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1. Überblick

Kinder stottern, poltern oder stammeln zwar oft auffällig, wenn sie sprechen lernen – dies hört aber bald von selbst wieder auf. Stottert, poltert oder stammelt ein Kind jedoch weiter, hat es möglicherweise eine Sprachstörung und / oder Sprechstörung, die eine geeignete Behandlung nötig macht.

Bei Sprechstörungen sind Redefluss und Lautbildung beziehungsweise Aussprache (Artikulation) der Sprache gestört, was in der Regel bis zu einem Alter von fünf Jahren in einem gewissen Ausmass normal ist. Bei Kindern mit Sprachstörungen hingegen sind die Sprachentwicklung und das Sprachverständnis nicht altersgerecht. Stottern ist eine Sprechstörung, während Poltern und Stammeln kombinierte Sprach- und Sprechstörungen sind:

  • Beim Stottern (Balbuties) ist der Redefluss gestört und durch stottertypisches unflüssiges Sprechen gekennzeichnet.
  • Beim Poltern ist die Sprechgeschwindigkeit erhöht; die Betroffenen machen viele Fehler.
  • Beim Stammeln (Dyslalie) treten Fehler in der Lautbildung auf, die für das Entwicklungsalter nicht normal sind.
     

Zu Stottern, Poltern und Stammeln kann es kommen, wenn Kinder keine normale Sprachentwicklung durchlaufen. Worin genau die Ursachen der Sprachstörungen und Sprechstörungen liegen, bleibt manchmal unklar.

Allgemein können erbliche, körperliche und psychosoziale Einflüsse bei der Entstehung solcher Störungen eine Rolle spielen. Allerdings können Stottern, Poltern und Stammeln auch durch viele andere Faktoren (z.B. Zweisprachigkeit, Hörstörungen, verminderte Intelligenz) bedingt sein, weshalb eine gründliche Diagnose ratsam ist.

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2. Definition

Stottern, Poltern und Stammeln sind verschiedene Störungen des Sprechens und / oder der Sprache:

  • Bei Sprechstörungen sind Redefluss und Lautbildung beziehungsweise Aussprache (Artikulation) der Sprache gestört – Fähigkeiten, für die eine koordinierte Zusammenarbeit der motorischen und sensorischen Sprachregion des Gehirns, des Sprechapparats und der Stimme nötig ist. Eine Sprechstörung geht mit einer beeinträchtigten motorischen Lauterzeugung einher und kann die mündliche (verbale) Verständigung behindern. Sprechstörungen sind in der Regel bis zu einem Alter von fünf Jahren in einem gewissen Ausmass normal.
  • Bei Sprachstörungen sind Sprachentwicklung und Sprachverständnis nicht altersgerecht entwickelt. Unter anderem können einzelne körperliche Erkrankungen, besonders des Nervensystems, die normale Entwicklung der Sprache verlangsamen oder eine bereits erlernte Sprachfähigkeit wieder vermindern. Daher können Sprachstörungen bei Kindern Anzeichen für seltene und komplexe Krankheiten sein.

Stottern (auch Balbuties genannt) ist eine Sprechstörung, bei welcher der Redefluss durch Verspannungen der Sprechmuskulatur und / oder schnelle Wiederholungen von Lauten, Silben oder Wörtern unterbrochen ist – es entstehen stottertypische Sprechunflüssigkeiten. Etwa 5 Prozent der 5-jährigen Jungen und 2 Prozent der 5-jährigen Mädchen sind Stotterer.

Poltern ist eine Kombination aus Sprachstörung und Sprechstörung, bei der das Sprechtempo überstürzt und unregelmässig ist und das Sprechen mit vielen Fehlern einhergeht, so dass die Verständlichkeit beeinträchtigt ist. Die Störung liegt nicht im Sprechvorgang selbst, sondern in der gedanklichen Vorbereitung. Das Poltern kommt bei etwa 1 bis 1,5 Prozent der 7-jährigen Kinder vor.

Stammeln (auch Dyslalie genannt) ist ebenfalls eine kombinierte Sprach- und Sprechstörung – wer stammelt, macht Fehler in der Lautbildung, die für das Entwicklungsalter nicht normal sind. Etwa 7 Prozent der 5-jährigen Jungen und 2 Prozent der 5-jährigen Mädchen haben eine solche deutlich ausgeprägte Lautbildungsstörung.

Sprachentwicklung

Sprach- und Sprechstörungen wie Stottern, Poltern und Stammeln können entstehen, wenn bei Kindern keine normale Sprachentwicklung stattfindet.

Sprache ist unser wichtigstes Mittel zur Kommunikation mit der Umwelt. Die «normale» Sprache entsteht durch ein erstaunliches Zusammenspiel von Muskeln, Knochen, Bindegewebsapparat, Zahnstellung und Form der Stimmbänder. Der Sprechvorgang ist zwar untrennbar mit unseren Gefühlen verbunden, für seine Steuerung ist trotzdem das Gehirn zuständig. Die Sprachentwicklung von Kindern läuft so ab:

  • Zwischen dem 3. und 5. Lebensmonat beginnt die wahrnehmbare Sprachentwicklung mit der Bildung von ersten Vokalen und Blas- sowie Schreilauten.
  • Danach verwenden Kinder zunehmend mehr Konsonanten.
  • Ab dem 6. Monat beginnen Kinder, Sprache nachzuahmen. Lange Zeit ist dabei das Sprachverständnis (rezeptive Sprache) weiterentwickelt als der sprachliche Ausdruck (expressive Sprache).
  • Zwischen 12 und 18 Monaten sprechen Kleinkinder die ersten Wörter.
  • Im Alter von 2 Jahren sind Zweiwortsätze die Regel.
  • Ab dem Kindergartenalter können sie sich dann in vollständigen und grammatikalisch meist richtigen Sätzen unterhalten, auch wenn sie teilweise noch Schwierigkeiten mit der richtigen Aussprache haben.

 

Wenn ein Kleinkind sprechen lernt, sind Stottern, Poltern oder Stammeln oft auffällige Anteile der normalen Sprachentwicklung – bald lassen sie von selbst wieder nach. In manchen Fällen treten jedoch Mängel in der Sprachentwicklung auf, die zu Sprachstörungen und Sprechstörungen im Kindesalter führen: Dann ist eine geeignete Behandlung nötig.

Sprechen erscheint für den Gesunden ganz einfach – es geschieht fast wie von selbst. Jedoch sind bei einem so komplexen System viele Störungen, Behinderungen und Einflüsse möglich, die uns «die Sprache verschlagen» können. Um Störungen des Sprechens und der Sprache – wie Stottern, Poltern oder Stammeln – bei Kindern zu erkennen und zu behandeln, ist es je nach Fall wichtig, dass Fachleute verschiedener Bereiche zusammenarbeiten: Dies sind zum Beispiel Kinderärzte, Kinder- und Jugendpsychiater, Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Neurologen oder Sprachheiltherapeuten (Logopäden).

3. Ursachen

Worin Stottern, Poltern und Stammeln ihre Ursachen haben, ist aufgrund der Komplexität von Sprache und Sprechen nicht immer genau einzugrenzen.

Allgemein kommen für die Entstehung von Sprech- und Sprachstörungen erbliche, körperliche und psychosoziale Faktoren infrage. Jedoch ist es immer ratsam, andere Ursachen für das Stottern, Poltern und Stammeln durch eine umfassende Diagnostik auszuschliessen: So kann auch Folgendes für die Entstehung einer Sprech- und Sprachstörung verantwortlich sein:

  • gesellschaftliche und kulturelle Faktoren (z.B. Zweisprachigkeit),
  • Beeinträchtigungen im Bereich der Bewegungsabläufe (Motorik) oder der Sinne (z.B. Hörstörungen) sowie
  • eine verminderte Intelligenz.

Stottern

Stottern (Balbuties) hat meist viele verschiedene Ursachen, bestehend aus psychischen, neurologischen und erblichen Komponenten:

  • Psychogene Ursachen: Zu einem grossen Teil bestimmen die Umstände der ersten Lebensjahre und der Sprachentwicklung das Stottern. Bei fast 70 Prozent der Stotterer kann man psychogene Einflüsse nachweisen und nur bei 20 Prozent kann man sie sicher ausschliessen.
  • Neurologische Ursachen: Ein Grossteil der stotternden Kinder weist auffällige organische Befunde am Gehirn auf. Ausserdem tritt bei Kindern mit einer Hirnschädigung in 20 Prozent aller Fälle Stottern auf.
  • Erbliche Ursachen: Der erbliche Einfluss auf die Entstehung von Stottern ist zwar nicht so hoch wie früher vermutet, jedoch ist bei etwa 8 Prozent der Fälle eine erbliche Komponente nachzuweisen.

Poltern

Die dem Poltern zugrunde liegende Ursachen sind nicht umfassend geklärt. Da das Poltern in manchen Familien gehäuft auftritt, scheint Vererbung eine Rolle zu spielen.

Stammeln

Stammeln (Dyslalie) ist bis etwa zum vierten Lebensjahr ein Teil der normalen Sprachentwicklung bei Kindern. Hält das Stammeln darüber hinaus weiter an, so kommen in zehn Prozent der Fälle erbliche Ursachen infrage. Aber auch nachlässiges Sprechen, mangelnde Förderung oder Probleme mit Lippen, Zunge, Zähnen oder dem Hörvermögen können Stammeln verursachen. Gelegentlich ist auch eine tiefer gehende Störung im Gehirn Grund für diese Sprachstörung, wobei dann das Stammeln nur eins von vielen Symptomen ist.

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4. Symptome

Die Sprachstörungen und Sprechstörungen Stottern, Poltern und Stammeln äussern sich durch verschiedene Symptome. Neben den kennzeichnenden Merkmalen der Sprache oder des Sprechens zeigen sich bei etwa der Hälfte aller Sprachstörungen und Sprechstörungen begleitende psychische Auffälligkeiten wie Angst, Depressivität, Aufmerksamkeitsstörungen oder Aggressivität, die man bei der Behandlung besser nicht ausser Acht lässt.

Stottern

Stottern (Balbuties) ist durch Symptome einer Sprechstörung gekennzeichnet: Stotterer wiederholen und dehnen Laute beziehungsweise Silben. Diese Unflüssigkeiten beim Sprechen betreffen mehr als drei Prozent der geäusserten Silben. Anhand der Symptome lassen sich drei verschiedene Formen des Stotterns unterscheiden:

  • Klonisches Stottern: Die Stotterer wiederholen Silben oder Wörtern häufig und wiederholen einzelne Buchstaben beim Beginn des Sprechens («D-D-D-Demosthenes»)
  • Tonisches Stottern: Die Stotterer dehnen Laute und ihr Redefluss bleibt stecken («Demmm...osthenes»)
  • Tonisch-klonisches Stottern: Mischung beider Formen

Begleitend zum Stottern ist häufig der Körper beim Sprechen angespannt. Die Betroffenen bewegen Teile des Gesichts oder des Körpers mit und der natürliche Atemfluss kommt ins Stocken. Je nach Situation treten auch andere, vegetative Symptome auf: Stotterer erröten, schwitzen und atmen unregelmässiger.

Langjährige Stotterer vermeiden oft bestimmte Laute und Wörter. Sie versuchen, ihre Sätze so aufzubauen, dass sie stotteranfällige Passagen mehr oder weniger geschickt umgehen können. Interessant ist die Beobachtung, dass das Stottern beim Singen meist nicht auftritt – und auch beim Sprechen zu Tieren verschwinden die Symptome der Sprechstörung in der Regel. Dies kann man therapeutisch nutzen.

Poltern

Anders als das Stottern zeigt sich das Poltern durch Symptome einer Kombination aus Sprachstörung und Sprechstörung. Beim Poltern ist der Redefluss gestört, was durch Symptome wie überstürztes Sprechen, Verschlucken von Lauten und eine verminderte Verständlichkeit gekennzeichnet ist. Dabei wirkt das Sprechen hastig und die Aussprache verwaschen. Im Gegensatz zum Stottern verbessert sich das Sprechen, wenn die Kinder vor fremden Personen reden oder wenn sich die Aufmerksamkeit auf sie richtet (d.h. wenn sich die Betroffenen auf den Sprechvorgang konzentrieren). Auch Wiederholungen von Lauten oder ein Zögern im Redefluss kommen beim Poltern nicht vor. In vielen Fällen ist zusätzlich die Sprachentwicklung verzögert. Die Betroffenen können impulsive Persönlichkeitszüge zeigen.

Stammeln

Stammeln (Dyslalie) äussert sich wie das Poltern durch kombinierte Symptome einer Sprach- und Sprechstörung. Trotz normaler sprachlicher Fähigkeiten und normaler Intelligenz treten beim Stammeln deutliche Fehler in der Sprache auf: Es fehlen einzelne Laute, welche die Betroffenen verzerren oder durch andere ersetzen («Dabel» statt «Gabel», «Neemann» statt «Schneemann»). Dadurch entsteht der Eindruck einer Babysprache. Dreijährige haben eher Probleme mit p-, b- und t-Lauten, Sechsjährige hingegen mit r-, s-, f-, z- und l-Lauten.

Abhängig von der Anzahl fehlerhaft gebildeter oder verwendeter Laute kann man beim Stammeln verschiedene Formen unterscheiden:

  • Einfaches Stammeln (partielle Dyslalie): Die Symptome beschränken sich auf den Ausfall von ein oder zwei Lauten, die Sprache bleibt gut verständlich.
  • Mehrfaches Stammeln (multiple Dyslalie): Es fehlen mehrere Laute; die Verständlichkeit ist vermindert.
  • Universelles Stammeln: Die Symptome der Sprachstörung sind hochgradig ausgeprägt und betreffen eine Vielzahl von Lauten; die Sprache ist unverständlich.

Abhängig vom betroffenen Laut (Phon) sind beim Stammeln folgende Lautfehlbildungen zu unterscheiden:

  • Lispeln (Sigmatismus): fehlgebildete S- und Zischlaute
  • Schetismus: fehlgebildete Sch-Laute oder Lautverbindungen
  • Rhotazismus: fehlgebildetes stimmhaftes R
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5. Diagnose

Bevor beim Stottern, Poltern oder Stammeln die Diagnose (meist durch einen Kinderarzt, Hals-Nasen-Ohren-Arzt oder Logopäden) erfolgt, weisen häufig als Erstes die Erzieher im Kindergarten oder die Lehrer in der Schule auf die mögliche Sprachstörung beziehungsweise Sprechstörung hin.

Bei der Diagnose von Sprachstörungen und Sprechstörungen wie Stottern, Poltern und Stammeln ist es wichtig, die Sprachfähigkeit im Verhältnis zum Alter und Entwicklungsstadium der betroffenen Kinder zu beurteilen. Bei vielen Kindern zwischen dem 3. und 5. Lebensjahr ist eine holprige Sprechweise ganz normal. Auch das Stammeln ist bis zum 4. Lebensjahr des Kindes nicht besorgniserregend. Diese Durchgangsphasen klingen meist von selbst ab – besonders dann, wenn die Bezugspersonen verständnisvoll reagieren, die Sprechfreude fördern und in das natürliche Erproben der Sprache nicht korrigierend eingreifen.

Liegt eine echte Störung vor, ist bei der Diagnose zu prüfen, ob das Kind richtig sieht und hört und in anderen Bereichen altersgerecht entwickelt ist. So kann man ausschliessen, dass tiefer liegende Erkrankungen den Sprachstörungen oder Sprechstörungen wie Stottern, Poltern oder Stammeln zugrunde liegen. Da Sprache, Sprechen, Hören und Verstand miteinander verwoben sind, können zum Beispiel besonders Hörstörungen dazu führen, dass sich die Sprache nur verzögert entwickelt.

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6. Therapie

Beim Stottern, Poltern und Stammeln ist eine Therapie erforderlich, wenn die Sprachentwicklung der betroffenen Kinder Mängel aufweist. Die Behandlung von Sprachstörungen und Sprechstörungen zielt darauf ab, den betroffenen Kindern eine optimale Weiterentwicklung zu ermöglichen.

Stottern

Wenn sich Stottern (Balbuties) problematisch auf die Sprachentwicklung Ihres Kindes auswirkt, ist es ratsam, eine frühzeitige Therapie der Sprechstörung anzustreben und sich umfassend beraten zu lassen. Warten Sie auf keinen Fall darauf, dass sich das Stottern von alleine wieder bessert. Geeignete Ansprechpartner sind dabei der Kinderarzt und der Logopäde.

Ist das Stottern genau diagnostiziert, folgt die anschliessende Therapie einem individuell zugeschnittenen Behandlungsplan. Gegen das Stottern kommen oft verschiedenen miteinander kombinierte Behandlungsformen zum Einsatz:

 

  • Information und Beratung der Eltern: Es ist wichtig, dass Eltern verstehen, wie und wodurch das Stottern entsteht. Darüber hinaus gilt es zu lernen, wie die Familie am besten mit dem stotternden Kind umgeht. Es ist ratsam, eine Umgebung für das Kind zu schaffen, die ein Heilen der Sprachstörung unterstützt. Dabei ist beispielsweise darauf zu achten, dass niemand das Stottern beachtet, dass das stotternde Kind immer ausreden kann und dass alle geduldig zuhören.
  • Logopädische Übungsbehandlungen: Es gibt verschiedene Sprechübungen, die es dem Stotterer ermöglichen, sich die Atmung, Rhythmik und Sprache bewusst zu machen und diese zu verändern. Oft kommen diese kombiniert mit Entspannungsübungen (wie autogenes Training) zum Einsatz.
  • Psychoanalytische Behandlung: Diese findet meist in Form einer analytisch geprägten Spieltherapie statt. Davon ausgehend, dass Stottern ein Ausdruck einer neurotischen Störung ist, ist es ratsam, bei der Therapie die zugrunde liegenden Konflikte spielerisch abzubauen.
  • Verhaltenstherapie: Hierbei gilt das Stottern als eine erlernte Verhaltensweise, welche die Betroffenen durch eine gezielte Behandlung auch wieder verlernen können.
  • Medikamente: Medikamente können die Symptomatik der Sprechstörung selbst nicht beeinflussen, den Betroffenen aber helfen, Angst- und Spannungszustände abzubauen.

Poltern

Anders als beim Stottern empfinden Menschen, die poltern, meist wenig Leidensdruck und sind sich in der Regel ihrer Störung nicht bewusst. Daher ist es gelegentlich nötig, sie erst zu einer Therapie zu motivieren. Auch hier ist es ratsam, dass sich die vom Poltern betroffenen Kinder und ihre Familien gründlich beraten lassen. Es ist wichtig, dass Eltern gute Sprachvorbilder sind und ihr betroffenes Kind zum langsamen Sprechen mit Atempausen anregen. Loben und belohnen Sie Ihr Kind, wenn es sich bemüht, deutlich zu sprechen.

Stammeln

Wenn das Stammeln (Dyslalie) bei Kindern eine Therapie ratsam macht, ist es wichtig, mit den Übungen so früh wie möglich zu beginnen, damit die Behandlung bis zur Einschulung abgeschlossen ist. Dabei kommt ein (durch einen Logopäden erstellten) individuelles Übungsprogramm zum Einsatz, das auf den Entwicklungstand des Kindes abgestimmt ist. Bei kleineren Kindern erfolgen die gegen das Stammeln eingesetzten Übungen oft indirekt in Form spielerischer Handlungen. Bei Jugendlichen ist unter anderem mehr darauf zu achten, dass sie die Störung bewusst wahrnehmen. Daneben kommen Tonbandaufnahmen und Spiegel zum Einsatz.

Nicht immer erfordert das Stammeln eine so intensive Behandlung. Oft reicht es vollkommen aus, dass die Eltern stammelnder Kinder eine grundlegende Beratung erhalten. Wichtig ist dabei, dass Sie erfahren, wie Sie Ihr Kind in der Sprachentwicklung fördern können und wie Sie und andere direkte Bezugspersonen am besten mit dem auffälligen Sprachverhalten Ihres Kindes umgehen.

7. Verlauf

Beim Stottern, Poltern und Stammeln hängt der weitere Verlauf von der Art der vorliegenden Sprechstörung oder Sprachstörung ab. Eine frühzeitige und konsequente Therapie kann die Sprachentwicklung der Kinder meist günstig beeinflussen.

Stottern

Beim Stottern (Balbuties) hängt der Verlauf in hohem Mass davon ab, wann die Therapie einsetzt: Je jünger ein Kind bei Therapiebeginn ist und je kürzer es stottert, desto höher ist die Chance, dass die Sprechstörung wieder ganz verschwindet. Und auch bei einer späteren Behandlung ist es möglich, das Stottern zu verringern oder zumindest zu verändern, sodass die Sprechstörung die Betroffenen im täglichen Leben nicht unbedingt behindert.

4 bis 5 Prozent der Schulkinder stottern mehr oder weniger. Durch eine rechtzeitige Behandlung gelingt es bei einem Drittel von ihnen, das Stottern völlig zu heilen, bei einem weiteren Drittel hat sich die Symptomatik nach der Behandlung erheblich gebessert, das letzte Drittel bleibt jedoch unbeeinflusst.

Poltern

Beim Poltern hängt der Verlauf in hohem Mass von der Motivation der Betroffenen ab, aktiv an einer Therapie teilzunehmen: Sind die vom Poltern Betroffenen ausreichend motiviert, so kann eine logopädische Behandlung die Verständlichkeit und Fähigkeit zur Kommunikation meist verbessern. Es gelingt aber eher selten, ein Poltern vollständig zu heilen.

Stammeln

Ein behandeltes Stammeln (Dyslalie) nimmt in der Regel einen günstigen Verlauf: Nach mehrmonatiger professioneller Therapie zeigt sich meist ein Behandlungserfolg mit normalisierter oder stark verbesserter Sprache.

8. Vorbeugen

Es gibt viele Massnahmen, mit denen Sie einer Sprech- beziehungsweise Sprachstörung wie dem Stottern, Poltern oder Stammeln bei Ihren Kindern vorbeugen können: So können Sie mit Ihren Kindern viel reden und Lieder singen, um die Sprache sowie das Verständnis zu schulen.

Dies kann jedoch nicht immer ein Stottern, Poltern oder Stammeln verhindern. Vor allem bei erblichen

oder entwicklungsbedingten Sprech- und Sprachstörungen benötigen die betroffenen Kinder professionelle Hilfe. Diese setzt am besten frühzeitig ein, damit sich die Störung nicht verstärken oder ausweiten kann. Wenn die Sprachentwicklung Ihrer Kinder nicht deren Alter entspricht, nehmen Sie deshalb lieber immer umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch.

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