Auf der Intensivpflegeabteilung des Ostschweizer Kinderspitals herrscht ein entspanntes Verhältnis zu den Fehlern, die unter Umständen hätten kritisch werden können. Statt mit schlechtem Gewissen zur Tagesordnung überzugehen, setzen sich Krankenpfleger und Ärztinnen an den Computer zum Fehlerrapport. Anonym geben sie seit Juli 1998 die Fehlleistungen und deren Umstände in das dafür vorgesehene Meldesystem ein.

Die gesammelten Erfahrungen sind einerseits dem Personal zugänglich, das kommentierende Ratschläge dazu eintippen kann. Anderseits werden die Daten ausgewertet, um mögliche Fehler – zum Beispiel im Arbeitsablauf – frühzeitig erkennen und beheben zu können.

Eine Auswertung der ersten zwölf Monate ergab, dass von 211 Zwischenfällen 63 schwerer Natur waren; 53 wurden als mittelschwer eingestuft und 95 als leicht. 29 Prozent der Meldungen bezogen sich auf die Verabreichung von Medikamenten, 14 Prozent wiesen auf Ungereimtheiten bei der Beatmung hin.

Nationales Meldesystem

Die Anästhesieabteilung des Basler Kantonsspitals arbeitet bereits seit 1996 mit diesem Meldesystem. Diese Pionierarbeit hat zum Aufbau des «nationalen Meldesystems für kritische Ereignisse in der Anästhesie» geführt, das Ende Januar der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Die Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH) will ab Frühjahr ein ähnliches nationales Meldesystem für medizinische Behandlungsfehler einrichten.

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Auch die Ärzte der inneren Medizin sind aktiv. 15 Spitäler beteiligen sich seit März 1998 an einer von Professor Max Stäubli geleiteten Untersuchung zur systematischen Registrierung von Komplikationen bei Spitalpatienten. Dank den gesammelten Daten sollen Komplikationen frühzeitig erkannt sowie Arbeitsabläufe und Behandlungen verbessert werden. Zudem dient die Studie der Weiterbildung des Personals.