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Von Veröffentlicht am 10. April 2019

1. Überblick

Vor allem Tierhalter und Menschen, die beruflichen Umgang mit Tieren haben, trifft sie hart: die Tierhaarallergie. Bei einer Tierhaarallergie lösen Eiweisse (Proteine), die in Hautschuppen, Speichel, Schweiss, Talg, Urin oder Kot von Tieren vorkommen, eine allergische Reaktion aus. Die Tierhaare selbst sind nicht für Allergien verantwortlich. Grundsätzlich ist eine Allergie gegen alle Tiere möglich: sowohl gegen Haustiere als auch gegen Nutz- und Wildtiere. Typische Beispiele für Haustierallergien sind:

 

  • Katzenallergie (beziehungsweise Katzenhaarallergie)
  • Hundeallergie (beziehungsweise Hundehaarallergie)
  • Kaninchenallergie (beziehungsweise Kaninchenhaarallergie)
  • Meerschweinchenallergie (beziehungsweise Meerschweinchenhaarallergie
  • Vogelallergie


Allerdings ist nicht jede Tierhaarallergie gleich häufig: So gibt es zum Beispiel mehr Katzenallergiker als Menschen, die allergisch auf Kaninchenhaare reagieren.

Die Tierhaarallergie ist nach der Pollenallergie und der Hausstaubmilbenallergie die dritthäufigste Allergie. In den meisten Fällen bleibt eine einmal erworbene Tierhaarallergie ein Leben lang bestehen. Die einfachste Möglichkeit, einer allergischen Reaktion auf tierische allergieauslösende Stoffe (Allergene) aus dem Weg zu gehen, besteht darin, denn Kontakt zu den betreffenden Tieren zu vermeiden. Während eine Allergie gegen Hunde meist auf eine bestimmte Hunderasse beschränkt ist, reagieren Menschen mit einer Katzenallergie häufig auf alle Katzen allergisch.

Typische Beschwerden bei Tierhaarallergien sind tränende, juckende Augen bis hin zur Bindehautentzündung, Niesreiz, Husten oder allergischer Schnupfen. Auch allergische Reaktionen der Haut sind möglich. Nicht selten entwickelt sich infolge einer Tierhaarallergie ein allergisches Asthma bronchiale.

Es gibt zahlreiche Medikamente, welche die Tierhaarallergie zwar nicht heilen, aber die akuten Symptome lindern können: Wirksame Mittel gegen die Tierhaarallergie sind zum Beispiel Antihistaminika, Glukokortikoid-Lösungen und Adrenalin-Spray zum Inhalieren. Die einzige ursächliche Tierhaarallergie-Therapie stellt die Hyposensibilisierung (oder Desensibilisierung) dar.

2. Definition

Eine Tierhaarallergie ist eine allergische Reaktion vom Typ I (Soforttyp) auf bestimmte tierische Eiweisse (Proteine) aus Hautschuppen, Speichel, Schweiss, Talg, Urin oder Kot. Die allgemeine Bezeichnung für allergieauslösende Stoffe lautet Allergene. Die für Tierhaarallergien verantwortlichen Eiweisse können an Tierhaaren haften und sich mit diesen verbreiten. Die Tierhaare selbst lösen keine Allergien aus.

Ein Sonderfall einer allergischen Reaktion auf Tierallergene ist die sogenannte exogen-allergische Alveolitis: Anders als bei den anderen Fällen von Tierhaarallergie ruft der Kontakt zu den Allergenen hierbei nicht sofort, sondern mit einer Verzögerung von drei bis zwölf Stunden allergische Symptome hervor. Dabei handelt es sich eine allergische Reaktion der Lungenbläschen (Alveolen) vom Typ III (Immunkomplextyp) und Typ IV (Spättyp). Die exogen-allergische Alveolitis tritt häufig als Berufskrankheit auf. Auch Taubenzüchter sind oft betroffen.

Häufigkeit

Die Tierhaarallergie rangiert in Bezug auf ihre Häufigkeit direkt hinter Pollenallergien und Hausstaubmilbenallergien.

3. Ursachen

Einer Tierhaarallergie liegen als Ursachen eine Fehlregulation und eine überschiessende Abwehrreaktion des Immunsystems zugrunde: Eigentlich harmlose Stoffe bringen das Immunsystem dazu, gesteigert beziehungsweise übersteigert zu reagieren. Stoffe, die allergische Reaktionen auslösen, nennt man Allergene. Bei den für eine Tierhaarallergie verantwortlichen Allergenen handelt es sich um bestimmte tierische Eiweisse (Proteine) aus Hautschuppen, Speichel, Schweiss, Talg, Urin oder Kot, die an Tierhaaren oder Vogelfedern haften.

Häufige Auslöser einer Tierhaarallergie sind Hund und Katze. Grundsätzlich können jedoch alle Tierarten allergische Reaktionen auslösen. Viele Menschen reagieren auch allergisch auf Produkte aus Tierfellen, Vogelfedern oder Ähnlichem, wie etwa auf Schaffelle, Federbetten oder Kamelhaarmäntel.

Katzenallergie

Eine häufige Tierhaarallergie ist die Katzenallergie beziehungsweise Katzenhaarallergie. Die Ursachen für die Katzenallergie – die tierischen Eiweisse (Proteine) aus Hautschuppen, Speichel, Schweiss, Talg, Urin oder Kot, die an den Katzenhaaren haften – übertragen sich leicht über die Luft und haften auch an Kleidung. Auch wenn sich schon seit Monaten keine Katze mehr in einer Wohnung aufgehalten hat, finden sich noch Allergene in der Luft und können die Katzenallergie-Symptome auslösen. Reagiert das Immunsystem einmal allergisch auf eine Katze, besteht nachfolgend wahrscheinlich auch eine Allergie gegen andere Katzen. Allerdings kann sich eine Katzenallergie auch durch spezifische allergische Reaktionen auf nur eine Katzenart (etwa nur auf Angorakatzen) äussern.

Hundeallergie

Auch die Hundeallergie ist weit verbreitet. Diese Form der Tierhaarallergie hat häufig spezifischere Ursachen: Oft ist eine Hundeallergie beziehungsweise Hundehaarallergie auf eine einzige Hunderasse beschränkt. Dabei scheinen Allergene von kurzhaarigen Hunderassen eher Allergien zu verursachen als die von langhaarigen Hunderassen. Einige Menschen mit Hundeallergie entwickeln auch bei Kontakt mit Katzen allergische Symptome (Kreuzallergie) und umgekehrt, da sich einige allergene Eiweisse der beiden Tierarten in ihrer Struktur sehr ähnlich sind.

Vogelallergie

Bei der Vogelallergie haften die allergieauslösenden Stoffe an Vogelfedern. Ursachen für die allergische Reaktion bei der Vogelallergie sind meist Bestandteile von Vogelgefieder oder Vogelkot. Manchmal ist aber auch eine Allergie gegen Hausstaubmilben, die in Vogelfedern sitzen können, der Grund für eine scheinbare Allergie gegen Vögel.

4. Symptome

Bei einer Tierhaarallergie treten die Symptome in der Regel sofort nach dem Kontakt mit den allergieauslösenden Stoffen, den sogenannten Allergenen, auf. Zu den typischen Anzeichen von Tierhaarallergien zählen:

  • tränende und brennende Augen
  • Niesreiz
  • allergischer Schnupfen (Fliess- und Stockschnupfen)
  • Husten
  • Kratzen im Hals
  • allergische Reaktionen der Haut wie Rötungen oder Schwellungen


Daneben können Konzentrationsstörungen oder Schlafstörungen auftreten. In schwerwiegenden Fällen kann die Tierhaarallergie Atemnot und allergisches Asthma bronchiale auslösen. Im Unterschied zur Pollenallergie, die nur zu bestimmten Jahreszeiten auftritt, können die Symptome einer Tierhaarallergie ganzjährig auftreten.

Ein besonderer Fall einer Allergie gegen Tiere ist die exogen-allergische Alveolitis (auch Vogelhalterlunge, Farmerlunge oder Befeuchterfieber genannt): Für sie ist – anders als bei den typischen Fällen von Tierhaarallergie – eine verzögerte allergische Reaktion kennzeichnend. Die Symptome zeigen sich nicht sofort nach dem Kontakt zum Allergen, sondern erst nach drei bis zwölf Stunden. Dann kommt es zu Beschwerden wie Husten, Atembeschwerden, Fieber und Schüttelfrost. Eine exogen-allergische Alveolitis kann lebensbedrohliche Ausmasse annehmen.

5. Diagnose

Bei einer Tierhaarallergie ist es für die Diagnose wichtig, zu ermitteln, wann und wo die allergischen Symptome auftreten. Den genauen allergieauslösenden Stoff (das Allergen) kann ein Allergietest ermitteln. Meist kommt dazu der sogenannte Pricktest zum Einsatz: Hierbei tropft man bestimmte standardisierte Allergenextrakte auf Unterarm oder Rücken und ritzt die Haut anschliessend unter dem Tropfen mithilfe einer Nadel leicht an. Im Fall einer Tierhaarallergie röten sich die getesteten Stellen nach 15 bis 20 Minuten und schwellen leicht an.

Um das Testergebnis und somit die Diagnose der Tierhaarallergie zu bestätigen, ist eine Blutuntersuchung geeignet: Hierbei testet man das Blut auf Antikörper (Enzym-Allergo-Sorbent-Test = EAST, manchmal auch fälschlich RAST genannt) gegen die jeweiligen Allergene. In speziellen Fällen kann auch ein Provokationstest mit dem in die Nase eingebrachten Allergen zur Diagnose beitragen. Da hierbei eine starke allergische Reaktion möglich ist, erfolgt dieser Test am besten nur dann, wenn die Möglichkeit besteht, die Betroffenen direkt im Anschluss an den Test noch mindestens eine halbe Stunde lang ärztlich zu überwachen.

6. Therapie

Bei einer Tierhaarallergie besteht die Therapie in erster Linie darin, möglichst den Kontakt zum auslösenden Allergen zu meiden - das heisst nicht nur zum allergieauslösenden Tier selbst, dasselbe gilt auch für Einrichtungsgegenstände oder Kleidung aus Tierhaaren (zum Beispiel Rosshaarmatratze, Federbetten, Kamelhaarmäntel).

Daneben sind verschiedene Mittel gegen die Symptome einer Tierhaarallergie verfügbar: Schnell wirkende, als Tabletten verfügbare Antihistaminika (zum Beispiel Cetirizin) und Glukokortikoid-Lösungen (zum Beispiel Betamethason) sowie Adrenalin-Spray zum Inhalieren lindern die akuten Symptome der Allergie gegen Tierhaare. Gegen leichte Hautirritationen infolge der Tierhaarallergie hilft eine Therapie mit speziellen Pflegeprodukten, die zum Beispiel Dexpanthenol, Urea, Sanddorn oder Aloe Vera enthalten. In manchen Fällen ist bei einer Tierhaarallergie auch eine ursächliche Behandlung in Form einer Hyposensibilisierung (auch Desensibilisierung genannt) möglich.

7. Verlauf

Bei einer meist ein Leben lang bestehenden Tierhaarallergie hängt der weitere Verlauf in erster Linie vom Verhalten der Betroffenen ab: Mit den richtigen Vorsichtsmassnahmen sind allergische Reaktionen gut vermeidbar.

Katzenbesitzer mit einer Tierhaarallergie, die sich von ihrem Haustier nicht trennen möchten, entwickeln nicht selten einige Jahre später ein allergisches Asthma bronchiale. Bei einer Meerschweinchenallergie ist dieser Verlauf in der Regel schneller: Wenn Meerschweinchenallergiker die Allergene nicht vermeiden, tritt bei ihnen oft schon innerhalb eines Jahres Asthma auf.

8. Vorbeugen

Es gibt keine Massnahmen, mit denen Sie der Entstehung einer Tierhaarallergie gezielt vorbeugen können. Dies gilt selbst für den Kontakt mit Tieren: Wenn kein erhöhtes Allergierisiko besteht (etwa durch erbliche Vorbelastung), gibt es keinen Grund, aus Sorge vor einer möglichen Tierhaarallergie vorbeugend keine Haustiere zu halten. Wie sich die Haustierhaltung bei Kindern mit erhöhtem Allergierisiko auf die Allergieentwicklung auswirkt, lässt sich derzeit allerdings nicht abschliessend beurteilen. Es gibt Hinweise darauf, dass die Haltung von Katzen bei Risikokindern die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung einer Allergie wie der Tierhaarallergie erhöht; ein Hund dagegen stellt wohl kein Risiko dar.

Wenn Sie allergischen Reaktionen bei einer bestehenden Tierhaarallergie vorbeugen möchten, sind folgende Massnahmen sinnvoll:

 

  • Vermeiden Sie den Kontakt zum allergieauslösenden Tier.
  • Verzichten Sie auf die Haltung von Haustieren in der Wohnung und besonders im Schlafzimmer.
  • Wählen Sie bevorzugt Kleidung, Matratzen, Bettzeug und Einrichtungsgegenstände (zum Beispiel Teppiche), die nicht aus Tierhaaren hergestellt sind und keine Vogelfedern enthalten.
  • Nehmen Sie unter Umständen vor einem geplanten Besuch eines Haustierbesitzers Antihistaminika ein.


Wenn trotz bestehender Tierhaarallergie das allergieauslösende Tier weiterhin im Haushalt lebt, gibt es einiges, was Sie zusätzlich tun können, um allergische Reaktionen zu verringern:

  • Hände waschen, wenn Sie das Haustier berührt haben.
  • Das Haustier nicht im Bett schlafen lassen, sondern ihm einen Schlafplatz in einem anderen Raum zuweisen.
  • Das Haustier nicht auf den Sitzmöbeln liegen lassen.
  • Bettwäsche regelmässig wechseln.
  • Die Wohnung täglich saugen und einen Staubsauger mit Filtereinsatz verwenden.
  • Parkett und Laminatböden täglich feucht wischen.
  • Möglichst wenig Staubfänger – wie zum Beispiel Trockenblumen, Plüschtiere oder Kissen – ansammeln beziehungsweise diese regelmässig abstauben.