1. Home
  2. Gesundheit
  3. Krankheit
  4. Sonnenallergie (polymorphe Lichtdermatose)

Von Veröffentlicht am 01.01.1970

1. Überblick

Was der Volksmund als «Sonnenallergie» bezeichnet, nennen Ärzte «polymorphe Lichtdermatose»: Diese Hautreaktion entsteht bei empfindlichen Menschen nach ungewohnt hoher UV-A- und / oder UV-B-Strahlung – zum Beispiel nach einem ausgiebigen Sonnenbad. Wer ein paar Tipps beherzigt, kann den Symptomen einer Sonnenallergie vorbeugen!

(UV-)Licht kann verschiedene Erkrankungen der Haut auslösen, die man als Lichtdermatosen oder Photodermatosen zusammenfasst (griech. photo = Licht, Dermatose = Hauterkrankung). Die Sonnenallergie ist die häufigste Photodermatose: Frauen sind öfter betroffen als Männer. Die mit der Sonnenallergie verbundenen Symptome betreffen vor allem die Hautbereiche, die besonders häufig der Sonne ausgesetzt sind.

Typischerweise treten die ersten Hautreaktionen mit Verzögerung auf: Innerhalb weniger Stunden bis Tage nach der Sonneneinwirkung beginnt der betroffene Hautbereich stark zu jucken. Daneben ist die polymorphe Lichtdermatose durch brennende Schmerzen und eine Hautrötung gekennzeichnet.

Im weiteren Verlauf können bei der Sonnenallergie verschiedene Hautveränderungen auftreten, was sich auch in der Bezeichnung polymorphe Lichtdermatose widerspiegelt: «Polymorph» kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie «vielgestaltig».

Dieses Bild kann nicht angezeigt werden.

Die bei einer Sonnenallergie wirksamste Behandlung besteht darin, UV-Strahlung weitgehend zu meiden beziehungsweise sich ausreichend davor zu schützen. Bei akuter Sonnenallergie ist eine Creme geeignet, die Kortikoide (z.B. Hydrokortison) enthält. Gegen den für die polymorphe Lichtdermatose typischen Juckreiz helfen auch Antihistaminika.

Sonnenempfindliche Menschen können einer Sonnenallergie vorbeugen, indem sie auf einen ausreichenden Sonnenschutz achten: Hierzu sind zum Beispiel Hüte, bedeckende Kleidung und Sonnenschutzmittel geeignet. Zudem können gezielte therapeutische UV-Bestrahlungen (Phototherapie) dabei helfen, die Haut langsam an das Sonnenlicht zu gewöhnen und so eine polymorphe Lichtdermatose zu verhindern.

Anzeige

2. Definition

Die im Volksmund Sonnenallergie genannte polymorphe Lichtdermatose oder polymorphe Photodermatose (griech. photo = Licht) bezeichnet per Definition eine mit Verzögerung auftretende krankhafte Reaktion der Haut auf ungewohnt hohe UV-A- und/oder UV-B-Strahlung: Das aus dem Griechischen stammende Wort polymorph bedeutet vielgestaltig und bezieht sich darauf, dass die von der Sonnenallergie hervorgerufenen Hautveränderungen unterschiedlich ausgeprägt sein können, und Dermatose heisst Hautkrankheit.

Die volkstümliche Bezeichnung Sonnenallergie rührt daher, dass die Symptome denen einer allergischen Reaktion auf Sonnenstrahlung ähneln. Allerdings ist die polymorphe Lichtdermatose keine Allergie im eigentlichen Sinne.

Häufigkeit

In der Schweiz ist ein Fünftel  der Bevölkerung von Sonnenallergie betroffen, darunter vor allem Kinder und junge Erwachsene. Frauen erkranken häufiger an Sonnenallergie als Männer.

3. Ursachen

Worin genau die Sonnenallergie (polymorphe Lichtdermatose) ihre Ursachen hat, ist unbekannt. Fest steht allerdings, dass ungewohnt intensive UV-A- und/oder UV-B-Strahlung der Auslöser für die einer allergischen Reaktion ähnelnden Hautveränderungen ist. Entsprechend gehört die Sonnenallergie zu den primären idiopathischen Lichtdermatosen:

  • Primär bedeutet, dass die Sonnenstrahlung der entscheidende ursächliche Faktor für die krankhafte Hautreaktion ist,
  • idiopathisch heisst, dass keine Ursache erkennbar ist.

In etwa 75 Prozent der Fälle hat eine Sonnenallergie ihre Ursachen in der Einwirkung von UV-A-Strahlung, weitere 10 Prozent entstehen durch UV-B-Strahlung. In den restlichen 15 Prozent ist eine Kombination aus UV-A- und UV-B-Strahlen für die polymorphe Lichtdermatose verantwortlich. Zum genauen Entstehungsmechanismus der Sonnenallergie sind verschiedene Erklärungsansätze zu finden:

Immunreaktion?

Möglicherweise löst eine Immunreaktion des Körpers die Erkrankung aus. Hier gibt es verschiedene Theorien: Einige Wissenschaftler glauben, dass es einen lichtempfindlichen Sensor in den Hautzellen geben könnte, der die Sonnenallergie auslöst. Andere Wissenschaftler vermuten, dass bei Sonnenallergie-Betroffenen die Immunreaktion auf das UV-Licht einfach anders abläuft als bei Nichtbetroffenen. Normalerweise schwächt UV-B-Strahlung bestimmte Teile des Immunsystems, die sonst eine Abwehrreaktion auslösen. Bei Sonnenallergie-Betroffenen scheint das nicht so zu sein, bei ihnen könnte deshalb das Immunsystem auf sogenannte Photoprodukte (Lichtprodukte) reagieren. Denn die UV-B-Strahlung trifft in der Haut auf Zellen, die in ihrem Zellkern Erbgut (DNA) enthalten. Im Erbgut kann die UV-B-Strahlung zu Fehlern und Schäden führen. Die dabei erzeugten Photoprodukte könnten bei Betroffenen unter Umständen eine allergische Reaktion auslösen, also als sogenanntes Allergen wirken, und so zu den typischen Symptomen einer Sonnenallergie führen.

Oxidantien und Antioxidantien?

Möglicherweise hat die Sonnenallergie (polymorphe Lichtdermatose) ihre Ursachen auch in einem Ungleichgewicht zwischen Oxidantien und Antioxidantien in Zellen der Oberhaut: Diese Zellen, die sogenannten Keratinozyten, machen den grössten Teil der Oberhaut aus. Keratinozyten können das von den Pigmentzellen der Oberhaut (Melanozyten) zum UV-Schutz gebildete schwarz-braune Pigment Melanin aufnehmen – also jenes Pigment, das der Haut ihre Farbe verleiht. Das Melanin umhüllt den Zellkern, der das Erbgut (DNA) der Zelle enthält, und trägt so dazu bei, dass das UV-Licht das Erbgut nicht schädigt. Dies ist wichtig, da durch das UV-Licht in den Keratinozyten freie Radikale entstehen: Dies sind aggressive Sauerstoffverbindungen, die der Zelle und ihrem Erbgut Schaden zufügen können.

Antioxidantien (Einzahl: Antioxidans) sind sozusagen Radikalfänger: Sie gehen mit den freien Radikalen eine Verbindung ein, ehe diese im Körper Schaden anrichten können. Man sagt ihnen deshalb eine zellschützende Wirkung nach. Zu den Antioxidantien zählen zum Beispiel Vitamin E, Vitamin C sowie Betacarotin (Vorstufe von Vitamin A).

Für die bei der Sonnenallergie auftretende Entzündungsreaktion gelten freie Radikale in der Haut als wahrscheinliche Ursachen: Freie Sauerstoffradikale regen die Zellen an, vermehrt ein bestimmtes Signalmolekül namens ICAM-1 zu bilden, das an Entzündungsprozessen beteiligt ist. Wer eine polymorphe Lichtdermatose hat, bildet möglicherweise grössere Mengen dieses Signalmoleküls als Gesunde. Dies könnte erklären, warum die Haut bei Sonnenallergie empfindlicher auf UV-Strahlung reagiert. Ein weiterer Hinweis darauf, dass ein Ungleichgewicht zwischen Oxidantien und Antioxidantien hinter der Sonnenallergie stecken könnte, ist die Tatsache, dass das Antioxidans AGR (Alpha-Glucosylrutin) – auf die Haut aufgetragen – die Beschwerden der Sonnenallergie verringert.

Anzeige

4. Symptome

Bei der Sonnenallergie (polymorphe Lichtdermatose) treten die Symptome typischerweise verzögert ein: Es können wenige Stunden bis Tage nach der ursächlichen Sonneneinstrahlung vergehen, bis sich die krankhafte Reaktion der Haut auf die ungewohnte UV-A- und/oder UV-B-Strahlung zeigt.

So vielgestaltig sich die polymorphe Lichtdermatose auch entwickeln kann – bei jedem Menschen mit Sonnenallergie haben die Symptome stets die gleiche Form. Je nachdem, wie die Hautveränderungen aussehen, unterscheiden Mediziner drei Hauttypen einer Sonnenallergie:

  • Papulöser Typ (= Typ mit kleinen Hautverdickungen): Die meisten Menschen mit Sonnenallergie entwickeln kleine Hautverdickungen (sogenannte Papeln), die in ihrer Ausprägung und Form variieren. Bei diesem Typ kann man zwei Untergruppen unterscheiden:
    • Die Papeln sind sehr klein (1 bis 3 mm) und stehen meist dicht beieinander: sogenannter kleinpapulöser Typ.
    • Es kommt zu kleinen punktförmigen Einblutungen in die Haut: sogenannter hämorrhagischer Typ (sehr selten).
  • Plaque-Typ (= Typ mit flachen Hautveränderungen): In manchen Fällen verursacht die polymorphe Lichtdermatose sogenannte Plaques – das sind flache Hautveränderungen, die je bis zu zwei Zentimeter gross sind.
  • Papulovesikulöser Typ (= Typ mit Hautverdickungen und Bläschen): Dieser Sonnenallergie-Typ ist durch eine Kombination aus Papeln und verschieden grossen Bläschen (Vesikel, Bullae) gekennzeichnet. Es sind zwei Formen möglich:
    • Es bilden sich quaddelartige Papeln, in deren Mitte meist ein Bläschen sitzt: sogenannter Iktus-Typ.
    • Es entwickeln sich ausschließlich Bläschen und Blasen: sogenannter vesikulobullöser Typ (extrem selten).
Anzeige

5. Diagnose

Bei Verdacht auf eine Sonnenallergie (polymorphe Lichtdermatose) besteht der erste Schritt zur Diagnose darin, die Krankengeschichte zu erheben (sog. Anamnese). Angaben zum Verlauf der Hautveränderungen und zum Auftreten der Symptome (z.B. im Urlaub) können die Verdachtsdiagnose bestätigen.

Eine polymorphe Lichtdermatose kann mit sehr vielgestaltigen Hautveränderungen einhergehen, die anderen Hautkrankheiten ähneln können. Daher ist es bei einer Sonnenallergie zur Diagnose wichtig, andere Ursachen für die Hautsymptome – zum Beispiel Insektenstiche, ein photoallergisches Ekzem oder andere Reaktionen der Haut auf UV-Licht – auszuschliessen (sogenannte Differenzialdiagnose).

Um die Sonnenallergie-Diagnose zu sichern, kann der Arzt gezielt einen Hautbereich (z.B. den Oberarm) mit UV-Licht bestrahlen: Wenn eine polymorphe Lichtdermatose vorliegt, löst die UV-Bestrahlung die typischen Symptome aus. Dieses Verfahren heisst Photoprovokation.

Anzeige

6. Therapie

Gegen eine Sonnenallergie (polymorphe Lichtdermatose) stehen zur Therapie verschiedene Massnahmen zur Verfügung, die zwei unterschiedliche Ziele verfolgen:

  1. Akute Beschwerden der Sonnenallergie zu lindern (sogenannte symptomatische Behandlung) und
  2. den Ausbruch der Sonnenallergie zu verhindern (sogenannte prophylaktische Behandlung).

Akute Symptome der Sonnenallergie sind leicht zu behandeln. Die wichtigste Massnahme gegen eine akute polymorphe Lichtdermatose lautet Sonnenschutz: Wenn Sie bei akuter Sonnenallergie eine weitere Einwirkung von UV-Strahlung so weit wie möglich verhindern, können Sie damit rechnen, dass die Beschwerden der Sonnenallergie auch ohne weitere Behandlung schnell nachlassen. Um die Heilung der Sonnenallergie zu beschleunigen, kann zusätzlich eine örtlich anzuwendende Creme oder Lotion zum Einsatz kommen, die Kortikoide enthält. Um den mit der Sonnenallergie verbundenen Juckreiz zu lindern, sind Antihistaminika geeignet.

Deutlich aufwendiger ist es, den Ausbruch der Sonnenallergie wirksam zu verhindern. Das Wichtigste, was Sie hierzu tun können, ist: sich möglichst langsam an starke Sonnenstrahlung gewöhnen und für Sonnenschutz zu sorgen. Zur Vorbeugung der Sonnenallergie ist es unerlässlich, dass Sie sich ausreichend mit Sonnencreme und hautbedeckender Kleidung vor der Sonne schützen. Achten Sie darauf, dass Ihr Sonnenschutzmittel einen UV-A- und UV-B-Filter enthält und wählen Sie einen möglichst hohen Lichtschutzfaktor (30 bis 50). Für die prophylaktische Sonnenallergie-Therapie ist auch das Antioxidans AGR (Alpha-Glucosylrutin) – zusätzlich auf die Haut aufgetragen oder in Sonnenschutzmitteln enthalten – sinnvoll: Es kann die vorbeugende Wirkung des Sonnenschutzmittels gegen die polymorphe Lichtdermatose unterstützen.

Wenn Sie zum Beispiel im Winter einen Urlaub in einer sonnenreichen Region planen, so dass vorher eine langsame Gewöhnung an natürliches UV-Licht nicht möglich ist, bietet sich zur prophylaktischen Sonnenallergie-Behandlung eine Phototherapie an: Wiederholte Ganzkörperbestrahlungen mit UVA- und/oder UVB-Licht können helfen, eine polymorphe Lichtdermatose zu verhindern. Um die UV-Belastung hierbei so gering wie möglich zu halten, ist es ratsam, nicht ins Solarium zu gehen, sondern zu einem Facharzt, der solche Phototherapien anbietet.

Hilfe bei Sonnenallergie versprechen auch Omega-3-Fettsäuren: Ihre Einnahme kann unter Umständen dazu beitragen, dass die polymorphe Lichtdermatose geringer ausfällt. Dahingegen zeigen Vitamin B3 und Calcium – obwohl oft als Mittel gegen Sonnenallergie empfohlen – keine vorbeugende Wirkung. Und auch Antioxidantien (wie Betacarotin oder Vitamin E) in Form von Nahrungsergänzungsmitteln scheinen als prophylaktische Sonnenallergie-Therapie unwirksam zu sein.

Anzeige

7. Verlauf

Die Sonnenallergie (polymorphe Lichtdermatose) nimmt einen günstigen Verlauf: Die krankhafte Hautreaktion, die typischerweise mit einer Verzögerung von wenigen Stunden bis Tagen nach der ursächlichen Sonnenbestrahlung auftritt, verschwindet innerhalb mehrerer Tage von selbst wieder, ohne Spuren auf der Haut zu hinterlassen. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass die Haut keiner weiteren UV-Bestrahlung ausgesetzt ist.

In der Regel tritt die polymorphe Lichtdermatose dann auf, wenn die Sonneneinstrahlung ungewohnt hoch ist – wie zum Beispiel im Frühjahr/Sommer oder zu Beginn des Urlaubs. Ist die Haut mehrfach hintereinander der Sonne so ausgesetzt, dass sie mit den krankhaften Veränderungen reagiert, führt das bei den meisten Menschen mit Sonnenallergie dazu, dass sie sich im Verlauf des Sommers oder Urlaubs an die UV-Strahlung gewöhnen: Die Symptome der Sonnenallergie fallen dann im Allgemeinen zunächst immer schwächer aus, bis schliesslich auch hohe Strahlendosen keine Hautreaktionen mehr hervorrufen.

Insgesamt zeigt die Sonnenallergie allerdings einen chronischen Verlauf: In den nachfolgenden sonnenreichen Jahreszeiten oder Urlauben bricht die polymorphe Lichtdermatose immer wieder erneut aus – meist über Jahrzehnte. Das erste Mal tritt die Sonnenallergie überwiegend bei Kindern oder jungen Erwachsenen auf.

Anzeige

8. Vorbeugen

Einer Sonnenallergie (polymorphe Lichtdermatose) können Sie vorbeugen, indem sie auf einen ausreichenden Sonnenschutz achten – zum Beispiel in Form von bedeckender Kleidung, Hüten und Sonnenschutzmitteln mit hohem Lichtschutzfaktor (30 bis 50).

Darüber hinaus ist es zur Vorbeugung der Sonnenallergie wichtig, die Haut schrittweise an das Sonnenlicht zu gewöhnen und Sonnenbäder nur langsam in ihrer Stärke zu steigern. Für empfindliche Menschen ist es empfehlenswert, beim Sonnenbad möglichst auf Parfüms, Kosmetika und Deos zu verzichten, da sie die Entstehung einer polymorphen Lichtdermatose begünstigen können.

Bei bekannter Sonnenallergie können Sie deren Ausbruch vorbeugen, indem Sie sich einige Wochen vor einer erhöhten Sonneneinstrahlung (z.B. vor einem Urlaub) einer sogenannten Phototherapie unterziehen: Durch diese vorbeugende UV-Bestrahlung gewöhnen Sie ihre Haut vorab an das stärkere Sonnenlicht. Die Phototherapie beginnt in der Regel mit niedrig dosiertem UV-Licht, wobei sich die Dosis dann schrittweise steigert. Eine Alternative zur Phototherapie ist die Photochemotherapie (PUVA): Bei ihr verabreicht der Arzt zuerst eine Substanz, die die Haut für Licht empfindlicher macht, und bestrahlt die Haut dann mit UV-A-Licht.

Anzeige