Im Alter lässt das Gehör nach. Logisch, denken wir, schliesslich werden auch die Gehörorgane alt. Doch das ist falsch. Studien zeigen: Die Gehörkapazität eines 18-jährigen New Yorkers entspricht etwa jener eines 80-jährigen Zentralafrikaners, der selten einem Schall von mehr als 75 Dezibel ausgesetzt ist. Das entspricht der Lautstärke eines Autos mit Tempo 50.

Das menschliche Ohr ist als Warnorgan auf Naturtöne ausgelegt. Laut Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (Buwal) ist aber «die mittlere Schallintensität in einer städtischen Wohnlage rund 1000 Mal höher». Mit dem Resultat, «dass unser Organismus dauernd Fehlalarme erzeugt und sich auf Kampf- und Fluchtreaktionen vorbereitet».

Damit wird klar: Lärm ist ungesund. Die Schädigung ist abhängig von der Dauer, der Lautstärke oder der Höhe des Tons. Hinzu kommt die persönliche Einstellung zur Lärmquelle: So ist das Rauschen in der Nähe einer Autobahn etwa gleich laut wie ein Bergbach. Kaum jemand wird sich aber über einen zu lauten Bach beklagen.

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Ein konstanter Schallpegel von über 60 Dezibel gilt als lästig und schädlich nachts liegt der Wert bei 50 Dezibel. Die Lärmskala ist allerdings nicht linear: Einen Schallpegel von 60 Dezibel empfinden wir als doppelt so laut wie einen Wert von 50 Dezibel.

«Lärmgeschädigte Arbeitnehmer arbeiten unkonzentrierter und weniger effizient», warnt das Buwal.

Die Palette möglicher Gesundheitsschäden ist breit:

Hörschaden

Dauerlärm schädigt die Ohren langfristig. Besonders gefährdet sind Industrie- und Bauarbeiter. Bei intensiven Spitzenwerten (Diskotheken, Konzerte, Schiesslärm) kann bereits ein einzelnes Ereignis einen unheilbaren Schaden verursachen.


Schlafstörung

Lärm kann den Menschen wecken oder vom tiefen in den leichten Schlaf holen. Damit wird die Erholung beeinträchtigt. Die langfristigen Folgen sind ständige Übermüdung, Nervosität, Reizbarkeit, reduzierte Leistung. Laut Weltgesundheitsorganisation sollten die Schallspitzen im Schlafzimmer 45 Dezibel nicht überschreiten.

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Stress

Ob schlafend oder wach im Körper reagieren das Nervensystem und der Hormonhaushalt auf Lärm. Die Folgen: höhere Herzfrequenz, verengte Blutgefässe, erhöhter Blutdruck oder Ausschüttung von Stresshormonen.


Kreislaufkrankheiten

Langfristig kann Dauerlärm lebenswichtige Organe schädigen. So ist ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt durch Strassenverkehrslärm belegt.