An der Luft bilde sich rasch Schorf, und darunter schreite die Wundheilung zügig voran, glaubte man früher. In den sechziger Jahren hat der englische Medizinier George Winter aber entdeckt, dass sich Gewebe in feuchter Umgebung um bis zu 50 Prozent schneller erneuert. Denn Wundsekret transportiert Nähr- und Botenstoffe ideal. Für die sogenannte feuchte Wundheilung gibt es sogar Spezialpflaster, die die Wunde feuchthalten.

Neben Schokolade stehen auch Hamburger und Pommes frites im Verdacht, Akne vermehrt spriessen zu lassen. Das stimmt nicht, wie bereits vor über 50 Jahren bei einem Versuch geklärt wurde. Inzwischen gibt es zahlreiche Studien, die bestätigen, dass zwischen Akne und Ernährung in der Regel kein Zusammenhang besteht. Einzig Milchprodukte können allenfalls Akne­symptome fördern. So ergab eine amerikanische Untersuchung mit 47'000 Teilnehmenden im Jahr 2005, dass wer häufig Milch trinkt, auch öfter unter Akneausbrüchen leidet. Forscher führen das darauf zurück, dass Milch Hormone enthält. Häufige Ursache für Akne ist nämlich ein Ungleichgewicht bestimmter Hormone im Körper.

Wer den spannenden Roman bei Schummerlicht zu Ende liest, muss sich nicht wundern, wenn er später eine Brille braucht, hiess es früher. Unnötige Angstmacherei. Solange das Licht noch reicht, um lesen zu können, schadet das nicht. Und wenn es zu dunkel ist, kann man ohnehin nicht mehr lesen. Wirklich schädlich, da sind sich Augenärzte einig, ist zu viel UV-Strahlung, denn das Blenden kann die Augen ernsthaft schädigen.

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Ein hoher Bierkonsum ist nur indirekt für den Bierbauch verantwortlich. Forscher der Universität Barcelona gingen dem Phänomen nach, dass spanische Biertrinker im Vergleich zu englischen seltener eine Wampe haben. Der Befund: Das Bier ist unschuldig. Es sind die Chips und fettigen Würstchen sowie die mangelnde Bewegung der Briten. Spanier essen zum Bier relativ kalorienarme Tapas. Trotzdem gilt: Wer zum Bier viel Kalorien futtert, wird auf Dauer dick. Wo sich die Pfunde ansetzen, ist aber individuell verschieden.

Manche Anhänger der Alternativmedizin glauben, dass sich Abfallprodukte des Stoffwechsels als sogenannte «Schlacken» im Körper ablagern und gesundheitliche Prob­leme verursachen. Verschlackung führe zu Cellulite, Falten, spröden Haaren, Krampfadern, Bandscheibenproblemen und einer ganzen Palette weiterer Beschwerden. Deshalb müsse man diesen Stoffen mit Tee, Hungerkuren oder Einläufen zu Leibe rücken. Bloss: Bisher ist es niemandem gelungen, die Existenz dieser Schlacken nachzuweisen. Kein Wunder, denn der Organismus scheidet die Endprodukte des Stoffwechsels über Niere, Darm, Lunge oder Haut aus – da bleiben keine «Abfälle» zurück.

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«Sitz gerade!» – diese Ermahnung hat viele durch die Kindheit begleitet. Die Forschung hat aber ergeben, dass aufrechtes Sitzen die Wirbelsäule stärker belastet, als wenn man zurückgelehnt im Stuhl fläzt. Diese Art Sitzen schont die Bandscheiben, wie der kanadische Radiologe Waseem Amir Bashir herausgefunden hat. Idealerweise bilden Ober- und Unterkörper einen 135-Grad-Winkel – eine Stellung zwischen Sitzen und Liegen.

Das stimmt nicht generell. Kartoffeln, grüne Bohnen oder Auberginen sind ungekocht sogar ungeniessbar. Sie enthalten Gift­stoffe, die erst Hitze unschädlich macht. Aber auch roh essbares Gemüse sollte man zuweilen kochen. Eine Studie der Universität Parma zeigt, dass wertvolle Inhaltsstoffe wie Vitamin C oder Polyphe­nole beim Erhitzen nicht zwangsläufig verloren gehen. Im Gegenteil: Bei Karotten, Zucchini und Broccoli stieg die antioxi-dative, also zellschützende Wirkung beim Garen, und der Körper konnte die Inhaltsstoffe besser aufnehmen. Wichtig ist, dass Gemüse und Früchte frisch konsumiert und wenn, dann schonend gegart werden.

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Auch wenn es das Wort nahelegt: Eine Erkältung bekommt man nicht, wenn man an kühlen Tagen ohne Jacke oder mit nassen Haaren draussen unterwegs ist. Englische Wissenschaftler wollten bis in die sechziger Jahre einen Zusammenhang zwischen Kälte und Erkältung nachweisen, indem sie Freiwillige in nassen Socken kaltem Wind aussetzten. Die Probanden erkälteten sich aber nicht. Das erstaunt nicht, denn wer erkältet ist, hat sich mit Viren angesteckt. Dass das vor allem im Winter geschieht, führen Forscher darauf zurück, dass sich die Menschen dann vermehrt in schlecht gelüfteten Räumen aufhalten und sich dabei auch näher kommen als im Sommer, wenn sie häufiger draussen sind.

Diese «Weisheit» hält sich hartnäckig, aber sie ist falsch. Für das Gewicht ist nicht entscheidend, wann man isst, sondern wie viel. Wer mehr isst, als er verbraucht, nimmt zu – ganz egal, zu welcher Tageszeit er sich die Überzahl an Kalorien zuführt. Eine zehn Jahre dauernde Studie in den USA mit mehr als 7000 Frauen und Männern hat gezeigt, dass es im Hinblick auf das Gewicht keinen Unterschied zwischen Früh- und Spätessern gibt. Im Mittelmeerraum etwa wird gern spät getafelt – und trotzdem ist der Anteil an übergewichtigen Erwachsenen im Süden nicht grösser als im Norden.

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