Seit vergangenem Mittwoch wissen viele unserer Politikerinnen und Politiker, was es geschlagen hat: Ihr Herz pumpt auf gefährlich hohem Niveau. Schuld sind weder SVP noch SP, sondern meist die Sünden im ganz privaten Leben.

Auf dem Bundesplatz in Bern blies die Schweizerische Herzstiftung zur «nationalen Blutdruck-Offensive». Im Rahmen der Kampagne legte sie zuerst Parlamentariern die Oberarmmanschetten um, danach Passanten. Es ist ein einfacher Gesundheitscheck, aber ein wirksamer.

In der ersten Juniwoche werden 800 Apotheken landesweit gratis Messungen anbieten. Sie sollten die Chance packen. Denn Bluthochdruck ist eine Volkskrankheit. Bei jedem vierten Erwachsenen in der Schweiz liegt er im roten Bereich, teils weit über dem Idealwert von 120/80. Jeder Siebte schluckt regelmässig Medikamente dagegen. Zunehmend muten bereits junge Leute unter 25 ihrem Herzen zu viel Arbeit zu.
In den allermeisten Fällen ist Übergewicht hauptverantwortlich für den ungesunden Druck in den Adern. Knapp 30 Prozent der Bevölkerung in der Schweiz sind heute übergewichtig, deutlich mehr als noch vor 20 Jahren. Junkfood und Bequemlichkeit sind Gift für unsere Lebensadern.

Die Folgen zahlt die Gesellschaft jährlich teurer, und sie können für den Einzelnen gravierend sein, wie unsere Titelgeschichte «Lautlose Gefahr» darlegt (siehe Artikel zum Thema «Arterielle Hypertonie: Ursachen für Bluthochdruck». Hypertonie gilt als wichtigster Risikofaktor für einen Hirnschlag. Zudem begünstigt ein zu hoher Blutdruck Herzinfarkt, Nierenschwäche, Arteriosklerose und vieles andere.

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Aber zur Panik besteht kein Grund. Wer sein Risiko kennt, kann etwas dagegen tun. In vielen Fällen sogar ohne Medizin. Ein paar einfache Rezepte stellen wir Ihnen in diesem Heft vor: Ernährung umstellen, Salzfallen wie Wurstwaren und zu viel Käse meiden, nicht rauchen, mehr zu Fuss gehen und Velo fahren.

Jeder weiss: Wer lauernde Gefahren früh erkennt und rechtzeitig Gegensteuer gibt, erspart sich einschneidende spätere Korrekturen. Doch die Krux banaler Weisheiten ist, dass sie so schwer umzusetzen sind. Solange die Rechnung für unser heutiges Verhalten erst morgen fällig wird, leben wir nur zu gern weiter wie bisher.

Wie gefährlich das ist, zeigt sich auf vielerlei Ebenen in unserer Gesellschaft: beim Klimawandel, in der Staatsverschuldung und aktuell auch in der Altersvorsorge. Sorglos wie übergewichtige Bluthochdruck-Patienten nehmen wir es etwa hin, dass «die zweite Säule systematisch ausgehöhlt» wird (siehe Artikel zum Thema «Renten: Pensionskassen zahlen zu viel»). Die Werktätigen bis 40 sparen nicht für sich selber, sondern für die Rentner. Das System zeigt Krankheitssymptome. Auch wenn der Patient äusserlich noch gesund erscheint, ist es Zeit zum Handeln. Je früher, desto besser.

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