Grosser Andrang vor der Turnhalle im zürcherischen Bassersdorf. Alle Betten sind belegt. «Ich spende Blut, weil ich mich danach besser fühle», sagt Roger Haas. Auch sei die Spende ein optimaler Gesundheitscheck – «und das gratis».

Doch die Betriebsamkeit täuscht. Immer weniger Leute spenden Blut. 442'500 Spenden wurden 2002 schweizweit verzeichnet, fünf Prozent weniger als im Vorjahr. «Die Lage ist ernst», sagt Rudolf Schwabe, Direktor des schweizerischen Blutspendedienstes. Wegen des Rückwärtstrends bei den Spenden werde das Blut immer knapper.

Der Blutmangel hat mehrere Gründe. Zum einen werden heute deutlich höhere Qualitätsansprüche an die Spenden gestellt. Im Rahmen der Präventivmassnahmen gegen die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit scheiden Spendewillige aus, die sich zwischen 1980 und 1996 länger als sechs Monate in Grossbritannien aufgehalten haben. Zudem rächt sich, dass die mobilen Blutspendeequipen vor fünf Jahren aus Kostengründen abgebaut wurden. Schwabe: «Heute würden wir das nicht mehr machen.»

In Basel herrscht bereits akuter Notstand. «Um den Bestand zu decken, den die Spitäler von uns fordern, müssten wir täglich 90 Spenden verzeichnen», sagt Christine Stebler Gysi, Leiterin des Blutspendezentrums Basel. Stattdessen lassen sich pro Tag nur 30 bis 50 Spendewillige Blut abzapfen.

Auch in Zürich wird das Blut immer knapper. «Kommt es zu einem Engpass, was meist in den Sommerferien der Fall ist, haben wir zu wenig Blut», sagt Beat Frey, Direktor der Stiftung Zürcher Blutspendedienst. Die Folge: Operationen müssen verschoben werden, und Transfusionen können nur unter erschwerten Bedingungen stattfinden.

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