In Deutschland mehren sich schwere Erkrankungen, die durch ein aggressives Darmbakterium ausgelöst werden. Der Erreger Enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC) kann blutigen Durchfall verursachen und bei Komplikationen zu Nierenversagen, Blutarmut und im schlimmsten Fall zum Tode führen. In Deutschland sind bereits mehrere Menschen – betroffen sind vor allem Frauen – verstorben, andere schweben in akuter Lebensgefahr.

Vertreter des Robert-Koch-Instituts in Berlin (RKI), der Aufsichtsbehörde des Gesundheitsministeriums, vermuten, dass der Erreger durch rohes Gemüse übertragen wird. Fleisch und Rohmilch schliessen die deutschen Experten als Quelle aus.

Die Schweizer Behörden sehen momentan keinen Handlungsbedarf. «Wir verfolgen die Entwicklung in Deutschland aber aufmerksam», sagt der BAG-Sprecher Jean-Louis Zurcher. Derzeit seien in der Schweiz keine ähnlich aggressiv verlaufenden Fälle bekannt. Die in diesem Jahr bisher erfassten 20 Fälle von EHEC-Erkrankungen bewegten sich im Rahmen des Üblichen. 50 bis 70 Fälle werden jährlich in der Schweiz registriert; schwere Verlaufsformen wie das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) treten normalerweise vor allem bei Kindern auf.

Natürlicherweise kommen EHEC-Bakterien im Darm und Kot von Rindern, Schafen und Ziegen vor. Die Tiere erkranken selber nicht daran. Die Erreger können aber auf den Menschen übertragen werden – durch verunreinigte Lebensmittel (rohes Fleisch, Rohmilch, Rohmilchprodukte, aber auch Gemüse), durch verunreinigtes Trink- und Badewasser oder beim direkten Kontakt mit infizierten Tieren oder Menschen.

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Besonders kritisch ist die Situation jeweils im Sommer. Denn hohe Temperaturen begünstigen die Ausbreitung der Keime. Im Hitzesommer 2003 etwa gab es eine ungewöhnliche Häufung schwerer EHEC-Fälle. BAG-Experten vermuten, dass das Unterbrechen der Kühlkette damals bei gewissen Lebensmitteln zu höheren Keimzahlen geführt hat. Einen weiteren Grund für die erhöhten Keimdichten vermuten sie in der starken Nutzung von Badegewässern (kleinen, stehenden Gewässern inklusive Kinderplanschbecken). Auch direkte Kontakte mit Tieren oder gedüngten Wiesen hätten zu einem Anstieg der Infektionen geführt.

So schützen Sie sich vor Ansteckung

  • Achten Sie auf eine gute persönliche Hygiene. Waschen Sie regelmässig die Hände, vor allem nach dem Gang auf die Toilette. Siehe dazu auch «Hände waschen».

  • Waschen Sie rohes Gemüse und Obst vor dem Konsum gründlich. Gekochtes Gemüse ist unbedenklich.

  • Waschen Sie die Hände nach dem Kontakt mit rohem Fleisch gründlich mit Wasser und Seife. Reinigen Sie die mit dem Fleisch in Kontakt gekommenen Messer, Bretter und Flächen ebenfalls gründlich.

  • Waschen Sie bei der Fleischzubereitung benutzte Lappen und Handtücher bei mindestens 60 Grad Celsius.

  • Lagern Sie rohes Fleisch getrennt von anderen Lebensmitteln.

  • Verwenden Sie beim Grillieren fürs Fleisch separate Bretter, Teller und Zangen.

  • Braten Sie Hackfleisch (Hamburger etc.) so weit durch, dass der Kern nicht mehr rosafarben ist.

  • Verzichten Sie auf das Zubereiten von Lebensmitteln, wann Sie an Durchfall erkrankt sind.

  • Kochen Sie Rohmilch vor dem Verzehr ab. Pastmilch und UHT-Milch gelten als sicher.

  • An Durchfall erkrankte Personen dürfen keine Lebensmittel zubereiten.


Aufgepasst beim Baden und beim Besuch von Bauernhöfen:

  • In Badeanstalten sollte das Wasser in Kinderplanschbecken ausreichend mit Chlor versetzt sein.

  • Beim Besuch von Bauernhöfen oder Streichelzoos gilt: So oft wie möglich Hände waschen, damit möglichst keine Keime von Tieren auf Kleinkinder übertragen werden.
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Symptome: das Krankheitsbild

Eine Infektion kann frei von Symptomen verlaufen. Andernfalls treten drei bis vier Tage nach einer Ansteckung Durchfall und starke Bauchkrämpfe auf, begleitet von Übelkeit und Erbrechen. Bei 10 bis 20 Prozent dieser Fälle entwickelt sich nach ein paar Tagen eine schwere Verlaufsform mit blutigem Durchfall und Fieber. Dabei zerstört das von den Bakterien produzierte Verotoxin die Zellen der Darmwand und der Blutgefässwände.

Gefürchtet ist das vor allem bei Kindern vorkommende hämolytisch-urämische Syndrom (HUS), wobei Nieren, Blutgefässe und Blutzellen angegriffen werden. Diese schwere Komplikation tritt in etwa fünf bis zehn Prozent der symptomatischen EHEC-Infektionen auf und ist der häufigste Grund für akutes Nierenversagen im Kindesalter. Trotz intensiver Behandlung enden zirka fünf Prozent der HUS-Fälle tödlich und in 20 Prozent bleibt eine Nierenschädigung zurück.

Eine Bekämpfung des Erregers durch Antibiotika ist nicht erfolgversprechend, da schnell Resistenzen auftreten, die Ausscheidung der Bakterien verlängert oder der Krankheitsverlauf durch eine erhöhte Toxinbildung verschlimmert werden kann.

Beim Menschen erfolgt die Ausscheidung der Bakterien typischerweise in einem Zeitraum von 5 bis 20 Tagen, kann sich vor allem bei Kindern jedoch auch über mehrere Monate erstrecken. In dieser Zeit ist eine Ansteckung weiterer Personen möglich. (BAG)

EHEC-Patient: Erfahrungsbericht

Lesen Sie auch den Erfahrungsbericht eines EHEC-Patienten.

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