Begonnen hatte es schleichend: mit vermehrtem Husten in der Nacht. Dann wurde es immer schlimmer. Nun lebt der elfjährige Tobias seit neun Jahren mit der Diagnose Asthma. Morgens und abends muss er kortisonhaltiges Pulver inhalieren, damit sich die Atemwege erweitern. Denn bei Asthma entzündet sich die Schleimhaut in den Bronchien und schwillt an; zugleich kann sich der Muskelring, der diese umgibt, verkrampfen.

Die Medizin unterscheidet zwischen allergischem und nichtallergischem Asthma. «Meist zeigt sich nicht nur eine einzige klare Ursache, sondern mehrere», erklärt Lungenspezialist Johannes Wildhaber vom Kantonsspital Freiburg. In der Schweiz leiden zehn Prozent der Kinder an Asthma, Buben fast doppelt so häufig wie Mädchen. «Etwa die Hälfte der Kinder mit Asthma wird ungenügend behandelt», so Wildhaber. Die Krankheit tritt nicht nur in Form von akuter Atemnot auf, Anzeichen sind auch Husten, Bronchialkatarrh oder wenn das Kind allgemein schnell ausser Atem gerät.

Eltern müssen Behandlung erlernen

Tobias schläft nun in einem antiallergisch ausgestatteten Bett. Denn wie drei Viertel der Kinder, die erst nach dem Säuglingsalter an Asthma erkranken, leidet auch er an Allergien – auf Hausstaub und Tierhaare. Auch emotionale Belastungen beeinflussen die Krankheit. Doch Tobias spielt Fussball, übt mit dem Skateboard und macht lange Wanderungen mit der Familie – das stärkt die Lungenfunktion.

Asthma nimmt vor allem bei Kindern stark zu. «Eindeutig bewiesen ist heute, dass die Luftverschmutzung einen Einfluss auf die Stärke und die Häufigkeit der Attacken hat», so Experte Johannes Wildhaber. Auch Zigarettenrauch, sehr kalte und trockene Luft sowie Schmerzmedikamente, vor allem Aspirin, können Asthma auslösen.

Die Behandlungsmöglichkeiten sind gut. Entzündungshemmende Medikamente helfen, stärkere Anfälle zu vermeiden. Wichtig ist immer eine gute Einschätzung der Lage, damit die Mittel richtig eingesetzt werden können. Dazu führt die Lungenliga spezielle Informationskurse für Eltern und Kinder durch.

Bei der Hälfte aller Kinder verschwinden die Asthma-Symptome mit dem Ende des Wachstums. Doch Johannes Wildhaber betont: «Personen, die als Kind Asthma hatten, haben ein doppelt so hohes Risiko wie andere, dass die Krankheit später wieder auftritt. Die beste Massnahme dagegen ist, weder aktiv noch passiv zu rauchen.»

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Wissenswertes rund ums Asthma

Anzeichen: nächtlicher Husten über längere Zeit, Atemnot, Kurzatmigkeit nach körperlicher Anstrengung, häufiger/längerer Bronchialkatarrh, bei Kleinkindern mehrmaliges Auftreten von «fal­schem Krupp» (Infektion der Atemwege)

Akutbehandlung: Wenn keine Medikamente zur Hand sind, rasch zum Arzt oder ins Spital – oder die Ambulanz rufen

Notfallmedikamente: Inhalierspray mit kortisonhaltigem Pulver, bei infekt­bedingtem Asthma Kortisontabletten

Behandlung: feuchte oder trockene Inhalationen, die die Atemwege erweitern und entzündungshemmend wirken; antiallergi­sche Bettausrüstung (Matratze mit Bezug gegen Hausstaubmilben, Bettzeug für Aller­giker); ärztliche Abklärung von Allergien gegen Tierhaare oder Pflanzen

Spezialisierte Ärzte: Liste von kinder­pädiatrischen Spezialisten für Pneumo­logie sowie Informationen zu Asthma-­Medikamenten: www.kinderlunge.ch

Beratung/Information/Kurse: Die Lungenliga beantwortet dienstags von 17 bis 19 Uhr unter der Gratisnummer 0800 404 800 Fragen; sie leiht Inhaliergeräte aus. Behandlungsinformationen, Kurse für ­Betroffene, Lager für Kinder mit Asthma: Lungenliga, www.lung.ch, und Schweizerisches Zentrum für Allergie, Haut und Asthma, www.ahaswiss.ch