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1. Überblick

Die meisten Erwachsenen haben Spannungskopfschmerzen schon einmal erlebt: ein dumpfer, drückender bis ziehender Schmerz, der sich zunächst im Stirn- und Nackenbereich bemerkbar macht und dann ausbreitet.

Der Spannungskopfschmerz ist der häufigste Kopfschmerz: Etwa 90 Prozent der Menschen sind irgendwann in ihrem Leben einmal davon betroffen, aber nur bei wenigen werden die Spannungskopfschmerzen chronisch.

Tritt Spannungskopfschmerz nur hin und wieder auf – an weniger als 15 Tagen im Monat beziehungsweise unter 180 Tagen im Jahr – sprechen Mediziner von einem episodischem Spannungskopfschmerz. Kommt er häufiger vor, handelt es sich um einen chronischen Spannungskopfschmerz.

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Spannungskopfschmerzen sind nicht auf eine Seite des Kopfs begrenzt, sondern treten meistens beidseitig auf – vor allem im Bereich der Schläfen. Häufig fühlt sich der Schmerz wie eine Art «Ring um den Kopf» an. Im Gegensatz zu anderen Kopfschmerzarten wie der Migräne sind die Schmerzen normalerweise nicht so stark, dass sie Betroffene von alltäglichen Arbeiten abhalten. Sie stellen vielmehr eine ständige Störquelle im Hintergrund dar.

Ursache von Spannungskopfschmerzen können Muskelverspannungen im Bereich von Nacken, Schulter, Gesichts und Augen sein. Diese Verspannungen treten insbesondere durch monotone, statische Körperhaltungen wie bei Computerarbeit oder langen Autofahrten auf. Wer diese einseitige körperliche Belastung durch Sport ausgleicht, wirkt den Verspannungen und damit dem Spannungskopfschmerz entgegen.

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Bei der Diagnose schliesst der Arzt andere Kopfschmerzarten und mögliche Grunderkrankungen von Kopfschmerzen aus. Dazu befragt er den Betroffenen nach Art, Intensität und Dauer der Schmerzen. Ausserdem interessieren ihn mögliche Auslöser der Beschwerden. Dabei kommen zum Beispiel auch dauerhaft eingenommene Schmerzmittel und andere Medikamente infrage.

Bei Spannungskopfschmerzen ist es wichtig, die Auslöser soweit wie möglich zu vermeiden. Dabei können Entspannungsübungen, Stressbewältigung und Sport helfen. Bei akuten Schmerzen sind ausserdem oft physikalische Massnahmen sinnvoll, zum Beispiel die Schläfen zu kühlen oder mit kreisenden Bewegungen zu massieren. Schmerzmittel können die Beschwerden lindern. Manchmal helfen auch natürliche Wirkstoffe wie Pfefferminzöl auf Schläfen und Nacken bei Spannungskopfschmerzen. Bei chronischen (also immer wiederkehrenden) Spannungskopfschmerzen verschreiben Ärzte manchmal auch sogenannte trizyklische Antidepressiva – insbesondere wenn Betroffene infolge der häufigen Schmerzen unter Depressionen leiden.

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Meistens lassen sich Spannungskopfschmerzen gut behandeln und damit chronische Kopfschmerzen verhindern. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Spannungskopfschmerzen rechtzeitig erkannt und behandelt werden. Dabei ist es wichtig, dass Betroffene ihre persönlichen Kopfschmerz-Auslöser kennen und wissen, wie sie sie vermeiden können.

2. Definition

Der Spannungskopfschmerz ist ein dumpfer, drückender bis ziehender Kopfschmerz. Er tritt überwiegend episodisch auf, das heisst: Der Kopf schmerzt mindestens an einem, allerdings an weniger als 15 Tagen im Monat beziehungsweise 180 Tagen im Jahr. Die Kopfschmerzen können von einer halben Stunde bis zu einer Woche andauern. Chronischer, also dauerhafter beziehungsweise häufig wiederkehrender Spannungskopfschmerz kommt bei Männern seltener vor als bei Frauen. Der drückend-ziehende Schmerz fühlt sich für die meisten Betroffenen an wie ein «Ring um den Kopf».

Häufigkeit

Spannungskopfschmerzen kommen sehr häufig vor: Etwa 90 Prozent der Menschen leiden irgendwann in ihrem Leben unter Spannungskopfschmerzen und etwa 3 Prozent der Bevölkerung sind chronisch davon betroffen. Bei Frauen treten chronische und episodische Spannungskopfschmerzen etwas häufiger auf als bei Männern.

3. Ursachen

Spannungskopfschmerz kann verschiedene Ursachen haben, unter anderem Muskelverspannungen im Nacken- und Schulterbereich sowie im Bereich der Augen- und Gesichtsmuskeln. Weitere Auslöser oder verstärkende Faktoren sind zudem Stress und psychosomatische Ursachen sowie Fehlhaltungen im Bereich der Halswirbelsäule. Allerdings sind sowohl beim akuten wie beim chronischen Spannungskopfschmerz die Ursachen nicht immer erkennbar.

Treten die Schmerzen gelegentlich auf, sind die Auslöser wie die oben genannten oft noch erkennbar – bei Menschen mit chronischem Spannungskopfschmerz sind die Ursachen meist nicht mehr ersichtlich.

Experten diskutieren bei Spannungskopfschmerzen als weitere Ursachen Veränderungen im schmerzverarbeitenden System des Gehirns, die auch langfristig durch Faktoren wie Muskelverspannungen, Stress und Angst ausgelöst werden können.

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Möglicherweise steigert sich bei Personen mit chronischen Spannungskopfschmerzen nach und nach die Schmerzempfindlichkeit, so dass sie Schmerzreize bereits bei geringen Verspannungen stärker spüren als gesunde Menschen.

Auch Schmerzmittel und andere Medikamente kommen bei Spannungskopfschmerz als Ursachen infrage. Werden sie auf Dauer zu häufig eingenommen, können sie Kopfschmerzen hervorrufen. Experten schätzen, dass ein bis zwei Prozent der Bevölkerung an Kopfschmerzen durch Medikamente leiden und grenzen dies von klassischen Spannungskopfschmerzen ab.

Psychosomatische Ursachen

In vielen Fällen lassen sich für Spannungskopfschmerz psychosomatische Ursachen finden. Der Begriff «psychosomatisch» umfasst die Wörter psyche (Seele) und soma (Körper). Psychosomatische Erkrankungen können entstehen, wenn sich Probleme oder seelische Krankheiten in Form körperlicher Beschwerden äussern. Dasselbe gilt auch andersherum: Körperliche Beschwerden können ihrerseits psychische Probleme nach sich ziehen.

Das vegetative Nervensystem bildet eine Brücke zwischen Psyche und Körper. So reagiert der Körper auf Angst- oder Stresssituationen zum Beispiel mit einem erhöhten Herzschlag und gesteigerter Durchblutung. Dauert die Überbelastung zu lange an, können psychosomatische (auch: somatoforme) Störungen auftreten. Äussern sich diese in dauerhaften Schmerzen wie dem Spannungskopfschmerz, so wird wiederum eine Stresssituation geschaffen. Angst vor Schmerzen und Stress entstehen, womit sich der Teufelskreis schliesst.

Zu den psychosomatischen Ursachen von Spannungskopfschmerz gehören zum Beispiel Stress, Konfliktsituationen oder zu wenig Schlaf.

4. Symptome

Spannungskopfschmerz zeigt sich anhand typischer Symptome: Er macht sich tagsüber im Stirnbereich, aber auch an den Schädelseiten bemerkbar, ohne genau lokalisierbar zu sein. Der Kopfschmerz ist dumpf und drückend und tritt vor allem in der Schläfengegend auf. Er kann sich aber auch auf den ganzen Kopf ausbreiten. Oft beginnen bei Spannungskopfschmerz die Symptome vormittags und verstärken sich zum Nachmittag hin, im Prinzip können sie aber zu jeder Tageszeit auftreten. Die Schmerzen werden selten so stark, dass der Betroffene sozial eingeschränkt oder nicht mehr arbeitsfähig ist, sondern äussern sich eher wie eine ständige Störquelle im Hintergrund.

Spannungskopfschmerzen können episodisch (weniger als 180 Tage im Jahr) oder chronisch (mehr als 180 Tage im Jahr) auftreten. In seltenen Fällen begleiten den Spannungskopfschmerz weitere Symptome, die eher typisch für die Migräne sind:

Anstelle von einem Spannungskopfschmerz deuten diese Symptome eher auf eine Migräne hin, wenn sie stark ausgeprägt sind oder mit einseitigen, pulsierenden Schmerzen einhergehen. Bei chronischen Spannungskopfschmerzen können infolge der Dauerbelastung auch Depressionen und andere psychische Probleme hinzukommen.

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5. Diagnose

Um bei Spannungskopfschmerz die richtige Diagnose zu stellen, ist es – wie bei Migräne – wichtig, die Ursachen eindeutig abzuklären. Dabei gilt es, zum Beispiel einen Hirntumor, Kopfverletzungen oder eine Hirnhautentzündung auszuschliessen. Ernsthafte Erkrankungen sind aber eher selten für Spannungskopfschmerzen verantwortlich.

Ohne einen Arzt zu konsultieren beziehungsweise zu befragen, sollten Sie keinesfalls über mehrere Tage oder sogar Wochen Kopfschmerzmittel einnehmen. Es können sonst Nebenwirkungen auftreten wie Magen-Darm-Beschwerden, Geschwüre, Blutungen, ein sogenannter Analgetikakopfschmerz (also durch Schmerzmittel hervorgerufene Kopfschmerzen) bis hin zu einer Schädigung der Nieren (Analgetikanephropathie).

Der Arzt wird die Spannungskopfschmerzen zur Diagnose von anderen Kopfschmerzformen wie Migräne, Kombinationskopfschmerz (tägliche Kopfschmerzen vom Spannungstyp, die von Migräneattacken überlagert werden), Schmerzmittelkopfschmerz oder Cluster-Kopfschmerz abgrenzen.

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Folgende Merkmale weisen auf einen Spannungskopfschmerz hin:

  • Wenigstens zehn vorangegangene Kopfschmerzepisoden entsprechend den folgend aufgeführten Bedingungen sind aufgetreten:
  • Die Kopfschmerzdauer beträgt zwischen 30 Minuten und 1 Woche.
  • Wenigstens zwei der folgenden Schmerzeigenschaften treffen zu:

    1. Schmerzqualität: Die Schmerzen fühlen sich drückend bis ziehend, nicht pulsierend an
    2. Leichte bis mäßige Schmerzintensität, die bei alltäglichen Aktivitäten zwar stören kann, sie aber nicht unmöglich macht
    3. Schmerzen auf beiden Seiten
    4. Keine Verstärkung durch Treppensteigen oder vergleichbare körperliche Aktivitäten

  • Beide der folgenden Bedingungen treffen zu:

    1. Keine starke Übelkeit oder Erbrechen (Appetitlosigkeit kann vorkommen)
    2. Licht- und Lärmüberempfindlichkeit können auftreten – aber nicht gleichzeitig

  • Der Spannungkopfschmerz lässt sich auf keine andere Diagnose zurückführen.

Tritt der Spannungskopfschmerz an weniger als 15 Tagen im Monat beziehungsweise 180 Tagen im Jahr auf, lautet die Diagnose «episodische Spannungskopfschmerzen»; bei Kopfschmerzen, die häufiger auftreten, sprechen Ärzte von chronischen Spannungskopfschmerzen.

6. Therapie

Gegen Spannungskopfschmerz empfiehlt es sich, zunächst eine Therapie zu beginnen, die die Ursache ausschaltet. Dabei stehen vor allem Entspannungsübungen, Stressbewältigung und Sport im Vordergrund. Bei akutem Spannungskopfschmerz können physikalische Massnahmen die Therapie ergänzen. Die Durchblutung des Gehirns lässt sich durch Kältereize auf der Stirn oder wechselwarme Fussbäder fördern. Gegen die Verspannungen helfen Wärmereize im Nacken durch heisse Kompressen, ein warmes Vollbad oder Massagen.

Mithilfe von Zeige- und Mittelfinger oder dem Handballen ist eine Eigenmassage möglich: Mit kreisenden Bewegungen leichten Druck auf die Schläfen ausüben.

Episodischer Spannungsopfschmerz

Bei gelegentlich auftretendem Spannungskopfschmerz helfen auch Schmerzmittel (Analgetika).

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Analgetika

Bei der Einnahme von Analgetika (Schmerzmitteln) ist es wichtig, folgende Punkte zu beachten:

  • Vorsicht: Analgetika nur kurze Zeit und kontrolliert anwenden! Hierbei gilt: Die Schmerzmittel maximal an zehn Tagen im Monat einnehmen, um keinen durch Medikamente verursachten Dauerkopfschmerz zu riskieren.
  • Beispiele für gängige Wirkstoffe sind Acetylsalicylsäure, Paracetamol, Ibuprofen, Naproxen oder Metamizol. Medikamente, die mehrere Wirkstoffe kombinieren, sind dagegen bei Spannungskopfschmerz zur Therapie nicht empfehlenswert.
  • Besprechen Sie mit einem Arzt, welche Medikamente und wie lange Sie diese bei Spannungskopfschmerzen einnehmen können.

Chronischer Spannungskopfschmerz

Insbesondere bei chronischen Spannungskopfschmerzen ist es wichtig, dass Betroffene Schmerzmittel (z.B. Acetylsalicylsäure, Paracetamol etc.) an höchstens zehn Tagen im Monat einnehmen, um einen Schmerzmittel-Übergebrauch und damit verbundene Analgetikakopfschmerzen zu vermeiden.

Bei chronischen Spannungskopfschmerzen kommen zur Therapie beziehungsweise zur Vorbeugung auch sogenannte trizyklische Antidepressiva (z.B. der Wirkstoff Amitriptylin) zum Einsatz.

Diese beeinflussen die Schmerzwahrnehmung im Gehirn und erhöhen die bei chronischem Spannungskopfschmerz oft herabgesetzte Schmerzschwelle. Ob die Behandlung wirkt, lässt sich erst nach etwa vier bis acht Wochen abschätzen. Allerdings können rasch Nebenwirkungen auftreten.

Natürliche Wirkstoffe

Bei Spannungskopfschmerzen sind häufig auch natürliche Wirkstoffe hilfreich. Synthetische Schmerzmittel können bei Spannungskopfschmerz zwar akut die Schmerzen lindern, an der Ursache ändern sie jedoch nichts. Besteht etwa ein Teufelskreis aus Stress, depressiver Verstimmung, Schmerz und weiterem Stress, lässt sich dieser Teufelskreis oft durch natürliche Präparate durchbrechen.

Hierzu kann der Betroffene Pfefferminzöl grossflächig auftragen, zum Beispiel auf Schläfen und Nacken.

Nicht-medikamentöse Behandlungsmethoden

Da bei Spannungskopfschmerzen eine medikamentöse Therapie häufig nicht alleine wirksam ist, kann zusätzlich eine verhaltenstherapeutische Behandlung sinnvoll sein. Als therapeutische Verfahren kommen psychologische Schmerzbewältigung (z.B. progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Stressbewältigungstraining sowie eine sogenannte Biofeedback-Therapie infrage. Auch ein Kopfschmerztagebuch ist sinnvoll, in dem der Betroffene notiert, wie häufig, wie stark und wie lange er Spannungskopfschmerzen hat, was er dagegen tut (z.B. Art und Menge der Schmerzmittel, physikalische Massnahmen) sowie Auslöser und Begleitsymptome. Die Betroffenen lernen so mehr über ihre persönlichen Stressfaktoren und wie sie ihnen gezielt entgegenwirken können.

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Weiterhin hilfreich sind:

  • eine bewusste Gestaltung des Alltags
  • körperliches Ausdauertraining (z.B. Joggen, Schwimmen oder Radfahren zwei- bis dreimal pro Woche)
  • richtiges Sitzen am Arbeitsplatz
  • Krankengymnastik (z. B. mit Training der Nacken- und Schultermuskulatur)
  • Akupunktur, Akupressur und transkutane Nervenstimulation (TENS)

7. Verlauf

Der episodische Spannungskopfschmerz nimmt in der Regel einen guten Verlauf, denn er lässt sich durch verschiedene Massnahmen wirksam behandeln – wenn er frühzeitig erkannt wird. Dies gilt vor allem, wenn die Betroffenen die auslösenden Faktoren und vorbeugende Massnahmen (Sport, Entspannungstraining, z.B. nach Jacobson) gut kennen und letztere regelmässig anwenden. So lässt sich ein chronischer Spannungskopfschmerz oft vermeiden. Chronische sowie episodische Spannungskopfschmerzen entwickeln sich in vielen Fällen auch von allein dauerhaft zurück (spontane Remission), eine unterstützende Behandlung ist aber ratsam.

8. Vorbeugen

Spannungskopfschmerz lässt sich teilweise vorbeugen – wer im Vorfeld etwas gegen die Spannungskopfschmerzen tun möchte, sollte die beeinflussbaren Auslöser möglichst vermeiden und zusätzlich mit Bewegung den Verspannungen entgegenwirken. Dazu eignen sich zum Beispiel Schwimmen oder Nordic Walking. Auch regelmässige krankengymnastische Bewegungsübungen für die Rücken- und Schultermuskulatur können mitunter Spannungskopfschmerz vorbeugen.