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  4. Unterkühlung (Hypothermie und Erfrierungen)

Von Veröffentlicht am 01.01.1970

1. Überblick

Bei einer Unterkühlung (Hypothermie) ist die Kerntemperatur des Körpers zum Beispiel infolge niedriger Aussentemperaturen, unzureichender oder nasser Bekleidung herabgesetzt; bei Erfrierungen ist Gewebe durch örtliche Kälteeinwirkungen geschädigt.

Unterkühlungen oder Erfrierungen sind heutzutage eher selten. Am häufigsten sind Wintersportler oder Obdachlose betroffen. Neben der Kälteeinwirkung kann eine Hypothermie oder Erfrierung folgende zusätzliche Ursachen haben:

 

  • hohe Luftfeuchtigkeit, Wind
  • unzureichende oder feuchte Bekleidung
  • zu wenig aktive Bewegung oder sogar bewusstloses Liegen in der Kälte
  • zu langer Aufenthalt im Wasser
  • alte Frostschäden
  • mangelnde Anpassung an veränderte Klimabedingungen, fehlendes Training, geringe Erfahrung
  • individueller Körperzustand (zu wenige Fettpolster)
  • körperlicher Allgemeinzustand (Ermüdung, Erschöpfung, Verletzungen)


Eine Unterkühlung kann ebenso wie Erfrierungen langsam oder rasch entstehen. Je nachdem, wie schnell sich eine Hypothermie entwickelt, unterscheidet man zwei Formen:

 

  • Die akzidentelle Hypothermie entsteht sehr rasch – zum Beispiel im kalten Wasser, nachdem man durch zu dünnes Eis auf einem See eingebrochen ist.
  • Die subakute akzidentelle Hypothermie entsteht durch langsames Sinken der Körperkerntemperatur innerhalb von Stunden – zum Beispiel bei Menschen, die in eine Lawine geraten und im Schnee verschüttet sind.


Erfrierungen können beispielsweise sehr plötzlich bei kurzem Kontakt mit extrem kalten Gegenständen auftreten (sogenannte Kälteverbrennung). Meistens sind Erfrierungen aber die Folge einer Hypothermie: Hierbei ziehen sich die Blutgefässe der vom Rumpf entfernten Körperteile wie Nase, Ohren, Finger und Zehen zusammen, um noch ausreichend Blut für die inneren Organe und somit für die Lebenserhaltung bereitstellen zu können (Kreislaufzentralisation). Dies führt zu einer verminderten Durchblutung in den betroffenen Körperteilen.

Anzeichen für eine milde Unterkühlung sind Zittern, tiefe Atmung, schneller Herzschlag und blasse Haut. Mit zunehmender Hypothermie ändern sich die Symptome: Der Puls verlangsamt sich und der Blutdruck fällt. Die Betroffenen sind zunehmend teilnahmslos und können das Bewusstsein verlieren; am Ende kann es zu Atem- und Herz-Kreislauf-Stillstand kommen. Anders als die Hyperthermie zeigen sich Erfrierungen als örtlich begrenzte Kälteschädigungen.

Bei den Erste-Hilfe-Massnahmen gegen Unterkühlung oder Erfrierungen ist es sehr wichtig, keinesfalls die betroffenen Körperteile zu bewegen oder zu massieren oder plötzlich aufzuwärmen (zum Beispiel durch ein heisses Bad), da dies zu einem Kreislaufkollaps und sogar zum Tod führen kann. Vielmehr ist es ratsam, den unterkühlten Körper langsam aufzuwärmen, etwa durch warme, zuckerhaltige Getränke, beheizte Räume oder im Wasserbad, dessen Temperatur man nur langsam erhöht. Eine frühzeitige und richtige Behandlung von Unterkühlung und Erfrierungen hat grossen Einfluss auf den weiteren Verlauf.

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2. Definition

Unterkühlung (Hypothermie) und Erfrierungen sind zwei unterschiedliche Kälteschäden:

 

  • Der Begriff Unterkühlung oder Hypothermie bezeichnet eine Herabsetzung der Kerntemperatur des Körpers.
  • Bei einer Erfrierung (fachsprachlich auch Congelatio) liegt eine Gewebeschädigung durch örtliche Kälteeinwirkung vor.

Unterkühlung (Hypothermie)

Eine Unterkühlung (Hypothermie) besteht per Definition, wenn die Körperkerntemperatur unter 36 Grad Celsius fällt. Je nachdem, wodurch die Unterkühlung entsteht, unterscheidet man zwei Formen:

 

  • Akzidentelle Hypothermie
    Hierbei handelt es sich um eine sehr rasche Unterkühlung, zum Beispiel beim Einbrechen durch zu dünnes Eis auf einem See. In derartigen Fällen beträgt die Überlebenszeit bei einer Wassertemperatur von fünf Grad Celsius höchstens eine Stunde. Durch Herzkammerflimmern kann der Tod aber auch bereits innerhalb von Minuten eintreten. Zudem sind bereits nach wenigen Minuten die Reaktionsfähigkeit und die Fähigkeit, wichtige Handlungen auszuführen, stark eingeschränkt.
  • Subakute akzidentelle Hypothermie
    Bei dieser Form der Unterkühlung sinkt die Körperkerntemperatur nur allmählich innerhalb von Stunden ab. Eine solche Unterkühlung kann zum Beispiel beim Verschütten im Schnee durch eine Lawine auftreten. Die Verschütteten schlafen ein und verlieren das Bewusstsein. Sinkt die Körperkerntemperatur weiter ab, kommt es zum Tod.

Erfrierungen

Bei Erfrierungen ist das Gewebe durch Kälte nur örtlich geschädigt. Besonders von Erfrierungen betroffen sind Körperteile, die weiter vom Rumpf – also von den zentralen Organen – entfernt sind (sogenannte Akren), wie Zehen, Finger, Ohren und Nase.

Erfrierungen entstehen häufig infolge einer Unterkühlung: Durch die Hypothermie ziehen sich die Blutgefässe dieser Körperteile zusammen, um den inneren Organen ausreichend Blut zur Verfügung zu stellen. Nachfolgend kommt es in den minderversorgten Bereichen durch die verringerte Sauerstoffzufuhr zu unterschiedlich schweren Gewebeschädigungen. Dies wiederum führt dazu, dass Wasser aus den Blutgefässen in das umliegende Gewebe eindringt und hier zu Schwellungen führt: Es bilden sich Ödeme. Durch den daraus entstehenden Wassermangel wiederum verdickt das Blut bis hin zur Verklumpung, was sich als weitere rote Schwellung mit Blässe im umliegenden Gewebe äussert.

Erfrierungen sind nicht immer die Folge einer Unterkühlung (Hypothermie) – zuweilen kommt es zu einer besonderen Form der Erfrierung: der Kälteverbrennung. Kälteverbrennungen entstehen durch plötzlichen, kurzen Kontakt mit extrem kalten Gegenständen und haben eine ähnliche Auswirkung wie eine echte Verbrennung.

Es passiert immer wieder, dass man erfrorene Menschen auffindet, die teilweise oder auch ganz entkleidet sind. Natürlich liegt dann sofort die Vermutung nahe, dass ein Verbrechen – besonders ein Sexualverbrechen – vorliegt. In einer Reihe von Fällen hat sich jedoch gezeigt, dass Menschen mit starker Unterkühlung (Hypothermie) derartige als Kälteidiotie bezeichnete Handlungen selber vornehmen.

Dieses Verhalten ist nicht eindeutig erklärbar. Möglicherweise führen bestimmte durch den Kälteschock freigesetzte Substanzen im Gehirn zu derartigen Verhaltensweisen. Ein anderer möglicher Grund für die Kälteidiotie infolge einer Hypothermie ist eine Fehlreaktion der Wärmeregulierung, durch die eine krankhafte Überwärmung (pathologische Hyperthermie) entsteht. Aufgrund des dabei auftretenden extremen Hitzegefühls entledigen sich die Betroffenen dann ihrer Kleider, um sich vermeintlich abzukühlen.

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3. Ursachen

Einer Unterkühlung (Hypothermie) und den häufig daraus entstehenden Erfrierungen liegen als Ursache zunächst besonders niedrige Temperaturen zugrunde. Wind und Feuchtigkeit können deren Wirkung verstärken.

Demnach entstehen Kälteeinwirkungen, die zu Unterkühlung oder zu Erfrierungen führen, nicht nur aus den absoluten und physikalisch messbaren Kältegraden. Als weitere Ursachen spielen auch die gleichzeitig herrschende (Luft-)Feuchtigkeit und vorhandene Winde beziehungsweise Stürme eine Rolle. Dies lässt sich im sogenannten Wind-Kälte-Faktor (Windchill-Faktor) ausdrücken: So ergibt sich bei einer physikalisch messbaren Temperatur von beispielsweise -11 Grad Celsius und einem gleichzeitig vorhandenen Wind mit einer Geschwindigkeit von rund 18 Metern pro Sekunde eine gefühlte Temperatur von -30 Grad Celsius. Unter diesen Umständen kann es daher sehr viel schneller zu Unterkühlung und vor allem zu örtlichen Erfrierungen kommen als ohne den Wind.

Daneben können viele Faktoren eine Hypothermie oder Erfrierungen begünstigen. Mögliche Ursachen für ein erhöhtes Risiko für Kälteschäden sind:

 

  • unzureichende Bekleidung
  • feuchte Kleidung
  • zu langer Aufenthalt im Wasser – etwa durch Sturz ins Wasser bei niedrigen Temperaturen oder selbst im Sommer im Schwimmbad
  • zu wenig aktive Bewegung in der Kälte
  • bewusstloses Liegen in der Kälte
  • alte Frostschäden
  • mangelnde Anpassung an veränderte Klimabedingungen, fehlendes Training und geringe Erfahrung
  • individueller Körperzustand (zu wenige Fettpolster)
  • schlechter Allgemeinzustand (Ermüdung, Erschöpfung, Verletzungen)


Erfrierungen haben ihre Ursache oft in einer Hypothermie: Wenn der menschliche Körper längere Zeit niedrigen Temperaturen ausgesetzt ist und es zur Unterkühlung kommt (das heisst: die Körpertemperatur unter 37 Grad Celsius sinkt), erhöht der Körper nicht nur die Wärmeproduktion, sondern vermindert auch die Wärmeabgabe. Dabei haben die Extremitäten wegen ihrer grossen Oberfläche eine wichtige thermische Regulationsfunktion. Der Kältereiz führt dazu, dass sich die dortigen Blutgefässe zusammenziehen (Vasokonstriktion), was die Blutzufuhr drosselt – das Blut versorgt dann in erster Linie den Körperstamm (Kreislaufzentrierung). Dieser Prozess ist ein wirksamer Selbstschutz für den Gesamtorganismus, wobei jedoch örtliche Erfrierungen in Kauf genommen werden: Das vom Sauerstoffmangel betroffene Gewebe erleidet eine Schädigung in einem Ausmass, das bis zum Zelltod reichen kann.

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4. Symptome

Bei einer Unterkühlung (Hypothermie) und bei Erfrierungen ist das Ausmass der Symptome von Stärke und Dauer der zugrunde liegenden Kälteeinwirkung, Luftfeuchtigkeit, Windstärke und anderen Faktoren (Schutz durch Kleidung, körperliche Bewegung) abhängig.

Unterkühlung (Hypothermie)

Die Unterkühlung (Hypothermie) betrifft den gesamten Körper. Wichtigstes Anzeichen für eine Hypothermie ist eine verringerte Körperkerntemperatur. Anhand der auftretenden Symptome kann man die Unterkühlung in drei Stadien unterteilen:

 

  • Aktive Phase (Abwehrstadium): milde Hypothermie, Körperkerntemperatur 34 bis 37 Grad Celsius, die Symptome sind Zittern, Frösteln, tiefe Atmung, schneller Herzschlag, blasse Haut.
  • Erschöpfungsphase (Erschöpfungsstadium): mittelschwere Unterkühlung, Körperkerntemperatur 30 bis 34 Grad Celsius, die Symptome sind Schläfrigkeit, langsamer Puls, niedriger Blutdruck, blaugraue Haut, Teilnahmslosigkeit.
  • Kreislaufstillstand (Lähmungsstadium): schwere Hypothermie, Körperkerntemperatur unter 30 Grad Celsius, die Symptome sind Bewusstlosigkeit, flache Atmung bis Atemstillstand, unrhythmischer Herzschlag oder Herz-Kreislauf-Stillstand.

Erfrierungen

Die häufig nach einer Unterkühlung (Hypothermie) auftretenden Erfrierungen teilt man in drei verschiedene Schweregrade ein, die sich durch unterschiedliche Symptome äussern:

 

  • Grad I: Leichte Erfrierungen führen dazu, dass die betroffene Stelle abkühlt und besonders blass, leicht geschwollen und schmerzhaft ist. Im Allgemeinen sind bei einer Erfrierung 1. Grades keine Spätfolgen nach der Abheilung zu erwarten.
  • Grad II: Eine Erfrierung 2. Grades ist erst nach Wiedererwärmung sichtbar. Typische Symptome der Kälteschäden sind Rötung, Schwellung und Blasenbildung der Haut, in erster Linie an Füssen und Händen. Der Blaseninhalt kann eher hell oder auch dunkler (blutig) sein. Die Blasen können zerreissen, sodass Gewebeflüssigkeit austritt. Dann kommt es möglicherweise zu einer Infektion, da Bakterien über die offene Wundfläche in den Körper eindringen können.
  • Grad III: Dies ist die schwerste Form der Erfrierung. Die typischen Symptome sind Nekrosen (abgestorbenes Gewebe) mit schwarzer, eingetrockneter Haut und hartem Unterhautzellgewebe. Das Ausmass von Erfrierungen 3. Grades lässt sich erst nach Tagen und Wochen feststellen. Es sind vorwiegend jene Körperstellen betroffen, die neben dem Kälteeinfluss auch noch Druck, zum Beispiel durch zu enges Schuhwerk, aushalten müssen. Die betroffenen Bereiche sind auch nach dem Auftauen noch völlig gefühllos. An der Grenze zwischen dem lebenden und abgestorbenen Gewebe bildet sich nach Wochen und Monaten eine sogenannte Demarkationsfurche aus.


Bei allen Erfrierungen erscheinen anfangs Symptome einer Erfrierung 1. Grades. Das Ausmass einer Erfrierung 3. Grades ist unter Umständen erst nach Wochen erkennbar. Alle Erfrierungen 2. und 3. Grades erfordern eine Behandlung im Spital.

5. Diagnose

Hypothermie (Unterkühlung)

Bei einer Unterkühlung (Hypothermie) erfolgt die Diagnose durch folgende Massnahmen:

  • Messung der Körperkerntemperatur: Sind die Betroffenen bewusstlos, kann die (im Enddarm über dem Darmausgang oder in der Mundhöhle) gemessene Körpertemperatur auf die Phase der Hypothermie hinweisen. Man unterscheidet folgende Hypothermie-Stadien:
    • Körperkerntemperatur 34 bis 37 Grad Celsius = aktive Phase der Unterkühlung: Diese milde Hypothermie führt zu Zittern, Frösteln, tiefer Atmung, schnellem Herzschlag, blasser Haut.
    • Körperkerntemperatur 30 bis 34 Grad Celsius = Erschöpfungsstadium der Unterkühlung: Die Betroffenen sind schläfrig und teilnahmslos, haben einen langsamen Puls, niedrigen Blutdruck, blaugraue Haut.
    • Körperkerntemperatur unter 30 Grad Celsius = Lähmungsstadium, schwere Hypothermie: Die Betroffenen sind bewusstlos, ihre Atmung ist flach und ihr Herzschlag unrhythmisch; Atemstillstand und Herz-Kreislauf-Stillstand sind möglich.
       
  • Beobachtung der Bewusstseinslage: Extreme Müdigkeit bis zur unüberwindlichen Schlafsucht, zunehmende Verwirrtheit und verminderte und unkoordinierte Muskeltätigkeit weisen auf eine Unterkühlung hin.
     
  • EKG: Eine elektromyographische Ableitung der Reizleitung am Herzen gibt bei der Diagnose Auskunft über Störungen der Reizleitung.
     
  • Analyse der Blutgase: Durch Messung von Sauerstoffgehalt und pH-Wert des Bluts kann der Arzt bei der Diagnose die aktuelle Stoffwechsellage des Körpers prüfen und eventuelle Verschiebungen im Ionenhaushalt feststellen.

Erfrierungen

Bei Erfrierungen stellt der Arzt die Diagnose nach einer Befragung der Betroffenen (Anamnese) und anhand der jeweiligen Symptome, wie zum Beispiel Verfärbungen der Haut, Blasenbildung, Schwellungen und Schmerzen.

6. Therapie

Bei einer Unterkühlung (Hypothermie) und bei Erfrierungen hat die rechtzeitige und richtige Therapie starken Einfluss auf den weiteren Verlauf. Daher ist es wichtig, bei Kälteschäden umgehend zu handeln und geeignete Erste-Hilfe-Massnahmen zu ergreifen.

Erste Hilfe bei Unterkühlung (Hypothermie) und Erfrierungen

Wenn Sie Erste Hilfe bei Unterkühlung (Hypothermie) und Erfrierungen leisten, sollten Sie Folgendes beachten, damit die Therapie zum Erfolg führt. Die Erste-Hilfe-Massnahmen lauten:

 

  • Sorgen Sie dafür, dass sich der unterkühlte Körper langsam erwärmt, zum Beispiel in geheizten Räumen und mit warmen, gezuckerten Getränken.
  • Tauchen Sie die betroffenen Körperabschnitte in ein lauwarmes Wasserbad ein; beginnen sie bei 10 Grad Celsius und erwärmen Sie mit heissem Wasser sehr langsam und höchstens bis 38 Grad Celsius Wassertemperatur, jedoch nur so weit, wie die Kältegeschädigten die damit verbundenen Schmerzen gerade noch aushalten. Achtung: Durch Erfrierungen ist die Hautempfindung deutlich herabgesetzt.
  • Wer leichte Erfrierungen hat, kann selbständig gehen; achten Sie aber bei schweren Erfrierungen unbedingt auf einen passiven Abtransport.
  • Bei Erfrierungen mit Blasenbildung sind die Betroffenen passiv abzutransportieren und klinisch zu behandeln.
  • Öffnen Sie Blasen nicht, sondern decken Sie sie steril ab.
  • Lagern Sie die betroffene Extremität hoch, vermeiden Sie jedoch zu viel Bewegung und Druck.
  • Schützen Sie den erfrorenen Körperteil vor weiterer Kälteeinwirkung, indem Sie nasse Kleider durch trockene ersetzen.
  • Die Betroffenen erwärmen den erfrorenen Körperteil am besten am eigenen Körper (zum Beispiel indem sie die Hand in die Achselhöhle legen).
  • Führen Sie den Unterkühlten fremde Körperwärme zu (legen Sie zum Beispiel den kältegeschädigten Fuss in Ihre Achselhöhle).
  • Bringen Sie sterile, trockene Verbände an, keine Salbenauflage.
  • Wenn nur eine leichte Unterkühlung vorliegt, ist es wichtig, dass die Unterkühlten die betroffene Extremität aktiv bewegen, da Muskelarbeit die Wärmebildung des Körpers erhöht.
  • Die Betroffenen dürfen keine Medikamente einnehmen, ausser Thrombozytenaggregationshemmer (Acetylsalicylsäure).
  • Ergreifen Sie bei schwerer Hypothermie mit Atemstillstand und Herz-Kreislauf-Stillstand Massnahmen zur Herz-Lungen-Wiederbelebung. Dabei ist es wichtig, die Reanimation nicht zu unterbrechen, bis die normale Körperkerntemperatur wieder erreicht ist – auch wenn die Betroffenen leblos erscheinen! Das Absinken der Körperkerntemperatur löst Mechanismen zum Schutz des Gehirns aus, sodass bei unterkühlten Menschen mehr Zeit zur Wiederbelebung bleibt als bei normaler Körpertemperatur.

Bei einer Unterkühlung (Hypothermie) oder bei Erfrierungen ist Folgendes bei der Therapie unbedingt zu vermeiden:

 

  • Einreiben mit Schnee und Massieren: Dies führt zu schwersten Gewebeschäden und zum Herz-Kreislauf-Kollaps, da sich das kalte Blut durch den gesamten Körper verteilt.
  • Erwärmung durch Anhauchen: Dabei entsteht Verdunstungskälte, die eine Erfrierung nur noch fördert.
  • Rauchen: Zigarettenkonsum verengt die Blutgefässe und verschlimmert dadurch die infolge der Hypothermie entstandene Mangeldurchblutung.
  • Wärmezufuhr von aussen: Die Wärmezuführung von aussen (etwa durch ein Bad) kann zu einem Wiedererwärmungsschock führen, denn wenn sich Gefässe in den vom Rumpf entfernten Körperteilen infolge der Wärme eröffnen, gelangt kaltes Blut in die zentralen und lebenswichtigen Körperregionen. Dadurch fällt die Temperatur um etwa ein halbes bis ein Grad Celsius ab. Der erneute Abfall der Kerntemperatur sowie die blutchemischen Veränderungen lösen Störungen im Reizleitungssystem des Herzens aus, die tödlich enden können (Herz-Kreislauf- und Atemstillstand).
  • Erschütterungen: Bei der Rettung von Menschen mit Unterkühlung aus dem Gefahrenbereich ist es unbedingt zu vermeiden, ihre Körper in ihrer Lage zu verändern oder zu erschüttern, da die Gefahr des Bergungstods durch Herzrhythmusstörungen (Kammerflimmern) besteht.

Ärztliche/klinische Behandlung

Je nach Schweregrad der Unterkühlung (Hypothermie) oder der Erfrierungen kann die von einem Arzt oder in der Klinik eingesetzte Therapie variieren. Zunächst besteht die ärztliche beziehungsweise klinische Behandlung in der Regel in folgenden Massnahmen:

  • per Spritze oder Infusion verabreichte Schmerzmittel
  • sterile Verbände zur örtlichen Versorgung von Blasen
  • intravenöse Infusion mit Medikamenten, welche die Blutgerinnung hemmen oder die Blutgefässe erweitern


Durch Erfrierungen entstandene Blasen eröffnet der Arzt unter sterilen Bedingungen. Anschliessend erfolgt eine örtliche Behandlung der Wundfläche mit Salben (mit antibiotischen Substanzen). Häufig ist dabei abzuwarten, bis sich eine örtliche Gewebsschädigung (Nekrose) vollständig ausgebildet hat, was unter Umständen bis zu mehrere Wochen dauern kann. Das abgestorbene Gewebe bildet einen trockenen Schorf, der sich nach Wochen bis Monaten zum gesunden Gewebe abgrenzt und unter Umständen bei einer ausbleibenden Infektion einfach abfällt.

Betreffen Erfrierungen ein grösseres Areal, wie zum Beispiel einen gesamten Fuss, so kann unter extrem ungünstigen Umständen (aufgrund eines sehr tief geschädigten Gewebes) zur Therapie eine Teilamputation notwendig sein.

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Ist eine Hypothermie (Unterkühlung) so schwer, dass die Körpertemperatur auf weniger als 30 Grad Celsius gesunken ist, kann zur Therapie die künstliche Niere zum Einsatz kommen, um die Wiedererwärmung zu versuchen. Die Hämodialyse ist aus drei Gründen zu empfehlen:

  • In Europa ist sie fast flächendeckend verfügbar.
  • Sie ermöglicht eine Erwärmung vom Körperkern aus.
  • Sie kann schwere Elektrolytstörungen und Abweichungen im Stoffwechsel schnell mitkorrigieren.

7. Verlauf

Bei einer Unterkühlung (Hypothermie) ist ebenso wie bei Erfrierungen der weitere Verlauf vom Schweregrad der Kältefolgen und von einer sachgemässen Behandlung abhängig.

Prognose

Eine Unterkühlung (Hypothermie) und leichte Erfrierungen haben – im frühen Verlauf und richtig behandelt – im Allgemeinen eine günstige Prognose: Wenn bei einer Unterkühlung rechtzeitig eine Erhöhung der Körpertemperatur erfolgt und dabei keine Komplikationen (zum Beispiel Herzrhythmusstörungen) auftreten, ist kaum mit ernsten Folgen zu rechnen.

Allerdings kann man eine Hypothermie schnell übersehen, besonders wenn andere Schädigungen – zum Beispiel bei Verkehrsunfällen – vorliegen. Dies wirkt sich unter Umständen ungünstig auf die Prognose aus: Verzögert sich dadurch die Behandlung der Hypothermie, können Organe ernsthafte Schäden erleiden – im Extremfall kann dies zum Tod führen. Tritt eine Unterkühlung mit anderen schweren Verletzungen kombiniert auf, dann kann sie die Gesamtsituation verschlechtern.

 

  • Leichte Erfrierungen (1. Grades) heilen im Allgemeinen ohne Spätfolgen ab. Nimmt die Abheilung der Wundflächen einen langwierigen Verlauf, können jedoch Narben entstehen.
  • Bei Erfrierungen 2. Grades ist die Prognose ebenfalls günstig, wenn die für diesen Schweregrad typischen Blasen hell sind. Ist der Blaseninhalt dagegen eher blutig, ist mit einem längeren Heilungsverlauf zu rechnen. Zerreissen die Blasen, tritt Gewebeflüssigkeit aus. In diesem Fall kann eine Infektion entstehen, da Bakterien über die offene Wundfläche in den Körper eindringen können.
  • Liegen Erfrierungen 3. Grades vor, ist eine Amputation im Extremfall nicht auszuschliessen. Bei Ausdehnung auf den ganzen Körper droht der Tod durch Erfrierung.

Komplikationen

Bei einer Unterkühlung (Hypothermie) oder bei Erfrierungen kann es im weiteren Verlauf zu verschiedenen Komplikationen kommen. Mögliche Komplikationen und Spätfolgen von Erfrierungen sind vor allem:

  • Frostbeulen (Perniones)
  • Verdickung der Hornschicht (Hyperkeratose) und Verhornungsstörungen (Parakeratosen)
  • Hautatrophie (Gewebeschwund)
  • Pigmentationen
  • Ödembildung
  • Blutverdickung bis hin zur venösen Thrombose
  • Wundinfektionen


Auch falsche Massnahmen zur Behandlung einer Hypothermie oder von Erfrierungen können ein Grund für Komplikationen sein: Unsachgemässe Erste Hilfe kann das betroffene Gewebe schwer schädigen. Ausserdem kann es im Verlauf einer starken Unterkühlung zu Herz-Kreislauf-Versagen sowie zu Atemstillstand kommen.

8. Vorbeugen

Einer Unterkühlung (Hypothermie) können Sie ebenso wie Erfrierungen durch einfache Massnahmen vorbeugen: durch Verhalten und Kleidung, die den Temperaturen angemessen sind.

Kommt es trotz vorbeugender Massnahmen zu einer Unterkühlung oder zu Erfrierungen, ist es wichtig, diese frühzeitig zu erkennen. Erwärmen Sie rechtzeitig die entsprechende Körperpartie vorsichtig – am besten am eigenen Körper: So können Sie Ihre Hände zum Beispiel an eine warme Körperpartie bringen (Achselhöhlen, Bauch oder Schritt) und beginnende Erfrierungen im Gesicht mit warmen Händen bedecken. Dies sollte an einem windgeschützten Ort geschehen. Aktive Bewegung, wie Gymnastik oder ein Bewegen der Extremitäten, ist in diesem Stadium hilfreich, da dies die Durchblutung fördert. Gleichzeitig ist daran zu denken, nasse Kleidungsstücke zu wechseln. Das sogenannte Zwiebelschalenprinzip, also mehrere Kleidungsstücke übereinander anzuziehen, hilft oft, Erfrierungen zu vermeiden. Beengende Riemen oder Schnallen sollten Sie lockern. Dies aber nur dann, wenn gleichzeitig keine allgemeine Unterkühlung vorliegt!

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