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1. Überblick

Der Sichelfuss (Pes adductus) ist bei Säuglingen die häufigste Fussfehlstellung: Hierbei ist der Vorderfuss nach innen gedreht. Die Fehlstellung besteht selten schon bei der Geburt; meist bildet das Baby sie in den ersten Lebenswochen aus.

Die für einen Sichelfuss typische Fehlstellung entsteht dadurch, dass der Mittelfuss und die Zehen verstärkt nach innen gewölbt sind (Adduktionsstellung). Die Ferse bleibt dabei unverändert oder knickt nach innen ab.

Mögliche Ursachen für einen Sichelfuss sind:

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  • die in der Gebärmutter (Uterus) herrschende räumliche Enge, die dazu führt, dass sich der Fuss des Ungeborenen in einer Zwangshaltung befindet (daher findet sich der angeborene Sichelfuss fast nie bei Frühgeborenen),
  • erbliche Faktoren (ein erblich bedingter Sichelfuss tritt nur dann auf, wenn beide Elternteile die entsprechenden Erbmerkmale tragen und an ihr Kind vererben),
  • häufige Bauchlage der Säuglinge, bei der die Zehen ständig aufliegen, sodass sich der Vorderfuss nach innen verdreht und schliesslich in die Sichelstellung hineinwächst.

Der Sichelfuss tritt häufig beidseitig auf, bereitet in der Regel jedoch weder Schmerzen noch schränkt er die Bewegungsfähigkeit ein. Wegen der typischen Fussfehlstellung kann ein Sichelfuss aber dazu führen, dass das betroffene Kleinkind einen stark nach innen gerichteten Gang zeigt. Die Diagnose kann anhand des Erscheinungsbilds und der körperlichen Untersuchung gelingen; mithilfe einer Röntgenuntersuchung kann der Arzt feststellen, welches Ausmass die Fehlstellung beim Sichelfuss hat.

In den meisten Fällen verschwindet ein Pes adductus von allein. Bleibt der Sichelfuss bestehen, ist eine Behandlung ratsam. Meist reichen hierbei konservative (d.h. nicht-operative) Massnahmen mit Verbänden oder Einlagen aus. Gelingt es nicht, den Sichelfuss so ausreichend zu korrigieren, kann eine Operation nötig sein. Bei Kindern kommen andere Methoden zur operativen Sichelfuss-Therapie zum Einsatz als bei Erwachsenen.

2. Definition

Der Begriff Sichelfuss (Pes adductus) bezeichnet per Definition eine angeborene oder erworbene Fehlstellung des Fusses, bei der sich sowohl der Mittelfuss als auch die Zehen in der sogenannten Adduktionsstellung befinden und verstärkt nach innen gewölbt sind. Zusätzlich weicht beim angeborenen Sichelfuss die Grosszehe nach innen ab (= Hallux varus, im Gegensatz zum Hallux valgus). Im Gegensatz zum Klumpfuss ist die Fersenstellung beim Sichelfuss normal oder etwas eingeknickt. Meist tritt der Sichelfuss beidseitig auf. Jungen sind vom Sichelfuss allgemein häufiger betroffen als Mädchen.

3. Ursachen

Der Sichelfuss (Pes adductus) hat seine Ursachen in einer verstärkten Aktivität des Muskels, der die Grosszehe in ihrem Grundgelenk an den Fuss anlegt (Grosszehenadduktor bzw. Musculus adductor hallucis), oder des vorderen Schienbeinmuskels (Musculus tibialis anterior), die die der anderen Muskeln des Fusses überwiegt: Dadurch befinden sich Mittelfuss und Zehen in der sogenannten Adduktionsstellung und sind verstärkt nach innen gewölbt. Man unterscheidet eine angeborene und eine nach der Geburt erworbene Form des Sichelfusses.

Ein angeborener Sichelfuss kann sowohl erworben sein als auch erbliche Ursachen haben:

  • In der Regel ist der schon bei der Geburt bestehende Sichelfuss auf die in der Gebärmutter (Uterus) herrschende räumliche Enge zurückzuführen: Diese kann dazu führen, dass sich der Fuss des Ungeborenen in einer dem Sichelfuss entsprechenden Zwangshaltung befindet. Ein Beleg dafür, dass dies die Ursache für Sichelfüsse sein kann, ist die Tatsache, dass Frühgeborene fast nie betroffen sind.
  • Der angeborene Sichelfuss kann aber auch durch Vererbung entstehen. Ein erblich bedingter Sichelfuss entsteht über einen sogenannten rezessiven Erbgang. Das bedeutet: Die Fussfehlstellung tritt beim Kind nur dann auf, wenn beide Elternteile die entsprechenden Erbmerkmale tragen und an ihr Kind weitergegeben haben.

Ein nach der Geburt erworbener Sichelfuss ist meist weniger ausgeprägt, kommt jedoch häufiger vor. Ursache für seine Entstehung ist eine häufige Bauchlage der Säuglinge, bei der die Zehen ständig aufliegen. Dadurch kann sich der Vorderfuss nach innen verdrehen, sodass dieser schliesslich in die Sichelstellung hineinwächst.

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4. Symptome

Der Sichelfuss (Pes adductus) ist eine Fussfehlstellung mit typischem Erscheinungsbild. Folgende Symptome sind charakteristisch:

  • Fussspitze und Mittelfuss sind einwärts gestellt.
  • Eine oder mehrere Zehen sind nach innen verlagert.
  • Die Ferse ist entweder gerade oder nach innen (valgisch) abgeknickt.

Häufig tritt der Sichelfuss beidseitig auf. Beim angeborenen Sichelfuss können weitere Symptome hinzukommen: Dann ist oft auch die Grosszehe deformiert und im Grundgelenk zum anderen Fuss hin abgeknickt (= Hallux varus, also das Gegenteil zum Hallux valgus).

Ein Sichelfuss führt wegen seiner typischen Fussfehlstellung häufig dazu, dass das betroffene Kleinkind einen stark nach innen gerichteten Gang zeigt. Der Sichelfuss löst aber überwiegend keine Beschwerden aus: Die Symptome bleiben in der Regel auf das veränderte Aussehen des Fusses und das Gangbild beschränkt. Die Beweglichkeit ist beim Sichelfuss meist uneingeschränkt und nur selten treten Schmerzen auf.

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5. Diagnose

Bei einem Sichelfuss (Pes adductus) gelingt die Diagnose anhand des typischen Erscheinungsbilds der Fussfehlstellung: Mittelfuss und Zehen befinden sich in der sogenannten Adduktionsstellung und sind verstärkt nach innen gewölbt. Liegt gleichzeitig ein Hallux varus vor, deutet dies auf eine angeborene Form von Sichelfuss hin. Typisch für einen Sichelfuss ist, dass die betroffenen Kinder den Fuss geradeaus richten, wenn man über den äusseren Fussrand streicht.

Da der Sichelfuss in seiner Fehlstellung optisch einem Klumpfuss ähnelt, ist Letzterer bei der Diagnose sicher auszuschliessen. Im Gegensatz zum Sichelfuss ist beim Klumpfuss die Ferse nach aussen gerichtet. Ausserdem ist meist zusätzlich die Bewegung eingeschränkt.

Um die für den Sichelfuss geeignete Behandlung bestimmen zu können, prüft der Arzt bei der körperlichen Untersuchung, wie weit sich die Fehlstellung passiv korrigieren lässt. Hierzu hält er den Rückfuss fest und versucht anschliessend vorsichtig, den Vorfuss in Richtung Normalstellung zu bewegen. Um das Ausmass der Fussfehlstellung abzuklären, kann bei der Sichelfuss-Diagnose ausserdem eine Röntgenuntersuchung zum Einsatz kommen.

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6. Therapie

Meist ist bei einem Sichelfuss (Pes adductus) keine Therapie nötig, da er sich in 80 bis 90 Prozent der Fälle im Laufe des Wachstums von allein korrigiert.

Verschwindet der Sichelfuss nicht von selbst, besteht die Therapie zunächst darin, die Fussfehlstellung bei Säuglingen manuell zu korrigieren. Ist ausschliesslich der Vorfuss betroffen, reicht es häufig schon aus, den Sichelfuss wiederholt in die Normalstellung zu drücken. Auch ein leichtes Bestreichen des äusseren Fussrands fördert die normale Ausrichtung des Fusses. Zusätzlich sind bei einem Sichelfuss Schaumstoffringe für die Unterschenkel zur Behandlung geeignet: Diese verhindern, dass die Füsse in der Bauchlage auf dem Aussenrand aufliegen.

Ist gleichzeitig auch der Mittelfuss von der Fehlstellung betroffen, macht der Sichelfuss zur Therapie korrigierende (redressierende) Gipsverbände für die Oberschenkel nötig. In den meisten Fällen kann man diese nach etwa 1 bis 3 Wochen wieder entfernen. Anschliessend erhalten die Kinder sogenannte Lagerungsschalen, die sie ausschliesslich nachts tragen. Beginnen die Kinder zu stehen und zu laufen, können Schuheinlagen zur Sichelfuss-Behandlung zum Einsatz kommen, die die Fersen umfassen und einen vorgezogenen Innenrand haben.

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Wenn es nicht gelingt, einen Sichelfuss durch eine konservative (d.h. nicht-operative) Behandlung ausreichend zu korrigieren, kann eine Operation nötig sein. Für Kinder stehen mehrere Methoden zur operativen Therapie zur Verfügung: In einigen Fällen besteht der Eingriff darin, die Ansatzsehne des Grosszehenadduktors (Musculus adductor hallucis) zu durchtrennen. Daneben ist es möglich, verschiedene im Fussbereich liegende Gelenkkapseln zu entfernen – in dem Fall ist es nötig, den Fuss vorübergehend mit Drähten zu fixieren. Einen Sichelfuss bei Erwachsenen oder bei ausgereiftem Skelett behandelt man, indem man Knochenteile entfernt und auf diese Weise die Stellung der Mittelfussknochen verändert. Eine solche Therapie ist jedoch nur selten notwendig.

7. Verlauf

Ein Sichelfuss (Pes adductus) nimmt meist einen selbstheilenden Verlauf: In 80 bis 90 Prozent der Fälle verschwindet die Fussfehlstellung bei den Kindern im Laufe des Wachstums ohne Behandlung. Aber auch wenn der Sichelfuss nicht von selbst heilt, ist seine Prognose bei rechtzeitiger Therapie gut.

Ein unbehandelter Sichelfuss kann jedoch einen ungünstigeren Verlauf zeigen: Die dauerhafte Fehlstellung des Fusses kann dazu führen, dass sich der Mittelfuss versteift. Durch die ständige Fehlbelastung nutzen sich dann vor allem Fuss-, Knie- und Hüftgelenke stark ab, was einen frühzeitigen Abbau des Gelenkknorpels mit begleitender Schädigung des Knochens (Arthrose) zur Folge hat. Zudem können beim Sichelfuss mit zunehmendem Alter durch das Laufen Schmerzen und Druckstellen entstehen. Darüber hinaus führt der veränderte Gang zu einer kosmetischen Beeinträchtigung, was die Betroffenen häufig als unangenehm empfinden.

8. Vorbeugen

Einem Sichelfuss (Pes adductus) können Sie nur bedingt vorbeugen: Um zu verhindern, dass Ihr Baby nach der Geburt diese Fussfehlstellung entwickelt, achten Sie am besten darauf, dass der Fuss in Bauchlage nicht nach innen verdreht ist. Wenn Sie bei Ihrem Kind eine Fehlstellung in Form des Sichelfusses bemerken, lassen Sie diese – trotz des meist harmlosen Verlaufs – lieber von einem Arzt untersuchen. Wenn sich der Sichelfuss nicht von selbst zurückbildet, ist es ratsam, ihn angemessen behandeln zu lassen.

Dem schon vor der Geburt entstehenden Sichelfuss können Sie nicht vorbeugen. Allerdings können Sie auch beim angeborenen Sichelfuss durch eine frühzeitige Behandlung mögliche Spätfolgen verhindern.