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Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii

(Rocky-Mountain-Fleckfieber)
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1. Überblick

Das Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii ist eine akut verlaufende Infektionskrankheit, die fast ausschliesslich in Amerika auftritt und auch unter der Bezeichnung Rocky Mountain spotted fever (RMSF) oder Rocky-Mountain-Fleckfieber bekannt ist.

Das Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii gehört zu den Rickettsiosen: Eine Rickettsiose ist eine durch Bakterien der Gattung Rickettsia (sog. Rickettsien) verursachte Infektionserkrankung. Die verschiedenen Rickettsiosen beim Menschen lassen sich in drei Gruppen unterteilen:

  1. die Zeckenbissfieber-Gruppe (mit dem Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii),
  2. die Fleckfieber-Gruppe (z.B. Epidemisches Fleckfieber) und
  3. die Tsutsuhamushi-Fieber-Gruppe (Tsutsugamushi-Fieber).

Menschen entwickeln ein Zeckenbissfieber, wenn die ursächlichen Rickettsien durch einen Zeckenbiss (bzw. Zeckenstich) von der Zecke in den menschlichen Körper gelangen. Für das Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii sind ausschliesslich ganz bestimmte Zecken in Nord- und Südamerika verantwortlich. Das erklärt, warum diese Form von Zeckenbissfieber fast nur in Amerika vorkommt.

Das Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii beginnt plötzlich etwa zwei Tage bis zwei Wochen nach dem ursächlichen Zeckenbiss: Erste Symptome sind hohes Fieber, Kopfschmerzen und Gliederschmerzen. Ausserdem können Muskelschmerzen, Lichtscheu und Übelkeit auftreten. Vor allem bei Kindern kann die Rickettsien-Infektion zusätzlich starke Bauchschmerzen auslösen – dann ist es wichtig, die Symptome nicht mit einer Blinddarmentzündung zu verwechseln.

Im weiteren Verlauf (5. bis 7. Tag) führt das Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii normalerweise zu einem Hautausschlag, der auf die gesamte Haut übergreift. Da sich eine späte (d.h. nach dem 5. Tag begonnene) Behandlung ungünstig auf die Prognose auswirkt, ist es wichtig, dass die Betroffenen zu diesem Zeitpunkt schon Antibiotika gegen die ursächlichen Bakterien erhalten. Daneben kommen beim Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii allgemeine symptomlindernde Massnahmen zur Therapie zum Einsatz.

Die einzige wirksame Möglichkeit, sich vor dem Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii zu schützen, besteht darin, Zeckenbisse zu vermeiden. Ist eine Infektion eingetreten, heilt die Erkrankung rechtzeitig und angemessen behandelt meist vollständig aus.

2. Definition

Das Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii ist eine durch Zecken übertragene, bakterielle Krankheit, die fast ausschliesslich in Amerika (USA, Kanada, Mexiko, Zentralamerika, Bolivien, Argentinien, Brasilien, Kolumbien) verbreitet ist. Die Infektionskrankheit ist auch unter weiteren Bezeichnungen bekannt, zum Beispiel:

  • Rocky Mountain spotted fever (RMSF, Rocky-Mountain-Fleckfieber) nach seiner im Jahr 1896 in Idaho, USA erfolgten Erstbeschreibung
  • amerikanisches Zeckenbissfieber
  • São-Paulo-Fieber
  • kolumbianisches Tobiafieber
  • Neue-Welt-Fleckfieber

Die für diese Form von Zeckenbissfieber verantwortliche Bakterienart entdeckte der amerikanische Pathologe Howard Taylor Ricketts im Jahr 1907, was zur Namensgebung des Bakteriums führte: Rickettsia rickettsii.

Das Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii zählt zu den sogenannten Rickettsiosen: Als Rickettsiose bezeichnet man jede durch Bakterien der Gattung Rickettsia verursachte Erkrankung. Die Übertragung der Rickettsien erfolgt durch Zecken, Milben, Läuse oder Flöhe. Die verschiedenen Rickettsiosen beim Menschen lassen sich in drei Gruppen unterteilen:

  • Fleckfieber-Gruppe: zum Beispiel
  • Zeckenbissfieber-Gruppe: neben dem Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii zum Beispiel
    • Mittelmeerfleckfieber (Fièvre boutonneuse)
    • Rickettsien-Pocken
  • Tsutsuhamushi-Fieber-Gruppe:

Häufigkeit

In den USA tritt das Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii mit einer Häufigkeit von etwa 2,2 Fällen pro 1'000'000 Einwohner auf. Der Hauptanteil der Betroffenen lebt in ländlichen Gegenden und Vororten. Hauptsächlich sind dies Männer zwischen dem 40. und 64. Lebensjahr, aber auch häufig Kinder unter 10 Jahren. Das Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii tritt überwiegend im Frühjahr und im Sommer auf, wenn die Zecken aktiv sind.

3. Ursachen

Erreger

Dem Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii liegen als Ursachen ganz bestimmte Erreger zugrunde: Hierbei handelt es sich um ein Bakterium aus der Gattung der Rickettsien. Rickettsien können ausschliesslich im Inneren von tierischen oder menschlichen Zellen leben. Ihr bevorzugter Aufenthaltsort sind die Darmzellen von Zecken, Milben, Läusen und Flöhen. Desinfektionsmittel, Hitze und Trockenheit können Rickettsien sehr schnell zerstören. In den Ausscheidungen von Flöhen oder Läusen können diese Bakterien jedoch monatelang überleben, infektiös bleiben und in seltenen Fällen bei Menschen eine Infektion (sog. Rickettsiose) auslösen.

Wenn die für das Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii verantwortlichen Erreger über einen Zeckenbiss (bzw. Zeckenstich) in den Körper des Menschen gelangen, vermehren sie sich innerhalb der Zellen und verteilen sich auf dem Blut- und Lymphweg im gesamten Körper. Dabei zerstören sie kleine Blutgefässe und Köperzellen, worin die für das Zeckenbissfieber typischen Beschwerden ihre Ursachen haben.

Übertragung

Das Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii hat seine Ursachen in einem Zeckenbiss (bzw. Zeckenstich), bei dem für die Infektion verantwortlichen Erreger (sog. Rickettsien) von der Zecke in den Menschen gelangen. Die Übertragung der Rickettsien erfolgt ausschliesslich durch ganz bestimmte Zecken in Nord- und Südamerika:

  • in den Rocky Mountains verbreitete Waldzecken
  • in den mittleren und östlichen Staaten der USA vorkommende Hundezecken
  • in Brasilien, Kolumbien und Mexiko lebende Ratten- und Waldtierzecken

Über den Biss dieser Parasiten gelangen die Rickettsien in den Körper ihrer Wirte – dies können neben dem Menschen auch Nagetiere, Huftiere oder Hunde sein. Das Vorkommen des Zeckenbissfiebers ist also an die Verbreitungsgebiete der für die Übertragung sorgenden Zecken gebunden. Dies ist die Ursache dafür, dass das Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii fast ausschliesslich in Amerika (USA, Kanada, Mexiko, Zentralamerika, Bolivien, Argentinien, Brasilien, Kolumbien) auftritt. Von dieser geographischen Verbreitung leiten sich die weiteren Bezeichnungen für das Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii ab:

  • Rocky-Mountain-Fleckfieber (engl.: Rocky Mountain spotted fever)
  • amerikanisches Zeckenbissfieber
  • Sao-Paulo-Fieber
  • kolumbianisches Tobiafieber
  • Neue-Welt-Fleckfieber

In einigen Fällen hat das Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii seine Ursachen nicht in einem Zeckenbiss – die Rickettsien sind stattdessen auch über die Ausscheidungen der Zecke übertragbar: Die Infektion erfolgt dann beim Zerdrücken der Zecke, das die Ausscheidungen freisetzt. Eine Übertragung des Zeckenbissfiebers durch Rickettsia rickettsii von Mensch zu Mensch ist ausserdem über Bluttransfusionen möglich – dies geschieht jedoch äusserst selten.

Inkubationszeit

Beim Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii ist die Inkubationszeit – die Zeit zwischen der Infektion und dem Ausbruch der Erkrankung – eher kurz: Nach dem Zeckenbiss dauert es etwa zwei Tage bis zwei Wochen, bis die ursächlichen Rickettsien Symptome auslösen.

4. Symptome

Das Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii entwickelt sich meist kurz nach dem ursächlichen Zeckenbiss (bzw. Zeckenstich): Meist setzen die ersten Symptome fünf bis sieben Tage nach der Infektion ein. Anfangs sind die Anzeichen der Infektion wenig kennzeichnend:

  • Es treten hohes Fieber von 40 bis 41 Grad Celsius, Kopfschmerzen und Gliederschmerzen auf.
  • Des Weiteren sind allgemeines Unwohlsein, Lichtscheu, Husten, Muskelschmerzen und Übelkeit (mit oder ohne Erbrechen) möglich.
  • Besonders Kinder können zusätzlich starke Bauchschmerzen entwickeln. In dem Fall ist es wichtig, das Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii nicht mit einer Blinddarmentzündung zu verwechseln.

Typischerweise ruft das Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii zwischen dem fünften und siebten Tag Symptome auf der Haut hervor: In den meisten Fällen (etwa 80%) bildet sich ein massiver Hautausschlag (Exanthem), der meist an den Handgelenken und Knöcheln beginnt und sich von dort über den gesamten Körper ausbreitet (daher auch die Bezeichnung Rocky Mountain spotted fever bzw. Rocky-Mountain-Fleckfieber). Auch die Handflächen und Fusssohlen sind mit einbezogen. Der Hautausschlag beim Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii ist sowohl durch kleine, erhaben tastbare Papeln als auch durch kleine Einblutungen gekennzeichnet. In der Regel bereitet er keine Beschwerden.

Wenn das Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii schwer verläuft oder die Therapie gegen die ursächlichen Rickettsien spät einsetzt, treten zusätzliche Symptome in Form von starker Übelkeit und Verwirrtheit auf. Auch Bewusstlosigkeit und eine Gelbfärbung der Haut sind möglich.

5. Diagnose

Beim Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii ist eine frühzeitige Diagnose schwierig, da in der frühen Phase keine eindeutigen Tests verfügbar sind. Es ist allerdings wichtig, dennoch schnellstmöglich mit der Therapie zu beginnen. Die Befragung der Betroffenen (nach Reisen, Wohnort, Zeckenbiss) und äussere Umweltfaktoren (Jahreszeit) können bei der Diagnose helfen. Später können Hautbiopsien, serologische Blutuntersuchungen oder Blutkulturen den Verdacht auf ein Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii bestätigen. Nach einigen Tagen sind bestimmte Antikörper (z.B. IgM) nachweisbar.

Vom Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii bei der Diagnose abzugrenzen sind Viruserkrankungen, Masern, pfeiffersches Drüsenfieber und Hirnhautentzündungen.

6. Therapie

Beim Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii ist es wichtig, die Therapie so früh wie möglich zu beginnen. Bei einem späten Behandlungsbeginn (nach dem fünften Tag der Erkrankung) verschlechtert sich die Prognose.

Wenn bei Ihnen der Verdacht auf ein Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii besteht, lassen Sie sich am besten im Spital behandeln: Dort erhalten Sie Antibiotika, die Sie direkt in die Vene (intravenös) verabreicht bekommen. Diese Antibiotika-Behandlung wirkt gegen den ursächlichen Erreger: das Bakterium (wie die Krankheitsbezeichnung schon sagt) Rickettsia rickettsii. Neben der Bekämpfung der Rickettsien kann eine Therapie nötig sein, um Ihre Beschwerden zu lindern, zum Beispiel durch Schmerzmittel. In einigen Fällen ist es notwendig, Flüssigkeit in Form von Infusionen zu verabreichen.

7. Verlauf

Das Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii ist eine Infektion mit ernst zu nehmendem Verlauf, obwohl es dank der verfügbaren Antibiotika meist heilbar ist. Sind die ersten Tage nach Ausbruch des Zeckenbissfiebers erst einmal überstanden, dann erholen sich die Betroffenen in der Regel vollständig.

Als noch keine antibiotische Therapie möglich war, betrug die Sterblichkeit beim Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii bis zu 30 Prozent. Seit der Entdeckung der Tetrazykline und von Chloramphenicol in den 1940ern ist die Sterblichkeit auf unter 3 Prozent gesunken.

Komplikationen

Das Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii kann mit verschiedenen Komplikationen verbunden sein: Ein ernsterer Verlauf ist besonders bei Kindern unter vier Jahren möglich, aber auch bei Männern. Übermässiger Konsum von Alkohol und der Mangel eines bestimmten Enzyms (Glucose-6-phosphat-Dehydrogenase) verursachen ebenfalls häufiger Komplikationen. In einigen Fällen kommt es zu Langzeitfolgen in Form von Lähmungen oder Taubheit.

Nimmt das Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii einen besonders schweren Verlauf, können massive Kreislaufstörungen sowie Blutdruckabfall, Herzrasen und akutes Nierenversagen auftreten. Diese Komplikationen führen innerhalb kurzer Zeit zum Tod.

8. Vorbeugen

Sie können einem Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii vorbeugen, indem Sie Zeckenbisse vermeiden. Ein wirksamer Impfstoff gegen das Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii ist nur für spezielle Personengruppen verfügbar. Wenn es Ihnen nicht möglich ist, den Kontakt mit Zecken – besonders in Risikogebieten (USA, Kanada, Mexiko, Zentralamerika, Bolivien, Argentinien, Brasilien, Kolumbien) – zu vermeiden, beachten Sie am besten folgende Punkte:

  • Den Körper nach Zecken absuchen! Suchen Sie nach dem Aufenthalt in gefährdeten Gebieten Ihren Körper nach Zecken ab. Je früher Sie festgebissene Zecken entfernen, desto besser ist die Prognose beim Zeckenbissfieber durch Rickettsia rickettsii. Dabei ist es wichtig, auch speziell auf die Körperbereiche zwischen den Beinen, in den Kniekehlen, unter den Armen, im Nacken und am Haaransatz zu achten. Achtung: Zecken können sehr klein und schwer zu erkennen sein. Sie können sich bis auf das zweihundertfache ihrer Körpergrösse vollsaugen.
  • Schützende Kleidung tragen! Durch langarmige Kleidung, lange Hosen, eine Kopfbedeckung und festes Schuhwerk erschweren Sie es den Zecken, sich einzunisten. Ätherische Öle und Lotionen zur Mückenabwehr bieten ebenfalls einen eingeschränkten Schutz.