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Xeroderma pigmentosum

(Mondscheinkrankheit)
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1. Überblick

Xeroderma pigmentosum, die sogenannte Mondscheinkrankheit, ist eine seltene genetisch bedingte, autosomal-rezessive Erbkrankheit, die auf einer Überempfindlichkeit der Haut gegenüber ultravioletten Strahlen beruht.

Da Betroffene das Sonnenlicht meiden müssen, das Licht des Mondes aber keine Probleme verursacht, können sie sich draussen nur nachts frei bewegen. Sie werden deshalb oft als Mondscheinkinder bezeichnet.

Die Ursache der Xeroderma pigmentosum ist ein Mangel an DNA-Reparaturenzymen, der durch verschiedene Genveränderungen hervorgerufen werden kann. Damit die Erkrankung ausbricht, muss ein Kind die Veranlagung dafür von beiden Elternteilen erben.

Charakteristisch für die Mondscheinkrankheit ist das Auftreten von Sonnenbränden, schon nach sehr kurzen Aufenthalten in der Sonne. Die Haut wird buntscheckig, trocken und faltig. Sie altert vorzeitig. Bereits im Kindesalter entwickeln sich bei den Mondscheinkindern mit Xeroderma pigmentosum ausserdem verschiedene bösartige Hauttumoren. Auch an anderen Organen – insbesondere an den Augen – bilden sich häufiger Tumoren.

Der Arzt diagnostiziert Xeroderma pigmentosum vor allem anhand der Symptome. Mit einer genetischen Untersuchung kann er feststellen, welche Form der Mondscheinkrankheit vorliegt. Es gibt acht Formen der Xeroderma pigmentosum, die auf unterschiedlichen Gendefekten beruhen. Je nachdem, unter welcher Form der Erkrankung die Mondscheinkinder leiden, unterscheiden sich auch die Symptome.

Die Mondscheinkrankheit kann bisher nicht geheilt werden. Die Therapiemassnahmen beschränken sich darauf, dass Mondscheinkinder das Sonnenlicht meiden. Ausserdem sind regelmässige Früherkennungsuntersuchungen nötig, um bösartige Tumoren frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Obwohl Mondscheinkinder häufig bereits vor dem 20. Lebensjahr an Hautkrebs erkranken, erreichen knapp zwei Drittel das 40. Lebensjahr. Es gibt aber auch Fälle, in denen Betroffene mit Xeroderma pigmentosum deutlich älter wurden.

2. Definition

Xeroderma pigmentosum ist eine seltene autosomal-rezessive Krankheit, die sich an der Haut und den Schleimhäuten zeigt und durch eine Überempfindlichkeit gegenüber ultravioletten Strahlen (UV-Strahlung) charakterisiert ist. Die auch Mondscheinkrankheit genannte Erkrankung beruht auf einem genetischen Defekt des DNA-Reparatursystems, welches bei gesunden Menschen ständig DNA-Schäden korrigiert, die durch den UV-Anteil des Lichts an der menschlichen Erbsubstanz (DNA) verursacht werden. Aufgrund dieses Reparaturdefekts kommt es nicht nur zu starken Sonnenbrandreaktionen, sondern es kann bereits im Kindesalter Hautkrebs entstehen. Betroffene Kinder werden auch als Mondscheinkinder bezeichnet, da sie jeden Kontakt mit Sonnenlicht meiden müssen und andererseits vom Mondlicht keine Gefährdung ausgeht, sodass die Betroffenen zumindest nach Sonnenuntergang ins Freie können.

Die Bezeichnung Xeroderma pigmentosum stammt von den griechischen Worten xero = trocken und derma = Haut sowie von dem lateinischen Begriff pigmentum = Farbe ab.

Häufigkeit

Xeroderma pigmentosum ist eine sehr seltene Erkrankung. Sie tritt bei etwa 1 von 1'000'000 Menschen auf. In einigen Ländern wie Nordafrika oder Japan tritt Xeroderma pigmentosum häufiger auf – dort sind etwa 1 von 40'000 Personen betroffen.

3. Ursachen

Bei Xeroderma pigmentosum liegen die Ursachen in den Genen. Die Mondscheinkrankheit wird durch angeborene Defekte im DNA-Reparatursystem verursacht, welches normalerweise DNA-Schäden, die durch die UV-Strahlung im Sonnenlicht ausgelöst werden, behebt. Die UV-Strahlung wird in Abhängigkeit der Wellenlänge unterteilt in:

  • Langwellige UV-A-Strahlen (315-400 nm)
  • Mittelwellige UV-B-Strahlen (280-315 nm)
  • Kurzwellige UV-C-Strahlen (100-280 nm)

Die UV-C-Strahlen werden von der Ozonschicht der Erdatmosphäre herausgefiltert. Durch die verbleibenden UV-B-Strahlen, die eine geringe Eindringtiefe aufweisen, kommt es in der DNA der Hautzellen zur Bildung von sogenannten Thymidin-Dimeren. Thymidin ist ein Baustein der DNA; ein Thymidin-Dimer ist eine Verbindung zweier benachbarter Thymidin-Bausteine. Bleiben solche Thymidin-Dimere in der DNA bestehen, stirbt die Zelle entweder ab oder es entsteht eine Krebszelle.

Normalerweise besitzt die Zelle ein Reparatursystem aus Enzymen, welche die störenden Thymidin-Dimere erkennen und aus der DNA herausschneiden.

Personen mit Xeroderma pigmentosum bilden zu wenig von diesen DNA-Endonukleasen. Es handelt sich um eine autosomal-rezessive Erkrankung. Das heisst, dass nur Menschen erkranken, die den Gendefekt von beiden Eltern geerbt haben. Das hängt damit zusammen, dass jedes Gen in der menschlichen Erbsubstanz in doppelter Ausführung vorliegt – eine Kopie stammt von der Mutter und eine Kopie vom Vater. Bei Xeroderma pigmentosum sind beide Genkopien im Erbgut der Betroffenen defekt. Ist der Gendefekt nur in einer Genkopie vorhanden, tritt die Mondscheinkrankheit nicht auf – Personen mit einer defekten Genkopie können die Veranlagung für Xeroderma pigmentosum aber weitervererben.

Aufgrund der verschiedenen genetischen Grundlage wird die Xeroderma pigmentosum in sieben verschiedene Gruppen (A-G) sowie eine zusätzliche Variante (V) eingeteilt. Die unterschiedlichen Formen der Mondscheinkrankheit wirken sich unterschiedlich stark aus. So erkranken beispielsweise Betroffene mit einer Xeroderma pigmentosum der Gruppen A bis G meistens bereits vor dem 20. Lebensjahr Hautkrebs. Personen mit der Variante V der Mondscheinkrankheit entwickeln dagegen in der Regel erst im Alter von 20 bis 30 Hautkrebs.

4. Symptome

Xeroderma pigmentosum verursacht erste Symptome bereits im Kindesalter, noch vor dem Schuleintritt. Nach kürzester Zeit in der Sonne kommt es meist zu schweren Verbrennungen der Haut. An den Hautbereichen, die dem Sonnenlicht ausgesetzt sind – also vorwiegend im Gesicht, an Händen und Armen – zeigen sich vielfältige Veränderungen. Dazu gehören einerseits Verfärbungen der Haut, zum Beispiel als bräunlich-rote oder sommersprossenähnliche Flecken. Andererseits treten Schrumpfungsprozesse und Vernarbungen der sehr trockenen und empfindlichen Haut auf. Ausserdem bilden sich sogenannte Teleangiektasien, erweiterte kleinste Blutgefässe.

Mit zunehmender Krankheitsdauer treten neben gutartigen Hautwucherungen auch bösartige Tumoren auf, zum Beispiel Basaliome, Plattenepithelkarzinome oder maligne Melanome. Bösartige Tumoren anderer Organe, insbesondere der Augen sind bei Betroffenen mit Xeroderma pigmentosum ebenfalls häufiger als in der Normalbevölkerung zu beobachten. Dennoch erreichen rund 70 Prozent der Betroffenen mit Xeroderma pigmentosum das 40. Lebensjahr. Die Lebenserwartung ist allerdings stark davon abhängig, welcher Gendefekt die Mondscheinkrankheit hervorruft.

Bei Xeroderma pigmentosum liegen häufig nicht nur Symptome an der Haut vor – oft sind auch die Augen betroffen. Eine Lichtscheue kann das erste Symptom der Mondscheinkrankheit sein, noch bevor Hautveränderungen zu beobachten sind. Häufig tritt auch eine Hornhautentzündung (Keratitis) auf. Auch am Auge bilden sich oft Tumoren, sowohl gutartige als auch bösartige.

Bei 20 Prozent der Personen mit Xeroderma pigmentosum sind je nach zugrunde liegendem Gendefekt auch Symptome wie eine Intelligenzminderung und zunehmende neurologische Symptome zu beobachten, zum Beispiel Bewegungsstörungen, Sensibilitätsstörungen und Hörverlust.

5. Diagnose

Bei Xeroderma pigmentosum stellt der Arzt die Diagnose anhand der Symptome. Mithilfe einer Blut- oder Hautprobe kann er überprüfen, wie gut sich die DNA nach Aufenthalten im Sonnenlicht wieder erholt. In einigen Fällen ist bereits möglich, genau nachzuweisen, welcher Gendefekt vorliegt.

Wenn Xeroderma pigmentosum bereits häufiger in einer Familie aufgetaucht ist, kann die Diagnose der auch als Mondscheinkrankheit bezeichneten Erkrankung auch pränatal – also schon während der Schwangerschaft – gestellt werden. Dazu lässt der Arzt kindliche Zellen aus dem Fruchtwasser untersuchen, welche mittels einer sogenannten Amniozentese werden. Dabei sticht er mit einer feinen Kanüle durch die Bauchdecke der Mutter und entnimmt etwas Fruchtwasser. Dieses enthält Zellen des Kindes, die hinsichtlich der DNA-Reparatur beurteilt werden können.

6. Therapie

Eine Heilung der Xeroderma pigmentosum ist durch die derzeitige Therapie bislang nicht möglich. Zurzeit können sich Betroffene nur vor Hautkrebs schützen, indem sie konsequent das Sonnenlicht vermeiden. Das heisst nicht nur, dass sich die Betroffenen nicht in die Sonne legen dürfen, sondern sie sollten nach Möglichkeit das Tageslicht völlig umgehen. Ist dies nicht möglich, benötigt ihre Haut zusätzlichen Schutz durch entsprechende Kleidung, eine UV-Brille sowie Cremes mit einem sehr hohen Lichtschutzfaktor. Die von der Mondscheinkrankheit Betroffenen sollten sich tagsüber möglichst in Räumen aufhalten, deren Fenster mit einer speziellen UV-Schutzfolie beschichtet sind. Da vorwiegend Kinder betroffen sind, die aufgrund der Xeroderma pigmentosum erst nach Sonnenuntergang ins Freie dürfen, hat sich der Begriff der Mondscheinkinder zunehmend verbreitet.

Bei Xeroderma pigmentosum sind im Rahmen der Therapie neben den Lichtschutzmassnahmen regelmässige Untersuchungen beim Hautarzt erforderlich, um verdächtige Hauttumoren möglichst frühzeitig zu entdecken und zu entfernen. Erforscht werden zurzeit gentechnische beziehungsweise gentherapeutische Möglichkeiten der Behandlung der Xeroderma pigmentosum.

7. Verlauf

Xeroderma pigmentosum hat eine ungünstige Prognose, weil im Verlauf der Erkrankung oft bösartige Tumoren entstehen. Etwa 70 Prozent der Betroffenen erreichen dennoch das 40. Lebensjahr. Je nachdem, welcher Gendefekt die Mondscheinkrankheit auslöst, können Verlauf und Lebenserwartung der Erkrankung sehr unterschiedlich sein. Die Xeroderma pigmentosum kann aber einen besseren Verlauf nehmen, wenn sie frühzeitig diagnostiziert wird, Betroffene das Tageslicht konsequent meiden beziehungsweise sich konsequent davor schützen und regelmässig Krebsfrüherkennungsmassnahmen in Anspruch nehmen. Dann steigt auch die Lebenserwartung.

8. Vorbeugen

Xeroderma pigmentosum lässt sich nicht vorbeugen. Paare mit Kinderwunsch, die den Gendefekt haben, sollten sich durch den Frauenarzt beraten lassen.