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  4. Systemischer Lupus erythematodes (SLE, Lupus erythematodes)

Von Veröffentlicht am 15.08.2019

1. Überblick

Systemischer Lupus erythematodes (SLE) ist eine seltene chronisch-entzündliche Bindegewebserkrankung (sog. Kollagenose), die sich auf auf den gesamten Körper auswirken kann und vorwiegend bei Frauen auftritt: Sie sind zehnmal häufiger betroffen als Männer.

Systemischer Lupus erythematodes ist eine Autoimmunerkrankung: Die Krankheit ist gekennzeichnet durch aus ungeklärter Ursache entstehende Abwehrreaktionen des Immunsystems gegen Elemente der eigene Körperzellen. Das Immunsystem erkennt körpereigenes Gewebe fälschlicherweise als fremd an und bekämpft es, indem es Antikörper dagegen bildet (sog. Autoantikörper). In der Folge kommt es bei SLE zu Entzündungen in verschiedenen Organen, wobei vorwiegend Blutgefässe der Haut, Nieren und Gelenke betroffen sind.

Eine junge Frau mit der Krankheit Lupus.

Typisch für den systemischen Lupus erythematodes ist ein rötlicher, schmetterlingsförmiger Hautausschlag im Gesicht – das sogenannte Schmetterlingserythem.

Quelle: Wikimedia Commons/Doktorinternet

Ein systemischer Lupus erythematodes äussert sich durch vielfältige Symptome. Typisch für die Erkrankung ist eine schmetterlingsförmige Rötung (Erythem) des Gesichts, die bei Sonnenbestrahlung stärker ausgeprägt ist. Daneben kommt es bei SLE zu Gelenkschmerzen, Durchblutungsstörungen der Finger, Organbeteiligungen und allgemeinen Krankheitssymptomen.

Ob ein systemischer Lupus erythematodes vorliegt, lässt sich anhand der vorhandenen Beschwerden und durch die Bestimmung der vom Immunsystem gegen die körpereigenen Strukturen gebildeten Antikörper im Blut (sog. Autoantikörper) feststellen. Ausserdem umfasst die Diagnostik eine feingewebliche Untersuchung einer Haut- und gegebenenfalls Nierenprobe. Wichtig für die Diagnose der Autoimmunkrankheit ist, dass mehrere typische Krankheitszeichen gleichzeitig auftreten.

Systemischer Lupus erythematodes verläuft chronisch über Jahre anhaltend und macht eine engmaschige gezielte Therapie notwendig. Die Behandlung von SLE zielt grundsätzlich darauf ab, die Abwehrreaktion des Körpers zu unterdrücken (sog. Immunsuppression) und die Beschwerden zu lindern. Unterstützend kommen beispielsweise die medikamentöse Senkung der Blutdrucks oder Schmerzmittel zum Einsatz. Ausserdem ist es bei systemischem Lupus erythematodes empfehlenswert, übermässige UV-Einstrahlung zu vermeiden. Völlig heilbar ist ein systemischer Lupus erythematodes so nicht, doch dank der zur Therapie verfügbaren Medikamente beträgt die Überlebensrate heutzutage bis zu 90 Prozent nach zehn Jahren. Die Prognose verschlechtert sich, wenn die Erkrankung oder deren Therapie zu Komplikationen führt.

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2. Definition

Systemischer Lupus erythematodes (SLE) ist eine Erkrankung der Haut und des Gefässbindegewebes, die durch autoimmunologische Prozesse zu einer Blutgefässentzündung (sog. Vaskulitis) führt. Da die Entzündung auch die von den betroffenen Gefässen versorgten Organe schädigt, wirkt sich die Erkrankung so auf den gesamten Körper aus (d.h. sie ist systemisch).

Systemischer Lupus erythematodes ist demnach eine Autoimmunerkrankung aus der Gruppe der Bindegewebserkrankungen (sog. Kollagenosen). Bei Autoimmunerkrankungen richtet sich das menschliche Immunsystem gegen körpereigene Zellen beziehungsweise deren Bestandteile: Das Immunsystem erkennt fälschlicherweise eigenes Gewebe als fremd an und bekämpft es, indem es Antikörper dagegen bildet (sog. Autoantikörper). Von systemischem Lupus erythematodes sind dabei überwiegend die Haut, die Gelenke, die Nieren, das Nervensystem und spezielle Häute (sog. seröse Häute, wie z.B. das Brustfell, das die Brusthöhle auskleidet, oder die Haut, die den Herzbeutel innen bedeckt), aber auch andere Organe betroffen.

Häufigkeit

Systemischer Lupus erythematodes zeigt in Mitteleuropa eine Häufigkeit von etwa 50 Fällen pro 100'000 Einwohner; jährlich treten etwa 5 bis 10 neue Fälle auf. Die erste Beschreibung dieser seltenen Bindegewebserkrankung (durch den Mediziner Moritz Kaposi) stammt aus dem Jahr 1872.

Systemischer Lupus erythematodes tritt mit grösster Häufigkeit bei Frauen im gebärfähigen Alter auf: Sie sind zehnmal häufiger betroffen als Männer. Ausserdem findet sich der systemische Lupus erythematodes gehäuft in bestimmten Bevölkerungsgruppen (z.B. bei US-Amerikanern afrikanischer Abstammung), während er in manchen Regionen (z.B. Zentralafrika) nicht zu finden ist.

3. Ursachen

Ein systemischer Lupus erythematodes (SLE) hat seine Ursachen in einer Fehlfunktion der körpereigenen Abwehr: SLE zählt zu den sogenannten Autoimmunerkrankungen, bei denen das Immunsystem aus unbekannten Gründen gegen Bestandteile des eigenen Körpers reagiert und dadurch eine chronische Entzündung verursacht. Das Immunsystem bildet fälschlicherweise Antikörper gegen eigene Körperstrukturen: sog. Autoantikörper.

Ein systemischer Lupus erythematodes ist vor allem durch Autoantikörper gekennzeichnet, die gegen Bestandteile des Zellkerns gerichtet sind. Zellkerne enthalten das Erbgut des Menschen, die DNA. Bei SLE finden sich Antikörper gegen die DNA so häufig, dass sie sich als diagnostisches Kriterium nutzen lassen. Als Folge der Autoimmunreaktion bilden sich Komplexe aus Antikörpern und Zellbestandteilen – diese lagern sich beim systemischen Lupus erythematodes in den Gefässen vieler Organe des Körpers ab und sind die Ursachen für die Entstehung von Entzündungen.

Die genauen Ursachen der Autoimmunreaktion beim systemischen Lupus erythematodes sind nicht bekannt. Bislang gibt es Hinweise auf sowohl erblich bedingte als auch infektiöse und hormonelle Einflüsse. Systemischer Lupus erythematodes tritt in manchen Familien gehäuft auf, Zwillinge von Menschen mit SLE haben ein erhöhtes Risiko, die Autoimmunkrankheit ebenfalls zu entwickeln. Ausserdem lassen sich gewisse erbliche Veranlagungen, wie eine Störung des programmierten Zelltods (sog. Apoptose) oder andere Immundefekte, mit der Überreaktion des Immunsystems in Verbindung bringen. Systemischer Lupus erythematodes tritt zudem gehäuft nach Infektionen oder UV-Strahlung auf, was einen Zusammenhang mit diesen äusseren Faktoren als Auslöser vermuten lässt. Auch hormonelle Umstände scheinen eine Rolle zu spielen, da SLE vor allem bei Frauen im gebärfähigen Alter auftritt und manchmal auch nach Einnahme hormoneller Verhütungsmittel (z.B. Pille) zu beobachten ist.

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4. Symptome

Ein systemischer Lupus erythematodes (SLE) kann sich durch sehr vielfältige Symptome äussern, da er sehr viele verschiedene Organe betreffen kann. Anfangs zeigen sich meist allgemeine Anzeichen wie Gewichtsverlust, Abgeschlagenheit, Fieber, Lymphknotenschwellungen und Hautausschläge. Diese treten schleichend oder plötzlich auf. Nach einiger Zeit führt der systemische Lupus erythematodes in der Regel zusätzlich zu Gelenkbeschwerden an mehreren Stellen des Körpers.

Wenn mehrere der nachfolgenden Symptome auftreten, ist es ratsam, ärztlich abklären zu lassen, ob möglicherweise ein systemischer Lupus erythematodes besteht:

 

  • Haut: Ein systemischer Lupus erythematodes zeigt typischerweise eine schmetterlingsförmige Hautrötung (Erythem) im Gesicht. Dieses Schmetterlingserythem verstärkt sich durch UV-Strahlung (Sonneneinstrahlung). SLE kann auch an allen anderen Stellen des Körpers sichtbare Hautausschläge verursachen. Die Betroffenen sind in der Regel sehr lichtempfindlich. Auch Symptome wie ein kreisrunder, meist irreversibler Haarausfall (sog. Alopecia areata), eine Entzündung der kleinen Gefässe der Haut (sog. Vaskulitis) mit geringfügigen Einblutungen um die Fingernägel oder Mundschleimhautentzündungen treten bei systemischem Lupus erythematodes auf.
  • Gefässe: Bei Kältereiz verkrampfen sich die Gefässe der Finger, wodurch die Finger weiss und teilweise bläulich verfärbt sind (sog. Raynaud-Syndrom). Dieses Symptom, das schwächer ausgeprägt auch bei Gesunden auftritt, findet sich bei vielen Bindegewebserkrankungen (sog. Kollagenosen), zu denen der systemische Lupus erythematodes gehört.
  • Gelenke: Meist treten morgendliche Schmerzen der grossen und kleinen Gelenke (sog. Arthralgien), teilweise mit Schwellungen (Arthritis) auf. Dabei geht ein systemischer Lupus erythematodes anders als rheumatische Erkrankungen in der Regel nicht mit Knorpelschäden und Verformungen einher. Typischerweise sind auch nach Jahren im Röntgenbild keine Knochenveränderungen sichtbar. Der systemische Lupus erythematodes äussert sich häufig zusätzlich durch Muskelschmerzen (Myalgien).
  • Organe und Lymphknoten im Bauchraum: Ein systemischer Lupus erythematodes ist gekennzeichnet durch die Aktivierung und Beteiligung der Immunsystems. Als Reaktionen der Körpers hierauf kommt es zu Vergrösserungen der Lymphknoten, der Leber und der Milz. Ausserdem können Entzündungen des Bauchfells (Peritonitis) zu Magenschmerzen führen.
  • Lunge: Ein systemischer Lupus erythematodes kann verschiedene Symptome einer Lungenbeteiligung zeigen; meist kommt es zur Entzündung des Rippenfells (Pleuritis) mit Pleuraerguss. Anzeichen hierfür sind starke atemabhängige Schmerzen.
  • Herz: Der systemische Lupus erythematodes kann entzündliche Veränderungen sämtlicher Herzwandschichten auslösen. Am häufigsten ist die Entzündung des Herzfells (Perikarditis).
  • Niere: Ein systemischer Lupus erythematodes geht in zwei Drittel der Fälle mit einer Nierenbeteiligung einher. Symptome hierfür sind eine Entzündung mit Eiweiss und Blut im Urin und ein erhöhter Blutdruck. Die Ausprägung ist dabei sehr unterschiedlich und reicht von mild bis lebensbedrohlich. Die schweren Formen der Nierenentzündung bei systemischem Lupus erythematodes verlaufen in 40 Prozent der Fälle ungünstig und führen häufig zu Nierenversagen (Niereninsuffizienz). Zusammen mit der Beteiligung des zentralen Nervensystems (ZNS: Gehirn und Rückenmark) ist die Nierenbeteiligung bei SLE die schwerwiegendste Komplikation.
  • Zentrales Nervensystem (ZNS): Zieht ein systemischer Lupus erythematodes das zentrale Nervensystem in Mitleidenschaft, treten als Symptome meist Kopfschmerzen, psychische Auffälligkeiten und Krämpfe auf.

 

Symptom Häufigkeit
Fieber > 90%
Nierenentzündung > 60%
Gelenkentzündungen > 70%
Hautausschlag > 70%
Verminderung der weissen Blutkörperchen 60%
Verminderung der roten Blutkörperchen 50%
Schmetterlingserythem > 60%
Herz- und Lungenbeteiligung 60-70%
Vergrösserung von Leber und Milz 30%
ZNS-Beteiligung 60%
Verminderung der Blutplättchen 20%
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5. Diagnose

Ein systemischer Lupus erythematodes (SLE) lässt sich sowohl anhand der auftretenden Beschwerden als auch durch ergänzende Untersuchungen der befallenen Organe diagnostizieren. Wichtig für die Diagnose ist dabei das gleichzeitige Auftreten typischer Symptome. Neben Ultraschalluntersuchungen kann die Diagnostik bei systemischem Lupus erythematodes zusätzliche Labor- und Gewebeuntersuchungen umfassen.

Laboruntersuchungen

Systemischer Lupus erythematodes (SLE) ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem Antikörper gegen körpereigene Strukturen bildet (sog. Autoantikörper). Daher sind zur Diagnose verschiedene, teilweise sehr spezifische Laboruntersuchungen hilfreich, mit denen sich diese Autoantikörper nachweisen lassen. Die wichtigsten im Blut nachweisbaren Autoantikörper sind in der Tabelle aufgeführt:

Laboruntersuchung Ergebnis
Antinukleäre Antikörper (ANA) bei über 90% positiv
Anti-Doppelstrang-DNA-Antikörper (ds-DNA-Ak) sehr spezifisch für SLE
Anti-Sm-Antikörper (Antikörper gegen das Ribonukleoprotein Sm) sehr spezifisch für SLE
Antiphospholipid-Antikörper (Anti-Cardiolipin-Ak) verbunden mit Thrombose- oder Embolierisiko

Darüber hinaus ist ein systemischer Lupus erythematodes durch folgende Merkmale gekennzeichnet, die ebenfalls zur Diagnose beitragen und sich durch entsprechende Laboruntersuchungen prüfen lassen: eine erhöhte Blutsenkung bei einem meist normalen C-reaktiven Protein (CRP) und häufig eine verminderte Anzahl Blutzellen im Blutausstrich, vor allem weisse Blutkörperchen (Leukozyten), Blutplättchen (Thrombozyten) und Blutarmut (Anämie).

Ein systemischer Lupus erythematodes führt infolge der typischen Autoimmunreaktion zur Bildung von Komplexen aus Antikörpern und Zellbestandteilen, die sich in Blutgefässen ablagern. Diese gebundenen Antikörper (sog. Immunkomplexe) können Eiweisse eines als Komplementsystem bezeichneten Teils des Immunsystems aktivieren und verbrauchen. Daher lassen sich bei den Laboruntersuchungen die Komplementfaktoren C3 und C4 sowie das Gesamtkomplement CH50 im Blut in geringeren Mengen nachweisen. Hiermit kann der Arzt vor allem die entzündliche Aktivität des systemischen Lupus erythematodes im Verlauf gut überwachen. Lassen sich bei der Diagnose zu Zylindern angeordnete rote Blutkörperchen (Erythrozyten-Zylinder) und/oder Eiweiss im Urin und ein erhöhter Blutdruck nachweisen, spricht dies für eine Mitbeteiligung der Nieren im Rahmen des systemischen Lupus erythematodes (sog. Lupusnephritis).

Gewebeentnahme (Biopsie)

Wie sich systemischer Lupus erythematodes (SLE) auf die Haut auswirkt, ist bei der Diagnose durch eine Gewebeentnahme (Biopsie) feststellbar: Hierzu entnimmt der Arzt ein kleines Hautstück aus einer befallenen Region und untersucht es feingeweblich (histologisch). Dabei findet sich vor allem dem Licht ausgesetzten Hautbereichen das typische, sogenannte Lupusband, das die für die Autoimmunkrankheit typischen Ablagerungen von Immunkomplexen in der Haut anzeigt.

Um die SLE-Therapie planen und die Prognose für die Entwicklung der Erkrankung einschätzen zu können, ist es wichtig zu wissen, ob ein systemischer Lupus erythematodes auch die Niere betrifft (Lupusnephritis). Deshalb ist bei der Diagnose manchmal eine Gewebeentnahme über eine Nierenpunktion nötig, um Material für die feingewebliche Untersuchung zu gewinnen.

6. Therapie

Systemischer Lupus erythematodes (SLE) ist eine chronisch-entzündliche Bindegewebserkrankung, deren Therapie sich danach richtet, welche Organe betroffen sind und wie aktiv die Erkrankung im Einzelfall zum jeweiligen Zeitpunkt ist. Dabei ist eine engmaschige krankheitsspezifische und psychische Betreuung notwendig. Völlig heilen lässt sich ein systemischer Lupus erythematodes bisher nicht, weshalb die Behandlung und Linderung der Beschwerden im Vordergrund steht.

Systemischer Lupus erythematodes ist eine Autoimmunerkrankung, bei der sich das Immunsystem fälschlicherweise gegen körpereigene Strukturen richtet, wodurch Entzündungen entstehen. Daher zielt die Therapie stets darauf ab, die Abwehrreaktion Ihres Körpers zu unterdrücken (Immunsuppression). Den wichtigsten Fortschritt bei der Behandlung des systemischen Lupus erythematodes brachte die Einführung der Wirkstoffgruppe der Glukokortikoide (Kortison), da SLE fast immer auf höhere Dosen dieser Wirkstoffe anspricht. Da eine kurzfristige Therapie (sog. Stosstherapie) mit mehr Nebenwirkungen verbunden ist, erfolgt nach Möglichkeit eine langfristigere Einnahme von Kortison. Eine mögliche Alternative, vor allem bei Haut- und Gelenkbefall, ist das Malariamittel Hydroxychloroquin. Bei schweren Organbeteiligungen oder chronischen starken SLE-Beschwerden sind oft immunsystemunterdrückende Wirkstoffe (Immunsuppressiva) wie Cyclophosphamid oder Azathioprin nötig. Vor allem bei einer schweren Beteiligung der Niere (Lupusnephritis), aber auch bei Beteiligungen des Zentralnervensystems (ZNS: Gehirn u. Rückenmark) oder einer Herzklappenentzündung, bekommen Sie zur Therapie stärkere Immunsuppressiva. Zusätzlich kommt in manchen Fällen eine besondere Form der Blutwäsche zum Einsatz: die sogenannte Plasmapherese. Sie ermöglicht es, im Anschluss an eine Behandlung mit Cyclophosphamid die Antikörper aus den flüssigen Blutbestandteilen (Blutplasma) zu entfernen. Diese Behandlung kann in sehr schweren Fällen wirksam sein, ist aber wegen teilweise aufgetretener schwerer Infektionen umstritten.

Zusätzlich kommen zur SLE-Therapie unterstützende Massnahmen wie Medikamente gegen zu hohen Blutdruck (Hypertonie) oder Schmerzmittel infrage. Da ein systemischer Lupus erythematodes bei UV-Licht verstärkte Hautsymptome zeigt, ist es ausserdem wichtig, zu viel UV-Einstrahlung zu meiden. Schützen Sie sich deshalb konsequent vor Sonnenlicht (z.B. durch Sonnenschutzcremes mit hohem Lichtschutzfaktor) und sonstiger UV-Strahlung (Solarien).

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7. Verlauf

Ein systemischer Lupus erythematodes (SLE) nimmt einen chronischen, über Jahre anhaltenden Verlauf, der sich durch einen frühen Therapiebeginn positiv beeinflussen lässt. Obwohl eine völlige Heilung der Autoimmunkrankheit nicht möglich ist, lässt sie sich dank verschiedener Wirkstoffe ganz gut in den Griff bekommen.

Entsprechend hat ein systemischer Lupus erythematodes heute eine bessere Prognose: Die Lebenserwartung der Betroffenen hat sich in den letzten Jahrzehnten so stark verbessert, dass über 90 Prozent nach der Diagnosestellung die nächsten zehn Jahre überleben – in den 1960er Jahren waren es nur 20 bis 30 Prozent. Dieser günstigere Verlauf ist vor allem auf die verbesserten Medikamente und die engere Betreuung zurückzuführen.

Ein systemischer Lupus erythematodes kann im weiteren Verlauf zu verschiedenen Komplikationen führen. Zu den schweren, unter Umständen lebensbedrohlichen Komplikationen zählen Beteiligungen der Nieren sowie des ZNS (zentrales Nervensystem: Gehirn und Rückenmark) oder anderer Organe. Erstere führen in einigen Fällen zu chronischen Nierenerkrankungen, die eine Dialyse nötig machen. Eine Nierenbeteiligung kann unter Umständen zu einem Nierenversagen oder einer Nierenschädigung führen. Da die Therapie des systemischen Lupus erythematodes grösstenteils darauf abzielt, das Immunsystem zu unterdrücken, sind Infektionen oder Tumorerkrankungen mögliche Komplikationen der Behandlung. Schwere Infektionen zählen zu den häufigsten Todesursachen bei SLE.

Antiphospholipid-Syndrom

Nicht immer zeigt sich ein systemischer Lupus erythematodes (SLE) mit typischem Verlauf – es sind mehrere abweichende Verlaufsformen der Bindegewebserkrankung bekannt. Zu den Sonderformen des Lupus erythematodes zählt das Antiphospholipid-Syndrom, das durch die Bildung sogenannter Antiphospholipid-Antikörper gekennzeichnet ist. Dies sind Autoantikörper, die gegen Bestandteile der Zellwand gerichtet sind (z.B. Anti-Cardiolipin-Antikörper). Sie aktivieren das Blutgerinnungssystem und verursachen so Thrombosen, Embolien und arterielle Gefässverschlüsse. Wer diese Antikörper besitzt und ein solches thrombembolisches Ereignis (z.B. eine Lungenembolie) durchlebt hat, benötigt meist lebenslang gerinnungshemmende Medikamente.

Ein systemischer Lupus erythematodes kann in seinem Verlauf mit einer gehäuften Bildung von Antiphospholipid-Antikörpern einhergehen – dies bezeichnet man als sekundäres Antiphospholipid-Syndrom. Bei manchen Menschen sind jedoch Antiphospholipid-Antikörper im Blut nachweisbar und entsprechend thrombembolische Ereignisse zu beobachten, ohne dass sie weitere Zeichen eines systemischen Lupus erythematodes zeigen. In dem Fall liegt ein sogenanntes primäres Antiphospholipid-Syndrom vor. Frauen mit Antiphospholipid-Syndrom haben oft Fehlgeburten. Diese entstehen durch Thrombosen der Plazenta (Mutterkuchen), meist nach dem dritten Schwangerschaftsmonat. Eine Behandlung mit Heparin-Injektionen kann bei diesen Frauen oft eine erfolgreiche Schwangerschaft ermöglichen.

Medikamenteninduzierter Lupus erythematodes

Eine weitere Sonderform des Lupus erythematodes kann durch Medikamente entstehen (d.h. medikamenteninduziert sein). Dabei kommt eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Wirkstoffe als Verursacher infrage. Typisch ist, dass ein solcher medikamenteninduzierter Lupus erythematodes einen milderen Verlauf nimmt als ein systemischer Lupus erythematodes (SLE), häufig nur Haut, Gelenke und gelegentlich das Rippenfell befällt und nach Absetzen des auslösenden Medikaments von alleine wieder verschwindet. Starke immunsystemunterdrückende (immunsuppressive) Therapien sind nicht nötig. Im Labor finden sich typischerweise trotz positiv getesteter Antinukleären-Antikörper (ANA) ansonsten keine für den systemischen Lupus erythematodes typischen Doppelstrang-DNA-Antikörper, sondern stattdessen sogenannte Antihiston-Antikörper.

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Kutaner Lupus erythematodes (Lupus erythematodes der Haut)

Ein Lupus erythematodes kann auch ausschliesslich die Haut befallen – anders als ein systemischer Lupus erythematodes (SLE), der sich in seinem Verlauf auf viele Organe auswirkt. Häufig führt ein kutaner Lupus erythematodes (bzw. Lupus erythematodes der Haut) nicht einmal im Blut zu den typischen Autoantikörpern. Neben strengem Sonnenschutz und Kortisonpräparaten kommen zur Behandlung dieser Sonderform des Lupus erythematodes in den meisten Fällen die Malariamittel Hydroxychloroquin oder Chloroquin zum Einsatz.

8. Vorbeugen

Ein systemischer Lupus erythematodes (SLE) zählt zu den Autoimmunkrankheiten, deren Ursachen weitgehend unbekannt sind. Daher lässt sich der Entstehung dieser Erkrankung nicht wirksam vorbeugen. Wenn bei Ihnen schon ein systemischer Lupus erythematodes vorliegt, ist eine regelmässige Betreuung durch den behandelnden Arzt hinsichtlich Therapie und möglicher Nebenwirkungen wichtig. Ausserdem können Sie durch folgende Verhaltensregeln, die sich möglicherweise positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken, versuchen, den Schüben der Erkrankung entgegenzuwirken:

  • Versuchen Sie, die Krankheit zu akzeptieren und sich trotz der Erkrankung eine positive Lebenseinstellung zu bewahren.
  • Verzichten Sie auf Alkohol.
  • Bewegen Sie sich ausreichend.
  • Meiden Sie möglichst Sonne beziehungsweise UV-Licht und sorgen Sie für ausreichenden Sonnenschutz. Sogar Sonneneinstrahlung durch ein Fensterglas kann einen SLE-Schub auslösen!
  • Achten Sie vor allem im Herbst und Winter auf einen guten Kälteschutz besonders der Hände (Handschuhe, Handwärmer).
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