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Veröffentlicht am 10. März 2021 - 12:23 Uhr

1. Überblick

Tetanus kann man sich praktisch überall einfangen. Eine kleine Wunde reicht schon um sich anzustecken. Die Tetanusimpfung bietet aber einen sicheren Schutz.

Tetanus (Wundstarrkrampf) ist eine Infektionskrankheit, die durch Krämpfe und Lähmungserscheinungen gekennzeichnet ist. Sie kann entstehen, wenn bestimmte Bakterien über eine (meist verschmutzte) Wunde in den Körper eindringen.

Bei dem für Tetanus verantwortlichen Bakterium handelt es sich um Clostridium tetani. Dieser Krankheitserreger ist äusserst widerstandsfähig und kommt in unserer Umwelt praktisch überall vor. Die Bakterien können daher über Strassenstaub oder Erde in Wunden gelangen. Im Rahmen dieser Wundinfektion setzen die Bakterien einen Giftstoff (Toxin) frei, der den Tetanus – auch Wundstarrkrampf genannt – auslöst.

Tetanus verursacht anfangs eher allgemeine Symptome, wie Kopfschmerzen oder Schwindel. Schreitet der Tetanus weiter fort, kommen in der Regel weitere Symptome hinzu. Dazu gehört die Verkrampfung der Kiefermuskulatur («Kieferklemme» oder Trismus genannt), der sogenannte Risus sardonicus – ein grinsender Gesichtsausdruck, der durch die verkrampfte Gesichtsmuskulatur entsteht –, eine vom Kopf und Nacken ausgehende Muskelstarre (Rigor) der langen Rücken- und Bauchmuskeln sowie eine Verkrampfung der Muskeln der Arme und Beine, der Rippen, des Kehlkopfs und schliesslich des Zwerchfells.

Die für Wundstarrkrampf typischen schmerzhaften Krämpfe dauern ein bis zwei Minuten an. Sie können in Minutenabständen auftreten und werden durch geringste äussere Reize ausgelöst.

Da die meisten Menschen in der Schweiz gegen Tetanus eine Impfung erhalten haben, tritt diese Infektionskrankheit heutzutage sehr selten auf – in der Schweiz werden nur null bis zwei Fälle jährlich verzeichnet. Wenn sich Menschen verletzen, bei denen kein ausreichender Tetanus-Impfschutz besteht, kann durch eine rechtzeitige Impfung verhindert werden, dass der Tetanus ausbricht. Selbst bei intensivmedizinischer Behandlung endet Tetanus in jedem vierten bis zehnten Fall tödlich – insbesondere, wenn ältere Menschen betroffen sind.

Ein Junge hat eine blutende Wunde am Knie.

Auch schon bei kleinen Wunden können leicht Tetanus-Bakterien ins Blut gelangen.

Quelle: Getty Images
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2. Definition von Tetanus

Tetanus (Wundstarrkrampf) ist eine Infektionskrankheit, bei der die Muskulatur durch einen Giftstoff (Toxin) zusammenkrampf und gleichzeitig gelähmt ist. Das Bakterium, welches diese Giftstoffe produziert, ist Clostridium tetani.

Mediziner unterscheiden mehrere Formen von Tetanus:

 

  • Generalisierter Tetanus: häufigste Form von Wundstarrkrampf in Mitteleuropa, hier ist die gesamte Muskulatur betroffen
  • Neonataler Tetanus: weltweit häufigste Form, betrifft Neugeborene, kommt fast nur in Ländern mit unzureichender medizinischer Vorsorgung vor
  • Lokaler Tetanus: seltene Form – die Verkrampfung der Muskulatur ist auf eine Körperregion beschränkt, dass heisst, es sind zum Beispiel nur die Beine betroffen
  • Zephaler Tetanus: Sonderform des lokalen Tetanus, tritt typischerweise nach einer Verletzung am Kopf, im Gesicht oder im Nacken auf
  • Puerperaler Tetanus: betrifft Mütter nach Geburten und Fehlgeburten (lat.: puerperium = Wochenbett), geht von einer infizierten Gebärmutter aus
  • Postoperativer Tetanus: tritt nach chirurgischen Eingriffen auf, geht von einer infizierten Operationswunde aus

Häufigkeit

Tetanus (Wundstarrkrampf) kommt weltweit vor: Geschätzt etwa eine Million Menschen sind jährlich betroffen. In Industrieländern tritt Starrkrampf jedoch dank Impfung nur noch selten auf. Dem Bundesamt für Gesundheit werden jährlich ein bis zwei Fälle gemeldet.

3. Ursachen von Tetanus

Für Tetanus (Wundstarrkrampf) sind die Ursachen bestimmte Bakterien, die über eine Wunde in den Körper eindringen und dort einen Giftstoff (Toxin) freisetzen.

Erreger

Der für Tetanus verantwortliche Erreger ist Clostridium tetani. Dieses stäbchenförmige Bakterium kann sich nur in sauerstoffarmer Umgebung vermehren. Eine solche Umgebung findet sich häufig in Wunden, besonders wenn diese stark ausgefranste Ränder aufweisen oder Wundtaschen bilden. Das Bakterium ist sehr widerstandsfähig gegen Hitze und Austrocknung sowie die üblichen Desinfektionsmittel und kann auch in einer sauerstoffreichen Umgebung überleben (sich allerdings nicht vermehren) – im Erdreich sogar jahrelang.

Der Tetanus verursachende Erreger kommt in unserer Umwelt praktisch überall vor – sowohl in seiner Sporenform als auch in seiner vermehrungsfähigen Form. Er ist auch natürlicher Bestandteil der menschlichen und tierischen Darm- und Hautflora. In besonders hoher Konzentration findet er sich im Boden und in tierischen Ausscheidungen (vor allem von Pferden, seltener auch von Rindern und anderen Tieren).

Infektionsweg

Der Tetanus-Erreger (das Bakterium Clostridium tetani) gelangt in seiner Sporenform (meist über Verschmutzungen) in eine Wunde. Dabei reichen für eine Infektion schon kleine Verletzungen, insbesondere durch Fremdkörper (zum Beispiel Holzsplitter, Dornen). Tetanus kann aber auch infolge von ausgedehnten Wundflächen entstehen, die stark verschmutzt sind, ausgefranste Wundränder und schlecht durchblutete Teile der Haut oder des Muskels aufweisen. Sie sind häufig die Folge von Verkehrs- oder landwirtschaftlichen Unfällen.

An der Stelle, an der das Bakterium in die Wunde eintritt, geht es von der Sporenform in die vermehrungsfähige Form über. Es vermehrt sich durch Teilung in der Wunde und setzt den Giftstoff Tetanustoxin (bzw. Tetanospasmin) frei. Über den Blutkreislauf und über Nervenbahnen gelangt der Giftstoff in das zentrale Nervensystem (Gehirn und Rückenmark). Dort hemmt es die Aktivität bestimmter Nervenzellen (sog. Vorderhornzellen). Nervenimpulse, die normalerweise muskelentspannend wirken, können dadurch nicht weitergeleitet werden. Dadurch kommt es zu den für Wundstarrkrampf typischen Krämpfen der Muskulatur.

Inkubationszeit

Bei Tetanus beträgt die Inkubationszeit (die Zeit zwischen Infektion und Auftreten der Symptome) drei Tage bis drei Wochen. In Einzelfällen kann sie auch länger dauern. Wenn die ersten Symptome wegen einer hohen Giftmenge früher auftreten, hat der Wundstarrkrampf eine entsprechend schlechtere Prognose.

4. Symptome von Tetanus

Der Tetanus (Wundstarrkrampf) äussert sich zu Beginn meist durch allgemeine Symptome wie:

 


Im Verlauf des Tetanus kommen weitere Symptome hinzu: die Verkrampfung der Kiefermuskulatur («Kieferklemme» oder Trismus genannt), der sogenannte Risus sardonicus – ein grinsender Gesichtsausdruck, der durch die krampfende Gesichtsmuskulatur entsteht –, eine vom Kopf und Nacken ausgehende Muskelstarre (Rigor) der langen Rücken- und Bauchmuskeln, sowie eine Verkrampfung der Muskeln der Arme und Beine, der Rippen, des Kehlkopfs und schliesslich des Zwerchfells.

Die für Wundstarrkrampf typischen schmerzhaften Krämpfe dauern ein bis zwei Minuten, sie können in Minutenabständen auftreten und werden durch geringste äussere Reize ausgelöst. Das können zum Beispiel laute Geräusche (akustischer Reiz), helles Licht (optischer Reiz) oder Berührungen (mechanischer Reiz) sein.

Durch den bei Tetanus stark erhöhten Stoffwechsel in den krampfenden Muskeln kommt es zu hohem Fieber. Durch die heftigen Krämpfe der Nacken- und Rückenmuskulatur können sogar Wirbelkörper der Wirbelsäule brechen und Dornfortsätze der Wirbel abreissen. Durch die Krämpfe der Kehlkopf- und Rippenmuskulatur ist die Atmung stark beeinträchtigt. Bei Beteiligung des Zwerchfells besteht für die Betroffenen die Gefahr, im Extremfall zu ersticken.

5. Diagnose von Tetanus

Bei Tetanus (Wundstarrkrampf) stellt ein Arzt die Diagnose anhand der typischen Symptome. Das klinische Bild von Wundstarrkrampf ergibt sich, wenn mindestens eines der drei folgenden Kriterien zutrifft:

 

  • schmerzhafte Dauerkontraktionen der Halsmuskulatur und der Kiefermuskulatur
  • schmerzhafte Kontraktionen der Rumpfmuskulatur
  • örtlich begrenzte oder allgemeine Muskelkrämpfe bei gleichzeitig erhöhter Muskelspannung


Beim sogenannten atypischen Wundstarrkrampf kann der Tetanus hingegen untypisch verlaufen, was die Diagnose erschweren kann. Daher schliesst das Fehlen der klassischen Symptome eine Tetanus-Infektion nicht immer aus. Andere neurologische Symptome können hier im Vordergrund stehen und zusammen mit einer infizierten Wunde den Verdacht auf Wundstarrkrampf erhärten.

Bei Verdacht auf Tetanus versucht die Ärztin festzustellen, ob der Patient in der Vergangenheit eine Impfung gegen Wundstarrkrampf bekommen hat. Eine Erkrankung ist unwahrscheinlich, wenn bei der Betroffenen eine vollständige Grundimmunisierung gegen Tetanus vorliegt und sie die notwendigen Auffrischimpfungen fristgerecht erhalten hat.

Um die Tetanus-Diagnose zu bestätigen, kann der Arzt dem Patienten Blut entnehmen und den Nachweis von Tetanustoxin – also dem für Tetanus verantwortlichen Giftstoff – im Blut anordnen. Aber auch wenn sich kein Toxin nachweisen lässt, kann man einen Wundstarrkrampf dennoch nicht komplett ausschliessen. Auch der direkte Erregernachweis im Blut ist hierbei unzuverlässig.

6. Therapie von Tetanus

Bei Tetanus (Wundstarrkrampf) gibt es kein direktes Gegenmittel gegen den auslösenden Giftstoff (das Tetanustoxin) – daher zielt die Therapie des Wundstarrkrampfs hauptsächlich darauf ab, die weitere Vermehrung der Krankheitserreger zu verhindern, das von den Erregern im Körper freigesetzte Tetanustoxin zu neutralisieren und die Symptome zu lindern. Dazu sind die folgenden Therapiemassnahmen ratsam:

 

  • Gründliche chirurgische Säuberung der Wunde, durch die der Tetanus-Erreger eingedrungen ist. Durch breites Herausschneiden und offene Wundbehandlung gelangt mehr Sauerstoff in den Wundbereich, wodurch sich der Tetanus-Erreger Clostridium tetani nicht weiter vermehren kann.
  • Hochdosierte Antibiotikagabe: Die Mittel (vorzugsweise Metronidazol) sollen möglichst viele Erreger abtöten, damit diese nicht noch mehr Tetanustoxin bilden können.
  • Aktive Immunisierung, um die Bildung eigener Antikörper in Gang zu setzen (Tetanus-Impfung)
  • Gabe von Antikörpern gegen das Tetanustoxin (sogenanntes Tetanus-Immunglobulin), die den noch nicht im Gehirn und Rückenmark angekommenen Giftstoff neutralisieren können
  • Intensivmedizinische Überwachung: Komplikationen bei der Atmung können eventuell einen Luftröhrenschnitt (Tracheotomie) und eine künstliche Beatmung erfordern.
  • Mittel zur Linderung der Symptome: Die symptomatische Therapie mit muskelentspannenden Medikamenten (Muskelrelaxanzien), Beruhigungsmitteln und Magnesium kann auch Komplikationen verhindern.
  • Unterbringung der Erkrankten in einem abgedunkelten und schallgeschützten – also reizarmen – Raum

Bei Verdacht auf Tetanus sollte die Behandlung so schnell wie möglich beginnen!

7. Verlauf von Tetanus

Bei Tetanus (Wundstarrkrampf) hängt der Verlauf unter anderem davon ab, wie viele Tetanus-Erreger (Clostridium tetani) sich in der Eintrittswunde finden: Je mehr Erreger, desto grösser ist die Menge des von ihnen gebildeten Giftstoffs. Die Wirkung des Toxins kann vier bis zwölf Wochen anhalten. Daher ist es günstig für den Tetanus-Verlauf, wenn die behandelnden Ärzte rasch die Eintrittswunde entdecken und gründlich chirurgisch reinigen können.

Komplikationen

Tetanus kann zu verschiedenen Komplikationen führen. Eine lebensbedrohliche Notsituation tritt ein, wenn die Kehlkopfmuskulatur oder die Atem- beziehungsweise Zwerchfellmuskulatur von den Krämpfen betroffen ist. In diesem Fall können die Betroffenen an den Krämpfen ersticken.

Auch eine geschädigte Wirbelsäule gehört bei Tetanus zu den möglichen Komplikationen: Es können Wirbelkörperbrüche und Dornfortsatzabrisse der Wirbel auftreten, wenn diese durch die Krämpfe überstreckt und somit extremer Belastung ausgesetzt sind.

Durch einen überstandenen Wundstarrkrampf sind die Betroffenen nicht zuverlässig immun gegen den Giftstoff – sie können durchaus ein weiteres Mal erkranken.

Letalität

Bei Tetanus beträgt die Letalität (Sterblichkeit) ohne Behandlung 25 bis 30 Prozent – je nachdem, wie stark das Beschwerdebild ausgeprägt ist und wie lange die Zeit zwischen der Infektion und dem Auftreten der Symptome (Inkubationszeit) dauert. Je kürzer die Inkubationszeit, desto schwerer verläuft der Wundstarrkrampf und desto schlechter ist die Prognose.

Selbst wenn die Betroffenen intensivmedizinisch behandelt werden, verläuft Tetanus in 10 bis 25 Prozent der Fälle tödlich – vor allem bei älteren Menschen.

8. Vorbeugen gegen Tetanus

Tetanus (Wundstarrkrampf) kann man nur wirksam mit einer Tetanus-Impfung vorbeugen. Vor allem, weil es keine spezifische Therapie gegen Wundstarrkrampf gibt wie ein Gegenmittel, welches man bei einer Infektion einnehmen kann, ist es wichtig, sich ausreichend impfen zu lassen.

Folgende Impfungen werden vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) empfohlen: Zur Vorbeugung steht eine Impfung zur Verfügung, die einzeln oder kombiniert mit derjenigen gegen Diphtherie, Keuchhusten, Poliomyelitis, Haemophilus influenzae Typ B verabreicht wird. Empfohlen wird die Impfung gemäss BAG:

 

  • je einmal im Alter von 2, 4 und 12 Monaten
  • zwischen 4 und 7 Jahren
  • zwischen 11 und 15 Jahren
  • Auffrischimpfungen sollen anschliessend im Alter von 25, 45 und 65 Jahren (also alle 20 Jahre) und anschliessend alle 10 Jahre erfolgen. Im Verletzungsfall wird die Impfung nach fünf Jahren erneuert.


Bei einer vorhandenen Grundimmunisierung gegen den Wundstarrkrampf, also bei mindestens drei dokumentierten Tetanus-Impfungen, frischt die behandelnde Ärztin bei tiefen oder verschmutzten Wunden oder Verletzungen die Impfung auf, wenn seit der letzten Impfung mehr als fünf Jahre vergangen sind. Bei sauberen, geringfügigen Wunden ist eine Auffrischung erst nach zehn Jahren nötig. Wenn die Situation unklar ist und die letzte Impfung über zehn Jahre zurückliegt, wird die Tetanus-Impfung immer aufgefrischt.

Bei einer unvollständigen oder fehlenden Grundimmunisierung (weniger als drei dokumentierte Impfungen) sollte der Patient zusätzlich zur üblichen Tetanus-Diphtherie-Impfung sofort Tetanus-Immunglobuline erhalten. Diese Antikörper sind gegen das Tetanustoxin gerichtet und können seine schädliche Wirkung neutralisieren. Zudem sollten die fehlenden Impfungen entsprechend den Empfehlungen nachgeholt werden.

«Wissen, was dem Körper gut tut.»

Chantal Hebeisen, Redaktorin

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