Von Veröffentlicht am 24.11.2016

1. Überblick

Die Syphilis (Lues) ist eine weltweit verbreitete Geschlechtskrankheit, die unbehandelt chronisch verläuft. Seit der Entdeckung des Penicillins hat Syphilis erheblich an Bedrohlichkeit verloren.

Auslöser der Syphilis ist das Bakterium Treponema pallidum pallidum, das in der Regel durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen wird. Darüber hinaus kann der Erreger in der Schwangerschaft auf den Fötus übertragen werden, was zur angeborenen Syphilis (Lues connata) führt.

Die auch als Lues bezeichnete Erkrankung verläuft in vier Stadien. Etwa drei Wochen nach der Infektion mit dem Syphilis-Erreger entsteht dort, wo die Treponema-Bakterien in den Körper eingedrungen sind («Eintrittspforte»), ein schmerzloses, hartes Geschwür. Das Geschwür wird als Primäraffekt, harter Schanker oder Ulcus durum bezeichnet und bleibt oft unbemerkt. Diese Phase der Erkrankung heisst primäre Syphilis.

Es folgt die sekundäre Syphilis, in der verschiedenste Haut- und Schleimhautveränderungen auftreten. Primäre und sekundäre Syphilis heilen in manchen Fällen auch ohne entsprechende Behandlung ab. Es kann sich aber auch eine latente Syphilis anschliessen. Über einen mitunter jahrelangen Zeitraum ist der Betroffene beschwerdefrei – anschliessend kann die Spätsyphilis auftreten, sofern bis dahin noch keine Therapie erfolgt ist: Die Lues-Erreger befallen und schädigen dann die inneren Organe und das Nervensystem. Syphilis-Patienten leiden in diesem Stadium deshalb unter schweren neurologischen Symptomen wie:


Hat der Arzt den Verdacht, dass es sich um eine Syphilis handelt, bietet sich ein Bluttest an. Dabei lassen sich Antikörper gegen den Syphilis-Erreger nachweisen. Ausserdem kann der Arzt einen Abstrich von nässenden Hautveränderungen oder vom Primäraffekt nehmen und im Labor untersuchen lassen. Unter dem Mikroskop sind dann die Erreger selbst zu erkennen. Lues wird in der Regel mit dem Antibiotikum Penicillin behandelt. Bei einer konsequenten und rechtzeitigen Behandlung ist die Prognose der Syphilis gut bis sehr gut.

Eine Impfung gegen den Erreger der Lues steht nicht zur Verfügung.

Sie können einer Syphilis vorbeugen, indem Sie beim Geschlechtsverkehr Kondome verwenden. Der angeborenen Variante der Syphilis (Lues connata) bei Neugeborenen können Schwangere durch spezielle Untersuchungen (Screening) im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge wirksam vorbeugen.

Dieses Bild kann nicht angezeigt werden.
Anzeige

Fakten über Syphilis

  • Syphilis, auch Lues genannt, ist eine weltweit verbreitete Geschlechtskrankheit. Bakterien namens Treponema pallidum pallidum lösen sie aus.
  • Meist wird Syphilis durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen, die Ansteckungsgefahr ist hoch. Statistisch gesehen infizieren sich vor allem Männer, die mit Männern Sex haben, mit Syphilis.
  • Die Bakterien gelangen über kleinste Verletzungen der Schleimhäute oder der Haut in den Körper.
  • Syphilis ruft unterschiedlichste Symptome hervor, die von schmerzlosen Hautveränderungen bis hin zu schweren körperlichen und geistigen Einschränkungen reichen können.
  • Vom Zeitpunkt der Infektion bis zum Ausbruch der Erkrankung (Inkubationszeit) verstreichen durchschnittlich 14 bis 24 Tage.
  • Syphilis verläuft unbehandelt in vier Stadien: primäre und sekundäre Syphilis, tertiäre oder Spätsyphilis sowie Neurosyphilis (viertes Stadium).
  • Nach der Inkubationszeit entsteht ein schmerzloses, hartes Knötchen an der Stelle, wo die Syphilis-Erreger in den Körper gelangt sind (sog. Eintrittspforte).
  • Das Knötchen befindet sich meist an den Geschlechtsorgangen, im Anus oder im Mund. Es wird als Primäraffekt, harter Schanker oder Ulcus durum bezeichnet. Gleichzeitig schwellen die Lymphknoten der entsprechenden Region innerhalb einer Woche an.
  • Das Knötchen hat eine ringförmige Verhärtung und verändert sich rasch zu einem Geschwür mit einem geschwollenen, eingerollten Rand und eingesunkener Mitte.
  • Das Geschwür bleibt häufig unbemerkt, da es keine Schmerzen verursacht. Es heilt nach vier bis sechs Wochen auch ohne Behandlung ab, so dass die Betroffenen oftmals gar nicht zum Arzt gehen.
  • Das Problem: Die Erreger bleiben im Körper und rufen die weiteren Stadien der Erkrankung hervor.
  • Bei Syphilis ist eine Therapie mit dem Antibiotikum Penicillin notwendig. Nicht nur der Betroffene, sondern auch die Partnerin oder der Partner muss sich einer Antibiotika-Therapie unterziehen.
  • Es gibt keine Impfung gegen Syphilis. Syphilis lässt sich vorbeugen, indem man beim Oralsex und Geschlechtsverkehr Kondome verwendet.
  • Das zweite Stadium der Syphilis geht mit Veränderungen an Haut- und Schleimhäuten einher, zum Beispiel schuppigen und/oder eitrigen Bläschen. Vor allem an Stellen mit starker Schweissbildung und in Hautfalten bilden sich nässende Pusteln (Condylomata lata). Sie sind sehr ansteckend, wenn sie zerfallen.
  • Bei der Spätsyphilis befallen die Erreger die Organe, zerstören Muskeln und Haut. Sowohl das Herz-Kreislauf-System als auch die Knochen und das Nervensystem können betroffen sein.
  • Das letzte Stadium, die Neurosyphilis, verläuft bei der Hälfte der Betroffenen ohne Symptome. Die symptomatische Neurosyphilis beginnt mit einer Entzündung der Hirnhäute: Es kommt unter anderem zu Sehstörungen mit Doppelbildern.
  • Unbehandelt geht nach Jahren das Hirngewebe zugrunde und es kommt zu Symptomen wie Gedächtnisverlust, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Lähmungen und Demenz. Diese Phase verläuft sehr rasch.
  • Nach 25 bis 30 Jahren kommt es im Endstadium zu einer Zerstörung der Nervenscheiden, Nervenwurzeln und Nervenknoten. Mögliche Folgen: gestörtes Schmerz- und Temperaturempfinden, Gangstörungen, Reflexverlust, Impotenz und Inkontinenz.
Anzeige

2. Definition

Die Syphilis (Lues) ist eine weltweit verbreitete Geschlechtskrankheit, die unbehandelt chronisch verläuft und schwere Spätschäden hervorrufen kann. Seit der Entdeckung des Penicillins hat die Syphilis aber erheblich an Bedrohlichkeit verloren.

Historisches

Der Begriff Syphilis entstammt einer Art Lehrgedicht eines Arztes aus Verona in Italien aus dem Jahr 1530. In diesem Werk erkrankte ein Hirte namens Syphilis an der Erkrankung als Strafe für sein gotteslästerliches Leben. Der ebenfalls gebräuchliche Name Lues ist das lateinische Wort für «ansteckende Krankheit».

Die Syphilis kam nach der Entdeckung Amerikas durch Christoph Columbus im Jahr 1492 mit den Seefahrern nach Europa. In relativ kurzer Zeit breitete sie sich über ganz Europa unter dem Namen «Plattern» aus. 1495 kam es in Neapel zu einer ersten Epidemie unter Soldaten und Seefahrern mit zahlreichen Toten. Nur wenige Krankheiten haben das soziale, religiöse und sexuelle Verhalten der Menschen über Jahrhunderte so sehr geprägt wie die Syphilis, die bis zur Entdeckung des Penicillins kaum heilbar war.

Zwar gab es vorher schon Versuche, die Krankheit zu therapieren – diese endeten aber oft mit verheerenden Wirkungen für die Betroffenen. So wurde beispielsweise das extrem giftige Quecksilber als Medikament verwendet und die Erkrankten stundenlang den Quecksilberdämpfen ausgesetzt. Erste halbwegs erfolgreiche Therapien der Syphilis ergaben sich vor dem Penicillin durch die Gabe des Wirkstoffs Salvarsan, einer Arsenverbindung, welches 1910 entwickelt wurde. Aufgrund zahlreicher Nebenwirkungen wird es heutzutage nicht mehr eingesetzt.

Häufigkeit

Wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) meldet, nehmen weltweit die Zahlen von Syphilis vor allem auch in den High-Income- Countries, inklusive Schweiz, wieder zu. Ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht vor allem bei Männern, die Sex mit Männern haben, bei Personen mit mehreren wechselnden Sexualpartnern und im Bereich der Prostitution. In der Schweiz werden gemäss BAG jährlich rund 350 Menschen mit Syphilis angesteckt, über 80 Prozent der Infizierten sind Männer.

3. Ursachen

Syphilis (Lues) hat spezielle Krankheitserreger als Ursachen: Es handelt sich um die Bakterien-Art Treponema pallidum pallidum aus der Familie der Spirochäten. Treponema pallidum befällt nur den Menschen. In der Regel wird der Erreger beim Geschlechtsverkehr über kleinste Verletzungen der Schleimhäute oder der Haut übertragen. Ungeschützte sexuelle Kontakte mit einem infizierten Partner sind fast immer die Syphilis-Ursachen. Es kann aber auch in der Schwangerschaft über die Plazenta (Mutterkuchen) oder während der Geburt zu einer Infektion des Fötus kommen, die zur angeborenen Syphilis (Lues connata) führt. Im Körper gelangt der Erreger über die Lymphe ins Blut – über den Blutweg breitet er sich weiter im gesamten Organismus aus. Ausserhalb des Körpers kann das Bakterium nur kurze Zeit überleben.

Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Infektion bis zum Ausbruch der Erkrankung, hängt von der Anzahl der aufgenommene Erreger ab. Sie beträgt durchschnittlich 14 bis 24 Tage, kann aber auch zwischen 10 und 90 Tagen schwanken. Ungeschützter Geschlechtsverkehr mit einem infizierten Partner führt in etwa 30 Prozent zu einer Infektion mit Syphilis. Hochinfektiös sind Erkrankte im Stadium I, im Stadium II nimmt die Infektiösität ab, bis die Betroffenen im Stadium III und IV gar nicht mehr ansteckend sind.

Anzeige

4. Symptome

Syphilis (Lues) ruft viele verschiedene Symptome hervor, die von schmerzlosen Hautveränderungen bis hin zu schweren körperlichen und geistigen Einschränkungen reichen. Je nachdem, welches Stadium die Syphilis erreicht hat, ändern sich auch die Symptome. Die vier Syphilis-Stadien heissen:

  • Stadium I: primäre Syphilis
  • Stadium II: sekundäre Syphilis
  • Stadium III: tertiäre oder Spätsyphilis
  • Stadium IV: quartäre oder Neurosyphilis

Primäre Syphilis

In diesem frühen Stadium der Syphilis bemerken die Betroffenen oft keine Symptome. Nach der Inkubationszeit (Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch) entsteht ein schmerzloses, hartes Knötchen an der Stelle, wo die Syphilis-Erreger in den Körper gelangt sind (sog. Eintrittspforte). Da man sich über Sexualkontakt ansteckt, befindet sich dieses Knötchen in der Regel an Penis, Schamlippen, Vagina, im weiteren äusseren Genitalbereich, im Anus oder im Mund. Dieses Knötchen verhärtet sich ringförmig: Es verändert sich rasch zu einem Geschwür mit einem geschwollenen, eingerollten Rand und eingesunkener Mitte. Gleichzeitig schwellen die benachbarten Lymphknoten innerhalb einer Woche an.

Weil keine Schmerzen auftreten, bleibt das Geschwür, das als Primäraffekt, harter Schanker oder Ulcus durum bezeichnet wird, oft unbemerkt. Da der Primäraffekt ausserdem nach vier bis sechs Wochen auch ohne Behandlung abheilt, gehen manche Betroffenen gar nicht zum Arzt – die Syphilis bleibt unbehandelt.

Sekundäre Syphilis

Die sekundäre Syphilis ist durch verschiedene Haut- und Schleimhautveränderungen gekennzeichnet. In symmetrischen und fleckigen Formen können schuppige und/oder eitrige Bläschen auftreten. Besonders an Stellen mit starker Schweissbildung und in Hautfalten bilden sich nässende Pusteln, die als Condylomata lata bezeichnet werden. Diese sind, wenn sie zerfallen, sehr ansteckend. Befallene Schleimhautbereiche, meist in der Mundhöhle, sind rot oder grauweiss mit einem geröteten Hof. Aufgrund von Hautveränderungen kann es gelegentlich zu einem mottenfrassartigen Haarausfall kommen.

In diesem Stadium breiten sich die Erreger über die Lymphbahnen und das Blut im ganzen Körper aus. Typisch ist eine Schwellung der Lymphknoten. Die inneren Organe sind aber nur selten befallen. Es kommt häufig zu allgemeinen Symptomen, die nicht nur bei einer Syphilis sondern auch bei anderen Erkrankungen auftreten können:


Auch Augen und Ohren können betroffen sein: Es kann zu Sehverschlechterung mit Doppelbildern, Ohrensausen und Schwindel kommen. Selten entstehen Entzündungen der Niere, Leber, Gelenke oder Knochen.

Die Symptome der sekundären Syphilis können über Jahre bestehen beziehungsweise in verschiedener Ausprägung immer wieder aufflammen. In etwa 30 Prozent der Fälle heilt die Syphilis auch spontan aus.

Tertiäre Syphilis (Spätsyphilis)

Zwischen sekundärem und tertiärem Stadium der Syphilis befindet sich ein Jahr, manchmal lebenslang anhaltendes Erkrankungsstadium ohne äussere Krankheitszeichen. Im ersten Jahr dieser latenten Syphilis sind die Betroffenen ansteckend. Im Lauf der Zeit nimmt diese Infektiosität aber ab. Diese Phase geht schliesslich in das Stadium der tertiären Syphilis oder auch Spätsyphilis über.

Die tertiäre Syphilis umfasst zahlreiche Symptome. Die Erreger befallen die Organe, zerstören Muskeln und Haut. Sowohl das Herz-Kreislauf-System als auch die Knochen und das Nervensystem können betroffen sein, zahlreiche neurologische und psychische Ausfälle (z.B. Gefühlsstörungen, Demenz) sind möglich. Je nachdem, welche Körperregion oder Funktion betroffen ist, unterteilen Mediziner die Spätsyphilis und ihre Symptome weiter.

Anzeige

Kardiovaskuläre Syphilis

Kleinere Blutgefässe versorgen die Wände von grossen Gefässen (z.B. Hauptschlagader, Aorta) mit Blut und damit mit Sauerstoff. Bei Syphilis können sich diese kleinen Gefässe entzünden und ihre Aufgabe nicht mehr ausreichend erfüllen. Das hat Schäden an den grossen Blutgefässen zur Folge. Besonders im Bereich des in der Brust gelegenen Aortenbogens kann es so zu Aussackungen der Gefässwand kommen, die unter Umständen aufbrechen können. In diesem Fall können Erkrankte verbluten. Eine ausgesackte Aorta kann auch die Herzklappenfunktion beeinträchtigen. Spätfolgen können dann eine Angina pectoris oder ein Herzinfarkt sein. Weil man die Syphilis heutzutage rechtzeitig und wirksam behandelt, sind solche Komplikationen mittlerweile selten.

Gummatöse Syphilis

Sehr seltene Symptome der Syphilis sind sogenannte Gummen – also Geschwulste, die gummiartigen Eiter enthalten. Gummen können sowohl äusserlich auf der Haut auftreten, als auch folgende Organe befallen:

  • Luftwege
  • Rachen
  • Speiseröhre
  • Magen
  • Skelett
  • Leber


Die Hautgummen sind Knötchen, die bis zu mehreren Zentimetern gross werden können. Sie treten vorwiegend im Gesicht, an Armen und Beinen und am Körperstamm auf und vergrössern sich nur langsam. Die Gummen der Knochen befallen vorwiegend den harten Gaumen, den Nasenknochen und die Nasenscheidewand. Man nimmt an, dass Gummen eine allergische Spätreaktion auf den Erreger darstellen.

Skelettsyphilis

Neben den Knochengummen kommt vorwiegend an den langen Röhrenknochen eine Entzündung der Knochenhaut vor. Der betroffene Bereich schwillt schmerzhaft an und die entzündete Knochenhaut verknöchert schalenartig um den Knochen. Ausserdem kommt es zu Schäden im Innern des Knochens (sog. Markhöhle).

Anzeige

Quartäre Syphilis (Neurosyphilis)

In der Hälfte aller Fälle tritt die Neurosyphilis (quartäre Syphilis) asymptomatisch, das heisst ohne erkennbare Symptome, auf. Im Hirnwasser (Liquor) finden sich aber krankhaft erhöhte Eiweisswerte und viele Zellen. Die symptomatische Neurosyphilis beginnt mit einer Entzündung der Hirnhäute: Es kommt dadurch zu Sehstörungen mit Doppelbildern. Wird die Erkrankung nicht behandelt, entwickelt sich aus dieser die Hirnhäute und Blutgefässe betreffenden (meningovaskulären) Syphilis nach Jahren die sogenannte parenchymatöse Form. Dabei geht das Hirngewebe zugrunde und es kommt zu:

  • Gedächtnisverlust
  • Kopfschmerzen
  • Schlaflosigkeit
  • Ausfällen der Gesichts-Muskulatur
  • Lähmung der Arme und/oder Beine
  • Halbseitenlähmung
  • Verminderung der geistigen Fähigkeiten (Demenz)
  • Wahrnehmungsstörungen


Gleichzeitig können manisch-depressive Zustände mit Halluzinationen auftreten. Der Verlauf ist in dieser Phase sehr rasch.

Nach 25 bis 30 Jahren entsteht als Endstadium die sogenannte Tabes dorsalis mit Zerstörung der Nervenscheiden, Nervenwurzeln und Nervenknoten (Ganglien). Dieses Stadium ist gekennzeichnet durch ein gestörtes Schmerz- und Temperaturempfinden. Ausserdem sind

  • Gangstörungen,
  • fahrige Bewegungen,
  • Verlust der Reflexe,
  • Impotenz
  • und eine Stuhl- und Harninkontinenz


möglich. Eine typische Komplikation ist das Malum perforans pedis. Dabei handelt es sich um ein Geschwür, das an Druckstellen des Fusses entsteht. Da die Betroffenen durch die Nervenschäden oft kein Gefühl mehr in den Füssen haben, bleibt das Geschwür lange unbemerkt.

Eine Besonderheit ist die sogenannte Argyll-Robertson-Pupille. Die Pupille ist klein und unregelmässig, reagiert nicht auf Licht, aber auf den Reiz zum Scharfsehen (Akkomodation).

Anzeige

Angeborene Syphilis

Schwangere, die an einer Frühsyphilis erkrankt sind, können den Erreger sowohl während der Schwangerschaft auf den Fötus als auch bei der Geburt auf ihr Kind übertragen. Steckt sich ein Fötus im Mutterleib mit Syphilis an, liegen – ohne geeignete Therapie – die Chancen, dass das Kind Schwangerschaft und Geburt überlebt, bei etwa 60 bis 70 Prozent.

Mit dem Syphilis-Erreger infizierte Neugeborene zeigen meist keine Symptome. Nur bei wenigen treten unmittelbar nach der Geburt Symptome wie Atemschwierigkeiten oder Wassereinlagerungen (Ödeme) auf. Weitere mögliche Syphilis-Symptome sind eine vergrösserte Milz und Leber.

Die Symptome der angeborenen Syphilis entsprechen denen der Sekundärsyphilis des Erwachsenen. Besonderheiten sind der syphilitische Schnupfen, eine sattelförmig eingesunkene Nase und die sogenannten Parrot-Furchen (oberflächliche weisse Narben um den Mund). Ein Knochenbefall kann ausserdem zu Schmerzen und Bewegungsunfähigkeit führen (Parrotsche Pseudoparalyse). In seltenen Fällen kommt es bei angeborener Syphilis zur sogenannten Hutchinsonschen Trias: Die Kinder haben Hornhautschäden (Keratitis parenchymatosa), eine Innenohrschwerhörigkeit und tonnenförmige Schneidezähne.

Ab dem dritten Lebensjahr können bereits Symptome der Spätsyphilis auftreten, ab etwa dem zehnten Lebensjahr eine Tabes dorsalis.

5. Diagnose

Bei der Syphilis (Lues) kann die Diagnose durch einen direkten Erregernachweis gestellt werden. Der Arzt lässt dazu Sekret von nässenden Hautveränderungen unter dem Mikroskop auf die Syphilis-Erreger untersuchen. Die Syphilis-Diagnose ist auch mithilfe von Bluttests möglich. Sie zeigen, ob im Blut des Patienten Antikörper gegen die Erreger vorhanden sind.

Das Immunsystem des Menschen reagiert auf eine Syphilis-Infektion mit zwei Antikörper-Formen, nämlich unspezifischen und spezifischen Antikörpern. Tests auf unspezifische Antikörper fallen vier bis sechs Wochen nach der Infektion positiv aus. Der Arzt kann diese Tests öfter wiederholen, um einen Behandlungserfolg zu kontrollieren. Die Nachweisverfahren für spezifische Antikörper werden bei Verdacht auf eine Spätsyphilis verwendet. Auch in der Latenzphase kann man den Erreger nur mithilfe dieser Tests nachweisen.

Bei Verdacht auf eine Neurosyphilis ist eine Untersuchung des Hirnwassers (Liquorpunktion) notwendig. Die angeborene Syphilis kann ebenfalls durch Antikörpertests nachgewiesen werden.

Anzeige

6. Therapie

Bei Syphilis (Lues) ist eine Therapie mit dem Antibiotikum Penicillin notwendig. Resistente Syphilis-Erreger, die nicht auf Penicillin reagieren, sind bisher nicht bekannt. Hat ein Betroffener eine Penicillin-Allergie kommen zur Syphilis-Therapie andere Antibiotika infrage: Erythromycin oder Tetrazykline wie beispielsweise Doxycyclin.

Die Dosis und die Dauer der Syphilis-Therapie richtet sich nach dem Krankheitsstadium. Besonders bei älteren Patienten und länger bestehender Syphilis besteht die Gefahr, dass es zu Beginn der Antibiotika-Therapie zur sogenannten Herxheimer-Reaktion kommt. Durch das massenhafte Absterben der Bakterien werden Endotoxine (Zellgifte) frei, die zu mehreren Symptomen führen können:


Mit Bettruhe und fiebersenkenden Medikamenten lassen sich diese Symptome lindern.

Nicht nur der Betroffene, sondern auch der Partner eines Syphilis-Patienten muss sich einer Antibiotika-Therapie unterziehen.

Anzeige

7. Verlauf

Eine Syphilis (Lues) nimmt nicht bei jedem Patienten denselben Verlauf. In manchen Fällen heilt die Erkrankung von selbst aus. Die Symptome der primären und sekundären Syphilis (Lues) können auch ohne Behandlung wieder verschwinden – nach einem jahrelangen beschwerdefreien Zeitraum (latente Syphilis) kann dann aber eine Spätsyphilis auftreten. Schwere Nervenstörungen, Herz- und Knochenveränderungen sowie ein Befall innerer Organe sind dann die Folgen.

Bei einer konsequenten und kontrollierten Behandlung sind Verlauf und Prognose der Syphilis gut bis sehr gut. Bei einer Unterdosierung der Antibiotika ist ein unbemerkter Übergang zu einer chronischen Infektion, auch zunächst ohne akute Symptome, möglich. Befolgen Sie daher genau die Anweisungen Ihres Arztes, wenn sie sich einer Syphilis-Therapie unterziehen müssen.

Ist die Syphilis bei Behandlungsbeginn bereits im Stadium der Neurosyphilis, ist die Prognose nicht günstig. In vielen Fällen bleiben Spätschäden (z.B. Lähmungen), die eine lebenslange Pflege erfordern. Aber auch im Stadium der Neurosyphilis kann es noch zu spontaner Ausheilung kommen.

Anzeige

8. Vorbeugen

Es gibt derzeit keine Impfung, mit der Sie einer Syphilis (Lues) vorbeugen können. Dennoch können Sie das Risiko für eine Infektion gering halten – vor allem indem Sie beim Geschlechtsverkehr Kondome verwenden. Gehen Sie verantwortungsvoll mit sich und Ihrer Sexualität um. So schützen Sie sich und andere vor sexuell übertragbaren Krankheiten wie der Syphilis.

Bei Blutspenden bietet die Untersuchung der gespendeten Blutkonserven einen sicheren Schutz.

Der angeborenen Syphilis (Lues connata) bei Ihrem Neugeborenen können Sie durch entsprechende Tests (Screening-Untersuchungen) im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge wirksam vorbeugen.

Anzeige