1. Home
  2. Gesundheit
  3. Krankheit
  4. Spinaliom (Plattenepithelkarzinom, Stachelzellkarzinom)

Von

1. Überblick

Das Spinaliom – auch Plattenepithelkarzinom oder Stachelzellkarzinom genannt – ist ein bösartiger Tumor der Haut.

Ein Spinaliom entsteht durch chronische Hautschäden, vor allem bei älteren, hellhäutigen Menschen, die sich viel Sonnenlicht aussetzen. Weil sich das Plattenepithelkarzinom oberflächlich auf der Haut befindet, kann man diesen Tumor früh bemerken. Der Übergang vom vorgeschädigten Hautbereich hin zum Krebs vollzieht sich jedoch häufig unbemerkt.

Neben der UV-Strahlung durch das Sonnenlicht gibt es noch weitere Risikofaktoren, welche die Entstehung von Spinaliomen begünstigen. Dazu gehören zum Beispiel chronische Wunden, Narben, eine Strahlenbelastung oder bestimmte krebsauslösende Stoffe.

Ein Spinaliom fällt dadurch auf, dass sich die Haut im betroffenen Bereich verändert und dabei recht unterschiedlich aussehen kann. Die Hautveränderungen reichen von geröteten, etwas erhabenen oder schuppigen Flecken bis hin zu leicht blutenden Knoten. Dennoch sind diese Anzeichen oft so typisch, dass ein Hautarzt schon mit blossem Auge erkennt, dass ein bösartiger Hauttumor vorliegt. Um sicher festzustellen, dass es sich um ein Spinaliom (Plattenepithelkarzinom) handelt, entnimmt der Arzt eine Probe aus der auffälligen Hautstelle (Biopsie). Ein Gewebespezialist kann mikroskopisch dann die Diagnose bestätigen.

Da ein Spinaliom Tochtergeschwulste (Metastasen) bilden kann, untersucht der Arzt nicht nur die Haut. Er tastet auch die benachbarten Lymphknoten ab oder untersucht sie mittels Ultraschall. Besteht der Verdacht, dass der Tumor bereits in entfernte Körperregionen gestreut hat, sind bildgebende Verfahren notwendig: Auf Röntgen- oder Computertomographie-Bildern kann der Arzt dann erkennen, ob zum Beispiel die Lunge bereits befallen ist.

Wie bei vielen anderen Krebserkrankungen gilt auch beim Spinaliom: Je früher der Tumor erkannt und behandelt wird, umso besser sind die Heilungschancen. Kleine Plattenepithelkarzinome haben meist noch nicht gestreut. Der Arzt versucht dann, den Tumor komplett aus der Haut zu schneiden. Sind benachbarte Lymphknoten befallen, entnimmt der Arzt sie ebenfalls. Neben solchen Operationen sind in manchen Fällen auch eine Bestrahlung oder eine Chemotherapie angebracht. Wichtig sind auch engmaschige Nachsorge-Untersuchungen, damit der Arzt früh genug feststellen kann, wenn der Tumor nach einer abgeschlossenen Therapie zurückgekehrt ist (sog. Rezidiv).

Anzeige

2. Definition

Unter einem Spinaliom (Plattenepithelkarzinom) versteht man einen bösartigen Tumor der Haut, der von den Zellen des Stratum spinosum abstammt. Das Stratum spinosum (Stachelzellschicht) ist, von innen nach aussen betrachtet, die zweite der fünf Schichten der Oberhaut (Epidermis).

Die Oberhaut ist aus einem mehrschichtigen verhornenden Plattenepithel aufgebaut. Dementsprechend handelt es sich bei einem bösartigen Tumor dieses Plattenepithels um ein sogenanntes Plattenepithelkarzinom der Haut. Zu den Plattenepithelkarzinomen gehören zum Beispiel Krebserkrankungen der Haut von Lippen, Händen, Gesicht, sowie der Haut des Penis oder der Vulva. Nach dem Basaliom (Basalzellkarzinom) ist das Plattenepithelkarzinom der zweithäufigste Hauttumor.

Ein Spinaliom tritt meist im höheren Lebensalter auf – die betroffenen Patienten sind im Durchschnitt 70 Jahre alt. Das Spinaliom (Plattenepithelkarzinom) kommt eher bei Männern als bei Frauen vor. Besonders hellhäutige Menschen sind häufiger betroffen. In Mitteleuropa gibt es jährlich pro 100'000 Einwohner etwa 20 bis 30 Spinaliom-Neuerkrankungen.

Ein Spinaliom bildet sich bevorzugt an:

  • Unterlippe
  • Geschlechtsteilen und
  • Mundschleimhaut

Im Verlauf der Erkrankung kann das Plattenepithelkarzinom Tochtergeschwulste (Metastasen) in den Lymphknoten oder anderen Geweben bilden, zum Beispiel in Knorpel, Muskel und Knochen. Etwa 5 von 100 der Patienten mit einem Spinaliom sind davon betroffen.

Anzeige

3. Ursachen

Vorschädigungen

Ein Spinaliom (Plattenepithelkarzinom) entsteht durch Veränderungen des Erbguts (DNA) in den Hautzellen. Hauptursache hierfür ist die langfristige Sonnenbestrahlung. Aber auch andere Faktoren können die Haut so vorschädigen, dass sich ein Spinaliom entwickelt. Zu diesen Faktoren gehören beispielsweise:

  • chronische Wunden und Entzündungen
  • bestimmte Hautkrankheiten
  • Narben und Verbrennungen
  • ionisierende Strahlen, wie Röntgen- oder Gammastrahlen
  • Kontakt mit krebsauslösenden Stoffen, z.B. Arsen und Teerinhaltstoffen

Plattenepithelkarzinom Vorschädigung
Lippenkrebs
  • Chronische Entzündungen bei Pfeifenrauchern, Glasbläsern
  • Langjährige Sonnenbestrahlung
  • Leukoplakie
Hautkrebs des Gesichts
  • Verbrennungsnarben
  • Langjährige Sonnenbestrahlung
Hautkrebs der Hände
  • Langjährige Sonnenbestrahlung
  • Kontakt mit krebsauslösenden Stoffen wie Arsen, Teer
Peniskrebs
  • Phimose, also eine Verengung der Vorhaut, die eine Entfernung des Vorhaut-Talks erschwert und chronische Entzündungen begünstigt
  • Chronische Schleimhautveränderungen des höheren Lebensalters (Leukoplakie oder Lichen sclerosus et atrophicans)
Vulvakrebs
  • Chronische Entzündungen der Geschlechtsorgane
  • Chronische Schleimhautveränderungen des höheren Lebensalters (Leukoplakie oder Lichen sclerosus et atrophicans)

Immunschwäche

Menschen mit einer verminderten Immunabwehr haben ein erhöhtes Risiko für die Entstehung von Spinaliomen und einen meist ungünstigen Krankheitsverlauf. Dies gilt beispielsweise für Personen, deren Immunsystem durch eine Organtransplantation oder eine HIV-Infektion geschwächt ist.

4. Symptome

Beim Spinaliom (Plattenepithelkarzinom) treten Symptome an der Haut auf, zum Beispiel an den Lippen, Händen oder im Gesicht. Da es sich um oberflächlich liegende Tumoren handelt, sind sie bereits mit blossem Auge ohne Hilfsmittel gut erkennbar. Der Übergang aus der chronischen Vorschädigung hin zum Krebs verläuft meist unbemerkt. Hinweise auf ein Spinaliom beziehungsweise Plattenepithelkarzinom sind folgende Symptome der Haut:

  • Knötchen
  • Verhornungen
  • Verkrustete, schuppende und gerötete Flecken

Im weiteren Krankheitsverlauf bildet sich ein derber Knoten, der wenig bis gar keine Schmerzen verursacht, aber leicht bluten kann. Mit zunehmendem Wachstum zerstört der Stachelzellkrebs benachbartes Gewebe und breitet sich in Höhe und Tiefe weiter aus.

Anzeige

5. Diagnose

Schon anhand der typischen Hautveränderungen erkennt der Hautarzt ein Spinaliom (Plattenepithelkarzinom). Die Diagnose sichert er, indem er eine Gewebeprobe (Biopsie) des Tumors entnimmt und untersuchen lässt.

Ein Spinaliom kann streuen – deshalb ist auch die Diagnose möglicher Tochtergeschwulste (Metastasen) wichtig. Der Hautarzt tastet dazu die Lymphknoten ab, die sich in der Nähe des Spinalioms befinden. Gegebenenfalls untersucht er sie auch mittels Ultraschall. Um Fernmetastasen, zum Beispiel in der Lunge, auszuschliessen, können auch eine Röntgenuntersuchung oder eine Computertomographie (CT) der Lunge nötig sein.

Anzeige

6. Therapie

Eine Spinaliom-Therapie ist besonders aussichtsreich, wenn sie in einem frühen Stadium der Erkrankung beginnt: Je eher der Arzt ein Spinaliom (Plattenepithelkarzinom) behandelt, desto besser sind die Heilungschancen. Die beste Therapie besteht in einer operativen Entfernung des Tumors und verdächtiger Lymphknoten. Kann der Arzt das Spinaliom wegen seiner Lage und Ausbreitung nicht entfernen, erfolgt eine Strahlentherapie, mitunter in Kombination mit einer Chemotherapie oder einer sogenannten Chemo-Immuntherapie. Eine Strahlentherapie ist auch dann sinnvoll, wenn der Arzt das Plattenepithelkarzinom nur unvollständig entfernen konnte und/oder Lymphknoten vom Krebs befallen sind.

Sobald Fernmetastasen beim Spinaliom vorliegen, entscheiden die behandelnden Ärzte gemeinsam mit dem Patienten individuell, ob eher eine Operation oder Strahlentherapie als lebensverlängernde Massnahme sinnvoll ist. Auch eine Chemotherapie eignet sich für fortgeschrittene Krankheitsstadien des Spinalioms.

Anzeige

7. Verlauf

Das Spinaliom (Plattenepithelkarzinom) nimmt einen günstigeren Verlauf und hat eine bessere Prognose, wenn der Arzt den Tumor in einem frühen Stadium erkennt und entsprechend behandelt: Plattenepithelkarzinome mit einem Durchmesser kleiner als zwei Zentimeter bilden selten Tochtergeschwulste (Metastasen) und haben daher die beste Prognose. Sobald Metastasen vorhanden sind, verschlechtert sich die Prognose wesentlich.

Wichtig beim Spinaliom ist die regelmässige Nachuntersuchung beim Arzt, die je nach Metastasen- oder Rezidiv-Risiko (Wiederauftreten des Tumors) in der ersten Zeit alle drei bis sechs Monate stattfindet.

Anzeige

8. Vorbeugen

Einem Spinaliom (Plattenepithelkarzinom) können Sie am besten vorbeugen, indem Sie Risikofaktoren meiden. Beispielsweise indem Sie:

  • die Dauer der Sonnenbestrahlung einschränken.
  • für ausreichenden Lichtschutz sorgen.
  • den Kontakt zu krebsauslösenden Stoffen meiden.
  • als Mann eine Vorhautverengung, die Sie beim Säubern der Eichel behindert, beseitigen.

Wichtig ist auch, dass Sie Ihre Haut regelmässig selbst untersuchen, um ein Spinaliom frühzeitig zu entdecken. Ausserdem empfiehlt es sich, die gesetzliche Hautkrebs-Vorsorge wahrzunehmen. Bei einer unklaren Hautveränderung sollten Sie unverzüglich zum Arzt gehen.

Anzeige