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1. Überblick

Die Tollwut (Rabies, Lyssa) ist eine lebensbedrohliche, durch Viren ausgelöste Infektionskrankheit. Ihre Übertragung erfolgt in der Regel durch den Biss eines erkrankten Tiers.

Das Virus kann alle Säugetiere befallen und von diesen auf den Menschen übertragen werden. Gemäss Bundesamt für Gesundheit (BAG) sind in Europa Füchse und Fledermäuse wichtige Reservoirtiere, in tropischen und subtropischen Ländern vor allem Hunde. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt durch Biss- und Kratzverletzungen erkrankter Tiere oder wenn deren Speichel auf menschliche Schleimhäute (zum Beispiel Auge, Nase, Mund) gelangt. Nagetiere wie Eichhörnchen, Ratten und Mäuse spielen bei der Verbreitung von Rabies keine Rolle.

Dank aufwendigen Aktionen mit Impfködern konnte die Tollwut gemäss BAG bei Füchsen in der Schweiz ausgerottet werden. Sie kann aber selten noch bei Fledermäusen oder bei illegal importierten Tieren (vor allem Hunden) auftreten. Die  letzten Fälle bei einheimischen Tieren wurden 1998 beobachtet (Ausnahme Fledermäuse). In Westeuropa kam es in den letzten Jahren zu mehreren Todesfällen bei Menschen, die sich bei Reisen in Risikogebiete (Asien, Afrika) angesteckt haben.

Die typischen Anzeichen für eine Tollwut-Infektion sind starke Schmerzen an der Bissstelle, Wasserscheu, Schluckstörungen, Speichelfluss, Angst und Gemütsschwankungen. Infolge zunehmender Lähmungen endet jede Erkrankung nach dem Auftreten der ersten Symptome tödlich.

Nach einer Verletzung durch ein krankes oder fremdes Tier sollte die Wunde sofort gut ausgewaschen und unverzüglich ein Arzt oder eine Ärztin aufgesucht werden. Solange noch keine Symptome aufgetreten sind, vermag eine Impfung den Ausbruch der Krankheit zu verhindern. Eine vorbeugende Impfung wird in der Schweiz empfohlen für Tierärzte und deren Mitarbeiter, exponierten Tierpflegern und -händlern, Personen mit Kontakt zu Fledermäusen und Personen, die in Laboratorien mit Tollwutviren arbeiten. Bei Reisen in Tollwutendemiegebiete ist die Impfung empfohlen bei hohem Individualrisiko (zum Beispiel Rucksacktouristen, Abenteuerreisen in entlegene Gebiete, Velo- und Motorradfahrer), sowie bei längeren Aufenthalten.

2. Definition

Tollwut, in der Fachsprache auch Rabies oder Lyssa genannt, ist eine durch bestimmte Viren ausgelöste Infektionskrankheit. Sie ist eine sogenannte Zoonose (= von Tieren auf Menschen übertragbare Krankheit): Ihre Übertragung erfolgt vor allem durch den Biss eines erkrankten Tiers.

In unseren Breitengraden kommt Tollwut hauptsächlich bei wildlebenden Fleischfressern (zum Beispiel Füchse, Dachse, Marder) und bei Fledermäusen vor. In der Schweiz – wie auch in einigen anderen europäischen Ländern – gilt die klassische Tollwut (auch: Fuchstollwut bzw. Wildtiertollwut) bei Wild- und Haustieren durch systematische Bekämpfungsmassnahmen inzwischen als getilgt. Nur Fledermäuse können hierzulande noch Tollwut übertragen. In Amerika sind vor allem Waschbären, Fledermäuse, Füchse und Stinktiere für die Übertragung der Rabies verantwortlich. Wenn sie Hund oder Katze infizieren, kann sich auch ein Mensch durch einen Hundebiss oder Katzenbiss mit Tollwut anstecken.

Häufigkeit

Dank konsequenter Bekämpfung der Tollwut (Rabies, Lyssa) weist die Erkrankung in der Schweiz, in Deutschland, Österreich und einigen anderen europäischen Ländern nur noch eine geringe Häufigkeit auf: Vor allem durch Immunisierung der Füchse mit Impfködern ist es gelungen, die Tollwut bei Wild- und Haustieren weitgehend zu beseitigen. Hierzulande können nur noch Fledermäuse die Tollwut übertragen. Allerdings ist es jederzeit möglich, die Tollwut wieder einzuschleppen - etwa über illegal importierte Tiere (vor allem Hunde). Tollwut gehört zu den meldepflichtigen Krankheiten.

Während die Häufigkeit von Tollwut in Europa mit durchschnittlich 30 Fällen beim Menschen pro Jahr gering ist, tritt die Rabies in Asien (China 5000, Indien 15'000) weitaus häufiger auf; dies ist auch bei Auslandsreisen zu beachten. Weltweit sterben rund 55'000 Menschen pro Jahr an Tollwut, wobei jedoch mit einer erheblichen Dunkelziffer, vor allem in Afrika und Asien, zu rechnen ist.

3. Ursachen

Für die Tollwut (Rabies, Lyssa) sind als Ursachen Infektionen mit einem bestimmten Virus verantwortlich. Dieses Virus gehört zur Gruppe der zylindrisch geformten RNA-Viren, den sogenannten Rhabdo-Viren. Diese Erreger der Tollwut finden sich vor allem bei wild lebenden Tieren (Füchse, Dachse, Marder, Rehe) und bei Haustieren (Rinder, Schafe, Ziegen, Pferde sowie Hunde und Katzen). Nagetiere wie Ratten, Mäuse oder Eichhörnchen spielen bei der Verbreitung der Rabies keine Rolle.

Als in der Schweiz (ebenso wie in einigen anderen europäischen Ländern) die Tollwut bei Wild- und Haustieren noch nicht dank langjähriger Bekämpfungsmassnahmen (Auslegen von Impfstoffködern) weitgehend beseitigt war, steckten sich die meisten Tiere hierzulande beim Fuchs an; die häufigste Ursache für die Ansteckung des Menschen mit Tollwut war ein Hunde- oder Katzenbiss. Tiere und Menschen können sich wie folgt über den virushaltigen Speichel eines tollwütigen Tiers infizieren, wenn der Speichel durch die verletzte Haut in den Körper gelangt:

  • Wenn ein tollwütiges Wild- oder Haustier oder eine Fledermaus an einer Hautstelle leckt oder knabbert, die oberflächliche, nicht blutende Kratzer oder Hautabschürfungen aufweist,
  • wenn ein tollwütiges Wild- oder Haustier oder eine Fledermaus beisst oder kratzt oder wenn Schleimhäute oder Wunden mit Speichel der Tiere in Berührung kommen (zum Beispiel durch Lecken).


Eine Infektion mit Tollwut kann aber auch stattfinden, wenn aus einem beschädigten Impfstoffköder Impfflüssigkeit austritt und mit verletzter Haut oder mit Schleimhäuten in Kontakt kommt.

An der Infektionsstelle vermehrt sich das Tollwutvirus erst in den Muskelzellen. Dann wandern die Viren über die Nerven in das Gehirn, wo sie sich weiter vermehren. Von dort aus gelangen die Erreger der Rabies in die Speicheldrüsen, in die Bauchspeicheldrüse und die Haarbalgdrüsen, wo sie sich wiederum vermehren und mit dem jeweiligen Sekret (Speichel, Verdauungssekret, Schweiss) abgegeben werden.

Inkubationszeit

Bei der Tollwut (Rabies, Lyssa) beträgt die Inkubationszeit (die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Infektionskrankheit) durchschnittlich drei bis acht Wochen, in Extremfällen auch weniger als neun Tage bis ein oder sogar mehrere Jahre. Die Dauer der Inkubationszeit hängt stark von der übertragenen Virusmenge und davon ab, wie weit die Bisswunde vom Gehirn entfernt ist: Bei Kopfwunden ist mit kürzerer Inkubationszeit zu rechnen als zum Beispiel bei Verletzungen an Armen und Beinen.

4. Symptome

Beim Menschen verläuft die Tollwut (Rabies, Lyssa) in drei Stadien, die durch verschiedene Symptome gekennzeichnet sind:

Vorläuferstadium der Tollwut:


Akute neurologische Phase
der Tollwut:

  • Angstgefühle, Unruhe,
  • durch das Schlucken ausgelöste Krämpfe der Schlundmuskulatur, dadurch Angst zu trinken,
  • Speichelfluss aus dem Mund, um den Speichel nicht schlucken zu müssen,
  • abwechselnd aggressiver und depressiver Gemütszustand,
  • Wasserscheu (Hydrophobie) – die optische oder akustische Wahrnehmung von Wasser führt zu Unruhe und Krämpfen, die sich auf die gesamte Muskulatur erstrecken können.


Koma
als letztes Stadium der Tollwut:

  • Nachlassen der Krämpfe und der Unruhe,
  • fortschreitende Lähmungen,
  • Tod.


Unbehandelt führt die Tollwut in allen Fällen zum Tod (100-prozentige Letalität). Erhalten die Betroffenen keine intensivmedizinische Betreuung, liegen zwischen dem Auftreten der ersten Symptome und dem tödlichen Ausgang der Rabies maximal sieben Tage. Weltweit ist bisher nur ein Fall in den USA bekannt, wo ein 15-jähriges Mädchen Anzeichen einer Tollwut-Erkrankung zeigte und überlebte, obwohl es nicht geimpft war. Die Gründe für sein Überleben sind unklar.

5. Diagnose

Bei der Tollwut (Rabies, Lyssa) erfolgt die Diagnose durch den direkten mikroskopischen Nachweis des verantwortlichen Virus – im Speichel, in der Hirnflüssigkeit oder in den Haarfollikeln der Betroffenen. Eindeutig bestätigen lässt sich die Diagnose aber erst nach dem Tod der Betroffenen durch Proben aus dem Hirngewebe. Es ist ratsam, die Überträgertiere unter amtstierärztlicher Aufsicht zu beobachten und zu untersuchen. Häufig sind Antigene im Speichel des noch lebenden Tiers nachweisbar. Sichern lässt sich die Verdachtsdiagnose Tollwut aber ebenfalls nur am toten Tier.

Für die Einleitung der Tollwut-Therapie ist die Sicherung der Diagnose jedoch ohne Bedeutung: Wenn ein tollwutverdächtiges oder tollwütiges Wild- oder Haustier oder eine Fledermaus Bissverletzungen oder Kratzwunden zugefügt hat oder deren Speichel mit oberflächlichen Kratzern, Hautabschürfungen oder Wunden in Kontakt gekommen ist, ist eine sofortige Behandlung wichtig – ohne bis zur Klärung des Infektionsverdachts abzuwarten. Wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass der Rabies-Verdacht falsch war, kann man die Behandlung abbrechen.

6. Therapie

Bei Verdacht auf Tollwut (Rabies, Lyssa) sollte so schnell wie möglich eine Therapie erfolgen, da die Infektionskrankheit unbehandelt immer zum Tod führt.

Jede Wunde, die ein möglicherweise mit Tollwut infiziertes Tier zugefügt hat oder die mit dem Speichel eines solchen Tiers oder mit der Impfflüssigkeit eines Impfstoffköders in Kontakt gekommen ist, ist direkt ausgiebig mit Seifenlösung oder Wasser zu reinigen, um den Erreger der Rabies auszuwaschen, und mit Alkohol oder Jod zu desinfizieren. Tiefere Wunden sind zusätzlich mit Kathetern auszuspülen.

Wenn der Verdacht auf eine Tollwut-Infektion besteht, sollten Sie sich sofort auf einer intensivmedizinischen Station behandeln lassen. Dort erhalten Sie nach der Waschung der Infektionsstelle unverzüglich eine sogenannte Immunprophylaxe. Dies bedeutet: Die Ärzte impfen Sie nach einem festgelegten Schema mit einem Totimpfstoff aktiv und – je nach Art des Tierkontakts – immunisieren Sie gleichzeitig mit einem Immunglobulin passiv gegen Tollwut. Zusätzlich ist vorsorglich auch eine Impfung gegen Tetanus (Wundstarrkrampf) ratsam.

7. Verlauf

Bei Tollwut (Rabies, Lyssa) hängt der Verlauf stark von einer frühzeitigen Therapie ab: Die ersten Behandlungsmassnahmen sollten möglichst sofort nach der Infektion erfolgen. Wenn die Krankheit mit den ersten Symptomen ausbricht, ist sie nicht mehr heilbar. Der tödliche Verlauf der Rabies lässt sich dann nur noch mit intensivmedizinischen Mitteln (zum Beispiel durch Beatmung) hinauszögern. Der Fall in den USA aus dem Jahr 2005, wo ein 15-jähriges Mädchen Tollwut überlebte, ist bisher einzigartig und ungeklärt.

8. Vorbeugen

Einer Infektion mit Tollwut (Rabies, Lyssa) lässt sich grundsätzlich vorbeugen, indem man jeglichen Kontakt mit möglichen Überträgern der Erregers vermeidet. Tollwütige, wildlebende Tiere verlieren nicht selten zu Beginn der Erkrankung ihre Scheu vor den Menschen. Zeigen ansonsten scheue Tiere ein zutrauliches Verhalten, ist besonders auf Distanz zu achten. Um sich vor einer Übertragung zu schützen, sollten Sie beispielsweise Fledermäuse nur mit Lederhandschuhen anfassen.

Ausserdem kann eine Tollwutimpfung der Infektion mit Rabies vorbeugen. In der Schweiz gilt das Risiko für eine Infektion mit klassischer Tollwut durch ein Wild- oder Haustier derzeit als sehr gering. Eine Impfung ist daher nur unter folgenden Umständen sinnvoll:

  • Bei erhöhtem beruflichen Risiko: Sie sollten Sie sich gegen Tollwut impfen lassen, wenn Sie
    • durch Ihren Beruf Umgang mit Tieren haben (Tierärzte, Tierpfleger, Förster oder Jäger) und die Wildtier-Tollwut in Ihrer Region erneut auftritt,
    • aus beruflichen oder sonstigen Gründen engen Kontakt zu Fledermäusen haben,
    • in einem Labor mit Tollwutviren arbeiten.

  • Vor einer Reise in Regionen mit hoher Tollwutgefährdung: Eine Reiseimpfung gegen Tollwut ist ratsam, wenn während der Reise das Risiko, mit dem Erreger der Tollwut in Kontakt zu kommen, erhöht ist (etwa durch streunende Hunde bei Trekkingtouren).


Den Impfstoff erhalten Sie in mehreren Injektionen innerhalb weniger Wochen. Die erste Auffrischimpfung sollte ein Jahr später erfolgen, dann alle zwei bis fünf Jahre. Der Schutz vor Tollwut hält bis zu fünf Jahre an.

Zur allgemeinen Vorbeugung von Tollwut gehört es auch, die Verbreitung der Krankheit bei Wild- und Haustieren zu bekämpfen: Dank konsequenter Massnahmen wie der Immunisierung der Füchse mit Impfködern ist dies in der Schweiz weitgehend gelungen. Das Risiko, dass die Wildtier-Rabies wieder in die Schweiz eingeschleppt wird, besteht zwar, ist aber als sehr gering zu bewerten. Ein schwerer einzuschätzendes Risiko ist jedoch die gesetzeswidrige Einfuhr von Haustieren aus Tollwutgebieten (wie zum Beispiel Weissrussland, Länder der Balkanregion oder Türkei): Wer ein nicht ausreichend gegen Tollwut geimpftes Tier (zum Beispiel Hund oder Katze) aus nicht tollwutfreien Ländern einführt, kann sein eigenes Leben und das aller Kontaktpersonen in Gefahr bringen und darüber hinaus die jahrelangen und kostenintensiven Bemühungen, die Schweiz frei von Tollwut zu bekommen, zunichte machen.

Tollwut ist in der Schweiz meldepflichtig: Zu melden ist allein schon der Krankheitsverdacht.