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1. Überblick

Das Ulcus molle (engl.: Chancroid), umgangssprachlich auch weicher Schanker genannt, ist eine durch bakterielle Infektion hervorgerufene Erkrankung, die sexuell übertragbar ist und sich überwiegend im Genitalbereich zeigt.

Ulcus molle zählt – wie Syphilis, Gonorrhö (Tripper) und Lymphogranuloma venereum (venerische Lymphknotenentzündung) – zu den klassischen Geschlechtskrankheiten (sexually transmitted diseases, STD). Anders als Syphilis ist weicher Schanker jedoch nicht meldepflichtig.

In Europas ist der weiche Schanker selten: Der Auslöser dieser Geschlechtskrankheit, das Bakterium Haemophilus ducreyi, kommt vor allem in tropischen Gebieten vor. Seine Übertragung erfolgt praktisch ausschliesslich durch Geschlechtsverkehr. Bei einer Infektion mit dem Erreger kommt es an dessen Eintrittsstelle zu einer für Ulcus molle kennzeichnenden Geschwürbildung (lat. ulcus = Ulkus bzw. Geschwür). In Afrika ist Ulcus molle die häufigste Ursache für Geschwüre im Genitalbereich, wobei Männer häufiger betroffen sind als Frauen.

Die für Ulcus molle typischen Geschwüre am Penis beziehungsweise am Eingang der Scheide sind schmerzhaft. Breiten sich die ursächlichen Bakterien aus, können sich zusätzlich die Lymphknoten in der Leistengegend entzünden und anschwellen. Ohne Behandlung können sich im weiteren Verlauf von Ulcus molle die entzündlich geschwollenen und schmerzhaften Lymphknoten dann ebenfalls geschwürartig verändern.

Diagnostizieren lässt sich ein weicher Schanker anhand der äusserlich erkennbaren Symptome und durch den mikroskopischen Nachweis der Erreger. Hierzu ist ein Abstrich von einem Geschwür nötig. Zur Therapie des Ulcus molle kommen Antibiotika zum Einsatz, mit denen sich die Erreger direkt bekämpfen lassen. Dabei ist es ratsam, auch die Partner(innen) der Betroffenen mitzubehandeln. Konsequent behandelt verläuft die Infektion gut und heilt folgenlos aus.

Da Ulcus molle zu den Geschlechtskrankheiten zählt, besteht eine wirksame Massnahme zur Vorbeugung dieser Krankheit darin, beim Geschlechtsverkehr Kondome zu verwenden.

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2. Definition

Ulcus molle (engl.: Chancroid), umgangssprachlich auch «weicher Schanker» genannt (lat. ulcus = Ulkus bzw. Geschwür, mollis = weich), ist per Definition eine durch das Bakterium Haemophilus ducreyi hervorgerufene Krankheit, die durch Geschwürbildung gekennzeichnet ist. Die Geschwüre bilden sich überwiegend im Genitalbereich. In jedem zweiten Fall von Ulcus molle kommt es ausserdem zu entzündlichen Lymphknotenschwellungen (sog. Bubonen) in der Leistengegend, wobei die Lymphknoten typischerweise zur Vereiterung neigen, weich und schmerzhaft sind.

Weicher Schanker gehört – neben Syphilis, Gonorrhö (Tripper) und Lymphogranuloma venereum (venerische Lymphknotenentzündung) – zu den klassischen Geschlechtskrankheiten (sexually transmitted diseases, STD). Anders als für Syphilis besteht weder für Ulcus molle noch für den Nachweis des Erregers eine Meldepflicht.

Häufigkeit

Das für Ulcus molle (weicher Schanker) verantwortliche Bakterium Haemophilus ducreyi ist weltweit verbreitet, kommt aber mit grösster Häufigkeit in den Tropen vor. Daher tritt die Geschlechtskrankheit vor allem in tropischen Gebieten Afrikas, Asiens und Lateinamerikas auf: In Afrika ist weicher Schanker die häufigste Ursache für Geschwüre im Genitalbereich. In Europa ist das Ulcus molle selten.

Weltweit entwickelt sich Ulcus molle jedes Jahr mit einer Häufigkeit von schätzungsweise etwa sieben Millionen neuen Fällen. Bei Männern ist weicher Schanker etwa zehnmal häufiger als bei Frauen, wobei beschnittene Männer seltener betroffen sind als unbeschnittene.

3. Ursachen

Ulcus molle (weicher Schanker) liegen als Ursachen Infektionen mit einem bestimmten bakteriellen Erreger zugrunde: Haemophilus ducreyi. Dieses stäbchenförmige Bakterium ist vor allem in manchen tropischen Ländern weit verbreitet.

Weicher Schanker ist sehr ansteckend und zählt zu den Geschlechtskrankheiten: Die Übertragung der für die Infektion verantwortlichen Bakterien hat ihre Ursachen in den meisten Fällen in Geschlechtsverkehr. Der Erreger des Ulcus molle dringt dabei durch verletzte Haut oder über die Schleimhaut in das Gewebe ein und löst an seiner Eintrittsstelle die für die Geschlechtskrankheit typische Geschwürbildung aus. Die Bakterien können sich nachfolgend weiter ausbreiten und zusätzlich eine entzündliche Schwellung der nahe gelegenen Lymphknoten verursachen.

Inkubationszeit

Beim Ulcus molle (weicher Schanker) beträgt die Zeit zwischen der Ansteckung mit den als Ursachen verantwortlichen Bakterien und dem Ausbruch der Krankheit (sog. Inkubationszeit) vier bis zehn Tage, gelegentlich auch länger.

4. Symptome

Beim Ulcus molle (weicher Schanker) treten die ersten Symptome etwa vier bis zehn Tage nach der Infektion mit dem ursächlichen Bakterium Haemophilus ducreyi auf. Erstes Anzeichen für die Geschlechtskrankheit ist eine örtliche Entzündungsreaktion an der Eintrittsstelle des Erregers, an deren Boden sich ein kleines Knötchen bildet. Nach einigen Tagen verändert sich dieses zu einer flachen Wunde, die aufbricht und sich zu einem Geschwür (Ulkus) ausbildet. Typischerweise ist das Geschwür flach, unregelmässig begrenzt, rot gerändert, schmerzhaft und eitrig; sein Rand ist weich. In der Regel bilden sich beim Ulcus molle mehrere Geschwüre aus, die ineinander übergehen können.

Beim Mann treten diese kennzeichnenden Symptome des Ulcus molle meist am Penis – an der Vorhaut oder am Hautbändchen unterhalb der Eichel (Frenelum) – auf; bei der Frau findet die Geschwürbildung überwiegend am Eingang der Scheide (Vagina) statt. Ein weicher Schanker zeigt sich allerdings nicht bei jeder Infektion mit Haemophilus ducreyi: Frauen können den Erreger des Ulcus molle auch in sich tragen, ohne Symptome der Infektion zu entwickeln.

Bei der Hälfte aller Fälle von Ulcus molle treten neben der Geschwürbildung im Genitalbereich weitere Symptome auf: Dann entsteht zusätzlich eine schmerzhafte Entzündung und Schwellung der Lymphknoten in der Leistengegend. Die entzündlich geschwollenen Lymphknoten (sog. Bubonen) können sich ebenfalls zu einem Geschwür verändern und an der Hautoberfläche durchbrechen.

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5. Diagnose

Beim Ulcus molle (weicher Schanker) erfolgt die Diagnose anhand der typischen Symptome (Geschwürbildung im Genitalbereich und eventuell Lymphknotenschwellung in der Leistengegend) sowie durch einen mikroskopischen Nachweis der ursächlichen Erreger im Labor. Dazu wird ein Abstrich des Geschwürgrunds entnommen und eine Erregerkultur angelegt. Nach einer entsprechenden Färbung lässt sich das für Ulcus molle verantwortliche Bakterium Haemophilus ducreyi unter dem Mikroskop identifizieren.

Weicher Schanker zeigt sich durch Geschwüre, die leicht mit anderen Geschwüren zu verwechseln sind: So ergeben zum Beispiel die Symptome des Ulcus molle ein ähnliches Bild wie die Geschlechtskrankheiten Syphilis und Genitalherpes. Daher ist es zur sicheren Diagnose des Ulcus molle nötig, diese Krankheiten auszuschliessen.

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6. Therapie

Beim Ulcus molle (weicher Schanker) kommen zur Therapie Antibiotika zum Einsatz, mit denen sich die ursächlichen Bakterien gezielt bekämpfen lassen. Besonders erfolgreich ist eine siebentägige Behandlung mit Erythromycin oder alternativ eine dreitägige Therapie mit Ciprofloxacin. Da das für Ulcus molle verantwortliche Bakterium Haemophilus ducreyi eine Widerstandsfähigkeit (Resistenz) ausbilden und weitergeben kann und mittlerweile gegen Penizillin, Sulfonamide und Tetrazykline resistent ist, sind diese Antibiotika zur Ulcus-molle-Behandlung nicht mehr geeignet.

Neben der Antibiotika-Therapie ist es bei Ulcus molle wichtig, aufgebrochene Geschwüre regelmässig mit Wasser und Seife zu säubern und trocken zu halten. Besteht gleichzeitig eine eitrige Entzündung der Lymphknoten, kann die Behandlung zusätzlich in einer Punktion und Eiterentleerung bestehen: Dann spaltet der Arzt den entzündlich geschwollenen Lymphknoten (sog. Bubo) und saugt die darin enthaltene Flüssigkeit ab.

Weicher Schanker ist eine sehr ansteckende Geschlechtskrankheit. Um eine erfolgreiche Therapie des Ulcus molle zu erzielen und eine Ausbreitung oder erneute Ansteckung zu verhindern, ist es daher empfehlenswert, Sexualpartner immer mitzubehandeln.

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7. Verlauf

Das Ulcus molle (weicher Schanker) lässt sich durch frühzeitige Behandlung in seinem Verlauf günstig beeinflussen: Vier bis zehn Tagen nach der Infektion mit dem ursächlichen Erreger kommt es zur für die Geschlechtskrankheit typischen Geschwürbildung im Genitalbereich. Ohne Antibiotika-Therapie können die nahe gelegenen Lymphknoten im weiteren Verlauf der Erkrankung entzündlich anschwellen, sich nachfolgend auch zu einem Geschwür verändern und an der Oberfläche der Haut durchbrechen. Konsequent behandelt hat das Ulcus molle jedoch auch bei diesem Verlauf eine sehr gute Prognose.

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8. Vorbeugen

Dem Ulcus molle (weicher Schanker) können Sie – wie allen Geschlechtskrankheiten – am wirksamsten vorbeugen, indem Sie beim Geschlechtsverkehr Kondome verwenden. Bei einem schon bestehenden Ulcus molle ist es vorbeugend ratsam, nicht betroffene Partner(innen) mitzubehandeln. Wenn Sie einmal eine Infektion mit dem ursächlichen Bakterium Haemophilus ducreyi durchgemacht haben, sind Sie nicht immun gegen die Erkrankung.

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