungen abzubauen und mögliche Fehlvorstellungen zu korrigieren. Bei der Sexualberatung werden konkrete Ratschläge und Empfehlungen angeboten. Sie kann als Einzel- oder Paargespräch stattfinden.

In der Sexualtherapie sollen sexuelle Konflikte geklärt, Vermeidungsverhalten und Sexualängste abgebaut werden. Darüber hinaus soll die Wahrnehmung von sexuellen Körperreaktionen verbessert werden und verankerte sexuelle Verhaltens- und Einstellungsmuster durchbrochen und verändert werden. Die Sexualtherapie erfolgt in Paargesprächen.

Wenn neben den sexuellen Funktionsstörungen noch weitere Konflikte oder psychosomatische Symptome auftreten, kann eine Psychotherapie der Behandlung von Sexualstörungen dienen.

Bei Sexualstörungen beziehungsweise sexuellen Funktionsstörungen (Dysfunktionen) der Frau findet die Therapie im besten Fall in Zusammenarbeit mit beiden Partnern statt. Grundlage hierfür ist die Bereitschaft beider Partner, die Beziehung trotz bestehender Probleme fortzuführen und gemeinsam an den Schwierigkeiten zu arbeiten.

Wichtig ist, dass die Betroffenen lernen über Sex zu sprechen und ihre eigenen Vorstellungen und Wünsche zu formulieren. Dabei können auch mögliche übersteigerte Erwartungen aufgedeckt und bearbeitet werden.

Liegen Schmerzen beim Geschlechtsverkehr als Form der Sexualstörungen bei der Frau organische Ursachen zugrunde, ist es das Ziel der Therapie, diese zu beheben. So können zum Beispiel betroffene Frauen nach der Menopause (letzten Regelblutung) Hormone einnehmen, welche die Produktion von Scheidenflüssigkeit steigern.

Ist die Sexualstörung aufgrund traumatischer Erfahrungen entstanden, sollten diese Erlebnisse zunächst in einer Therapie ohne den Partner (Einzeltherapie) behandelt werden.

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7. Verlauf

Sexualstörungen der Frau treten meist vorübergehend auf und im Verlauf nimmt die Symptomatik mit zunehmender sexueller Erfahrung teilweise ab. Häufig werden die sexuellen Probleme auch durch eine Trennung vom Partner beendet und treten in der nächsten Partnerschaft nicht mehr auf. Bei Sexualstörungen der Frau ist ein chronischer Verlauf selten und meist auf spezifische Ursachen (z.B. sexuelle Traumata oder körperliche Ursachen) zurückzuführen.

Durch eine Paartherapie der sexuellen Störung kann in vielen Fällen eine Verbesserung der Problematik erreicht werden.

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8. Vorbeugen

Eine generelle Methode, die Sexualstörungen der Frau vorbeugen kann, gibt es nicht.

Auf individueller Ebene erscheint es ratsam, schon frühzeitig das Gespräch mit dem Partner zu suchen, wenn sexuelle Schwierigkeiten auftreten: Wird das Thema beispielsweise aus Scham nicht angesprochen, besteht die Gefahr, dass Erwartungsängste entstehen, die wiederum einer erfüllenden Sexualität entgegenstehen. Auch die Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper und den persönlichen sexuellen Vorlieben kann dazu beitragen, das Auftreten sexueller Störungen zu verhindern.

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