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Unfruchtbarkeit und Zeugungsunfähigkeit

(Sterilität)
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1. Überblick

Viele Paare wünschen sich Kinder – doch manche bleiben bei dem Versuch, eine Schwangerschaft herbeizuführen, erfolglos. Wenn hinter dem unerfüllten Kinderwunsch eine Unfruchtbarkeit oder Zeugungsunfähigkeit (Sterilität) steckt, stehen die Chancen, doch noch Kinder zu bekommen, aber nicht unbedingt schlecht.

Damit dieser Wunsch nach Kindern in Erfüllung gehen kann, ist es bei ausbleibender Schwangerschaft wichtig, den Ursachen für die mögliche Sterilität auf den Grund zu gehen. Von Unfruchtbarkeit oder Zeugungsunfähigkeit ist jedoch erst dann auszugehen, wenn es bei einem Paar innerhalb eines Jahres trotz ungeschütztem Geschlechtsverkehr nicht zur Schwangerschaft kommt.

Die Tatsache, keine Kinder bekommen zu können, ist für Mann und Frau häufig sehr belastend: Steril – also nicht zeugungsfähig beziehungsweise unfruchtbar (infertil) – zu sein, ist auch heutzutage noch für viele Menschen ein Makel, über den sie nicht gerne sprechen. Ein offener Umgang mit dem Thema Unfruchtbarkeit und Zeugungsunfähigkeit ist jedoch wichtig, um klären zu können, warum es mit der Zeugung nicht klappt und ob es möglich ist, dies zu beheben.

Die Ursachen für eine ungewollte Kinderlosigkeit sind immer bei beiden Partnern zu suchen: Die vielfältigen Gründe für eine Sterilität liegen etwa gleich häufig bei Männern und Frauen. Neben körperlichen Auslösern können auch seelische Faktoren sowie Umweltbelastungen, Stress, falsche Ernährung, Alkohol, Rauchen und vieles mehr eine Unfruchtbarkeit (Infertilität) der Frau oder Zeugungsunfähigkeit beim Mann fördern.

Bleibt eine Schwangerschaft trotz ungeschütztem Geschlechtsverkehr über längere Zeit aus, lassen sich am besten beide Partner ärztlich untersuchen. Oftmals ist es möglich, die Ursache der Unfruchtbarkeit oder Zeugungsunfähigkeit zu behandeln und ein Kind letztlich doch auf natürlichem Weg zu zeugen. In manchen Fällen aber ist einer oder sind beide Partner unfruchtbar beziehungsweise zeugungsunfähig (steril).

Neben Frauenärzten (Gynäkologen) und Fachärzten für Männerheilkunde (Urologen oder Andrologen) gibt es eine speziell ausgerichtete Fachrichtung für die Menschen, die ungewollt kinderlos sind: die sogenannte Reproduktionsmedizin. Je nachdem, welche Ursachen für die Kinderlosigkeit verantwortlich sind, besteht gegebenenfalls die Möglichkeit, vielen Betroffenen trotz Unfruchtbarkeit oder Zeugungsunfähigkeit den Kinderwunsch über eine künstliche Befruchtung doch noch zu erfüllen.

2. Definition

Eine Unfruchtbarkeit oder Zeugungsunfähigkeit (Sterilität) liegt per Definition vor, wenn es bei einem Paar innerhalb eines Jahres trotz ungeschütztem Geschlechtsverkehr nicht zur Schwangerschaft kommt.

Den Begriff Sterilität verwendet man häufig in Bezug auf beide Geschlechter; Unfruchtbarkeit (Infertilität) bezieht sich jedoch in der Regel auf die Frau, während beim Mann von Zeugungsunfähigkeit die Rede ist.

Häufigkeit

Bei Unfruchtbarkeit oder Zeugungsunfähigkeit (Sterilität) sind genaue Angaben zur Häufigkeit schwierig. In der Schweiz bleibt etwa jedes fünfte Paar ungewollt kinderlos. Es ist davon auszugehen, dass die Ursache für eine ungewollte Kinderlosigkeit zu je 40 Prozent auf eine Unfruchtbarkeit (Infertilität) der Frau beziehungsweise Zeugungsunfähigkeit des Mannes zurückzuführen ist und in 20 Prozent der Fälle bei beiden eine Sterilität vorliegt.

3. Ursachen

Einer Unfruchtbarkeit oder Zeugungsunfähigkeit (Sterilität) und somit der ungewollten Kinderlosigkeit können vielfältige Ursachen zugrunde liegen. Männer und Frauen sind etwa gleich häufig steril.

Ursachen bei beiden Partnern

Die Ursachen für eine Unfruchtbarkeit oder Zeugungsunfähigkeit können bei beiden Partnern verschieden sein. Zu den häufigen Ursachen für Sterilität, die sowohl Männer als auch Frauen betreffen, gehören:

  • seelische Faktoren
  • Umweltbelastungen
  • Stress
  • falsche Ernährung
  • starkes Übergewicht oder Untergewicht
  • übermässiger Kaffee- und Alkoholkonsum
  • Rauchen
  • Drogenmissbrauch
  • Medikamente
  • Stoffwechselerkrankungen
  • Störungen des Immunsystems
  • Infektionen mit Chlamydien

Zeugungsunfähigkeit beim Mann

Ungewollte Kinderlosigkeit ist etwa ebenso oft auf eine Unfruchtbarkeit (Infertilität) bei der Frau wie auf eine Zeugungsunfähigkeit beim Mann zurückzuführen. Die Ursachen der Sterilität beim Mann sind vielfältig. Am häufigsten sind Männer zeugungsunfähig, weil die Bildung normaler, gut beweglicher Samenzellen (Spermien) eingeschränkt ist. Im Normalfall sollte 1 Milliliter Samenflüssigkeit (Sperma) mindestens 20 Millionen Samenzellen enthalten, von denen etwa knapp ein Drittel normal geformt und mindestens die Hälfte vorwärts beweglich sein sollte.

Ein weiterer Grund für die Zeugungsunfähigkeit beim Mann kann sein, dass die Samenwege verlegt sind. Das bedeutet, dass die Hoden zwar genügend Samenzellen bilden, ihr Weg durch die Samenleiter oder Nebenhodengänge jedoch versperrt ist (zum Beispiel durch eine entzündlich bedingte Verklebung der Samenleiter).

Mögliche Ursachen für die Zeugungsunfähigkeit beim Mann sind:

  • Hodenhochstand (Maldescensus testis) im frühen Kindesalter
  • unterentwickelte Hoden (Hodenhypoplasie)
  • Krampfadern am Hoden (Varikozele)
  • angeborene Fehlbildungen des Hodens
  • Hodenverletzungen (auch zum Beispiel durch Operationen nach Leistenbruch)
  • Hodeninfektionen
  • Nebenhodenentzündung (Epidiymitis)
  • Prostataentzündung (Prostatitis)
  • Harnröhrenentzündung (Urethritis)
  • Mumps in der Kindheit
  • Hormonstörungen (zum Beispiel Schilddrüsenunterfunktion, Hypophysen- und Nebennierenerkrankungen)

Unfruchtbarkeit bei der Frau

Bei ungewollter Kinderlosigkeit infolge von Unfruchtbarkeit oder Zeugungsunfähigkeit (Sterilität) sind die Ursachen ebenso häufig bei der Frau zu finden wie bei Männern. Häufige Gründe für die Unfruchtbarkeit oder Infertilität bei der Frau sind:

  • Hormonstörungen, hormonelle Funktionsstörungen der Eierstöcke
  • geschädigte Eierstöcke und Eileiter
  • Eierstockentzündungen
  • Eileiterentzündungen (verklebte Eileiter)
  • Tumoren (gutartige und bösartige)
  • Endometriose (Absiedelungen von Gebärmutterschleimhaut)
  • Uterus myomatosus (Muskelknoten in der Gebärmutter)
  • Polycystisches Ovarsyndrom (PCO)
  • (angeborene) Fehlbildung

4. Symptome

Eine Unfruchtbarkeit oder Zeugungsunfähigkeit (Sterilität) kann sich durch verschiedene körperliche Symptome äussern. Im Allgemeinen zieht eine Fruchtbarkeit oder Zeugungsunfähigkeit jedoch keine besonderen Beschwerden nach sich.

Bei einer Unfruchtbarkeit (Infertilität) der Frau können Symptome wie starke Zyklusschwankungen, übermässige Behaarung oder ausgeprägte Akne auf hormonelle Funktionsstörungen hinweisen, die der Unfruchtbarkeit möglicherweise zugrunde liegen. Wenn unfruchtbare Frauen krampfartige Menstruationsschmerzen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr haben, ist dies unter Umständen Anzeichen für eine Endometriose, die häufig zu Sterilität führt.

Zeugungsunfähige Männer können Symptome wie eine Grössenveränderung der Hoden sowie eine starke Gewichtszunahme oder Gewichtsabnahme zeigen, die als Anhaltspunkte für eine mögliche Zeugungsunfähigkeit dienen. Eine männliche Sterilität kann nachweislich auch durch bestimmte Infektionen wie Mumps bedingt sein.

5. Diagnose

Bei einer Unfruchtbarkeit oder Zeugungsunfähigkeit (Sterilität) erfolgt die Diagnose, wenn eine Schwangerschaft trotz ungeschütztem Geschlechtsverkehr über ein bis zwei Jahre ausbleibt. In diesem Fall ist es ratsam, dass sich beide Partner ärztlich untersuchen lassen, um die Ursache herauszufinden. Frauen wenden sich hierzu am besten an Frauenärzte (Gynäkologen), Männer können Urologen oder Andrologen (Fachärzte für Männerheilkunde) aufsuchen.

Zur weiteren Diagnose erfolgt bei Unfruchtbarkeit (Infertilität) oder Zeugungsunfähigkeit zunächst ein ausführliches Gespräch, um zunächst den allgemeinen Zustand der Betroffenen abzuklären: Bestehende Krankheiten (wie Diabetes mellitus, Schilddrüsenerkrankung), Kinderkrankheiten (zum Beispiel Mumps), Operationen (zum Beispiel Leistenbruch-OP, Gebärmutter-OP bei der Frau), Lebensgewohnheiten (wie Rauchen, Alkoholkonsum, Sport), mögliche seelische Belastungen in Beruf, Familie oder Partnerschaft et cetera – all diese Informationen können oft die Diagnose der Faktoren erleichtern, die dem unerfüllten Kinderwunsch zugrunde liegen. Anschliessend folgt eine gründliche körperliche Untersuchung.

Um eine Unfruchtbarkeit beziehungsweise Zeugungsunfähigkeit festzustellen oder auszuschliessen, sind einige spezielle Untersuchungen sinnvoll.

Untersuchungen beim Mann

Eine mögliche Zeugungsunfähigkeit kann der Arzt beim Mann anhand folgender Untersuchungen feststellen beziehungsweise ausschliessen:

  • Beurteilung der äusseren Geschlechtsorgane (Unterentwicklung, Fehlbildungen, Krampfadern und andere Veränderungen von Penis und Hoden)
  • Abtastung von Hoden und Nebenhoden
  • Abtastung der Prostata und Bläschendrüsen durch den Enddarm
  • Untersuchung der Samenzellen (Spermiogramm)
  • Hormonuntersuchungen (FSH, LH, Testosteron und anderes)
  • gegebenenfalls Hodenbiopsie (Gewebeprobe aus dem Hoden)
  • gegebenenfalls genetische Untersuchung

Untersuchungen bei der Frau

Eine mögliche Unfruchtbarkeit beziehungsweise Infertilität der Frau kann man wie folgt feststellen beziehungsweise ausschliessen:

  • gynäkologische Untersuchung (Abstrich, mikroskopische Untersuchung von Scheide und Muttermund durch sogenannte Kolposkopie et cetera)
  • Ultraschall (Sonographie)
  • Hormonuntersuchungen (zum Beispiel Estradiol, LH, FSH, Testosteron, DHEA-S, Progesteron, Prolaktin, Schilddrüsenhormone)


Wenn bei ungewollter Kinderlosigkeit der Verdacht besteht, dass die Eileiter erkrankt oder geschädigt sind, und wenn der Mann nachweislich nicht zeugungsunfähig ist, können weitere bildgebende und operative Untersuchungen zur Diagnose der Unfruchtbarkeit folgen:

  • Röntgenuntersuchung von Gebärmutter und Eileiter (Hysterosalpingographie, HSG)
  • Ultraschalluntersuchung von Gebärmutter und Eileiter (Hysterosalpingokontrastsonographie, HSKS)
  • Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie)
  • Bauchspiegelung (Laparoskopie)

6. Therapie

Bei einer Unfruchtbarkeit oder Zeugungsunfähigkeit (Sterilität) hängt die Wahl der Therapie von vielen Dingen ab:

  • Ursache für den unerfüllten Kinderwunsch
  • Ursache für die Unfruchtbarkeit beziehungsweise Zeugungsunfähigkeit
  • therapeutische Möglichkeiten


Einige Paare entscheiden sich bei einer bestehenden Unfruchtbarkeit oder Zeugungsunfähigkeit letztlich gegen Nachwuchs, wodurch eine Therapie meist überflüssig ist, andere entschliessen sich für die Adoption eines nicht leiblichen Kindes. Wiederum andere suchen Beratungsstellen und Einrichtungen auf, zum Beispiel eine Kinderwunschsprechstunde.

Sind keine körperlichen Gründe für die Unfruchtbarkeit oder Zeugungsunfähigkeit feststellbar, ist die ungewollte Kinderlosigkeit womöglich seelisch bedingt. In dem Fall können zur Therapie der Sterilität Gespräche mit dem Partner, mit Familienangehörigen und anderen Betroffenen (in Selbsthilfegruppen, Internet-Foren) sowie Entspannungsmethoden, eine psychologische Beratung oder Behandlung sowie gegebenenfalls auch Verfahren wie die Akupunktur hilfreich sein.

Liegen der Unfruchtbarkeit oder Zeugungsunfähigkeit hormonelle Störungen zugrunde, kommen Hormonbehandlungen infrage. Wenn verklebte Eileiter der Frau oder verklebte Samenleiter des Mannes für die Sterilität verantwortlich sind, kann zur Therapie auch eine Operation erfolgen, um diese Ursachen zu beheben.

Ausserdem kommt bei Unfruchtbarkeit oder Zeugungsunfähigkeit eine künstliche Befruchtung in Betracht. Unter künstlicher Befruchtung versteht man im Volksmund alle Verfahren, bei denen ein Kind nicht natürlich – also nicht durch Geschlechtsverkehr – entsteht.

Homologe Insemination

Trotz bestehender Unfruchtbarkeit oder Zeugungsunfähigkeit (Sterilität) kann man oft mithilfe einer bestimmten Therapie eine Schwangerschaft herbeiführen: durch die sogenannte homologe Insemination. Der Begriff Insemination bedeutet soviel wie «Einsetzen von Samenzellen». Bei der homologen Insemination bringt der Arzt den Samen des Mannes künstlich in den Körper der Frau ein. Das bedeutet: Ein durch homologe Insemination gezeugtes Kind ist das leibliche Kind beider Partner. Ein Erfolg dieser Behandlung ist in etwa 5 bis 10 Prozent der Fälle zu erzielen. Dabei sind verschieden Vorgehensweisen möglich:

  • Intracervicale Insemination (ICI): Der Arzt spritzt den Samen in den Gebärmutterhals.
  • Intrauterine Insemination (IUI): Der Arzt setzt die zuvor im Labor aufbereiteten Samenzellen direkt in die Gebärmutter ein.
  • Intratubale Insemination (ITI): Der Arzt setzt die zuvor im Labor aufbereiteten Samenzellen direkt in die Eileiter ein.


Die künstliche Befruchtung durch homologe Insemination ist zur Therapie einer Unfruchtbarkeit oder Zeugungsunfähigkeit vor allem dann angebracht, wenn der Samen des Mannes für eine normale Befruchtung nicht in genügender Anzahl vorhanden ist und/oder nicht beweglich genug ist. Der Vorteil der künstlichen Samenübertragung bei Sterilität besteht darin, dass mehr Samenzellen schneller an die Eizelle gelangen als beim Geschlechtsverkehr.

Heterogene Insemination

Wenn die Zeugungskraft des Mannes zur künstlichen Befruchtung nicht ausreicht, bietet sich zur Therapie die sogenannte heterologe Insemination an, um dennoch eine Schwangerschaft herbeizuführen. Dabei bringt der Arzt den Samen eines zeugungsfähigen Mannes künstlich, also ohne Geschlechtsverkehr, in den Gebärmutterhals, die Gebärmutter oder die Eileiter der Frau ein. Das so gezeugte Kind ist nicht das leibliche Kind des Mannes, sondern nur der Mutter. Die Erfolgsquote der heterologen Insemination liegt bei etwa 20 Prozent.

Gamete Intrafallopian Transfer (GIFT)

Um trotz Unfruchtbarkeit oder Zeugungsunfähigkeit (Sterilität) einen Kinderwunsch zu erfüllen, kommt als weitere mögliche Therapie der Gamete Intrafallopian Transfer (GIFT) infrage. Hierbei gewinnt man durch eine Punktion Eizellen aus dem Eierstock der Frau. Zusammen mit den Samenzellen des Mannes spült der Arzt sie anschliessend in den Eileiter, entweder durch die Bauchdecke oder mithilfe eines dünnen Katheters durch den Muttermund. Die Samenzellen können dann die Eizellen im Körper der Frau befruchten. Vor einer GIFT-Behandlung ist es notwendig, die Eizellreifung durch eine hormonelle Behandlung anzuregen. Voraussetzung für die Durchführbarkeit einer künstlichen Befruchtung durch GIFT ist, dass mindestens einer der Eileiter frei durchgängig ist.

In-Vitro-Fertilisation (IVF)

Bei Unfruchtbarkeit oder Zeugungsunfähigkeit (Sterilität) kommt zur Therapie häufig die sogenannte In-Vitro-Fertilisation (IVF) erfolgreich zum Einsatz. In-Vitro-Fertilisation heisst übersetzt in etwa «Befruchtung im Glas»: Bei dieser Methode wird in einer Petri-Schale eine Eizelle und eine Samenzelle miteinander verschmolzen und setzt die befruchtete Eizelle der Frau anschliessend ein. Mittlerweile werden jährlich rund 1'800 Kinder in der Schweiz durch diese Form der künstlichen Befruchtung geboren.

Bei der In-Vitro-Fertilisation (IVF) entnimmt der Arzt der Frau unter Ultraschallkontrolle durch die Scheide einige Eizellen, um sie ausserhalb ihres Körpers mit dem Samen des Mannes befruchten zu lassen. Die Befruchtung vollzieht die Samenzelle sozusagen selber, das heisst sie gelangt nicht über eine Spritze in die Eizelle. Zwei Tage nach der Befruchtung pflanzt der Arzt das befruchtete Ei in die Gebärmutter der Frau ein.

Die In-Vitro-Fertilisation (IVF) kommt hauptsächlich dann zur Behandlung einer Unfruchtbarkeit oder Zeugungsunfähigkeit zum Einsatz, wenn die Eileiter (Tuben) der Frau nicht ausreichend durchgängig sind. Die Erfolgsquote dieses Verfahrens liegt bei bis zu 40 Prozent.

In-Vitro-Maturation (IVM)

Bei Unfruchtbarkeit oder Zeugungsunfähigkeit (Sterilität) ist zur Therapie eine neue Methode verfügbar, die das Verfahren der IVF ergänzt: die sogenannte In-Vitro-Maturation (IVM). Bei dieser Technik entnimmt der Arzt unreife Eizellen aus den zuvor nur wenig oder gar nicht mit Hormonen angeregten Eierstöcken der Frau. Stattdessen gibt man den Eizellen erst im Reagenzglas die natürlichen Hormone FSH und HCG zu, wodurch die Eizellen ein bis zwei Tage lang reifen. Erst dann erfolgt ihre Befruchtung mit den männlichen Samenzellen. Nach weiteren zwei Tagen setzt der Arzt die befruchteten Eizellen in die Gebärmutter ein.

Dass bei der In-Vitro-Maturation (IVM) zur Therapie einer Unfruchtbarkeit oder Zeugungsunfähigkeit vor Entnahme der Eizellen keine hochdosierte Hormonbehandlung erfolgt, bedeutet vor allem für die Frauen einen grossen Vorteil, die polycystische Ovarien haben oder aufgrund einer Krebserkrankung eine Chemotherapie benötigen.

Intra-Cytoplastische-Spermien-Injektion (ICSI)

Eine weitere Thearpiemethode bei Unfruchtbarkeit oder Zeugungsunfähigkeit (Sterilität) ist die sogenannte Intra-Cytoplastische-Spermien-Injektion, kurz ICSI oder auch Mikroinsemination genannt. Dabei entnimmt der Arzt der Frau Eizellen durch die Scheide. Dann spritzt er jede einzelne Samenzelle mithilfe einer Mikropipette direkt ins Zytoplasma der Eizelle der Frau und pflanzt die so befruchteten Zellen nach zwei Tagen in die Gebärmutter ein.

Eine Intra-Cytoplastische-Spermien-Injektion (ICSI) erfolgt zur Behandlung von Unfruchtbarkeit oder Zeugungsunfähigkeit meist dann, wenn die Samenzellen des Mannes in ihrer Menge oder Beweglichkeit eingeschränkt sind. Die ICSI führt in etwa 40 Prozent der Fälle zum Erfolg.

7. Verlauf

Prognose

Bei einer Therapie, die trotz Unfruchtbarkeit oder Zeugungsunfähigkeit (Sterilität) eine Schwangerschaft ermöglichen soll, hängen Verlauf und Prognose von der angewendeten Behandlungsmethode ab. Die meisten Methoden der künstlichen Befruchtung, die im Fall einer Unfruchtbarkeit oder Zeugungsunfähigkeit infrage kommen, sind zeitaufwendig, anstrengend, seelisch belastend und haben nur mässige Erfolgsquoten. Die Erfolgschancen sinken zudem mit jedem Versuch und hängen unter anderem auch von der Erfahrung der Reproduktionsmediziner ab.

Komplikationen

Eine künstliche Befruchtung, die trotz Unfruchtbarkeit oder Zeugungsunfähigkeit (Sterilität) eine Schwangerschaft herbeiführen soll, kann je nach angewendeter Methode mit verschiedenen Komplikationen verbunden sein: Beispielsweise kann es durch verabreichte Hormone, welche die Reifung der Eizellen in den Eierstöcken (Ovarien) anregen sollen, zu einer Überstimulation und Überreaktion der Eierstöcke in Form von Zysten und Flüssigkeitsansammlungen im Bauchraum (Aszites) kommen. Eine gehäuft auftretende Begleiterscheinung bei der In-Vitro-Fertilisation und der ICSI ist die Mehrlingsschwangerschaft. Weitere mögliche Komplikationen bei verschiedenen Verfahren sind Fehlgeburten sowie Eileiter- oder Bauchhöhlenschwangerschaften.

8. Vorbeugen

Einer Unfruchtbarkeit oder Zeugungsunfähigkeit (Sterilität) kann man mit verschiedenen Massnahmen frühzeitig vorbeugen. So ist es beispielsweise empfehlenswert, entzündliche Erkrankungen rechtzeitig behandeln zu lassen. Auch eine Prävention von Essstörungen bei Kindern und Jugendlichen kann einer Unfruchtbarkeit oder Zeugungsunfähigkeit vorbeugen, da sowohl Magersucht und Bulimie als auch Adipositas (Fettsucht) die Fruchtbarkeit beeinträchtigen können.

Weitere hilfreiche Massnahmen zur Vorbeugung von Unfruchtbarkeit oder Zeugungsunfähigkeit sind:

  • Verminderung der Auswirkung chronischer hormoneller Störungen (zum Beispiel Schilddrüsenerkrankungen, Funktionsstörungen der Nebennierenrinde)
  • Verzicht auf Nikotin- und Alkoholkonsum
  • Schutzimpfungen gegen Mumps, Röteln und Masern
  • Verwendung von Kondomen beim Geschlechtsverkehr (um sich zum Beispiel vor einer Chlamydien-Infektion zu schützen)
  • Kontrolle auf Hodeninfektionen
  • Vermeidung von Stress