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Extra AllergienSo können Sie tief durchatmen

12'000 Liter Luft atmen wir täglich ein, 600 Tonnen Raumluft kommen im Laufe unseres Lebens zusammen. Was atmen wir da ein?

Pflanzen können sich positiv auf die Raumluft auswirken. Aber Vorsicht: längst nicht alle.
von aktualisiert am 16. März 2018

Vermutlich gibt es so viele Definitionen von guter Luft, wie es Menschen gibt. Oder fast. Für eine Frau mit Heuschnupfen ist die Absenz von Pollen Heuschnupfen Allergiker zwischen den Pollen wichtig, für einen Asthmatiker sollte die Luft möglichst frei von Feinstaub sein. Menschen mit Hautproblemen oder Kontaktlinsenträgerinnen sind froh, wenn das Raumklima nicht allzu trocken ist.

Das, was wir allgemein unter sauberer Luft verstehen, ist frei von Verunreinigungen und gesundheitsschädigenden Stoffen. Oder eher: Sie enthält von beidem nicht mehr, als diverse und je nach Land unterschiedliche Richtwerte festlegen. Chemisch gesehen besteht saubere Luft zu 78 Prozent aus Stickstoff, zu 21 Prozent aus Sauerstoff, zu 0,93 Prozent aus Edelgasen und zu 0,03 Prozent aus Kohlendioxid. Sie hat weder Farbe noch Geruch.

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Hinter jeder Ecke lauern potenzielle Schadstoffe

Neun Zehntel seiner Lebenszeit verbringt der moderne Mensch in Innenräumen. Die Luft dort ist nicht nur für unser Wohlbefinden entscheidend, sondern auch für unsere Gesundheit.

Doch hinter jeder Ecke lauert ein Faktor, der je nach unserer erblichen Vorbelastung, Konstitution oder auch momentaner Verfassung ein Problem sein oder werden kann. Die Liste derjenigen Stoffe, die unsere Gesundheit schädigen, wenn wir sie regelmässig in zu hoher Konzentration einatmen, ist schier endlos. «Alleine im Tabakrauch könnten in Messungen an die 4000 solcher Schadstoffe nachgewiesen werden», sagt Thomas Zünd von der Beratungsstelle «Gesunde Luft» von Lunge Zürich, der früheren Lungenliga.

Pflanzen für ein gutes Raumklima

Efeu
Einblatt
Gruenlilie
Baumfreund
Birkenfeige
Bogenhanf
Chrysantheme
1/8
Der Baumfreund kann besonders gut Benzol (krebserregend), Formaldehyd (allergie- und krebserregend) und CO2 (verursacht Atemprobleme) abbauen.

Entsprechend gibt es diverse Bestimmungen dazu, welche Grenzwerte nicht überschritten werden dürfen: Die Luftreinhalteverordnung des Bundes regelt die Höchstwerte gewisser Schadstoffe in der Aussenluft, die zulässigen Schadstoffe am Arbeitsplatz definiert die Suva, und schliesslich gibt auch die Weltgesundheitsorganisation WHO eine Liste der Schadstoffgrenzwerte für Innenluft heraus.

Doch alle Regulierungen nützen nichts, wenn die Grenzwerte nicht eingehalten oder wenn sie einfach hinaufgesetzt werden, sobald sie zu oft überschritten werden. Sie nützen aber auch nichts, wenn Menschen auf Stoffe reagieren, die eigentlich harmlos wären. Davon kann der Zürcher Architekt Andreas Zimmermann ein Lied singen, der in Zürich-Leimbach im Auftrag der Stadt 15 Wohnungen für Menschen mit starken Allergien gebaut hat. So konnte er zum Beispiel kein Holz verwenden, obwohl Holz schon fast ein Symbol für Natürlichkeit ist: Da es ätherische Öle enthält, kann es Allergien auslösen.

Ein optimales Raumklima hat zwischen 30 und 50 Prozent Luftfeuchtigkeit, die optimale Wohntemperatur liegt zwischen 19 und 22 Grad und im Schlafzimmer sind 18 Grad ideal.

Zu trockene Luft kann schaden – aber auch zu feuchte

Doch nicht nur in der Luft vorhandene Schadstoffe sind für den Menschen ein Problem, sondern auch Luft, die zu trocken oder zu feucht ist. Zu trockene Luft ist schlecht für Schleimhäute, Atemwege und Haut, zu feuchte kann zu Schimmelbefall führen. Das ist nicht nur unappetitlich und hässlich: Schimmelsporen in der Luft können ihrerseits wieder Allergien auslösen. Zu feuchte Luft kann von falsch eingestellten Luftbefeuchtern kommen, aber auch von falschem oder ungenügendem Lüften. Zu trockene Luft entsteht oft in Minergiehäusern, Grossraumbüros und Schulzimmern. Ideale Luft hat zwischen 30 und 50 Prozent Feuchtigkeit.

Man müsse halt gut lüften Lüften Mit dem Schimmel kommt der Zoff , hört man immer wieder. Doch auch hier gilt: Was für die einen gut ist, kann den anderen schaden. So sollten Heuschnupfenpatienten im Frühling das Fenster eher zu lassen, sonst kommen alle Pollen herein und setzen sich nicht nur in den Schleimhäuten, sondern auch im Teppich, in Kleidern, Vorhängen und auf Möbeln fest.

Ein verbreiteter Irrglauben ist auch derjenige, dass jede Pflanze Wohnklima Pflanzen gegen dicke Luft gut sei fürs Innenklima. So stellen viele Leute in Büroräumen in bester Absicht Gummibäume auf - nur um festzustellen, dass jetzt noch mehr Mitarbeiter als vorher husten und sich die Augen reiben. Kein Wunder: Der Gummibaum ist hochgradig allergen; in Europa ist jede und jeder Fünfte allergisch auf die winzigen Fusseln, die sich permanent von seinem Stamm lösen.

Es ist also alles nicht so einfach. Der Gummibaum mag der Seele gut tun, kann aber im schlimmsten Fall einen lebensgefährlichen allergischen Schock auslösen. Lüften hilft denjenigen, die keinen Heuschnupfen haben. Relativ feuchte Luft sorgt für glückliche Haut, kann aber Schimmelbefall zur Folge haben. Räucherstäbchen, die so gut riechen und beim Meditieren helfen, sondern Feinstaub ab. Und Duftbäumchen im Auto, die üble Gerüchte so praktisch überdecken, können bei empfindlichen Menschen Hustenanfälle und rote Augen zur Folge haben. Am Schluss hilft wohl nur das Wissen darüber, was einem persönlich nützt oder schadet. Und dann einmal ganz tief durchatmen.

Grünpflanzenverbot in Grossraumbüros ist kontraproduktiv. Es gibt sehr viele Pflanzen, die zu einem guten Raumklima beitragen. Ausserdem solche, die die Luft reinigen können, die CO2 abbauen oder Ozon. Andere sind gut fürs Schlafzimmer, weil sie vorwiegend nachts CO2 aufnehmen. Das ist wissenschaftlich belegt. Wer den ganzen Tag im pflanzenlosen, trockenen Grossraumbüro sitzt, kann nicht sehr viel tun - ausser versuchen, am Abend und am Wochenende zu kompensieren und möglichst viel an die frische Luft zu gehen.

Ist die Luft zu trocken, leiden Atemwege, Haut und Schleimhäute. Das ist kurzfristig unangenehm und kann langfristig zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen. Gegen zu trockene Raumluft helfen folgende Massnahmen:

  • Räume nicht überheizen
  • Belastung mit Staub und Reizstoffen vermindern, weil staubige Luft als noch trockener empfunden wird und Haut und Atemwege noch mehr reizt
  • die richtigen Pflanzen aufstellen
  • Luftbefeuchter einsetzen. Lunge Zürich rät von Geräten ab, die nach dem Zerstäubungsprinzip funktionieren, weil diese Bakterien, Amöben und Schimmelpilze verteilen können. Ratsamer sind Verdunster, wenn deren Filter regelmässig gewechselt werden, sowie Verdampfer. Letztere erhöhen die Luftfeuchtigkeit rasch, brauchen allerdings auch viel Strom.

Ist die Luft zu feucht, kann es Schimmelbefall geben. Der kann zu Asthma führen oder zu chronischer Bronchitis. Dann ist nicht die Feuchtigkeit an sich schlecht, sondern der Schimmel. Wenn ein Luftbefeuchter eingesetzt wird, aber die Feuchtigkeit nicht kontrolliert wird, kann zu hohe Luftfeuchtigkeit entstehen. Es kann sie auch im Badzimmer geben, wenn nicht gelüftet wird.

Auch die Raumtemperatur hat einen Einfluss aufs Raumklima. Die ideale Temperatur fürs Wohnzimmer liegt gemäss Lunge Zürich bei 19 bis 22 Grad, nachts im Schlafzimmer genügen 18.

Wer am Morgen oft Kopfschmerzen hat, sollte versuchen, mit offenem Fenster zu schlafen. Auch Sitzungs- oder Schulzimmer, in denen sich viele Menschen aufhalten, gehören regelmässig gelüftet. Denn dann reichert sich wegen des hohen Sauerstoffverbrauchs Kohlenstoffdioxyd in der Luft an und sorgt dafür, dass uns nicht mehr wohl ist - die Luft wird stickig und sauerstoffarm. Wir werden müde und bekommen Kopfschmerzen.

Richtig lüften. Lieber stosslüften, also drei- bis fünfmal pro Tag für fünf bis zehn Minuten die Fenster auf allen Seiten eines Raumes richtig öffnen, als den ganzen Tag über die Fenster schrägstellen. Das hilft der Luftqualität wenig, generiert aber im Winter höhere Heizkosten. Auch bei Regen, Schnee und Nebel lüften. Idealerweise lüftet man mindestens vor dem Zubettgehen und nach dem Aufstehen, plus nach Baden, Duschen, Bügeln und Kochen.

Wer Luftreiniger einsetzen möchte, sollte gemäss Lunge Zürich auf ein Filtergerät setzen (und den Filter auch regelmässig ersetzen). Von Luftwaschgeräten, die mit Wasser arbeiten, rät die Fachstelle ab: Wechselt man das Wasser nicht oft genug, werden Bakterien und Schadstoffe verteilt - so schaden sie mehr, als sie nützen. Auch von Ionisationsgeraten rät Lunge Zürich ab: Diese Geräte produzieren geladene Ionen, an die sich Staubpartikel in der Luft binden. So sinken die Staubpartikel zu Boden und können dort besser entfernt werden. Allerdings bilden diese Geräte Ozon, weshalb sie nicht empfehlenswert sind.

Besonders gefährliche Schadstoffe

Folgende Luftschadstoffe gelten gemäss Lunge Zürich als für den Menschen besonders schädlich:

  • Benzol (entsteht durch Strassenverkehr und Rauchen)
  • Formaldehyd (entsteht durch Rauchen, Stoffimprägnierung, künstliche und behandelte Holzprodukte)
  • Radon (natürliche Quelle, problematisch bei Häusern ohne gasdichte Bodenplatten)
  • Nanopartikel (entstehen durch Rauchen, Holzheizungen, Strassenverkehr und Nanoprodukte)
  • Weichmacher (Ausdünstung von Kunststoffprodukten)
  • Feinstaub (entsteht durch Strassenverkehr, Holzheizungen, Drucker, Kopierer und andere elektrische Geräte. Drucker und Fotokopierer sollten deshalb in gut belüfteten Räumen stehen)
  • Asbestfasern
  • verschiedene Schimmelpilz-Gifte

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Jasmine Helbling, Online-Redaktorin

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Infografik: Andrea Klaiber
Quellen: Lunge Zürich, BAG