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Trockene Augen

(Sicca-Syndrom)
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1. Überblick

Trockene Augen (Sicca-Syndrom, Keratoconjunctivitis sicca) entstehen, wenn die Tränenflüssigkeit die Augen nicht ausreichend benetzt.

Mögliche Ursachen für ein trockenes Auge sind:

 

  • eine zu geringe Produktion von Tränenflüssigkeit
  • eine veränderte Zusammensetzung des Tränenfilms


Meistens sind hierfür Umwelteinflüsse verantwortlich, wie etwa der Luftzug von Klimaanlagen, Tabakrauch oder Bildschirmarbeit. Trockene Augen können aber auch andere Ursachen haben: Höheres Alter und weibliche Geschlechtshormone etwa begünstigen die Entstehung von trockenen Augen.

Daneben kann das Sicca-Syndrom im Rahmen verschiedene Erkrankungen entstehen, zum Beispiel bei:

 


Auch bestimmte Medikamente erhöhen das Risiko für trockene Augen, so etwa:

 

  • Acetylsalicylsäure
  • Antihistaminika (Mittel gegen Allergien)
  • Betablocker (Mittel gegen Bluthochdruck)


Trockene Augen machen sich vor allem durch typische Symptome bemerkbar, wie:

 


Daneben jucken trockene Augen oft und können lichtempfindlich sein.

Um trockene Augen beziehungsweise das Sicca-Syndrom zu diagnostizieren, kommen verschiedene Tests zum Einsatz, mit denen der Arzt Tränenmenge, Zusammensetzung des Tränenfilms, Hornhautoberfläche, Lidstellung und Tränendrüsen beurteilen kann.

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Gegen trockene Augen hilft in erster Linie eine Behandlung durch Tränenersatzmittel (sog. künstliche Tränen): Hier stehen dünnflüssigere Augentropfen sowie zähflüssigere Augengele als Mittel gegen trockene Augen zur Auswahl.

Bei ausgeprägtem Sicca-Syndrom kann die Therapie darin bestehen, die Tränenpünktchen am Auge zeitweilig zu verschliessen oder zu veröden, um so die Benetzungsstörung zu beheben. Dies verhindert, dass es bei den Betroffenen auf Dauer zu Hornhautschäden kommt.

2. Definition

Der Begriff trockene Augen (auch Sicca-Syndrom oder Keratoconjunctivitis sicca genannt) bezeichnet eine nicht-infektiöse Erkrankung des Auges, die mit einer Benetzungsstörung der Horn- und Bindehaut einhergeht. Ein trockenes Auge entsteht durch zu wenig Tränenflüssigkeit oder einen verstärkt verdunstenden Tränenfilm.

Tränenflüssigkeit

Trockene Augen entstehen, wenn die Tränenflüssigkeit Bindehaut und Hornhaut der Augen nicht ausreichend benetzt. Für die Bildung und die Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit sind verschiedene Drüsen zuständig. Sie befinden sich unter dem Oberlid, in der Augenhöhle, an den Lidrändern und in der Horn- und Bindehaut.

Der Lidschlag verteilt die Tränenflüssigkeit normalerweise gleichmässig auf dem Auge, so dass sie einen lückenlosen Tränenfilm bildet, und bewegt sie in Richtung der ableitenden Tränenwege. An den inneren Lidkanten befindet sich oben und unten je eine kleine Öffnung (sog. Tränenpünktchen), die in die Tränenkanälchen führt. Diese münden über einen gemeinsamen Tränengang in die Nase.

Im Durchschnitt blinzelt man pro Minute 20 bis 30 Mal.

Der Tränenfilm auf dem Auge besteht aus mehreren Schichten. Von aussen nach innen folgen:

 

  • eine fetthaltige Schicht (Lipidschicht), die von den Meibom- und Zeis-Drüsen des Auges produziert wird.
  • eine wässrige Schicht, die von den Tränendrüsen produziert wird.
  • eine Schleimschicht (Muzinschicht), die von Horn- und Bindehaut abgesondert wird.


Der Tränenfilm hat verschiedene Funktionen, er

 

  • hält die Augenoberfläche feucht.
  • erleichtert das Gleiten der Augenlider.
  • schützt das Auge vor Fremdkörpern.
  • schützt vor Augeninfektionen.
  • reinigt die Augenoberfläche.
  • dient der Ernährung der Hornhaut.


Um beschwerdefrei sehen zu können, ist eine ausreichende und gleichmässige Befeuchtung der Augen wichtig. Wenn die Bildung der Tränenflüssigkeit gestört ist oder der Tränenfilm schneller verdunstet (z.B. durch trockene Heizungsluft oder selteneres Blinzeln bei langer Bildschirmarbeit), reisst der Tränenfilm auf und führt zur Reizung der Bindehaut. Dann entsteht das unangenehme Gefühl, das für trockene Augen typisch ist.

Häufigkeit

Trockene Augen zählen zu den häufigeren Augenproblemen: Etwa ein Fünftel aller Menschen, die wegen Augenbeschwerden einen Augenarzt aufsuchen, haben trockene Augen.

Trockene Augen treten mit steigendem Lebensalter verbreitet auf, denn mit zunehmendem Alter nimmt die Tränenfilmproduktion ab. Frauen sind zudem häufiger vom Sicca-Syndrom betroffen als Männer, da weibliche Geschlechtshormone das Risiko für trockene Augen erhöhen.

3. Ursachen

Trockene Augen (Sicca-Syndrom, Keratoconjunctivitis sicca) haben unterschiedliche Ursachen. In jedem Fall liegt eine Benetzungsstörung der Horn- und Bindehaut des Auges vor, für die entweder eine verminderte Tränenfilmproduktion oder eine verstärkte Verdunstung des Tränenfilms verantwortlich ist.

Am häufigsten entstehen trockene Augen durch äussere Einflüsse: So führt etwa lange Bildschirmarbeit oft zum Sicca-Syndrom, weil sich hierbei die Lidschlagfrequenz stark verringert. Andere Umweltfaktoren wie zum Beispiel der Luftzug von Klimaanlagen und Autogebläsen, trockene Heizungsluft oder Tabakrauch sind ebenfalls verbreitete Ursachen. Auch das Tragen von Kontaktlinsen kann trockene Augen zur Folge haben.

Darüber hinaus gibt es biologische Ursachen für trockene Augen:

 

  • Alter: Mit zunehmendem Alter sinkt die Tränenproduktion. Das Sicca-Syndrom ist daher bei älteren Menschen weiter verbreitet als bei jüngeren. Gut ein Drittel aller Betroffenen sind älter als 40 Jahre.
  • Hormone: Weibliche Geschlechtshormone erhöhen das Risiko für trockene Augen. Frauen sind deshalb häufiger davon betroffen als Männer. Auch eine Hormonersatztherapie (v.a. mit Östrogen) kann die Entstehung trockener Augen fördern.


Neben östrogenhaltigen Mitteln kommen viele weitere Medikamente für trockene Augen als Ursachen infrage – vor allem, wenn man sie über einen längeren Zeitraum einnimmt. So können hinter einem Sicca-Syndrom beispielsweise

 

  • Mittel gegen Allergien (Antiallergika),
  • Acetylsalicylsäure,
  • Betablocker (Mittel gegen Bluthochdruck),
  • Antidepressiva oder
  • Neuroleptika stecken.

Auch örtlich am Auge angewandte Kortikoide (in Augentropfen oder -salben) können zu Trockenheit führen.

Ausserdem können verschiedene Erkrankungen Benetzungsstörungen der Augen hervorrufen, so zum Beispiel:

 

4. Symptome

Trockene Augen (Sicca-Syndrom, Keratoconjunctivitis sicca) machen sich durch typische Symptome bemerkbar, wie:

 

  • Fremdkörpergefühl im Auge («Sand im Auge»)
  • brennende Augen
  • gerötete Augen


Daneben können sich trockene Augen durch weitere Symptome äussern:

 

  • müde Augen
  • verschwommenes Sehen
  • Juckreiz
  • erhöhte Lichtempfindlichkeit (sog. Photophobie)
  • mit Sekret verklebte Augenlider (v.a. morgens nach dem Aufstehen)
  • Druckgefühl in den Augen
  • Augenschmerzen (vor allem durch Reize wie z.B. Luftzug, Tabakrauch, etc.)
  • tränende Augen (durch die ständige Reizung tränen trockene Augen zeitweise schon bei geringfügigen Einflüssen, z.B. bei leichtem Wind)


Neben den Beschwerden durch das Sicca-Syndrom können weitere Probleme im Alltag auftreten:

 

  • erschwerte Bildschirmarbeit
  • Probleme beim Tragen von Kontaktlinsen
  • Kosmetika-Unverträglichkeit

5. Diagnose

Trockene Augen (Sicca-Syndrom, Keratoconjunctivitis sicca) sind eine häufige Diagnose – etwa jeder Fünfte, der wegen Augenbeschwerden zum Augenarzt geht, ist davon betroffen. In der Regel erkennt der Augenarzt bereits an den typischen Beschwerden, worum es sich handelt.

Verschiedene Tests können die Diagnose bestätigen: Sie dienen vor allem dazu, Tränenmenge, Zusammensetzung des Tränenfilms, Hornhautoberfläche, Lidstellung und Tränendrüsen zu beurteilen. Einige Tests erfolgen mit einfachen Hilfsmitteln, zum Beispiel mit der sogenannten Spaltlampe. Mit dieser kann der Arzt das Auge bei einer bestimmten Beleuchtung vergrössert betrachten. Andere Untersuchungen sind aufwendiger und erfordern spezielle Laborvorrichtungen. Die häufigsten Tests für die Diagnose von trockenen Augen sind:

 

  • Beurteilung der Tränenfilmaufrisszeit: Dazu färbt der Augenarzt die Tränenflüssigkeit mit einem fluoreszierenden Farbstoff (Fluorescein) und beurteilt mithilfe der Spaltlampe, wie schnell der Tränenfilm nach dem Öffnen des Auges aufreisst. Diese Zeit beträgt beim gesunden Auge mindestens zehn Sekunden, beim trockenen Auge weniger.
  • Schirmer-Test: Hierbei bekommt man einen kleinen Filterpapierstreifen ins Auge gelegt. Nach fünf Minuten kann der Augenarzt ablesen, zu welchem Anteil der Streifen befeuchtet ist. So lässt sich messen, wie viel Tränenflüssigkeit das Auge absondert.

6. Therapie

Gegen trockene Augen (Sicca-Syndrom, Keratoconjunctivitis sicca) kommen zur Therapie vor allem sogenannte Tränenersatzmittel in Form von Augentropfen oder Augengelen zum Einsatz. Diese «künstlichen Tränen» sollen die Beschwerden lindern, die durch die unzureichende Benetzung der Augen entstehen. Die Tränenersatzmittel beinhalten Filmbildner, die die Tränenfilmaufrisszeit verlängern.

Indem Sie die «künstlichen Tränen» mehrmals täglich in das trockene Auge tropfen, ersetzen Sie die fehlende Flüssigkeit und verbessern gleichzeitig die Benetzung der Hornhautoberfläche. Je nachdem, welche Tränenersatzmittel Sie besser vertragen, können Sie dünnflüssigere Augentropfen oder zähflüssigeres Augengel gegen trockene Augen verwenden. Achten Sie dabei darauf, dass das Mittel keine Konservierungsstoffe enthält – diese können die Trockenheit der Augen verstärken beziehungsweise Allergien hervorrufen.

Wenn Sie trockene Augen haben, ist es ratsam, alle äusseren Einflüsse zu meiden, die Ihre Beschwerden verstärken können. Meiden Sie zum Beispiel Tabakrauch oder den direkten Luftstrom von Autogebläsen / Klimaanlagen. Generell wohltuend für Ihre Augen sind dagegen eine feuchtere Raumluft und frische Luft: Lüften Sie daher regelmässig oder setzen Sie gegebenenfalls einen Luftbefeuchter ein. Wenn Sie am Bildschirm arbeiten, sollten häufiger blinzeln und öfters kleine Pausen einlegen.

Wenn die Tränenersatzmittel nicht gegen das Sicca-Syndrom helfen und Sie sehr trockene Augen haben, können Sie zur Behandlung andere Mittel zur Befeuchtung des Auges erhalten, zum Beispiel:

 

  • Augentropfen mit Hyaluronsäure
  • Augentropfen mit schleimlösenden (mukolytischen) Stoffen (wie Acetylcystein)
  • Augensalben mit Dexpanthenol (für die Nacht)


Mitunter ist es bei einem stark ausgeprägten Sicca-Syndrom notwendig, die Tränenpünktchen zu veröden oder mit einem Kunststoffstöpsel zu verschliessen, damit weniger Tränenflüssigkeit ablaufen kann.

7. Verlauf

Trockene Augen (Sicca-Syndrom, Keratoconjunctivitis sicca) nehmen bei entsprechender Therapie meist einen guten Verlauf. Die unzureichende Benetzung der Augen mit Tränenflüssigkeit und die damit verbundenen Beschwerden können für die Betroffenen dennoch sehr belastend sein und die Fähigkeit, bestimmte Tätigkeiten auszuüben, einschränken. Ein trockenes Auge gefährdet jedoch in der Regel nicht die Sehkraft.

Nur in besonders schweren Fällen können trockene Augen einen so schweren Verlauf nehmen, dass die Hornhaut durch die Folgen der Benetzungsstörung dauerhaft geschädigt ist.

Komplikationen

Sind die Augen chronisch trocken, kann es unter Umständen zu Komplikationen kommen. So steigt bei dauerhaft trockenen Augen zum Beispiel das Risiko für Augeninfektionen. In besonders ausgeprägten Fällen kann zudem die Hornhaut durch die unzureichende Benetzung der Augen mit Tränenflüssigkeit dauerhaft nehmen.

8. Vorbeugen

Trockene Augen (Sicca-Syndrom, Keratoconjunctivitis sicca) sind oft durch Umwelteinflüsse bedingt und lassen sich daher zum Teil vorbeugen, wenn Sie folgende Massnahmen ergreifen:

 

  • Sorgen Sie für ausreichend feuchte und frische Raumluft.
  • Legen Sie bei längerer Bildschirmarbeit regelmässig Pausen ein und blinzeln Sie häufiger, da beim Starren auf den Bildschirm die Lidschlagfrequenz abnimmt.
  • Meiden Sie Tabakrauch.
  • Meiden Sie den Luftzug von Klimaanlagen.
  • Stellen Sie beim Autofahren das Autogebläse so ein, dass der Luftstrahl nicht auf Ihre Augen gerichtet ist.
  • Tragen Sie Kontaktlinsen nicht zu lang. Vorbeugend können Kontaktlinsenträger Ihre Augen regelmässig mit einem Tränenersatzmittel befeuchten.
  • Nehmen Sie ausreichend Flüssigkeit zu sich (idealerweise zwei Liter täglich).


Achten Sie ausserdem auf die richtige Wahl der Augentropfen: Die Trockenheit der Augen nimmt durch Konservierungsmittel zu. Wenn Sie Tränenersatzmittel (Augentropfen oder Augengel) gegen trockene Augen verwenden, achten Sie daher unbedingt darauf, Produkte ohne Konservierungsstoffe zu wählen.