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Von Veröffentlicht am 24.11.2016

1. Überblick

Beim Zähneknirschen, medizinisch Bruxismus genannt, pressen oder reiben die Betroffenen ihre Zähne unbewusst aneinander, sodass Schäden an der Zahnsubstanz entstehen können. Zähneknirschen kann in jeder Altersstufe auftreten und ist häufig ein Zeichen starker psychischer Anspannung. Die meisten Menschen knirschen typischerweise nachts mit den Zähnen.

Zähneknirschen und Zähnepressen zählen zu den sogenannten Parafunktionen. Darunter versteht man Aktivitäten des Kausystems, die keinem funktionellen Zweck, wie zum Beispiel dem Zerkleinern der Nahrung, dienen. Häufig bemerken die Betroffenen ihr Zähneknirschen oder Zähnepressen gar nicht, da dieser Prozess meist unbewusst abläuft.

Bereits bei kleinen Kindern kann Zähneknirschen auftreten. Doch auch junge Erwachsene können vermehrt von Bruxismus betroffen sein.

Zähneknirschen kann sowohl tagsüber als auch im Schlaf vorkommen. Nachts tritt Bruxismus vor allem in bestimmten Schlafstadien (REM-Schlaf) auf. Dabei presst oder knirscht der Betroffene mit einer vielfach stärkeren Kraft – teilweise mehrere hundert Kilogramm – als beim normalen Kauen nötig ist.

Oftmals ist Zähneknirschen ein Anzeichen für psychische Anspannung und tritt daher zumeist in geistigen beziehungsweise seelischen Belastungsphasen oder in extremen Konzentrationsphasen auf. Hält das Zähneknirschen über einen längeren Zeitraum an, kann der starke Druck auf die Zahnsubstanz Schäden am Zahnschmelz und Zahnhalteapparat verursachen.

Unter den zum Teil immens grossen Kräften, die beim Bruxismus wirken, leiden nicht nur die Zähne, sondern auch die Kiefergelenke sowie die Kaumuskeln. Aufgrund der starken Muskelaktivität während des Zähneknirschens sind muskuläre Verspannungen im Kopf-Hals-Bereich sowie Gesichts- und Kopfschmerzen möglich. In manchen Fällen können auch Ohrgeräusche (Tinnitus) die Folge von Bruxismus sein.

Bei Zähneknirschen kann eine Aufbissschiene aus weichem oder hartem Kunststoff die Zähne vor möglichen Schäden schützen. Auch physiotherapeutische Übungen helfen, die Kaumuskulatur zu lockern.

Die zahnärztlichen Massnahmen bekämpfen jedoch nur das Symptom Zähneknirschen, nicht aber die Ursachen. Tritt Bruxismus infolge einer Stresssituation auf, so können Entspannungsverfahren zur Stressbewältigung helfen, etwa Autogenes Training, Tai Chi oder Yoga. In Einzelfällen kann auch eine Psychotherapie bei starkem und langanhaltendem Zähneknirschen ratsam sein.

Da dauerhaftes Zähneknirschen im schlimmsten Fall zu Kieferfehlstellungen und Zahnverlust führen kann, ist es wichtig, frühzeitig einen Zahnarzt oder Kieferorthopäden aufzusuchen, um Folgeschäden an der Zahnsubstanz und weiteren Beschwerden im Kopf-Hals-Bereich vorzubeugen.

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2. Definition

Zähneknirschen (Bruxismus) ist die bekannteste Form der sogenannten Parafunktionen. Darunter versteht man Aktivitäten des Kausystems, die keinem funktionellen Zweck dienen. Ein funktioneller Zweck wäre zum Beispiel das Zerkleinern von Nahrung. Zu den Parafunktionen zählen neben dem Zähneknirschen auch Wangen-, Lippen- und Zungenbeissen, Zähne- und Zungenpressen, sowie das Kauen auf Objekten, wie zum Beispiel Fingernägeln oder Bleistiften.

Beim genauen Nachdenken fällt vielen Menschen auf, dass auch sie mindestens eine dieser Bewegungen ausführen. Trotz der weiten Verbreitung vieler Parafunktionen in der Bevölkerung haben sie meist keine schwerwiegenden Folgen für Mund und Zähne. Beim Zähneknirschen und Zähnepressen – zusammengefasst unter dem Begriff Bruxismus – können jedoch Schäden an den Zähnen entstehen.

Die anatomisch richtige Haltung der Kiefer zueinander ist die sogenannte Schwebehaltung. Die Kaumuskeln sind dabei entspannt und die Zähne des Ober- und Unterkiefers berühren sich nicht. Ihr Abstand beträgt zwei bis drei Millimeter. Nur beim Kauen haben die Zähne normalerweise Kontakt zueinander.

Zähneknirschen bezeichnet ein aussergewöhnlich langes, übermässig starkes und nicht den natürlichen Kaubewegungen entsprechendes Aufeinanderpressen der Zähne. Der Zahnhalteapparat und auch die Zahnhartsubstanz selbst können durch die Dauerbelastung beim Zähneknirschen Schäden davon tragen. Bruxismus kommt tagsüber in geistigen beziehungsweise seelischen Anspannungsphasen vor, tritt vor allem aber nachts in den flacheren Schlafstadien (REM-Schlaf) auf. Bei besonders stark ausgeprägtem Zähneknirschen presst oder knirscht der Betroffene dabei mit einer viel stärkeren Kraft als beim normalen Kauen. Manchmal kann die Beisskraft beim Bruxismus mehrere hundert Kilogramm betragen.

Häufigkeit

Zähneknirschen und Zähnepressen (zusammengefasst als Bruxismus) sind in der Bevölkerung weit verbreitet. So haben fast alle Erwachsenen Abschleifspuren an den Zähnen, die durch Zähneknirschen entstanden sind. Aber auch Kinder beziehungsweise Jugendliche können von Bruxismus betroffen sein.

Die wenigsten der Betroffenen sind sich ihres Zähneknirschens bewusst. Vor allem, wenn der Bruxismus nachts auftritt und keine auffälligen Beschwerden wie Muskelkater im Kieferbereich oder Zahnschmerzen verursacht, bemerken viele nicht, dass sie mit den Zähnen knirschen. Das Zähnepressen wird dabei etwas häufiger bewusst wahrgenommen als das Zähneknirschen.

3. Ursachen

Beim Zähneknirschen (Bruxismus) liegen die Ursachen vermutlich im Gehirn und hängen mit emotionalem Stress zusammen, der im Schlaf verarbeitet wird. Folglich stellt das nächtliche Zähneknirschen auch eine Form von Schlafstörung (Parasomnie) dar. Kurzfristige Stressbelastungen in Familie oder Beruf können unter anderem durch Bruxismus zum Ausdruck kommen.

In manchen Fällen steckt auch eine Erkrankung des Zahnhalteapparats hinter den Problemen – auch schlecht sitzender Zahnersatz (Brücken, Kronen oder Prothesen) oder Füllungen können für Zähneknirschen und Zähnepressen verantwortlich sein.

Zähneknirschen kann ebenfalls durch orthopädische Probleme entstehen, die zu Schiefhaltungen führen. Als neurologische Ursache kommt unter anderem multiple Sklerose infrage.

Manchmal kann auch der Genuss von Alkohol oder koffeinhaltigen Getränken für Zähneknirschen verantwortlich sein. Bei Verzicht auf diese Genussmittel verschwindet das Knirschen mit den Zähnen dann meist von alleine wieder. Wenn der Verdacht besteht, dass das Zähneknirschen durch Medikamente ausgelöst wird, zum Beispiel durch Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), sollten Sie Ihren Arzt darauf ansprechen. Er kann gegebenenfalls ein anderes Medikament verordnen.

Generell ist das Zähneknirschen jedoch ein sehr häufiges Phänomen und nicht zwingend mit einer ernsthaften psychischen oder körperlichen Erkrankung verbunden.

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4. Symptome

Das Zähneknirschen oder -pressen (Bruxismus) kann unangenehme Symptome verursachen. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn der Bruxismus über einen längeren Zeitraum anhält und der Betroffene besonders stark mit den Zähnen knirscht. Da die meisten Menschen unbewusst während des Schlafs mit den Zähnen knirschen, machen sich die Beschwerden häufig erst am darauffolgenden Tag bemerkbar.

Beim Zähneknirschen können unter anderem folgende Symptome auftreten:

 

  • Verspannungen und Verhärtungen in der Gesichtsmuskulatur
     
  • Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich
     
  • Zahnschmerzen
     
  • schmerzhafte Beschwerden der Kiefergelenke
     
  • Schmerzen des Gesichts und der Schläfen
     
  • Schmerzen im Bereich der Ohren
     
  • Kopfschmerzen
     
  • Schwindel
     
  • Ohrgeräusche (Tinnitus)

Bei leichtem Zähneknirschen können Symptome an der Zahnoberfläche entstehen. Diese Abschleifspuren bezeichnen Zahnärzte auch als Schlifffacetten oder Abrasionen. Ist das Knirschen sehr stark, können die Zähne empfindlich werden oder sich lockern. Dann sind unter Umständen abgewetzte Zahnkronen sichtbar; im schlimmsten Fall kann ein Zahn auch in der Längsachse durchbrechen.

Durch Zähneknirschen können auch Symptome an der Kaumuskulatur auftreten. Diese kann sich durch die hohe Belastung beim Zähneknirschen deutlich vergrössern und es entwickeln sich schmerzhafte Verhärtungen. An den Kiefergelenken können durch die Dauerbelastung Veränderungen entstehen, sodass die Betroffenen den Mund nicht mehr richtig öffnen können. Dabei verrutscht die Gelenkscheibe des Kiefergelenks («Discus articularis») und behindert oder blockiert die natürliche Kieferbewegung. Dies macht sich beispielsweise durch ein Knackgeräusch beim Mundöffnen bemerkbar.

Die Kräfte, die beim Zähneknirschen oder Zähnepressen auf die Kiefergelenke einwirken, sind immens. Bei langanhaltendem Zähneknirschen können entzündliche Prozesse in den Kiefergelenkflächen und den Gelenkkapseln die Folge sein. Zusätzlich werden mitunter auch die Bänder des Kiefergelenks in Mitleidenschaft gezogen.

Auch das unbewusste Pressen der Zunge gegen den Gaumen oder die Frontzähne können, neben dem Zähneknirschen, Symptome verursachen: Nicht selten verschiebt sich die Stellung der Zähne – die Zähne können sich sogar dadurch lockern.

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5. Diagnose

Der Zahnarzt stellt bei Zähneknirschen (Bruxismus) die Diagnose anhand der sichtbaren typischen Folgen am Gebiss, zum Beispiel Schliffspuren an den Zähnen, abgewetzte Zahnkronen und eine vergrösserte Kaumuskulatur. Liegen solche sichtbaren Veränderungen vor, ist der Bruxismus aber bereits fortgeschritten.

Günstiger ist es, wenn eine weitere Person den Betroffenen auf dessen Zähneknirschen während des Schlafs aufmerksam macht. So ist ein frühzeitiges Einschreiten des Zahnarztes möglich, solange noch keine Zahnschäden vorliegen.

 

Auch andere Beschwerden, die auf den ersten Blick nichts mit den Zähnen zu tun haben, können auf Zähneknirschen hinweisen. Solche Symptome sind zum Beispiel Schmerzen der Kiefergelenke oder Kiefermuskulatur, dauerhafte Kopfschmerzen oder Muskelverspannungen im Nackenbereich. Wenn bei Ihnen solche Beschwerden auftreten, ist es ratsam, Ihren Zahnarzt auf mögliches Zähneknirschen anzusprechen.

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6. Therapie

Beim sogenannten Bruxismus – also Zähneknirschen und Zähnepressen – steht in der Regel keine ursächliche Therapie zur Verfügung. Es besteht jedoch die Möglichkeit, die Beschwerden des Zähneknirschens zu lindern und Folgeschäden zu vermeiden.

Eine durch den Zahnarzt speziell gefertigte Kunststoff-Schiene, die sogenannte Aufbissschiene, schützt die Zahnreihen und verhindert das Abschleifen der Zähne. Optimalerweise sollten die Betroffenen die durchsichtige Aufbissschiene nicht nur in der Nacht, sondern möglichst auch tagsüber tragen.

Doch nicht nur die Aufbissschiene ist bei Zähneknirschen Teil der Therapie. Auch physiotherapeutische Übungen, Wärmebehandlung und Massagen können dabei helfen, die Kaumuskulatur zu entspannen.

Oftmals läuft das Zähneknirschen unbewusst ab. Ein weiterer wichtiger Schritt in der Therapie ist deshalb das ständige Bewusstmachen des Zähneknirschens. Die Betroffenen gewöhnen sich das Zähneknirschen ab, indem sie es bewusst wahrnehmen und willentlich unterdrücken. Je öfter sich der Betroffene selbst beobachtet und korrigiert, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, sich das Zähneknirschen «abzutrainieren». Eine Art Kalender, in den man seine «Knirschphasen» einträgt, ist dabei sehr hilfreich. Insbesondere für Betroffene, die auch tagsüber häufig mit den Zähnen knirschen oder diese aufeinander pressen, können farbige Klebepunkte hilfreich sein: Auf Gegenständen aufgeklebt, die einem häufig ins Auge fallen (z.B. auf dem Rand des Computer-Bildschirms, dem Fernseher, dem Armband der Armbanduhr oder auf dem Lenkrad), können diese daran erinnern, den Kiefer bewusst zu entspannen beziehungsweise locker zu lassen.

Wenn psychische Probleme die wahrscheinliche Ursache für Zähneknirschen oder Zähnepressen sind, so ist deren Therapie die beste Möglichkeit, auch den Bruxismus zu beenden. Im Gespräch mit einem Therapeuten schaffen es viele Menschen, ihre seelischen Probleme zu benennen und zu verarbeiten. Auch Entspannungstechniken wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Tai Chi oder Yoga können dabei helfen, mit psychischen Belastungen ruhiger und entspannter umzugehen.

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7. Verlauf

Dauert das Zähneknirschen (Bruxismus) über längere Zeit an, können im Verlauf Schäden der Zahnsubstanz und des Kiefergelenks entstehen. Grössere Zahnschäden lassen sich vermeiden, wenn es gelingt, sich das Zähneknirschen bewusst zu machen und aktiv dagegen zu steuern. Auch das konsequente Tragen einer Aufbissschiene kann verhindern, dass das Gebiss Schaden nimmt.

Gerade zu Anfang ist es für die Betroffenen oft nicht einfach, ausreichend auf das Zähneknirschen zu achten. Im weiteren Verlauf gewöhnen sich die meisten jedoch daran, das Zähneknirschen oder Zähnepressen bewusst wahrzunehmen und zu unterdrücken.

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8. Vorbeugen

Psychischer Stress zählt zu den auslösenden Faktoren bei Zähneknirschen und Zähnepressen. Wer Stress abbaut, kann somit auch Zähneknirschen vorbeugen. Dazu bieten sich Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Tai Chi oder Yoga an.

Alkohol und Koffein wirken anregend auf das zentrale Nervensystem und können so auch Bruxismus begünstigen. Das gilt auch für illegale Drogen oder «aufputschende» Medikamente. Wenn Sie den Verdacht haben, dass bestimmte Medikamente in Zusammenhang mit dem Zähneknirschen stehen, sprechen Sie bitte Ihren Arzt darauf an. Er kann Ihnen unter Umständen ein anderes Arzneimittel verschreiben und so Zähneknirschen vorbeugen.

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