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  4. Tennisarm (Golferellenbogen)

Von Veröffentlicht am 24.11.2016

1. Überblick

Auch wer weder Tennis noch Golf spielt, kann einen Tennisarm oder Golferellenbogen entwickeln: Beides sind Schmerzsyndrome, die durch akute oder chronische übermässige Belastung der Muskulatur entstehen.

Tennisarm (Epicondylitis humeri radialis) und Golferellenbogen (Epicondylitis humeri ulnaris) sind durch entzündliche oder degenerative Veränderungen im Ellenbogenbereich gekennzeichnet, was die Gebrauchsfähigkeit des betroffenen Arms einschränkt. Die typischen Schmerzen treten am Ursprung der Streck- oder Beugemuskulatur des Unterarms in Höhe des Ellenbogens auf. Tennis- und Golfspieler sind hiervon häufig betroffen, was der Grund für die Bezeichnungen der Schmerzsyndrome ist. Bei den meisten Betroffenen sind jedoch Belastungen bei der Arbeit (wie handwerkliche Tätigkeiten oder intensive Computerarbeiter) die Auslöser für den Tennisarm oder Golferellenbogen.

Therapeutische Massnahmen von einem Tennisarm beziehungsweise Golferellenbogen reichen von Ruhigstellung über Salbenverbände und elektromechanische Stimulation bis hin zu Kortisonspritzen. Reicht diese Behandlung nicht aus, kann im weiteren Verlauf von Tennisarm oder Golferellenbogen eine Operation notwendig sein, um den Ansatz der Muskulatur zu lockern.

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2. Definition

Tennisarm und Golferellenbogen sind per Definition Schmerzsyndrome mit entzündlichen oder degenerativen Veränderungen im Bereich des Ellenbogens. Am Ellenbogen haben verschiedene Muskelgruppen des Arms, der Hand und der Finger ihren Ursprung. Die Muskeln sind über Bindegewebsstrukturen (Sehnen) mit dem Knochen verbunden. Die Streckmuskulatur befindet sich auf der Aussenseite des Arms (also kleinfingerseitig beziehungsweise ellenseitig; Elle = lat. Ulna). Dagegen setzt der Grossteil der Beugemuskulatur auf der Innenseite des Ellenbogens an (also daumenseitig beziehungsweise speichenseitig; Speiche = lat. Radius). Zu diesen Muskeln gehören unter anderem:

 

  • der Musculus extensor carpi radialis longus (langer speichenseitiger Handstrecker)
  • der Musculus extensor carpi radialis brevis (kurzer speichenseitiger Handstrecker)
  • der Musculus extensor digiti minimi (Kleinfingerstrecker)
  • der Musculus extensor digitorum (Fingerstrecker)


Wenn das umliegende Gewebe eines Knochenvorsprungs (= Epicondylus) entzündlich oder degenerativ verändert ist, bezeichnet man dies allgemein als Epicondylitis. Dabei bildet sich im Ansatzbereich der Muskulatur entzündliches Narben- und Granulationsgewebe. Bei einer sogenannten Epicondylitis humeri ist der Ellenbogenbereich am Ansatz der Hand- und Fingerstreckmuskulatur (Tennisarm) oder der Hand- und Fingerbeuger (Golferellenbogen) betroffen:

 

  • Den Tennisarm bezeichnet man auch als Epicondylitis humeri radialis.
  • Den Golferellenbogen nennt man auch Epicondylitis humeri ulnaris.

Häufigkeit

Tennisarm und Golferellenbogen treten mit grosser Häufigkeit bei Tennis- und Golfspielern auf. Die meisten Menschen mit einem solchen Schmerzsyndrom spielen jedoch weder Tennis noch Golf.

Die Epicondylitis, zu der Tennisarm und Golferellenbogen gehören, ist eine der häufigsten Erkrankungen im orthopädischen Bereich. Das Durchschnittsalter der Betroffenen liegt zwischen dem 35. und dem 50. Lebensjahr.

3. Ursachen

Tennisarm und Golferellenbogen haben als Ursachen akute oder chronische Überbelastungen der Muskulatur: Wenn der Arm übermässig beansprucht ist, entzünden und verändern sich in einigen Fällen die betroffenen Sehnenabschnitte. In der Regel ist der Gebrauchsarm betroffen. Von besonderer Bedeutung für die Entstehung von Tennisarm und Golferellenbogen sind einseitige, gleichförmige, sich wiederholende Bewegungen.

Trotz der Bezeichnungen Tennisarm und Golferellenbogen sind jedoch nicht nur die beim Tennis- oder Golfspielen ausgeführten Bewegungen Auslöser der Beschwerden: Dieses Schmerzsyndrom tritt zwar bei Tennis- und Golfspielern gehäuft auf, dennoch haben die meisten Betroffenen weder Tennis noch Golf gespielt. Die das Schmerzsyndrom auslösenden Belastungen bestehen vor allem bei der Arbeit (zum Beispiel handwerkliche Tätigkeit, intensive Computerarbeiter). Die genauen Entstehungsmechanismen sind noch nicht geklärt.

Ebenso wie die Sehnenscheidenentzündung am Unterarm (Tendovaginitis) oder das sogenannte Hand-Arm-Vibrationssyndrom (zum Beispiel nach längeren Arbeiten mit Presslufthämmern) gehören Tennisarm und Golferellenbogen zu den Erkrankungen, die man mit den Entstehungsmechanismen der Repetitive Strain Injury in Zusammenhang bringt.

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4. Symptome

Die beim Tennisarm und Golferellenbogen wichtigsten Symptome sind die Schmerzen im Bereich des Ellenbogens, die meist bis in die Hand ausstrahlen. Wenn die Betroffenen die einzelnen Muskelgruppen maximal dehnen, verstärken sich die Schmerzen dadurch erheblich. Drehbewegungen oder Faustschluss können Schmerzen an der Aussen- oder Innenseite des Ellenbogens auslösen.

 

  • Kennzeichnende Symptome beim Tennisarm sind Schmerzen im Bereich des äusseren Ellenbogens, wenn die Betroffenen
    • den Unterarm drehen,
    • das Handgelenk gegen einen Widerstand strecken,
    • den Mittelfingers gegen einen Widerstand strecken oder
    • den Ellenbogen strecken und die Hand passiv gebeugt ist.
       
  • Typische Anzeichen für einen Golferellenbogen sind Schmerzen im Bereich des inneren Ellenbogens, wenn die Betroffenen
    • ihr Handgelenk beugen,
    • den Unterarm gegen einen Widerstand drehen oder
    • schwere Gegenstände heben.


Die mit dem Tennisarm und Golferellenbogen verbundenen Schmerzen schränken auch die Ausführung ganz normaler Alltagsbewegungen ein: Händeschütteln oder das Anheben zunächst nur schwerer, später dann auch leichterer Gegenstände bis hin zur Kaffeetasse führen zu starken Schmerzen. Im weiteren Verlauf vermindern sich die Kraft der Hand- und Fingermuskulatur und die Griffstärke.

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5. Diagnose

Beim Tennisarm und Golferellenbogen erfolgt die Diagnose grundsätzlich anhand der geschilderten Beschwerden und der körperlichen Untersuchung. So lässt sich beispielsweise am Knochenansatz der betroffenen Muskulatur ein ausgeprägter stechender Druckschmerz auslösen, der bis in die Hand ausstrahlt.

Bei Verdacht auf einen Tennisarm oder Golferellenbogen kommen bildgebende Verfahren und Laboruntersuchungen nur zur Diagnose zum Einsatz, um andere Erkrankungen als Ursache für die Schmerzen auszuschliessen. So sollte eine Röntgenaufnahme des Ellenbogens erfolgen, um eine Arthrose auszuschliessen. Mit Laboruntersuchungen lassen sich Entzündungen ausschliessen.

Ob ein Tennisarm oder ein Golferellenbogen vorliegt, ist an der Art der Schmerzen feststellbar und daran, wo genau diese auftreten:

Tennisarm (Epicondylitis humeri radialis)

Ein Tennisarm (Epicondylitis humeri radialis) lässt sich bei der Diagnose anhand folgender Merkmale von einem Golferellenbogen abgrenzen: Beim Tennisarm kommt es zu Schmerzen im Bereich des äusseren Ellenbogens bei einer

 

  • Drehung des Unterarms,
  • Handgelenksstreckung gegen einen Widerstand,
  • Streckung des Mittelfingers gegen einen Widerstand und
  • Streckung des Ellenbogens und passiver Beugung der Hand.

Golferellenbogen (Epicondylitis humeri ulnaris)

Der Golferellenbogen (Epicondylitis humeri ulnaris) ist bei der Diagnose vom Tennisarm unterscheidbar, da er sich typischerweise durch Schmerzen im Bereich des inneren Ellenbogens äussert

 

  • bei Beugung des Handgelenks,
  • bei Drehung des Unterarms gegen einen Widerstand und
  • beim Heben von schweren Gegenständen.

6. Therapie

Bei einem Tennisarm oder Golferellenbogen erfolgt zunächst eine konservative (nicht-operative) Therapie. Die ersten Massnahmen bestehen darin, die Schmerzen durch Kälte- und Wärmebehandlung, Quermassage der Handgelenksmuskulatur (Querfriktion) und örtliche Ultraschall- und Mikrowellenbehandlung zu lindern. Begleitend können Medikamente gegen die Beschwerden von Tennisarm oder Golferellenbogen helfen: Hierbei kommen Salbenverbände (etwa Kortisonpräparate) und örtlich am Muskelansatz angewendete entzündungshemmende und schmerzstillende Mittel (Lokalanästhetika und Kortikoidgemisch) zum Einsatz. Zeigt sich durch diese Behandlung keine Besserung, besteht die nächste Massnahme darin, den vom Tennisarm oder Golferellenbogen betroffenen Arm mithilfe einer Unterarmgipsschiene für zwei Wochen ruhig zu stellen.

In vielen Fällen hat sich beim Tennisarm oder Golferellenbogen eine Behandlung durch Akupunktur bewährt: Damit lassen sich nicht nur die Schmerzen behandeln – auch der Entzündungsprozess kann so zum Stillstand kommen.

Des Weiteren können Betroffene auch nach abgeschlossener Therapie von Tennisarm oder Golferellenbogen eine sogenannte Epicondylitisspange tragen. Diese Spange entlastet den Muskelansatz am Ellenbogen.

Operation

Bei einem Tennisarm oder Golferellenbogen ist eine operative Therapie nur in Einzelfällen sinnvoll. Die Operation erfolgt erst, nachdem eine ausreichend lange – mindestens sechs Monate andauernde – konservative Therapie von Tennisarm oder Golferellenbogen versagt hat. Es gibt unterschiedliche Operationsmethoden, deren Ziel darin besteht, die chronisch angespannte Muskulatur zu entlasten.

7. Verlauf

Tennisarm und Golferellenbogen zeigen oft einen günstigen Verlauf. In den meisten Fällen heilen sie nach einer konservativen Behandlung – also ohne Operation – aus. Nur selten entwickelt sich ein chronischer Tennisarm und Golferellenbogen, sodass eine Operation notwendig sein kann, um die Muskulatur zu entlasten. In einzelnen Fällen lassen sich die Beschwerden aber auch operativ nicht dauerhaft beheben.

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8. Vorbeugen

Sie können einem Tennisarm und Golferellenbogen allgemein vorbeugen, indem Sie akute oder chronische Überbelastungen der Armmuskulatur vermeiden. Sind im Alltags- und Arbeitsleben einseitige, gleichförmige, sich wiederholende Bewegungen unumgänglich, können Sie prophylaktisch eine sogenannte Epicondylitisspange tragen, die den Muskelansatz am Ellenbogen entlastet.

Wenn Sie Tennis oder Golf spielen, ist beim Sport zur Prophylaxe von Tennisarm beziehungsweise Golferellenbogen Folgendes wichtig:

 

  • Achten Sie auf eine korrekte Schlagtechnik.
  • Sorgen Sie für einen langsamen Trainingsaufbau.
  • Achten Sie auf konsequentes Aufwärmen und Stretchen (Dehnübungen).
  • Verwenden Sie (beim Tennis) flexible anstelle kopflastiger Schläger.
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