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Zytomegalie

(Einschlusskörperchenkrankheit)
Von Veröffentlicht am 01.01.1970

1. Überblick

Die Zytomegalie (Cytomegalie, CMV-Infektion, Einschlusskörperchenkrankheit) ist eine Virusinfektion, die in der Regel unbemerkt verläuft. In Europa sind etwa 50 Prozent der Bevölkerung betroffen, fast alle gesunden Betroffenen bemerken aber gar nichts davon. Bei abwehrgeschwächten Personen oder Neugeborenen stellt sie jedoch ein ernstes Krankheitsbild dar.

Die meisten Kinder, die sich im Mutterleib mit Zytomegalie anstecken, kommen gesund zur Welt. Eine Infektion mit dem Zytomegalie-Virus (CMV) in der Schwangerschaft kann für das Ungeborene aber auch gefährlich sein.

Das Zytomegalie-Virus kann von der Schwangeren über die Plazenta auf das Ungeborene übergehen. Erwachsene stecken sich beim Geschlechtsverkehr, über Bluttransfusionen oder Organtransplantationen mit dem CMV an. Bislang ist nicht bekannt, wie lange die sogenannte Inkubationszeit – also die Zeit zwischen der Infektion und den ersten Symptomen der Erkrankung – bei Zytomegalie dauert. Experten gehen von etwa vier bis zwölf Wochen aus.

Mögliche Symptome einer Zytomegalie bei infizierten Neugeborenen sind geistige Behinderung, Taubheit, Sehstörungen, Lungenentzündung, Vergrösserung der Leber und der Milz und Blutarmut (Anämie). Eine CMV-Infektion in der Schwangerschaft kann auch eine Frühgeburt auslösen. Bei Erwachsenen mit geschwächtem Immunsystem sind häufig Lunge, Leber, Auge und Magen-Darm-Trakt betroffen. Bei hochgradiger Abwehrschwäche (z.B. AIDS, Organtransplantation) sind lebensbedrohliche Verläufe der Zytomegalie möglich.

Die Diagnose der Zytomegalie stellt der Arzt vor allem über die Symptome und indem er andere Erkrankungen, die ähnliche Symptome hervorrufen, ausschliesst. Der CMV kann auch direkt in Urin, Blut und Gewebeproben nachgewiesen werden.

Eine Therapie ist bei einer CMV-Infektion nur bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem und bei Schwangeren nötig. Immungeschwächte Patienten bekommen Medikamente, Schwangere erhalten dagegen spezielle Antikörper gegen das Zytomegalie-Virus, sogenanntes CMV-Immunglobulin.

Um einer Zytomegalie vorzubeugen, ist vor allem eine gute Hygiene wichtig – zum Beispiel durch häufiges Händewaschen. Eine Impfung gegen das CMV gibt es bislang nicht.

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2. Definition

Die Zytomegalie ist eine Infektionskrankheit, die durch das Zytomegalie-Virus (CMV) verursacht wird. In Europa sind etwa 50 Prozent der Menschen mit dem Virus infiziert – in Entwicklungsländern sind es über 90 Prozent. Zytomegalie-Erkrankungen in der Schwangerschaft können gefährlich für das Ungeborene sein.

Ursachen

Zytomegalie-Viren (CMV) als Ursachen der Zytomegalie gehören zur Gruppe der Herpesviren. Dabei handelt es sich um kleine Partikel, deren Erbinformation in Form von DNA vorliegt – sogenannte DNA-Viren.

Das Virus verbreitet sich über

  • Sperma
  • Speichel
  • Urin
  • Blut und Blutbestandteile

Auch Organtransplantationen stellen ein Übertragungsrisiko dar. Die Transplantation kann ausserdem dazu führen, dass eine CMV-Infektion, die zuvor unbemerkt verlieft, nun Beschwerden hervorruft. In beiden Fällen nimmt der Körper das Spenderorgan vergleichsweise häufig nicht an, sondern stösst es ab.

Die Inkubationszeit bei Zytomegalie, also die Zeit von der Ansteckung mit Zytomegalie-Viren als Ursachen bis zum Ausbruch der Erkrankung, ist nicht genau bekannt. Experten vermuten ein Dauer zwischen vier bis zwölf Wochen.

3. Symptome

Bei gesunden Kindern und Säuglingen verläuft eine Zytomegalie-Infektion meist ohne erkennbare Symptome. Für Ungeborene kann die Infektion jedoch gefährlich sein: Infiziert sich die Mutter während der Schwangerschaft mit CMV, kann es zu Fehlbildungen des Fötus bis hin zur Fehlgeburt kommen. Die meisten Babys, die sich im Mutterleib mit Zytomegalie angesteckt haben, kommen aber gesund zur Welt.

Bei gesunden Erwachsenen verursacht die Zytomegalie in der Regel keine Symptome. Bei etwa 10 von 100 Erkrankten können die Lymphknoten anschwellen und die Betroffenen fühlen sich oft über Wochen müde.

Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem (z.B. durch AIDS, Organtransplantationen) kann eine Zytomegalie-Infektion schwere Begleiterscheinungen verursachen, zum Beispiel Lungenentzündungen, Hepatitis oder bestimmte Augenentzündungen (Retinitis). Weitere Zytomegalie-Symptome bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem sind zum Beispiel Fieber, Muskelschmerzensstörungen, und Blutgerinnungsstörungen durch eine verminderte Anzahl an Blutplättchen (Thrombozyten). Ausserdem sind weniger weisse Blutkörperchen im Blut vorhanden (Leukozyten). Der CMV kann auch das Gehirn befallen und eine Gehirnentzündung (Enzephalitis) hervorrufen.

CMV-Retinitis

Die CMV-Retinitis tritt zuerst nur an einem Auge auf und breitet sich dann auf das andere Auge aus, wenn die Erkrankung nicht behandelt wird. Typische Symptome dieser durch Zytomegalie verursachten Netzhaut-Entzündung sind Sehstörungen wie verschwommenes Sehen und eine herabgesetzte Sehschärfe. Das Auge selbst ist schmerzfrei und äusserlich unauffällig. Unbehandelt führt die CMV-Retinitis zur Erblindung. Bei der Augenuntersuchung erkennt der Arzt weissliche Veränderungen oder Blutungen am Augenhintergrund.

CMV-Manifestation im Magen-Darm-Trakt

Eine Zytomegalie-Infektion ruft auch Symptome hervor, die den Magen-Darm-Trakt betreffen. Dazu gehören Schluckbeschwerden, Brennen hinter dem Brustbein und Bauchschmerzen. Sie entstehen, wenn sich im Rahmen der CMV-Infektion die Schleimhäute im Magen oder in der Speiseröhre entzünden. Manchmal treten Entzündungen des Dickdarms auf (Kolitis), die sich auf den gesamten Magen-Darm-Trakt ausbreiten können. Bei starken Entzündungen entstehen teilweise Geschwüre der Schleimhaut. Oft haben Betroffene mit einer CMV-Infektion keinen Appetit.

CMV-Lungenetzündung

Bei einer durch Zytomegalie-Viren ausgelösten Lungenentzündung (virale/interstitielle Pneumonie) kommt es zu trockenem Husten ohne Schleimbildung. Im Röntgenbild des Brustkorbs zeigen sich Flüssigkeitsansammlungen zwischen den Geweben (sog. interstitielles Infiltrat).

4. Diagnose

Aufgrund der uncharakteristischen Symptome einer Zytomegalie ist die Diagnose schwierig. Eine ganze Reihe anderer viraler, bakterieller oder pilzbedingter Infektionen können ähnliche Symptome verursachen. In der Regel handelt es sich bei der Zytomegalie deshalb um eine sogenannte Ausschlussdiagnostik: Der Arzt schliesst alle anderen Erkrankungen aus, bis nur noch «Zytomegalie» als Diagnose übrig bleibt.

Die Blutwerte sind bei Zytomegalie meist unspezifisch verändert, zum Beispiel zeigen sich häufig erhöhte Bilirubinwerte, was auf eine Hepatitis hinweist. Dagegen lassen sich in Gewebeproben typische, sogenannte Eulenaugenzellen nachweisen. Der Nachweis von Antikörpern gegen das Zytomegalie-Virus ist zwar möglich, kann aber nicht zwischen akuter Erkrankung und lang zurückliegender Infektion unterscheiden.

Es ist auch möglich, die Viren selbst im Blut, Urin oder in Gewebeproben nachzuweisen.

Ob sich das Ungeborene bei einer CMV-Infektion der Mutter ebenfalls angesteckt hat, lässt sich durch eine Fruchtwasseruntersuchung feststellen.

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5. Therapie

Bei Kindern und Erwachsen mit einem funktionierenden Immunsystem ist bei Zytomegalie in der Regel keine Therapie nötig – allerdings verbleibt das Zytomegalie-Virus (CMV) im Körper und die Infektionkann jederzeit wieder auftreten, wenn das Abwehrsystem geschwächt ist. Bei Menschen mit einem geschwächten Abwehrsystem erfolgt eine spezifische Zytomegalie-Therapie.

Schwangere mit Zytomegalie-Infektion erhalten spezielle Antikörper gegen das Virus (sog. CMV-Immunglobulin).

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6. Verlauf

Die Prognose der Zytomegalie und ihr Verlauf hängen vom Zustand des Immunsystems ab. Bei Infektion im Mutterleib sind Fehlgeburten und Fehlbildungen des Ungeborenen möglich. Bei gesunden Menschen verläuft die CMV-Infektion meist beschwerdefrei – die Viren verbleiben jedoch lebenslang im Körper und können unter Umständen zu einer erneuten Erkrankung führen (z.B. bei einer Organtransplantation). Bei Personen mit einem geschwächten Immunsystem (z.B. durch AIDS) können die Viren schwere Entzündungen der befallenen Organe verursachen – im schlimmsten Fall kann eine Zytomegalie tödlich enden.

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7. Vorbeugen

Eine Impfung, mit der man einer Zytomegalie vorbeugen kann, gibt es bislang nicht. Bei Organtransplantationen hat sich die Situation bei einer CMV-Infektion deutlich gebessert, weil heute wirksame Medikamente zur Vorbeugung und Behandlung der Zytomegalie verfügbar sind, zum Beispiel Ganciclovir.

Schwangere können durch Hygienemassnahmen wie häufiges Händewaschen einer Zytomegalie vorbeugen. Werdende Mütter, die noch nicht mit CMV infiziert sind, dürfen zudem nicht mehr als Erzieherinnen arbeiten, sofern sie während ihrer Arbeit Kinder wickeln müssen – denn dabei ist die Infektionsgefahr besonders hoch.

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