Um zu verhindern, dass resistente Keime in die Schweiz gebracht werden, rät das Bundesamt für Gesundheit (BAG) dringend, auch beim Sex im Ausland konsequent Präservative zu verwenden.

Beobachter: Roger Staub, Geschlechtskrankheiten wie die Syphilis, Chlamydien und Tripper (Gonorrhoe) haben in den letzten Jahren in der Schweiz zugenommen. Warum?
Roger Staub: Wir kennen die Ursache nicht.

Beobachter: Was vermuten Sie?
Staub: Wir gehen davon aus, dass die Leute häufiger ungeschützten Sex praktizieren.  Und wegen der Love-Live-Kampagne scheinen sie häufiger zum Arzt zu gehen.

Beobachter: Die aktuellen Zahlen zeigen besonders beim Tripper einen starken Anstieg.
Staub: Wir beobachten diesen Trend bereits seit einigen Jahren. Er verläuft linear, ohne grössere Schwankungen.

Beobachter: Tripper galt bisher als gut behandelbar. Die WHO warnt nun vor resistenten Bakterienstämmen, bei denen eine Behandlung mit Antibiotika wirkungslos bleibt. Ist die Schweiz betroffen?
Staub: Das wissen wir nicht.

Beobachter: Versuchen Sie es herauszufinden?
Staub: Das BAG unterhält regelmässige Kontakte mit den zuständigen medizinischen Fachgesellschaften für Dermatologie und Venerologie sowie Infektiologie. Wenn sich Schweizer im Ausland mit solchen Stämmen infizieren, haben wir dieses Problem auch in unserem Land. Gestützt auf den Austausch mit Ärzten gehen wir aber davon aus, dass dies bisher noch nicht der Fall ist.

Beobachter: Was unternimmt das BAG gegen die Ausbreitung der Geschlechtskrankheiten?
Staub: Wir haben die Problematik der anderen sexuell übertragbaren Infektionen wie Syphilis, Chlamydien und Gonorrhoe in unser nationales Programm 2011 bis 2017 aufgenommen. Ausserdem haben wir die dritte Safer-Sex-Regel mit unserer Kampagne beworben: «Wenns juckt oder brennt, dann bitte zum Arzt.»

Beobachter: Für diesen Slogan erntete das BAG Kritik bei Medizinern, sie weisen darauf hin, dass die Geschlechtskrankheiten bei einem Teil der Infizierten symptomlos bleiben.
Staub: Wir werden immer für irgendetwas kritisiert. Dass sexuell übertragbare Krankheiten bei manchen Patienten asymptomatisch verlaufen, ist dem BAG bekannt. Wenn aufgrund unserer Kampagne alle zum Arzt gehen, die Symptome haben, ist das bereits ein erster und sehr wichtiger Schritt. Mit der Love-Live-Kampagne 2012/13 lancieren wir im Oktober den nächsten Schritt.

Roger Staub  ist stellvertretender Leiter der Abteilung übertragbare Krankheiten im Bundesamt für Gesundheit.