Die 13-jährige Elissa Staub hat Post vom Bündner Kantonsarzt Martin Mani erhalten. «Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs» steht im Betreff. «Ich als Kantonsarzt empfehle Ihnen auf jeden Fall, die Impfung durchführen zu lassen», schliesst der Brief. «Zwar findet sich im Kuvert ein weiteres Infoschreiben an die Eltern», sagt Tamara Martin Staub, Elissas Mutter, «aber ich finde es unverantwortlich, bei Kindern die Angst vor Krebs zu schüren.»

Der Brief ging an alle rund 10'000 11- bis 19-jährigen Mädchen im Kanton. Dabei ist die Impfung umstritten. Auch Christoph König, Gynäkologe und ursprünglich Kämpfer für die Impfung, distanziert sich heute. «Ich würde meine Tochter nicht mehr impfen», sagte er unlängst im «Tages-Anzeiger». Zwar trügen 70 bis 80 Prozent der sexuell aktiven Frauen irgendwann das Virus in sich, das Gebärmutterhalskrebs auslösen kann, erklärt König. Doch mit Vorsorgeuntersuchungen und minimalsten Eingriffen lasse sich der Ausbruch meist verhindern. Zudem ist unklar, wie lange der Schutz anhält - das Bundesamt für Gesundheit geht von fünf Jahren aus.

Von Angstmacherei will Amtsarzt Mani nichts wissen. «Wir setzten den Beschluss des Regierungsrats für eine Impfkampagne um und haben uns dazu die Adressdaten der betroffenen Bevölkerungsgruppe bei der Einwohnerkontrolle besorgt», sagt er. «Der Aufwand war aber zu gross, auch noch die Namen der Eltern herauszusuchen.» Zudem würden Kinder bereits mit zwölf Jahren als urteilsfähig gelten und somit genau genommen nicht einmal die Unterschrift der Eltern brauchen.

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