In vier Tagen gab es sechs vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) bestätigte Masern-Fälle. Drei im Kanton Wallis, zwei im Kanton Neuenburg und einen im Kanton St. Gallen; weitere werden noch abgeklärt. Unter allen Ansteckungen sind nicht nur Kinder, sondern auch zwei nichtgeimpfte Erwachsene, weshalb man beim Bund sehr beunruhigt ist, da es sich jeweils um Betreuungspersonen von Kindern handelt: «In solch einer Umgebung können noch viele weitere Kinder angesteckt werden», so Daniel Koch vom BAG. «Gefährlich werden kann dies vor allem für Babys, die noch nicht geimpft sind oder für vulnerable Personen, Menschen, deren Immunsystem erkrankt ist und eine Impfung nicht wirkt.»

Masernfreie Schweiz?

Eine masernfreie Schweiz bis Ende 2015: Das war das Ziel der Maserneliminations-Strategie, die der Bundesrat zusammen mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im November 2011 verabschiedet hat. Geklappt hat dies nicht. Als einen Grund dafür nennt das BAG die tiefe Durchimpfungsrate. Um die Masern wirklich auszurotten, müsste eine Rate von 95 Prozent erreicht werden.

Was sind Masern?

Die ersten Anzeichen von Masern sind Schnupfen, gefolgt von Husten und einer Entzündung der Augen (Bindehautentzündung). Nach einigen Tagen steigt das Fieber und rote Flecken (Exanthem) erscheinen im Gesicht und erstrecken sich nach und nach über den ganzen Körper. Eine spezifische Behandlung gegen die Krankheit gibt es nicht; es können lediglich die Symptome gelindert werden. Bei rund zehn Prozent der Kinder führen Masern zu ernsthaften Komplikationen, die einen Spitalaufenthalt zur Folge haben können. Die häufigsten Komplikationen sind Mittelohrentzündung und Bronchitis, in selteneren Fällen treten schwerere Komplikationen wie Lungenentzündung oder Hirnhautentzündung auf. Trotz bester ärztlicher Versorgung in Europa verläuft die Krankheit bei einem von 3000 Kindern tödlich. Bei Schwangeren besteht bei einer Ansteckung das Risiko einer Fehlgeburt. 

Die Impfung

Der MMR-Impfstoff schützt vor Masern, Mumps und Röteln und wird seit über 30 Jahren verwendet. Empfohlen sind zwei Dosen: erstmals im Alter von 12 Monaten und eine zweite im Alter von 15 bis 24 Monaten (bei Kindern, die in Krippen gehen, kann bereits mit 9 Monaten die erste Impfung erfolgen und die zweite mit 12 bis15 Monaten).

Eine Nachholimpfung wird allen empfohlen, die nach 1963 geboren und weder geimpft sind, noch die Masern hatten oder unvollständig geimpft sind. Der Schutz währt bei den meisten vollständig geimpften Personen lebenslänglich. Der MMR-Impfstoff enthält weder Wirkverstärker (Adjuvans), Quecksilber noch Aluminium. Die MMR-Impfung wird in der Regel durch die Grundversicherung gedeckt.

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Die Nebenwirkungen des MMR-Impfstoffs sind heute gut bekannt. Sie sind mild, von kurzer Dauer und können in Form von Fieber und roten Hautflecken auftreten. Allergische Reaktionen und Krämpfe sind sehr selten der Fall. Bei einer Million geimpften Personen kann ein Fall von Hirnhautentzündung auftreten, was 1000 Mal weniger häufig ist als bei der eigentlichen Krankheit. 

Sich impfen zu lassen, sei ein Akt der Solidarität, so das BAG: Man schütze damit nicht nur sich selbst, sondern auch jene, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können oder deren Impfschutz nicht ausreichend ist. Dies betrifft vor allem Kinder unter 12 Monaten, Schwangere sowie Menschen mit Immunschwäche. Zudem lasse sich mit einer Impfung vermeiden, dass die Masern in Länder exportiert werden, in denen sie bereits eliminiert waren.

Warum die Masern eliminieren?

Eine Elimination der Masern brächte sowohl Vorteile in menschlicher wie auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Einerseits liesse sich Leiden im Zusammenhang mit der Krankheit und ihren Komplikationen verhindern, so das BAG, anderseits liessen sich Kosten einsparen, die jedes Jahr durch Arztbesuche, Spitalaufenthalte, die Betreuung kranker Kinder und kantonale Massnahmen zur Eindämmung von Ausbrüchen entstünden.

Die Elimination der Masern schütze nicht nur die geimpften Personen, sondern auch all jene, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen könnten (Säuglinge, schwangere Frauen oder Menschen mit einer Immunschwäche) oder bei denen die Impfung nicht erfolgreich war.

Quelle: Bundesamt für Gesundheit (BAG)